Eine stille Woche liegt hinter uns.
Still allerdings nur im Blog.
Das wahre Leben war anstrengend und beanspruchend. Tage die ich zwischen Kochtöpfen, Wickelmatte und Bilderbüchern zugebracht habe. Beim Versuch vielmehr, Essen zu machen oder mich richtig um meine Kinder zu kümmern, was mir beides irgendwie nur halbpatzig gelang, jedenfalls fühlte es sich so an, weder Fisch noch Vogel und so gar kein Erfolg. Weder das Haus noch meine Kinder hatten mich ganz für sich, denn eins kollidierte immer mit dem jeweils anderen, und die meiste Zeit über schaukelte ich sowieso ein zahnendes Baby oder sass am Bett eines kranken Pausbackenkindes, dessen junger Körper seit bald einer Woche mit irgendwelchen Viren herumkämpft, mal Bauchweh hat, mal Kopfschmerzen, aber immer hohes Fieber und keinen Appetit.
Ich dachte eigentlich gestern, das Ganze sei jetzt endlich überstanden, doch heute stieg das Fieberthermometer wieder auf 39.5 Grad und im Bauch grummelte es bereits wieder.
Meine Nächte mögen schlecht sein, aber besser als auch schon, doch jeden Morgen weckt mich der Wecker, als sei es mitten in der Nacht. Ich fühle mich ausgelaugt und unter Strom, was eine sonderbare Mischung ist, ein wenig wie auf Drogen, nehme ich an, aber ich nehme nie welche (oder zählt Kaffee auch?).
Mir fehlen diese Momente, in denen man die Füsse von der Sofakante baumeln lassen kann und es einem nicht reut, fünf, zehn Minuten lang einfach bloss gedankenverloren vor sich hinzustarren, die Orchideen im Bad zu wässern oder sich die Nägel zu lackieren.
Mir sind zehn Minuten schrecklich kostbar. Ich lackiere gar nichts, frisch gewaschene Haare sind bereits das Nonplusultra an Selbstpflege, obwohl ich es tatsächlich schaffe, jeden Tag für einen kurzen Augenblick unter die Dusche zu hüpfen. Die Duschscheibentüren sind gnadenlos durchsichtig, was grossartig ist, denn das Babykind findet es spannend, wie es spritzt und plätschert und mein verschwommener Körper sich hinter der beschlagenen Plexiglaswand bewegt. Er zappelt und guckt, kann sich kaum sattsehen. Bevor es ihm langweilig wird, bin ich auch schon wieder draussen, lache und kitzle ihn am Kinn.
Seit dieser Woche trage ich ihn übrigens auf der Hüfte. Er ist gross geworden, der Kleine. Gross und noch dicker. Esse ich einen Apfel, ohne ihn daran lutschen zu lassen, wird er wütend und entrüstet sich mit jammernden Klagelauten, die so süss klingen, dass ich ihn knuddeln muss. Ich hatte ganz vergessen, wie es ist, ein Baby zu haben. Wie anstrengend. Wie schön. Wie sehr man sich freut über alles und nichts, über jede Kleinigkeit, die anders wird. Und wie sehr man das Vergangene betrauert. Eigentlich sollte es ja mein letztes Kind sein. Aber niemals war mir dieser Gedanke unwirklicher als jetzt.
Mein Mann und ich konnten heute sogar die Gartenwege fegen. Der Sturm vergangener Tage hat Tannenäste, Zapfen und haufenweise Nadeln herunter geblasen und es gab viel zu tun. Im Nachbarsgarten fällte der Wind einen Baum, auf der klitzekleinen, mit einem Holzzaun eingefriedeten Kindergarten-Wiese landete ein ganzes Trampolin mit Netz, das vom Sturm irgendwo gepflückt, durch die Luft getragen und direkt vor dem Kindergarten wieder abgeladen wurde. Man muss sich das einmal vorstellen. Bei geschlossenem Gartentürchen!
Während unserer ganzen Fegerei, sass mein Babykind zufrieden und bis über beide Ohren dick eingepackt in seinem Buggy bei uns im Garten und sah uns beim Arbeiten zu. Bisher kam er mir verloren vor ausserhalb meiner Arme. Schutzlos. Nicht am richtigen Ort. Jetzt aber spüre ich, dass er bereit ist, sich mehr und mehr dem zuzuwenden, was um ihn herum geschieht. Zu beobachten, wie ich darin agiere, werke und wirke und sein eigene Position im Geschehen zu erforschen.
Meine Kleinste legte sich ebenfalls mächtig ins Zeug. Sie wedelte mit dem Besen durch den Garten, dass es nur so stäubte und meinte mit hochroten Backen: „Gell, ich bin eine gute Hausfrau?“
Und jetzt, jetzt bin ich müde. Vorgestern habe ich den dritten Teil der Artus-Saga in einem fantastischen Hörspiel zuende gehört, heute abend werde ich den Geschichten des „kleinen Hobbits“ lauschen. Ich freue mich darauf. Sehr. Fremde Welten, kleine Fluchten und das Halbdunkel der Nacht, das mich umwabert, während ich die Nadeln klappern und einen kleinen, blauen Pullover wachsen lasse…

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