„Gestern und vorgestern lag ich mit Fieber im Bett- zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen. Das ist untypisch für mich. Normalerweise haben es Viren und Co. schwer, mich zu erwischen. Doch scheinbar ist mein Körper nicht in seiner Bestform.
Ganz anders meine Seele: es geht mir rundum gut zur Zeit. Ich bin so glücklich mit meinem Baby und unsagbar dankbar für den Frieden der eingezogen ist in unserer Haus. Natürlich gibt es nach wie vor diese kleinen Spannungen zwischen den Geschwistern, Kinderzank und ab und zu schwache Momente aus meiner Richtung. Doch sie kommen und vergehen und an sich fühle ich mich innerlich stark und ausgeruht und dem Leben gewachsen.
Es ist eine schöne Zeit. Eine gute und goldene Zeit.
Obwohl ich adventsmässig vollkommen aus der Reihe tanze hier bei Instagram. Ich habe nämlich weder Adventskranz, noch selbstgebackene Weihnachtskekse vorzuweisen und die Gritibänzen gestern hab ich meinen Zweitgeborenen im Dorfladen kaufen lassen. Ich fühle mich ein wenig schlecht deswegen. Weil ich vieles nicht zustande bringe, was andere aus dem Ärmel schütteln.
Aber dann wieder spüre ich in mich hinein und versuche mir Mut zuzusprechen: Nicht die Dinge, die ich mache, bringen Glück ins Haus. Nicht ein vorzeigbares Haushalt oder ein tadelloses Aussehen.
Was in mir ist, zählt. Was ich ausstrahle und weiterschenken kann. Wenn das Friede und eine gewisse heitere Gelassenheit sein dürfen- für jetzt zumindest, denn ich weiss, diese Momente sind sehr gefährdet und kostbar- dann bin ich mehr als glücklich und dankbar.“

Mein Liebster und die vier jüngeren Kinder sind soeben aus dem Haus und drehen ein paar Runden durch den Wald.
„Ich räume dann mal auf hier“, hab ich zum Abschied gesagt und sogar das Winken ausgelassen, denn es sieht schaurig aus hier, vollkommen zerlumpt und zerbröselt und als hätte eine Horde Kobolde hier gewütet (die wilde Sorte, nicht die heinzelmännerische). Aufräumen wäre wirklich angesagt. Dringendst.
Aber dann fiel mir meine Kamera in die Hände, mit den gut 30 Fotos, die ich noch geknipst hab‘, bevor ich meinen kleinen Babyjungen in seine neue, braune Wollhose gepackt und dem Papa in die Arme gelegt habe. Hübsche Fotos sollte es geben. So ein wenig Instagram-tauglich und erinnerungswürdig, wie man es sich eben wünscht, wenn man etwas, was einem am Herzen liegt und woran man eine ganze Weile lang hart aber herzlich, mit viel Liebe und Fingerarbeit gestrickt hat, für die Ewigkeit festhält.
Leider wurde keines meiner Bilder so richtig… nun ja… schön.
Bis auf mein Küken darauf. Das sieht immer süss aus. Wenn auch so ziemlich müde; mein Kleiner kränkelt seit bald 3 Wochen, ist verschnupft und verhustet und einfach nicht wirklich vital. Aber süss. In meinen bis über beide Ohren verliebten Mama-Augen zumindest.

Nach meinen Tagen im Krankenbett empfing mich unser Zuhause natürlich mit vollen Armen: überall Geschirr, Windeln, die Papierschnipsel plus andere Hinterlassenschaften unserer Schneestern-Scherenschnitt-Session, in der wir gerade steckten, als dieser sonderbare Grippevirus mich wieder am Schlafittchen fasste. Natürlich sollte ich jetzt Besen und Papierkorb fassen, die Ärmel hochrollen und mal wieder herzhaft durchgreifen, aber dieser Blogpost hier fühlt sich schlichtweg dringlicher an für mich.
Ich liebe diesen Ort hier. Eure Kommentare. Den Frieden und die Langsamkeit, diese völlig andere Stimmung, die sich so sehr unterscheidet vom der trubeligen Heiter-Hektik bei Instagram.
Trotzdem zitiere ich ganz oben in diesem Post mich selbst. Mich selbst aus meiner Insta-Ecke. Wo ich irgendwie auch gerne bin. Einfach weil ich so fliessend und einfach zwischendurch hineinflitzen kann, ein paar Worte dalassen und auch ein Bild *knipsknips*- und schon bin ich wieder draussen. In meinem Alltag. Beim Schnupfennasenbaby, meiner Rasselbande und anderen Realitäten.
Es stimmt schon, was ich dort neulich verzapft habe: Ich bin gerade rundum glücklich. All den schnöden Wehwehchen und den blöden Fettnäpfchen, die hald jeder normale Menschentag so für einem bereit hält, zum Trotz. Ich habe mein Kleines im Arm, das beim Grinsen sein süsses Mäulchen von einer Backe zur anderen zieht und wie wild mit Ärmchen und Beinchen zappelt dabei- und bin einfach nur glücklich.
Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet.
Nicht mit so viel innerem Frieden. So viel Liebe. So viel Glück.
Die Schwangerschafts-Monate waren unbeschreiblich. Schlimm. Und schlimmer. Eigentlich am schlimmsten. Ich hatte das Freuen praktisch verlernt in dieser Zeit.
Aber dieses kleine Wesen… ist all das wert. Das Leiden und Hadern und Mich-in-Sorgen-Zerfleischen. Das. Und noch viel mehr. Ich glaube, es gäbe nichts, was ich für mein Babykind nicht tun würde…
Was für ein Segen, dieses Kind.

Ich weiss, dass sich Liebe und Dankbarkeit nicht in Maschen umwandeln lassen. In Küsse und Umarmungen und ganz viel liebe Worte, die ich meinem Jungen mit unglaublich doofer Quietschestimme ins Ohr säusle vielleicht, aber in Strickmaschen? Trotzdem dürft ihr mir glauben, dass genau in diese braune Latzhose hier ein ganzes Herz an Liebe und Freude hineingeflossen sind, Masche für Masche, während ich strickend im Halbdunkeln im Bett sass, ein wenig „Coal Valey Saga“ guckte und mein Baby leise atmend neben mir schlafen hatte. Einen kleinen Schock der Liebe überall in mir, jedes Mal, wenn mein Blick auf seine roten Backen und das immer kahler werdende Flauscheköpfchen mit den dunklen Haaren fiel.
Das klingt alles so kitschig, nicht wahr?
Aber das Leben darf auch mal kitschig sein.
Ich für meinen Teil mochte Kitsch schon immer gern.


Mit der Hose bin ich auch nicht unglücklich. Sie ist gestern fertig geworden. Im Krankenbett konnte ich wunderbar Fäden vernähen und Knöpfe anheften. Jetzt hat mein Kleiner eine wollige Umarmung mehr, die ihn morgens in der Winterfrühkälte auffängt, wenn es so hart ist, das warme Bett zu verlassen. Es freut mich, dass seine Füsschen sich dank ungekrempelten Bündchen gleich ein wenig mitwärmen lassen, bis ich den zweiten Babyfinken auch noch gefunden habe, und dass die Söckchen bei den eng (aber komfortabel!) anliegenden Bündchen so wunderbar am Fuss halten. Auch der Oberkörper bleibt schön warm verpackt, der runde Knubbelbauch anschmiegsam umhüllt, ganz ohne drückende Gummibänder oder Kordelzug.
Hach, ich liebe diese Hose. Das Strickmuster aus dem „Mama-Baby-Strickbuch“ von Ela ist mir dermassen ans Herz gewachsen, ich könnte es endlos stricken und wäre jedes Mal von neuem beseelt. Vom Zauber einer schlichten, warmen Hose, in dem ein Bündelchen Leben steckt.
Das Garn ist -genau wie beim letzten Mal- 150 gr. der wunderbaren „Cotton Merino“ von Drops, die ich einfach immer wieder gern in den Händen habe. Sie kratzt auch ganz, ganz ehrlich kein bisschen auf der Haut. Für die anliegenden Bündchen habe ich mit feineren Nadeln gearbeitet als beim Rest der Hose, also mit Nadelstärke 3.5. Zusätzlich zu den verbesserten Fehlern in der Anleitung habe ich auch hier die Knopflöcher weiter nach aussen verschoben (3 Maschen vom Rand entfernt) und ein bisschen mehr Krausrippen unter und über der Knopflochreihe gestrickt. Hier kann man wunderbar spielen, Reihen ansetzen oder weglassen, ganz wie man möchte.

Es ist schon so, wie ich bei Instagram geschrieben habe: Ich lasse viele meiner Wunsch-Punkte von der To-do-Liste fallen. Weil mir schlichtweg die Zeit fehlt dazu. Oder weil ich es nicht über mich bringe, dieses kleine Kerlchen länger als nötig sich selbst zu überlassen. Ich möchte ihn ganz bewusst begleiten und wahrnehmen. Mit allen Sinnen. Mit übervollem Herzen. Ihn nach Strich und Faden verwöhnen und begluckern.
Natürlich geht stricken daneben nur schwer.
Aber dafür habe ich gleichzeitig einen der schönsten und sinn-vollsten Gründe, um trotzdem zu stricken, dann eben, wenn es passt und gut tut. Für ein Baby zu stricken gehört doch zum Schönsten, was es gibt im Handarbeitskreislauf, oder?

PS. Leider, leider, leider hat genau diese Strickanleitung a) ein paar Fehler (mehr dazu hier) und ist b) sowieso vergriffen, doch ich denke, es gibt bei Ravelry oder Drops bestimmt ähnlich hübsche, einfache Anleitungen zu entdecken. Wenn jemand mir einen Link zu seiner Lieblings-Babyhose hierlassen möchte, wäre ich ganz bestimmt nicht die Einzige, die sich freuen würde…

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