Mit den allerersten hauseigenen Rhabarber-Stangen meines Lebens kamen auch die Fragen nach richtig guten Rezepten für alles, was sich irgendwie kulinarisch mit Rhabarber anstellen lässt. Ich dachte in meiner Naivitität anfangs nämlich noch, meine Rhabarber-Staude sie gross und üppig gewachsen und war fast ein bisschen stolz auf das rasante Wachstum in meinem ansonsten nun wirklich eher mickrigen und stümperhaft geführten Gärtchen- bis ich das gigantische Exemplar meiner Nachbarin entdeckte, die gar nicht mehr nach kam mit ernten und ihren Söhnen bei jedem Besuch ein paar Stangen zusteckte…
Getäuscht hatte ich mich daher auch im Umfang der Ernte; nachdem die wunderschönen, riesenhaften Blätter, die mir so gut gefallen, dass es mich im Grunde ja reut, sie alle abzuschneiden (mehr Rhabarber muss her!), erst mal entfernt sind, wirken die eigentlichen Rhabarber-Stängel recht bescheiden, vor allem wenn die Pflanze, wie bei mir, nur wenige dicke Stangen ausbildet und der Rest kümmerlich und dünn ausfällt.

Aber eins ist mir immerhin gelungen; ein richtig, richtig gutes Rhabarber-Rezept zu finden. Ein Kuchenrezept, auf das man sich jedes Frühjahr schon vorfreuen kann, sobald die ersten Spitzchen sich im Boden regen.
Es ist vollkommen unkompliziert, sowohl in der Umsetzung, als auch in seinem Auftritt als schlichter Rührkuchen ganz ohne Tortenguss und Sahnehäubchen (wobei man sich das ja in Form eines Sahnekleckses immer noch auf den Tellerrand klacksen kann, wenn man möchte).
Das Basis-Rezept dazu stammt von Fooby (bzw Betty Bossi), doch ich habe ein wenig daran herumgemischelt und mit ein paar wenigen Abänderungen einen für meinen Gaumen ziemlich leckeren, feucht-säuerlich-süssen Kuchen gefunden, den man sogar noch lauwarm einfach so zum Zvieri essen kann. Ich habe ihn neulich in doppelter Ausführung (mit Umluft) kurz vor unserer Abfahrt für ein Familientreffen gebacken und noch fast heiss ins Auto geladen. Auf dem süssen Buffet sah er zuerst wenig spektakulär aus und war bestimmt nicht der Erste, der angeschnitten wurde, doch schlussendlich kam praktisch alles weg und wurde äusserst wohlwollend kommentiert (weshalb der Rest ebenfalls weg kam *zwinker). Bei meinen jüngeren Kindern konnte ich damit nicht gross punkten, die gaben klar den Gummifröschen, Schokoküssen und Meringues zwischen den Kuchenplatten den Vorzug, aber all jene, die es gern haben, wenn ein Kuchen richtig schön frisch schmeckt und eine leicht säuerliche Note zu schätzen wissen, könnten hier auf ihre Kosten kommen.
Und wer keinen Rhabarber zuhause hat oder ihn im Spätsommer mal backen will, nimmt einfach Johannisbeeren oder Himbeeren (ein Tipp meiner Halbschwester Kiki!) oder so.

Jogurt-Rabarber-Kuchen

  • 150 gr. zimmerwarme, weiche Butter
  • 330 gr. Rohrohrzucker (oder auch weisser Zucker)
  • 1 Tüte Vanillezucker (oder 1-2 Tl getrocknete Vanillesamen)
  • Schale einer abgeriebenen Zitrone oder 1 vollen Tl Zitronenschalen-Paste (nehme ich meistens)
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eier
  • 180 gr. Naturejogurt
  • 350 gr. Weissmehl
  • 2 Tl Backpulver
  • 2 Stangen Rhabarber, in feine, maximal 5mm dicke Scheibchen geschnitten (Wenn sie schön dick sind reicht evtl. auch eine Stange, sind sie dünner braucht es mehrere, es ist schwierig, das festzulegen. Probiert einfach mal aus, zuerst mit weniger Rhabarber, dann mit mehr, ganz nach Gusto)
  1. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  2. Butter weich rühren, bis sich Spitzchen bilden.
  3. Zucker, Vanillezucker, Zitronenschale und Salz mit dem Handrührer gut verrühren.
  4. Die Eier dazu geben uns alles gut rühren, bis die Masse etwas heller ist.
  5. Nun den Naturejogurt dazurühren und alles gut mischen. Es macht aber nichts, wenn der Zucker sich nicht völlig gelöst hat oder die Masse wegen dem Jogurt leicht flockig wird, das ist absolut normal.
  6. Mehl und Backpulver in einer separaten Schüssel kurz vermengen und dann zum restlichen Teig sieben. Nun nicht mehr mixen oder gar schlagen, sonst wird der Kuchen schnell zu pampig und nicht mehr schön locker und feucht! Einfach nur noch mit dem Gummischaber unterziehen, bis keine weissen Mehlbällchen mehr zu sehen sind.
  7. Die Rhabarber-Scheibchen mit dem Gummischaber vorsichtig unter den Teig mischen.
  8. Alles in einer ausgebutterten und mit einem Backpapier ausgekleideten Cakeform (30cm lang) in der Ofenmitte bei 180 Grad 1 Stunde und 10 Minuten backen. Bei der Stäbchenprobe sollte nichts mehr am Stäbchen kleben bleiben.
  9. Dieser Kuchen schmeckt schon noch lauwarm sehr gut und braucht kaum Zusätze, allenfalls noch etwas Puderzucker, doch er ist auch so schon angenehm süss. Auf jeden Fall aber empfehle ich wärmstens, ihn noch am selben Tag zu essen und ihn, wenn ihr ihn irgendwohin mitbringen möchtet, frisch zu backen. Er schmeckt einen Tag später einfach nur noch halb so gut (ist aber nicht schlecht oder so und lässt sich durchaus noch geniessen)

So oder so: Geniesst jedes Stück!

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