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Die lange Blog-Absenz war nicht geplant. Aber sie hatte ihre Gründe. Mich hat einiges umgetrieben und stark beschäftigt. Der Fall Rupperswil zum Beispiel, der mich seit Dezember 2015 schon nicht mehr loslässt und der nun in dieser Woche mit seinem Gerichtsverfahren zu einem offinziellen Abschluss fand. Für mich wenigstens. Dass die Hinterbliebenen ein Leben lang mit diesem abgrundtief grausamen Ereignis und ihren Verlusten zu kämpfen haben werden, vergesse ich nicht und es macht mich traurig über alle Massen, dass jemand so etwas unvorstellbar Grauenhaftes tun konnte und wollte und damit an einem einzigen, schrecklichen Morgen eine ganze Reihe Leben ausgelöscht oder nachhaltig zerstört hat.
Und dann ist da noch der junge Sportlehrer aus unserer Gegend, der aus heiterem Himmel und in seiner Unterrichtszeit einen für ihn schlussendlich tödlichen Herzinfarkt erlitt. Ich erinnere mich daran, wie frisch er wirkte, voller Elan  und Lebendigkeit wie eine Sprungfeder, und daran dass Kind1, der zu ihm ins Turnen ging, enorm viel von ihm hielt. „Er war einfach ein guter Mensch“, sagt er.
Nun bleiben eine junge Frau und ihre Kinder allein zurück.
Ich muss oft an sie denken.

Irgendwie fehlte mir die letzten Tage die innere Gelassenheit, um zu bloggen. Ich hätte nicht gewusst, worüber ich schreiben sollte, und alles, was mir in den Sinn gekommen wäre, hätte vom Tod gehandelt, von Fassungslosigkeit und von der Ohnmacht, fremdes Leid mitansehen zu müssen oder auch nur davon zu wissen.
Vielleicht wird es nächste Woche besser. Wahrscheinlich.
Hoffen lässt mich dieser braun-schwarze Schal, an dem mir der dunkle, letzte Streifen nach anfänglicher Skepsis nun ungemein gut gefällt. Er wäre eigentlich gestern nacht fertig geworden… wenn ich nicht die abschliessenden kraus rechten Reihen vergessen hätte. Nun rollt sich der glatte Rand unverblümt nach innen und ich werde mich wohl gleich an den Küchentisch setzen, um  Hunderte von abgeketteten Maschen aufzufassen und einen Teil wieder aufzulassen. Für einen sauberen Abschluss. Nicht unbedingt eine Freude, doch was sein muss, muss sein, die Dinge brauchen einen bewusst gesetzten Punkt.
Das Schöne ist aber, dass er wohl bald fertig sein wird und ich mich wirklich und aus tiefstem Inneren freue, ihn demnächst einem besonders lieben Menschen schenken zu dürfen. Ja, ich freue mich an dieser kleinen Arbeit in meinen Händen. Ich freue mich am wunderbaren Garn und den erdigen Farben und einem einfachen Muster, das sich so hübsch entwickelt. Ich freue mich am Gedanken an eine gute Freundin und all die Liebenswürdigkeiten, die sie in mein Leben gebracht hat. Und ich freue mich darauf, ihr mit diesem schlichten Schaltuch ein wenig von der Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen zu können, die ich empfinde.
Wie wichtig und gut es doch ist, die Gedanken auf Schönheit und Wärme und menschliche Nähe zu lenken, gerade wenn die Welt um einem herum und in einem drin in Aufruhr steht und das Leben sein hässliches Gesicht zeigt…

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