Mein Foto-Archiv sagt, es war August, als ich die beiden Strang „Madelinetosh DK“ in der wunderbar erdverbundenen Farbe „Tannenbaum“ aus meiner Schale voller handgefärbter Garne nahm und anfing, sie aufzuwickeln.
Wolle zu Bällen zu winden, ist immer ein gutes Zeichen. Es bedeutet Anfang. Hier gerät ein Stein ins Rollen. Bald wird eine Lawine daraus werden, die rollt und rollt und alles in Bewegung setzt und -ganz zum Schluss- etwas ganz Neues freigibt, das es vorher, so in seiner Art, noch nicht gab.
Wolle-Wickeln macht mich immer irgendwie froh.

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Ich hatte sie schon lange im Kopf, die Latzhose aus Elas erstem, richtigen Strickbuch, dem „Mama-Baby-Strickbuch“, aber es mussten einmal mehr Monate vergehen, bis ich mir einen Ruck gab und den Faden aufnahm.
Mir gefällt vieles in Elas Buch, die feine, goldenen Cardigan mit Lochmuster zum Beispiel, die Babyhose mit den netten Details an den Fussenden, die Wickeljacke aus dem Erstlingsset, die kleine, rosa Weste, die mich so schön an meine geliebte „In Threes“ erinnert… all die niedlichen, kleinen Babysachen, liebevoll gestrickt, getragen von zum-Stibitzen-süssen kleinen Wichtelchen, zum Seufzen schön…
Aber bei dieser Hose hier wusste ich sofort: Die ist es!
Und sie war es. Tatsächlich.

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Das Stricken selber war eine lange, entspannte, immer wieder durch andere, plötzlich ungemein „wichtig“ gewordene Projekte unterbrochene Angelegenheit. Ich nahm die Arbeit zur Hand, nadelte ein wenig daran herum, legte sie wieder weg, für manchmal länger, für manchmal nur kurz- und setze mich einfach dann wieder daran, wenn die Zeit mir wieder reif dafür schien.
Es gibt solche Projekte. Die sind wie gute Freuden. Auch wenn viel Zeit vergeht, spürt man sie, diese Vertrautheit. Und bei jedem Wiedersehen ist es, als wäre es gestern erst gewesen…
Es kommt oft vor, dass ich mich, wenn ich eine Strickabeit nach einiger Zeit wieder zur Hand nehme, zuerst so etwas wie… Wieder-Annähern muss. Mich einlesen, warmwerden mit dem Garn, dem Muster, den Dingen, auf die ich achten sollte.
Bei dieser Latzhose hier war es anders. Sie blieb immer… meins.

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Und jetzt, wo mein Baby sie trägt, bin ich auch ganz furchtbar glücklich mit ihr!
Klar, ich bin schon so ein bisschen der euphorische Typ, der sich hinreissen lässt zu Lobeshymnen und all dem, aber wenn ich mir mein kleines Babykind so ansehe wie sie daliegt, warm und weich eingelullt in Wolle und Liebe, dann gerät mein Herz schon ins Schmelzen, da kann ich gar nichts dagegen machen… Und will es auch nicht, im Grunde *zwinker*
Obwohl meine Maschenprobe, bei aller Sorgfalt, doch noch zu gross ausgefallen ist. Jetzt nach dem Waschen und nach den ersten Tagen fröhlichem Getragenwerden, wird es ganz klar sichtbar, das mit dem kleinen bisschen Zuviel an Weite und Länge.
Vielleicht wäre eine Nadel Nr. 4 doch besser gewesen als die 4.5, die bei mir eine Maschenprobe von 19.5 Maschen und 27 Reihen pro 10cm ergibt anstelle von satten 21 Maschen auf 28 Reihen…
Ich weiss es nicht. Das Maschenbild wiederum ist auf diese Weise sehr hübsch geworden, weich und elastisch und dadurch ungemein anschmiegsam und fein.
Aber vielleicht denke ich das jedes Mal. Wie wunderschön so ein Maschengebilde doch sein kann. Wie kunstvoll sich der Faden in sich selbst verschlingt und Hunderte von zarten, in ihrer Position verankterten und dennoch luftigen Schnörkeln hinterlässt, die allesamt dieses kleine, warme, strampelnde Leben umhüllen, das ich so sehr liebe und dem sie Wärme schenken, Geborgenheit, Schutz.

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Gestricktes hat einen ganz besonderen Platz eingenommen in meinem Leben. In meinem Herzen. Und immer mehr auch in meiner Erinnerung.
Ich glaube, ich werde gerade dieses 5. Kind immer so sehen, wenn ich an seine Babyzeit zurückdenke. In irgendwas Gestricktem. Bei dem mir ein wenig wärmer wird ums Herz.

PS: Ich habe übrigens die zweite Grösse gewählt, diejenige, die von 6 Monaten bis zu einem Jahr passen sollte. Jetzt sitzt sie noch recht locker, aber es gibt keine rutschenden Träger oder so, sondern wirkt auch mit Extra-Platz zum Reinwachsen schon sehr bequem und warm. Ich mag sie sogar ganz gerne so ein bisschen pludrig. In Wohlfühlweite.

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