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Für mein Baby: „quick change trousers“ von Anna Maria Horner

Der letzte Post liegt schon wieder drei Tage zurück und ich bin zur Zeit nicht nur eine schlechte Beantworterin von Comments und e-mails, sondern eine ganz und gar und geradezu triefend miserable. Der Grund? Ich weiss nicht… Ich glaube, meine Tage sind im Augenblick einfach zum Bersten voll mit anderem, mit Dingen, die so weit entfernt vom Bildschirm spielen.

Irgendetwas findet sich immer, das  es fertig bringt, mich abzuhalten, wenn ich den Laptop aufzuklappen möchte, um mich einmal in Ruhe hinzusetzen. Lesen bei anderen oder ein paar nette Worte an jemanden schreiben, ein Dankeschön, eine Antwort … irgendwie will das gerade kaum klappen.
„Wie das Leben so spielt“, sagt eine der Frauenfiguren in Henning Mankells Roman „Daisy Sisters“ einmal.

„Wie das Leben so spielt.“ Dieser Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er passt so oft. Und er hilft mir, es leichter zu nehmen, wenn ich es gerade schwierig finde. Denn auch wenn ich mich meistens grossartig fühle in diesen letzten Wochen: Ab und zu finde ich es schon schwierig, das alles. Ab und zu kommt mir der Babybauch, den ich eigentlich ganz gerne mag, auch in die Quere und ich fühle mich nicht mehr weiblich rund, sondern wie ein Vollmond, so prall und geschwollen.

Und dann gibt es diese Momente, in denen es mich wie ein Blitz durchzuckt: „Schaffe ich das? Schaffe ich das wirklich? Noch ein Kind? Wieder eine Geburt? Was, wenn es den ganzen Tag lang nur schreit? Was, wenn es mich Nächte lang wach hält? (Es ist ein sehr aktives Kind, müsst ihr wissen. Allerdings kickt und boxt es nur, wenn ich mich ins Bett gelegt, um zu schlafen…)“
Sicher bin ich mir nicht immer. Selten eigentlich.

Ich weiss, dass das ganz normal ist. Wahrscheinlich macht sich jede werdende Mutter solche Gedanken, oder? Die Angst gehört mit dazu, die Vorsicht, die Wachsamkeit, das In-Sich-Hineinhorchen. Schwestern sind das, Schwestergefühle der Vorfreude, dieser unbändigen, ungeduldigen, total sentimentalen Vorfreude. Ich erwarte ein Baby. Ein Baby! Ein Baby…

In dieser ganzen Mischung aus vorgeburtlichen emotionalen Berg-und Talfahrten, werde ich rasch reizbar und ungeduldig. Obowohl ich gerade auch viel, viel öfters lache als ich es sonst schon tue. Alles scheint gerade ganz besonders intensiv zu wirken bei mir.

Am allerallerwohlsten fühle ich mich, wenn ich einfach nur in Ruhe dasitzen darf, auf einem bequemen Sessel, eine Handarbeit im Schoss. Etwas für mein Baby.

„Hast du schon etwas für dein Baby gestrickt?“ fragte mich 19nullsieben vor nicht allzu langer Zeit. Nein, hatte ich nicht, damals. Aber das war, bevor es über mich kam, das Nest-Bau-Fieber

Etwas für das kleine Wesen zu machen, das da in meinem Bauch liegt und schläft oder tritt, wirkt wohltuend. Es entspannt und besänftigt meinen ruhelosen Geist, zu nähen, zu stricken, nach Projekten zu blättern, die ich „unbedingt noch fertig bringen“ möchte, in dieser Zeit davor. Schwanger zu sein, fühlt sich für mich lange, lange Zeit ziemlich abstrakt an, muss ich zugeben. Sogar wenn ich das Kind schon fühlen kann, glaube ich es eigentlich nicht so recht, dass das ein regelrechtes Menschlein sein soll, das ich da spüre. Und ist es dann endlich soweit, dass ich es einigermassen glauben kann, das Leben in meinem Schoss, kommt schon die Zeit, in der ich mich auf das Wiederloslassen einstellen sollte, auf die Geburt und die Zeit danach. Phu.

Das alles verlangt manchmal ein bisschen viel von mir. Aber so ist es nunmal. Wie das Leben eben so spielt…

Diesen süssen Elefanten-Stoff aus Baumwolle wollte ich ja schon haben, seit ich mich erinnern kann. Und dann, irgendwann im Frühling dieses Jahres, lief er mir dann wieder über den Weg, in der Reste-Kiste unseres Stoff-Ladens, als letztes Stück. Ich musste einfach zugreifen. Mit einem Stück weissem Bio-Leinen und einem grösseren Stück grauem, weiss-getupften Leinen wurde daraus mein allerallererstes, mamagemachtes Nesting-Projekt: die Quick change trousers aus Anna Maria Horners Buch „Handmade Beginnings“.

So ganz zum ersten Mal habe ich sie ja nicht genäht, diese raffinierten, bequemen Schlupf-Hosen mit dem doppelten Gesicht: Mein Mädchen trug ihre Versionen lange Zeit und äusserst gerne. Beide, die in orange-blau und die in altrosa-braun. Weil diese Hose ja zwei Seiten hat, die man nach aussen wenden kann, ganz nach Lust und Laune, lässt sich so herrlich mit den Lieblings-Stoffen spielen. Und dann erst das kleine, kontrastierende Stoff-Rechteck hinten über dem Po! Wunderbar verspielt!
Für ein Kind zu nähen, das man schon kennt, ist vielleicht ein bisschen einfacher, denke ich manchmal, denn man kann sich in den Farben austoben, die es mag oder die man mag, ohne Gefahr zu laufen, dabei ins Fettnäpfchen zu treten.

Nähen oder Stricken für ein Ungeborenes, von dem man noch nicht einmal das Geschlecht weiss, weder Haarfarbe noch Temperament, ist anders. Ungewisser, spannender. Wie Rätselraten…

Ich tippe ja eher auf einen kleinen Jungen bei diesem Baby. Obwohl ich beim Namensuchen immer bei den Mädchen-Namen stecken bleibe. Aber für die Quick Change Trousers wollte ich vor allem Stoffe, die zu beidem passen, zu Mädchen und zu Jungen, und ich glaube, da fährt man gar nicht mal schlecht, wenn man sich eher an männliche Töne hält, ans Erdige oder Blaue oder an Grün…

Wobei; Würde Orange oder helles Beige nicht auch ganz zauberhaft aussehen? Oder maritime Streifen für das Sommerkind? Strahlendes Weiss mit einem Hauch von Spitze, so ganz nostalgisch? Handgesponnenes Garn und Wildseide mit ihren kleinen Knubbeln im Gewebe? Hmmm….

Es wird nicht mein letztes Paar gewesen sein;
Quick Change Trousers machen ganz schön süchtig

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vorgesorgt

Das mit dem Tama-Pulli kam übrigens mal wieder ganz anders als erwartet; Ich hatte ehrlich damit gerechnet, mit meinen extra kurz gehaltenen Posts in letzter Zeit genügend freie Abendstunden generiert zu haben, um beide Ärmel fertig zu stricken. Die Wolle, mit der ich arbeite, ist dick und so ein Pulli für ein knapp sechsjähriges Kind nun ja auch nicht unbedingt gigantisch, mein Vorhaben kam mir also durchaus realistisch vor… Nur vergesse ich eben allzu leicht, was „realistisch“ momentan bedeutet für mich; meine Realität sieht nämlich keine Vorhersehbarkeiten vor. Und auch keine ruhigen Abende mehr.
Zuerst hielt die Hitze meine Kleine viel zu lange wach (und mich damit rückenkraulend neben ihr im Bett) und kaum war sie dann endlich weggedämmert, wurde das Baby wieder wach, wollte trinken, gehalten werden, ein wenig schmusen und plappern (erstes Babybrabbeln!), Nähe einfach.
Keine Chance also für mein Strickzeug.
Und das ist ja auch okay. Manchmal finde ich das zwar schon recht schwierig, dieses Nie-Wissen wann denn nun Feierabend ist, wann Pause und für wie lange. Manchmal werde ich ungeduldig, ziemlich entnervt und vor allem entmutigt, aber schlussendlich weiss ich ja, wofür ich das alles tue, für wen, und dass mein ganzes Herz ganz genau dafür schlägt. Babytage, Muttertage… diese Zeit wird vergehen wie der Wind und eines Tages werde ich wahrscheinlich zurückschauen und mich danach sehnen, mit einem dick verschnüren, warmen Bündel über meinem Bauch durch ein Haus voller wuselnder Kinder über kreuz und quer verstreutes Spielzeug zu steigen (wobei; auf Letzteres könnte ich, glaub’ich, glatt verzichten)

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Nein, mein Pulli ist also bei weitem noch nicht fertig. Ein Arm schon. Inzwischen. Aber der zweite braucht noch Zeit und die soll er auch kriegen, jawohl. Mir ist vollkommen bewusst, dass die meisten meiner Wünsche momentan hinten anstehen müssen. Vorübergehend. Und sobald die Unruhe wieder in mir auftaucht, sich etwas Bitteres in mir aufbäumen will, versuche ich, zurück zu treten und den Moment von aussen zu betrachten, das Gute zu sehen und meine Aufgabe darin. Tief einatmen und loslassen, einmal mehr einen Gang zurückschalten. Und dann tun, was getan werden muss. Oder so. (Manchmal klappt das, manchmal eher nicht so gut)
Das Träumen vom Stricken und Nähen und all den Dingen, die ich momentan entweder ganz konkret vorplanen oder dann ohne gross nachzudenken einfach machen muss, sobald sich die Gelegenheit ergibt, tut aber wahnsinnig gut zur Zeit. Wo andere von George Clooney träumen (warum eigentlich nicht von Benjamin Sadler?), versinke ich in Schmacht-Träumen von nächsten möglichen Lieblings-Strick-Projekten oder diesen süssen, schlicht-raffinierten Röckchen zum Beispiel, in die ich mich bei Purl Bee sofort verguckt habe (Soulemamas Version gefällt mir auch total!).
Aber fast genauso schön wie das Schwelgen in Tagträumereien ist, die Dinge, die ich vor der Geburt meines kleinen Spatzes gemacht habe (in einem anderen Leben war das, vor hunderten von Jahren richtig?), zur Hand zu nehmen und sie im Alltag einzusetzen. Ohne Rücksicht auf Verluste, dafür voll und ganz und mit sehr viel Freude.
Ich weiss, dass man Frauen mit dickem Babybauch immer wieder ans Herz legt, sich so weit es nur geht, zu schonen. Pausen zu machen. Die Beine hoch zulegen und auszuruhen. Nichts zu tun.

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Stricken wäre demnach die ideale Schwangerschafts-Betätigung gewesen, aber merkwürdigerweise war mir fast die ganze Schwangerschaft gar nicht so sehr nach Stricken zumute (meine kleine, blaue Hose brauchte darum auch eeeewig, bis sie fertig wurde). Ganz anders erging es mir dafür ja mit dem Nähen. Ausgerechnet mit dem Nähen, wo ich die ganze Zeit mit meinem prallen Babybauch zwischen Nähmaschine (kein so guter Ort fürs Hochlagern müder Beine), Schneidematte und heissem Bügeleisen hin- und herpendelte. Nähen, das wurde urplötzlich zur Sucht, gespiesen von all meinen Nestbautrieb-Energien. Ausruhen? Unmöglich! Wenn es innendrin kribbelt, dann muss das einfach raus, ausgelebt werden.

Und heute bin ich so froh darum! (Das war ich natürlich auch damals) Ohne jenes intensive Näh-Intermezzo gäbe es heute wahrscheinlich keine dieser drei supereinfachen, superbequemen und absolut kleinkindertauglichen Schlabberschlupfhosen in der Kleiderkiste meiner Kleinen unter unserem grossen Bett (wir tun uns noch etwas schwer mit Kleiderschränken). Sie alle entstanden irgendwann im Frühjahr und auf alle Fälle noch vor der Geburt meines Aprilmädchens. Genäht aus purer Leidenschaft, werden sie heute auch leidenschaftlich gerne getragen. Die langen Beine dämmen eventuelle frische Morgenwinde ab und die dünnen Stoffe vertragen auch mal ein bisschen Frühsommerhitze.

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Die Schnitte sind mehr als simpel: die beiden gestreiften Hosen habe ich aus alten Leinen- und Stoffhosen von mir gemacht und dazu einfach eine ausgediente weil richtiggehend abgeliebte Kinderhose als Schablone benutzt. (Weil ja eh alles eher weit und locker geschnitten ist, kam es hier auch gar nicht so aufs Genau-sein an)
Die dritte, die mit den niedlichen kleinen Elefäntchen drauf, die meine Kleine übrigens auch schon in anderen Posts getragen hat, ist an sich eine „Huck Finn Pants“, nur einfach ein klein wenig grösser gemacht, mit ein paar Zentimetern mehr rundherum und einem gezielt verlängertem Bauchteil, das hinten ein wenig höher ausfällt als vorne. (Übrigens; Aus demselben Stoff sind -lang, lang ist’s her- schon einmal Kinderhosen entstanden, „Quick Change Trousers“ für mein damaliges Baby…)
Ich mag es, meine Kleine in diese schlichten Gummibund-Hosen schlüpfen zu lassen. Mama-gemachtes fühlt sich einfach immer richtig an für mich.
Die Füsse Hochlagern und Nichtstun… das klingt heute zwar absolut verführerisch in meinen Ohren, aber irgendwie bin ich doch recht glücklich -gerade weil mir heute so oft die Hände gebunden scheinen- dass ich damals anderen Verlockungen nachgegeben habe. Jetzt, wo ich mir manche Tage vorkommen wie auf eine kreative Wüstenwanderung, sind selbstgemachte Dinge wie… frisches, belebendes Quellwasser. Oder wie süsse Datteln, Stärkung, Genuss, und ich bin ganz schön froh, habe ich hier -nähend- ein kleines bisschen vorgesorgt.

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Pretty as a Picture

Okay… das mit der spätabendlichen (wohl eher spät-nächtlichen *hüstel*) Nährunde hat dann doch nicht mehr geklappt. Natürlich nicht, nachts um die Uhrzeit (die natürlich immer dieselbe bleibt, wenn ich meine Blogposts schreibe, Macht der Gewohnheit, schätze ich. Ich alte Nachteule). Aber das macht nichts. Ich glaube, abends ganz für mich alleine zu nähen, das hab‘ ich ohnehin ein bisschen verlernt, seit ich meine Kleine habe. Oder vielleicht habe ich es mir vielmehr gar nie so richtig aneignen können, so etwas wie Feierabend-Nähen, denn als ich zu nähen begann, damals mit meinem Mädchen noch ganz klein, da waren meine Abende bereits voll besetzt mit zwei Jungen, die eben erst lernten, allein, bzw. zu zweit in einem Zimmer (ein-) zu schlafen und noch sehr viel Zeit und Zuwendung brauchten, bis sie zur Ruhe kamen, nach zwei, drei Geschichten und viel Kuscheln und gutem Zureden… Dann war da mein Baby-Mädchen, die niemals, wirklich niemals vor halb zehn/ zehn Uhr nachts einschlafen konnte. Von Geburt an. Und das Babykind -das nun keines mehr ist, nur noch ganz insgeheim und tief in meinem Herzen- mittlerweile ein Kleinkind auf zwei Knubbelbeinchen, mit ersten Worten (wenigen) und ganz eigenen Ideen und Erkundungs-Gelüsten (vielen)- tut es ihr gleich. Nicht dass sie nicht einschlafen würde, nein, in dieser Hinsicht bin ich verwöhnt seit ein paar Wochen (um 21 Uhr schlummert sie in meinen Armen davon), aber ihr Schlaf ist sehr sensibel und irgendwie auf ganz sonderbare Weise mit mir verbunden: Sobald ich den obersten Stock verlasse, in dem unser gemeinsames Bett steht, wird sie unruhig und wacht auf. Merkwürdig, aber es ist so. Und nach unzähligen fehlgeschlagenen Versuchen, mich heimlichst und auf Zehenspitzen davonzuschleichen, um eben doch noch einmal an die Nähmaschine zu sitzen (ganz unten im Haus übrigens, wo mich keiner hört), habe ich … aufgegeben. Was nicht sein soll, soll eben nicht sein. Und eigentlich… bin ich ja auch ganz gern ihrer Nähe…

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Nun, unter diesen Umständen sieht mein Näh-Tisch (der gleichzeitig unser Stubentisch ist) natürlich immer ein bisschen überfüllt aus. Weil ich nie für lange an einem Stück arbeiten kann und jeden Schritt mehrfach unterteilen muss, so dass er irgendwie in eines dieser 5Minuten-Päuschen passt, die sich im Verlaufe eines Tages für mich auftun. Überall rund um die Nähmaschine liegen darum zugeschnittene Teile, Fadenspuhlen, Schere und Rollcutter (ausser Reichweite meiner Kinder), Nadelkissen und Bügeleisen samt einem fast rund um die Uhr aufgeklappten Bügelbrett. Mein Wohnzimmer ist mir zum Nähzimmer geworden. Und wenn mich das unvermeidliche Chaos auch manchmal frustriert- es ist schön, immer mal wieder einen Blick auf ein langsam wachsendes Projekt zu werfen, auf fertig zugeschnittene Stoffstücke, die geduldig aufs Versäubern warten vielleicht (so wie jetzt gerade, ein zweites Jersey-Shirt für mein Mädchen ist in Arbeit). Eine gute Freundin von mir hat mir einmal verraten; „Ich versuche jeden Tag mindestens etwas zu tun, was mir Freude macht“. Und ich glaube, diese verstreuten Näh-Momente mitten in all dem Durcheinander, sind so kleine Freuden-Macherchen. Kurz aber wertvoll.
Besonders dann, wenn es schöner Stoff ist, der da im Gewühl auf mich wartet. Ich glaube, diese Lektion habe ich gelernt; Das Material, das in meinen Händen liegt, muss wirklich etwas Gutes sein, damit es mir auch gut tut. Feines Naturgarn beim Stricken, schön gefärbt, Stoffe aus reinen Natur-Materialien in Farben und Mustern, in denen ich mich verlieren kann und wo ich mich verbunden fühle. Alles fühlt sich … einfach nicht richtig.

Bei den Huck Finn Pants meiner Kleinen waren es schlussendlich Stoffe zweiter Wahl, die (endlich! doch! noch!) zum Einsatz kamen. Und das war in Ordnung so. Ein Happy End auf seine Weise. Bei der Meerjungfrauen-Tunika für mein Mädchen hingegen … kam es wie es kommen sollte, der richtige Stoff für das richtige Projekt am richtigen Ort; mein Mädchen ist natürlich hingerissen von dem blondgelockten kleinen Ding (hm… blondgelockt? Kommt mir irgendwie bekannt vor…) mit Fischschwanz und türkisblauem Meeresgrund … aber ich? Ich muss gestehen, meine Vorstellung von schönem Stoff sieht, naja, ein kleines bisschen anders aus… weniger kitschig, weniger süss, weniger mädchenhaft. Aber ich nähe ja schliesslich nicht nur für mich, hab‘ ich Recht? Ich nähe, um Freude zu machen, anderen… und genau dadurch auch mir selbst.

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Ganz anders ging es mir hingegen mit diesem Stoff. Ganz anders sogar. Dieser Stoff war Liebe auf den ersten Blick, und zwar Amors Pfeil ganz tief und direkt ins Herz. Dieser Stoff… bin ich. Und ich wusste es sofort; Nicht nur ich, auch meine Kleine.

Sie muss erst ein paar Monate alt gewesen sein, als ich etwa eineinhalb Meter „Bold Stripes“ in „Lavender“ von Kaffe Fassett bestellt habe. Für mein Babykind, soviel stand fest. Und ich glaube, vor meinem inneren Auge entstand damals schon ein kleines, schlichtes Mädchenkleidchen aus warmen lila-violett Tönen mit einem Schuss Senf und Türkis, sachte gerafft und ein klein wenig romantisch. Manche Stoffe tragen ihre Geschichte schon von Anfang an in sich…

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Anna Maria Horners „Pretty as a Picture Dress“ hat mir immer schon gefallen, schon als mein Mädchen noch ein Baby war und ich mich mit ihren „Quick Change Trousers“ an eines meiner allerersten Hosenpaare wagte. Zu einem Kleidchen für sie kam es nie. Mir fehlten Zeit und Mut und all die kleinen Kniffe, um ein bisschen Näh-Vergnügen in meinen Alltag hinein zu schmuggeln, aber die Lust auf Nähen blieb und der Wunsch nach klitzekleinen, süssen Mädchenkleidern auch, und jetzt mit meiner Kleinen scheint plötzlich so viel mehr möglich zu sein, so viel mehr Nähen und Umsetzen kleiner Träume… Für sie ist es nun entstanden, mein „Pretty as a Picture“-Kleidchen. Zu guter letzt. Allerdings ohne den typischen Picture/Rahmen-Effekt. Den kontrastierenden Stoff-Blätz in der Mitte habe ich nämlich weg gelassen und den Rockteil dafür  aus nur zwei gleichgrossen Teilen zugeschnitten. So ist es ruhiger. Gleichmässiger. Feiner. Und genau das passt so gut zu meiner Kleinen. Ruhe, Gelassenheit, ein bisschen vorsichtigsein…

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Ist es nicht sonderbar, wie sehr ein Stoff, wie sehr ein Stückchen Kleidung
zu einem Menschen gehören kann?
Dieses Kleidchen jedenfalls ist schon jetzt ganz und gar ihres

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Wiederholungs-Täterin

Kein Post gestern. Wieder eine Lücke im Kirschkernzeit-2-Tages-Rhythmus. Aber der Tag war so schön, so üppig und einnehmend, dass ich abends, kaum schliefen die Kinder, neben dem Baby ins Bett plumpste und gar nicht mehr aufstehen mochte… Das aufkommende Gewitter streifte meine müden Füsse, kroch als kühlender Luftzug durch die offenen Fenster durchs Haus und vertrieb die Hitze aus allen Ecken, während ich still und faul dalag und den Tag Revue passieren liess; Eine Schulreise für Kind1 (mit Highlight-Qualität), ein Kind2- Kindergarten-Ausflug zum Jäger in den Wald (unvergesslich), ein Treffen mit einer Freundin aus meiner Gymnasiums-Zeit (altvertraut und schön), Rendez-vous mit meinem Mann in der Stadt, nur ich, er (still No.1), die Sonne und das Babykind. Und dann nochmals ein bisschen Luftschloss-Bauen, wacklig wie es ist. Ich denke ja nicht, dass es hält, aber spannend ist es trotzdem. Und selbst wenn alles  ins Wasser fällt (wie schon so oft); der gestrige Tag war trotzdem gut zu mir. Sommerlaune pur, auch im Herzen, ein bisschen mehr Freiheit, ein wenig mehr Wärme, Licht, das, wohin man auch sieht, die Gesichter der Menschen erhellt, als wären wir alle kleine, auf der Erde wandelnde Monde, Wachstum, das Aufblitzen neuer Möglichkeiten… Das ist Sommer. Das alles. Und noch viel mehr.

Ich glaube, es war dieses sommerleichte Sommergefühl. Damals, als sich eine dieser heiss ersehnten, hellen Lücken auftat, ein schöner, sonniger Tag, umzingelt von lauter trüben Frühlings(?)-Tagen, die mir alles andere als Mai- oder Juni-haft vorkamen… Ich fühle mich grossartig und alles schien so vielversprechend unter der Sonne, leicht und einfach und als ich da diese Schale mit den Stoff-Resten der letzten paar Näh-Projekte im Wohnzimmer antraf, war mir mit einem Schlag klar, was daraus werden würde: ein sommerfrisches Log Cabin Kissen. So klar und luftig wie ein Tag am Meer (oder an Oma s Pool, in unserem Fall).

Vergangene Näh-Projekte haben eine ganze Reihe hübscher Stoff-Reste-Streifen zurückgelassen:  „Loulouthi Coreopsis“ (Anna Maria Horner) und „Woodland Party“ (Birch) von meinem gesmockten Kleidchen (das mein Mädchen noch immer nicht anziehen will, nope, keine Chance),  „Woodcut“ (Anna Maria Horner) aus der Fassung unseres 2. Walkissens , Kaffee Fassetts Punkte-Stoffe, wo die hellblau-weisse Variante zB. in das Bullerbü-Quilt-Kissen meines Mädchens wanderte, und klitzekleine Streifen-Stoff-Restchen aus Projekt #6 (auch Kaffee Fassett), ein wenig weisses und grau-weiss getupftes Leinen von den „Quick Change Trousers“ meines Babys und dann natürlich shocking pinke Baumwolle und die dunkelblauen Streifen  der letzten beiden Projekte. Alles frische Farben. Und klares Weiss. Das ist ohnehin immer zu finden in meinen Vorräten, wo alte Leintücher und Spitzen bereits die Deckel ihrer Boxen lüpfen, so viel hat Frau Kirschkernzeit schon angesammelt… *hüstel*

Aber ich horte nicht nur, ich verarbeite auch, jawohl. „Nein, ich bin keine Verschwenderin“, sage ich jeweils zu Kind1, wenn er wieder ungläubig vor einer weiteren Tasche oder einem Paket voller Stoffe (bzw. Wolle) steht. „Ich verschwende unser Geld doch nicht. Ich investiere es nur gut.“
Nun ja.
Bei diesem Kissen wollte ich jedenfalls vorbildlich sein und einzig mit dem arbeiten, was ich gerade zur Hand hatte. Und ich wollte starke Kontraste zwischen Hell und Dunkel, scharf geschnitten wie Sommerschatten, aber all diese Log Cabin Spielregeln in Sachen Farbton-Platzierung, die warf ich getrost über Bord. Mit Farben Spielen macht (mir zumindest) einfach viel mehr Spass als Malen nach Zahlen, und ich hatte solche Lust, mal wieder direkt aus dem Bauch heraus drauslos zu puzzlen…
Frau Kirschkernzeit im Rausch. Mit Log Cabin und Sommerfarben. Das Paradies auf Erden…

Für die Rückseite des Kissens habe ich ein altes, ganz besonderes, weisses Leintuch ausgewählt, eines, wie es mir bisher erst einmal begegnet ist: Es wurde aus 5 verschiedenen, weissen Stoffen zusammengesetzt und noch von Hand gesäumt, eine Art Patchwork-Leintuch also, mit einem kleinen, feinen, knallroten Monogramm darauf. Die Stoffe sind alle ganz unterschiedlich, mal dicker, mal dünner, mal feiner, mal unregelmässig gewoben und abgenutzt, und als ich dieses Stück Bettwäsche so in der Hand hielt, um ein geeignetes Stück Stoff für mein Kissen heraus zu suchen, war ich mit einem Mal ganz ergriffen von der Sorgfalt und Sparsamkeit, die darin zu erkennen ist. Ich meine, was für eine Geschichte liegt wohl in diesem alten Tuch? Wer war die Frau, die sich sich nicht einmal genügend Stoff für ein Leintuch leisten konnte (oder wollte)? Wer war sie und wie war sie, und wie sah ihr Leben wohl aus, wann auch immer es sich abspielte? War sie eine Bäurin? Eine Küchemmagd? Witwe? Hatte sie Kinder? Wovon träumte sie wohl, wenn sie nachts unter dieses zusammengeflickte Leintuch schlüpfte? … Es ist immer dasselbe; da wo Spuren von Leben auftauchen in alten Textilien, alten Möbeln, Spielsachen oder Handwerks-Zeug, da beginnt sich das Gedankenkarussel zu drehen…

Das Kissen aber macht mir viel Freude. Es passt wunderbar ins blaue Zimmer zum Wal-Kissen meines Jungen, und es ist so sommerlich, leicht und optimistisch, dass es mich an gestern erinnert und an den verheissenen Sommer, auf den wir alle noch warten.

Heute hingegen ist es schon wieder kühl und windig, der Sommer scheint in weiter Ferne, auf und davon, durchgebrannt mit irgendeiner flattrigen Windsbraut. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, oder? So schnell nicht. Machen wir uns den Sommer! Ich hab mich jedenfalls mit meiner Mama verabredet für einen kleinen, netten Stadtbummel, das Babykind trägt seinen neuen Strickpulli und das Mädchen ihre Marine Hose, draussen füllt der erste Kopfsalat sein Beet (Wer soll das bloss alles essen?!), das Wochen-Ende steht vor der Tür und ich schiele die ganze Zeit schon mit einem Auge auf das kleine Häufchen Strickarbeit auf meinem Nacht-Tischchen (Geburtstags-Socken für Kind1. Noch 4 Wochen. Knapp. Hm…)
Mag es draussen auch kalt sein und grau; In mir ist Sommer, im Augenblick zumindest. Und ich glaube, darauf kommt es an schlussendlich, oder? Auf das, was wir im Herzen tragen…

PS. Wer Lust hat, seine Reste-Kiste zu plündern und eine gehörige Portion gute Laune zu tanken; Nikkis F-A-B-E-L-H-A-F-T-E Log Cabin Anleitung ist einfach unschlagbar (Danke, du Gute!). Ich jedenfalls bin süchtig danach. Und (das sehr ihr hier, hier und hier) Wiederholungs-Täterin aus Leidenschaft. Womit jetzt auch der Titel dieses Posts erkärt wäre…

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