Januar-Tage Nr. 18

Ferien! Endlich! Die drei Wochen Schule kamen mir unglaublich lange vor… Oder waren es sogar vier? Keine Ahnung. Auf jeden Fall tut es einfach nur GUT, die Kinder wieder ihrem eigenen Rhythmus zu überlassen, sie schlafen zu lassen, solange wie sie es brauchen und auch die Sache mit den Essenszeiten nicht allzu pingelig genau zu nehmen. Wir sind alle keine Frühstücker. Den Znüni brauchen wir darum meistens ganz dringend- und zwar meistens ausgerechnet um halb elf oder so. Klar, dass sich auf diese Weise unsere „natürliche“ Mittags-Zeit ein bisschen in den Nachmittag hinein verschiebt. Um halb zwei Uhr sassen wir darum heute auch noch über unsere Teller voller Nudeln mit Bratensauce, Mais und Erbsen gebeugt, ein Essen, auf das ich nicht stolz bin, zumal auch noch Wiener Würstchen mit dabei waren. Aber ganz ehrlich: Ich bin froh, überhaupt etwas einigermassen ordentlich Gekochtes auf den Tisch zu bringen! Mit meinem Babykind wird Kochen zur echten Herausforderung, zur Kür der Haushalts-Disziplinen sozusagen, jetzt, wo der Kleine zahnt, ständig mit roten Backen auf seinen Fingerchen herum kaut und ganz viel Nestwärme braucht, um sich getröstet und getragen zu fühlen, sowieso. Ich bin ziemlich schlecht darin, Gemüse mit einer Hand zu schnippeln oder einarmig Salat zu waschen. Also greife ich zum Notgroschen, zu Dosen und Tiefkühlgemüse, und bin einfach dankbar, wenn sich die Kinder, die genau wie ich viel lieber frisches Essen haben, dann trotzdem am Essen freuen. Heute zum Beispiel wurden alle Teller leer. Die Pfannen auch beinahe. Muss wohl an der Bratensauce liegen…
Samstag allerdings hatte ich einen kleinen Anfall von Gottvertrauen. Oder von Grössenwahn vielmehr. Ich fand nämlich, wenn offenbar alle Muttis dieser Welt mit ihren Kindern Kuchen, Cakes und Torten backen können, dann müsste ich das doch eigentlich auch schaffen. Irgendwie. Ja, zu viel Instagram-Glamour kann leichtsinnig machen, jedenfalls nahm ich trotz zahnendem Baby auf dem Arm mein neuestes Backbuch („Bigger Bolder Baking“ von Gemma Stafford, die ich durch ihre YouTube-Küchenvideos entdeckt habe) und ein paar absolute Basic-Ingredienzien zur Hand. Und machte mich ans Muffins-Backen. Mit den Kindern. Nun… es war nicht unbedingt idyllisch. Mehr hektisch. Nicht ganz das, was ich mir erträumt hatte. Bei Instagram sieht es immer ganz anders aus…
Ich schwitzte schon nach wenigen Minuten, als würde ich mich an der Riviera in der Sommersonne räkeln, und ständig fiel mir irgendwas herunter. Gottlob kam Herr Kirschkernzeit dazu und rettete die Situation durch beherztes Babysitting, so konnte ich wenigstens zweiarmig den Kindern dabei helfen, die Küche zu verwüsten… Immerhin: es kamen tatsächlich Muffins aus dem Ofen. Und die Mädchen hatten irgendwann auch aufgehört, sich zu streiten und sich stattdessen auf gemeinsame Kichern und kooperative Kleckern verlegt- richtig süsse waren sie, wie sie Seite an Seite jedes Törtchen mit meiner schaurig buttrigen und unsagbar süssen, von ihnen mit Lebensmittel-Farben eingefärbten Buttercreme verzierten. Sie hatten so viel Spass! (Und ich einiges zu putzen) Die Idee mit der Lebensmittelfarbe kam übrigens klar von Seiten meiner Kinder. Ich mag Kuchen eigentlich am liebsten natürlich, so wenig glitterglimmerstreuselbunt wie irgend möglich. Aber, nun ja, ich wollte ja mit ihnen backen, also durfte es sein, das mit der Farbe und so, einfach weil sie so viel Freude hatten daran.
Vom Rezept war ich mässig begeistert. Die „Irish Fairy Cakes“ sind mir persönlich eine Spur zu … währschaft. Mir fehlt das Cupcakes-Gefühl dabei. Und die „Best Ever Buttercream“ hat mich nur veranlasst, nach der wirklich allerbesten Buttercreme zu suchen. Gemmas Variante ist mir nämlich ein wenig zu süss. Und mit zu wenig Pepp. Ich schätze, Buttercreme ist nicht ganz einfach. Mit Zitrone oder Schokolade oder Kaffee vielleicht ja keine Hexerei, das sind dominante Aromen, die immer gut schmecken, aber so ganz dezent, allein mit Vanille…?
Eigentlich wollte ich heute auch nochmals backen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und Instagram und all das.
Aber nein. Heute stand ich ganz ernüchtert in der Küche und rührte meine Bratensauce. Genug ist genug. Ich mach besser mal kleine Schritte.

„Dezembertage“ heisst meine kleine Serie zum Jahresende.
Ein Bild, wenige Worte, spontan und frei von der Leber weg.
Spass machen soll es. Mir und euch.
Die „Januartage“ setzen diese Idee im neuen Jahr ein wenig fort.
Ein huschhusch-Einblick in mein Leben mit Gruss und Kuss
raus in die Welt an alle, die das hier lesen…

 

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Januar-Tage Nr. 17

Es war nicht die beste aller Woche, die ich jetzt zurück lasse, es war nicht die schlimmste. Durchzogen war sie. Von Lachen und Weinen, von Streiten und Versöhnen, von Verlangen und Überdruss, von Musik und Stille.
Das Bild zeigt die schönste Variante friedlicher Lebhaftigkeit, von Zusammensein ohne dass es klirrt und knallt, was leider schwer zu finden war die letzten Tage über. Meine Nerven sind auch dementsprechend ramponiert und ich würde einiges geben, könnte ich sagen, ich wäre ein Fels in der Brandung gewesen, wenn das Familienschiff in Turbulenzen geriet. Leider war ich mehr ein Spielball der Wogen. Oder Hydra persönlich, die mit der Gischt um die Wette schäumt.
Emotional bin ich nun wirklich kein verlässlicher Anker. Emotional bin ich labil- im Guten wie im Schlechten sehr form- und beeinflussbar.
Gegen den Schimmel konnte ich schimpfen und kämpfen und letztendlich siegen.
Die beiden süssen Knirpse auf dem Bild brachten Dankbarkeit und mein Herz zum Schmelzen.
Dieses Lied liess mich lächeln. Dieses hier weinen (spätestens bei 2:14). Und bei Martynas kam alles irgendwie zusammen.
Scheint so als würde slavische Musik oder Musik von Slaven mich momentan sehr berühren. Aber vielleicht liegt das ja daran, dass meine Wurzeln mütterlicherseits bis hinaus nach Russland ragen und keiner weiss, woher genau sie stammen. Kind1 jedenfalls hat die hohen Wangenknochen und die tiefliegenden, nach aussen hin eng zulaufenden Augen des Ostens. Vielleicht nicht von ungefähr…

„Dezembertage“ heisst meine kleine Serie zum Jahresende.
Ein Bild, wenige Worte, spontan und frei von der Leber weg.
Spass machen soll es. Mir und euch.
Die „Januartage“ setzen diese Idee im neuen Jahr ein wenig fort.
Ein huschhusch-Einblick in mein Leben mit Gruss und Kuss
raus in die Welt an alle, die das hier lesen…

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Januar-Tage Nr. 16

Das Baby schläft so schön heute. Zwei Mal eine volle Stunde und die Nacht war auch ganz wunderbar. Was für ein Engelchen…
Ich bin seit 5:00 wach, weil Kind2 bereits um 5:45 (!) beim Reise-Car für das Schul-Sportlager sein musste. Man stelle sich vor; zig Klassen à 20+ müde Kinder tanzen in aller Herrgottsfrühe beim Treffpunkt in der Stadt an. Und alle werden von müden Eltern gefahren. Ich meine, ehrlich 5:45?! Wer kommt den auf die Idee? Als hätten die Jungs und Mädels nicht noch alle Zeit der Welt fürs Skifahren und Snowboarden. Immerhin bleiben sie eine volle Woche da oben in den Bergen, und Schnee und Hügel laufen ihnen bestimmt nicht davon, dafür sorgt eine Armee an Schweizer Schneekanonen.
Ich muss gestehen, ich hab mich mehr als einmal am Kopf gekratzt, als ich gestern abend meinen Wecker auf 5:00 stellen musste…
Doch wie dem auch sei, ich fühle mich ganz schön fit heute. Vielleicht tut es trotz allem gut, ab und zu mal mit den Hühnervögeln aufzustehen und den Alltagstrott ein wenig durchzurütteln. Allerdings kann von „Alltag“ heute nicht unbedingt die Rede sein: Gestern Abend haben wir bei Kind2 im Zimmer Schimmelbefall entdeckt. Hinter der laaaaangen Bücherreihe in seinem tiefen Wandboard. Die Bände standen alle zu nah an der Aussenwand, so dass die Luft nicht zirkulieren konnte, und Kind2 ist auch nicht unbedingt Weltmeister im Zimmer-Lüften, aber wer ist das schon? Heute bei Tageslicht, sah das Ganze noch schlimmer aus: Schimmel auch hinter dem Kleiderschrank. Schimmel an der Wand hinter der Magnettafel. Keine freudige Nachricht.
So durfte ich heute die freien Stunden, in denen mein Kleinster so friedlich zwischen den Laken schlummerte, mit Schimmel-Spray und Wischlappen verbringen. Ich hab‘ gesprayt und geschrubbt und versucht, nicht allzu tief zu atmen, denn das Zeug riecht wirklich schauderhaft, wirkt aber gottseidank auch dementsprechend Keule-mässig gegen diese fiesen Sporen an den Mauern- alles weg! Die Wände sehen praktisch aus wie neu. Also sofern man nicht genauer hinguckt. Vielleicht braucht es noch eine Schicht Schimmel-Blocker oder so, aber das überlasse ich lieber dem Fachmann.
Um dem Schimmel keine Chance zu lassen für einen Neu-Angriff, werden alle Möbel umgestellt, der Luftzirkulation zuliebe. Die Heizung wird hochgestellt, Aussenwände bleiben so frei wie möglich und die Büchersammlung muss umziehen. An einen Ort, wo es trocken und sauber ist. Und weil das Zimmer ohnehin gerade Kopf steht, mache ich mich auch gleich daran, Altlasten loszuwerden und eine grosse Kiste mit Kram vollzupacken, von dem ich denke, dass niemand ihn je vermissen würde, würde ich ihn verschwinden lassen… Für den Fall dass doch, kommt die Kiste erstmal raus in den Flur bis Kind2 -der noch gar nichts ahnt von der ganzen Notfall-Aktion- wieder zuhause ist. Und aussortieren kann. Ich hoffe bloss, der Schock wird nicht zu gross für ihn…

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Januar-Tage Nr. 15

Gerade mag ich dieses Bild hier sehr gerne.
Es entstand heute Nachmittag in meinen lila Zimmer, als alle Grossen in Feld, Wald und Wiese mit ihren Jugendgruppen unterwegs waren und meine beiden jüngeren Mädchen mit Herrn Kirschkernzeit beim Einkaufen im Baumarkt. Ich liess das Baby auf dem Bett strampelnd die Welt betrachten und sinnierte über Wolle und mögliche Strickprojekte. Wie ihr sehen könnt, ass ich einen Apfel dabei.
Und weil ich ein ordentlicher Mensch bin, lagen meine Ikea-Pantöffelchen fein säuberlich nebeneinander, wie es sich gehört. (Nein, noch immer keine Glerups an meinen Füssen. Aber ich arbeite daran.)
Es war ein wunderbarer Samstag heute. Friedlich und entspannt. Alle waren ausgeruht, gut gelaunt, irgendwie wohl, und im Grunde braucht es ja gar nicht mehr, um Glück ins Haus zu bringen, oder?
Es gab sonnige Abschnitte heute. So wie gestern wie vorgestern wie die ganze letzte Woche über. Ein Teil von mir findet das schön. Aber nur ein kleiner. Dem Löwenteil von mir ist das vielmehr wahnsinnig suspekt. Die Wärme, das Licht, dieses ganze März-Gefühl in letzter Zeit, das einem halb wahnsinnig macht, wenn man bedenkt, was dieses Temperaturen-Durcheinander gerade anrichtet in der Natur. Aber wir sind hier in dieser Region ansonsten echte Stiefkinder, was die Wintersonne angeht, so sauge ich auf, was immer es an hellen, fröhlichen Tagen gibt für uns. Die milden Temperaturen verlangen nach leichter Kleidung, nicht nach Wollwestchen oder Strickhose, darum die grünen Sachen auf dem Foto, denn meinem Baby reichten heute Strumpfhöschen und ein schlichter, weisser Body. Ich geniesse es, meinem kleinen Jungen die Kleider anzuziehen, die ich vor Jahren seinen grösseren Geschwistern angezogen habe. Alte Erinnerungen, überlagert und ergänzt durch neue. Und ich geniesse es genauso, meine Stricknadeln nur für ihn alleine klappern zu lassen, etwas ganz speziell für ihn zu stricken. Wie das holzbraune Wolljäckchen, von dem ich euch neulich erzählt habe, und das gerade fertig geworden ist. Nur die Knöpfchen fehlen noch. Aber das ist ja nichts Neues. Fehlende Knöpfe scheinen bei mir zum Babyjäckchen-Wachstums-Prozess mit dazu zu gehören. Oder aber es erzählt davon, dass ich nicht mehr alles auf Vorrat horte, sondern bewusster einkaufe und mich an dem orientiere, was ich wirklich brauche im Moment?
Genau aus diesen Bedürfnissen und Empfindungen heraus kamen heute drei wunderschöne Strangen tiefblaues Garn auf den Plan. Vorrats-Wolle, die geliebt und genutzt werden möchte. Meiner Freude an handgemachter Kleidung, das Glück, das ich empfinde, wenn ich einem meiner Kinder mit Wolle etwas Gutes tun kann, und mein Wunsch, nachhaltiger und genügsamer zu leben, trifft hier auf wunderbare Weise zusammen.
Ein Kinderpullover soll es werden. Für meine Zappelliese, die gewöhnliche Laden-Pullis eigentlich immer zu kratzig und scheusslich unbequem findet wegen den Nähten. Mit gestrickten Pullovern ist das ganz anders. Die mag sie richtig gerne. Sofern das Garn stimmt. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass Merino/Seide/Yak (von der Spinnwebstube) dem Fräulein Tochter sanft genug sind *zwinker*. Schön ist dieses Garn auf jeden Fall. Schon direkt edel, würde ich sagen…

„Dezembertage“ heisst meine kleine Serie zum Jahresende.
Ein Bild, wenige Worte, spontan und frei von der Leber weg.
Spass machen soll es. Mir und euch.
Die „Januartage“ setzen diese Idee im neuen Jahr ein wenig fort.
Ein huschhusch-Einblick in mein Leben mit Gruss und Kuss
raus in die Welt an alle, die das hier lesen…

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