fast ein Quilt: Scalloped Baby Blanket

„Du strickst doch nicht etwa eine Babydecke…?“ Das war die Frage, die mir Caro von den Naturkindern neulich stellte, als sie vor einer Woche das weisse Knäuel Strick-Arbeit in meiner Sofa-Ecke sah. Eine Babydecke? Stricken? Wer; Ich?! Hmmm…

Die Sache ist die; Wäre mein Geduldsfaden so lang, wie meine Begeisterung für Strickdecken gross ist, dann hätte dieses Baby bestimmt schon ein halbes Dutzend kuschelweiche Strickdecken, die es hier zuhause erwarten würden, allesamt von einer Mama gestrickt, die sich momentan sowieso ganz merkwürdig fühlt, wenn sie ohne Strick-oder Näh-Projekt dasteht und leere Hände kaum erträgt zur Zeit. Aber -und dieses „aber“ muss ich jetzt ganz dick und fett hinschreiben- ich bin ein ungeduldiger Mensch mit im Grunde nur wenig Talent zum Stricken. Schon die Baby-Höschen in winzigkleinster Grösse haben meine Ausdauer-Bereitschaft auf eine arge Proge gestellt…
Eine Babydecke stricken? So eine wie die hier, dieses Wunderwerk von Baby-Strickdecke zum Beispiel? (Habt ihr je sowas Schönes gesehen? Ach, Mayrlind… *schmacht*) Oder so eine vielleicht?
Wie gesagt, an der Begeisterung liegt es ja nicht, aber …

Aber… eine Babydecke wollte ich doch gerne haben, das schon. Jetzt gerade. Zum Trotz. Allerdings waren meine Nadeln sowieso schon wieder mit anderem besetzt, als mich vor etwa eine Woche samstag abends die ganz, ganz grosse Lass-uns-eine-Babydecke-machen-Lust überfiel.
Ein kleiner Quilt musste her. Ein ganz kleiner. Einer, der kaum Zeit in Anspruch nimmt, einfach, schlicht und ein kleines bisschen niedlich ist. (Schliesslich sollte er ja auch für jemand Niedliches sein.)

Simpel, schön, schnell; der einzige Quilt, der mir dabei in den Sinn kam, war …

… Amy Carols „Scalloped Baby Blanket“! (Aus ihrem Buch „Bend the Rules“)

Gemacht aus zwei Stück Stoff, die schlicht aber wirkungsvoll in einer Art Wellen-Kante zusammengesteppt, gewendet und ganz simpel mit ein paar geraden Linien gequiltet werden, kann diese Decke wirklich ein Projekt für einen einzigen (etwas längeren) Abend werden. Perfekt wenn man grosse Lust aufs Nähen, aber nur wenig Zeit hat. Perfekt für mich also, die ungeduldigste werdende Mama der Region.

Einen Tag zuvor hatte ich mir schon ein paar schöne Stoffe aus meinen Vorräten gepickt, die ich endlich auch einmal verwenden wollte. Ich hatte sie gewaschen, draussen in der Sonne getrocknet und auf Schadstellen geprüft, denn viele meiner Stoffe stammen aus dem Brockenhaus und sind nicht immer ganz taufrisch.

Der herrliche, alte Leinenstoff mit dem zarten Rosenranken-Muster zum Beispiel, der, den ich so schrecklich gerne mag, weil er ganz weich und verblichen geworden ist in all den Jahren seines (wahrscheinlich schon recht langen) Stofflebens, hatte bei Tageslicht besehen viel mehr Löcher, als ich gedacht hatte. Trotzdem; den wollte ich für meinen Babyquilt, den und keinen anderen.

Ich zerschnitt ihn kurzerhand in breite, lange Streifen und liess die verlöcherten Stellen einfach aus. (Es waren tatsächlich einige.) Die intakten Stoff-Stücke nähte ich dann einfach wieder zusammen, wobei das nicht immer ganz einfach war, weil das Leinen trotz allem Bügeln immer wieder knitterte und sich sowieso ziemlich „rutschig“ anfühlte. Angenehm auf der Haut, aber schwierig zu handhaben. Naja, besser als andersrum, oder?

Zum Rosen-Oberstoff, der ja nun ein regelrechtes Patchwork-Teil geworden war (*schulterklopf*), gesellte sich dann ein leichter, braun-rosa Flannell, aus dem schon meine Mama genäht hatte, damals für mich, die kleine Bora mit den Rattenschwänzchen über den Ohren.

Bei Quilts ist das immer so eine Sache, finde ich: Ich bin Feuer und Flamme, solange sich alles ums Stoffe-Kombinieren, Zuschneiden und Zusammennähen dreht. Doch sobald es ans eigentliche Quilten geht, gerät meine Begeisterung ins Stocken: Quilten fühlt sich nach Arbeit an. Quilten erscheint mir ziemlich kompliziert und schweisstreibend. Quilten macht mir  noch immer Angst.


Nun, die Nacht war nicht mehr ganz jung, und meine Babydecke so kurz vor der Vollendung, dass ich es nicht über mich brachte, unverrichteter Dinge zu Bett zu gehen. Also wählte ich die einfachste aller Quilt-Lösungen (die mir ehrlich gesagt ohenhin die allerliebste ist): das simple Knüpf-Quilten.


Ich mag diese Technik. Sie ist so einfach wie sie aussieht und darf auf eine lange Tradition zurückblicken. Ausserdem hält sie ganz hervorragend und eignet sich bestens für Quilts wie mein Scalloped Baby Blanket, wo ungleiche Stoffarten, die nicht so richtig flach zusammenliegen wollen, schon vor dem Quilten zusammengesteppt wurden. Wenn Stoffe rutschen und Wellen schlagen, kann so ein Knüpf-Quilten sie bändigen, ohne das Gesamtbild mit zu vielen, zu dicken Krinkeln zu stören.

Die Babydecke für mein Juli-Baby ist jetzt also fertig.
Sie ist simpel, schön, schnell und ein bisschen niedlich.

Genau wie ich es mir gewünscht hatte.

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13 Kommentare zu fast ein Quilt: Scalloped Baby Blanket

  1. Rita sagt:

    Als ich in einem Vorpost den Stoff und die Knöpfchen sah, dachte ich, da ist doch noch was im Busch;)
    Wunderbar ist die Decke geworden!!Super! Das Knüpfen mag ich auch sehr, gibt dem ganzen einfach einen irgendwie praktischen Touch!
    Die Wellennaht macht aus dem Quilt was ganz Besonderes und mit dem Blumenmuster passt es wunderbar!!
    Wünsch Dir gaaanz viel Freude mit der Quiltdecke und dem bald auf die Weltkommenden Erdenbürger natürlich auch;)!!
    Wünsch Dir einen ganz schönen Tag!
    Herzlich Rita

  2. enim sou sagt:

    Schön, Bora! Ein bißchen altmodisch auch, aber niedlich. Ich hätte diesen kleinen Quilt gerne mal so im Ganzen gesehen.

    Das Bild mit den Tüchern auf der Wäscheleine – das ist so eine Kindheitserinnerung von mir. Wir sollten zwar nicht zwischen den frischen Laken herumlaufen, aber wir haben es doch gemacht, weil es einfach Spaß gemacht hat, durch die Stoffe zu gehen, sie im Gesicht zu spüren, bis sie sich teilten und man zwischen ihnen heraustrat. Ich glaub, die kleine Dame auf dem Foto hatte auch so ihren Spaß daran…?

    Liebe Grüße. enim sou.

  3. Elke sagt:

    Hallo Bora,
    war wieder bei dir und träume von Handarbeiten und Hausfrauendasein. Alles was sich bei mir im Kopf und im Speicher stapelt beginnst und beendest du. Einfach zauberhaft. Und was mache ich- setze mich mit ner freundin aufs Rad schaue mir fremde Gärten und Blogs an und erfreue mich an der vielfältigen Welt.
    Liebe Grüße an dich und alles Gute von Elke

  4. selina sagt:

    Oh wiiiiiieeeee schöööööööön dein Babyquilt doch geworden ist!
    Und er schaut auf den Fotos doch recht groß aus – welche Maße hat er denn?
    Ich finde ihn jedenfalls echt hinreissend .. und die Vorstellung, dass da in ein paar Wochen dein Baby drauf schlummert oder hineingekuschelt wird 🙂

    Das mit dem Babydecke-Stricken hab ich übrigens an meine Oma ausgelagert! Hihi! Allein die Vorstellung, 200 Maschen auf der Nadel zu haben, lässt mich erstarren! Ich hätte auch nicht die Geduld und das Durchhaltevermögen dafür! Dafür mach ich viele andere Dinge fürs Baby und die Oma freut sich über den Auftrag!

    Alles Liebe!!! Selina

  5. Minomi sagt:

    Wunderschön, der Stoff ist so verwunschen und zart irgendwie. Passend für ein frisches Sommerbaby. Ich hoffe, du bekommst die letzten Wochen noch gut rum und es ist nicht zu anstrengend fur dich! (dein viertes Kind…wow)

  6. naturmama sagt:

    Das ist WUNDERWUNDERSCHÖN! Und auf der Rückseite der Stoff, den ich schon vor einiger Zeit bei Dir bewundert habe.

    Aber. WAS ist aus dem weissen Etwas geworden, das auf Deinem Sofa liegt? 🙂 Ich dachte nämlich schon die Decke aus dem NATURKINDER Buch 😉 Ach, Bora, es ist eh bald so weit, oder, mach nur langsam. Ich wünsche Dir ALLES GUTE, weiterhin.

    Liebe Grüss! Caro

  7. Birte sagt:

    Sehr schön, liebe Bora! Die Wellen sehen sehr schön aus – zeigst Du das kleine Kunstwerk einmal im Ganzen?
    Ich glaube, ich muss auch mal wieder eine Decke nähen. Du hast mir da richtig Lust gemacht!

    Liebe Grüße von der *lini*

  8. Stefanie sagt:

    Das ist eine schöne Decke geworden! Die bereitet euch bestimmt viel Freude. Und so Projekte, die mal „nur“ einen Abend beanspruchen finde ich klasse. Sonst bleibt bei mir zumindest auch mal etwas länger liegen bis es dann wirklich fertig ist.
    Liebe Grüße
    Stefanie

  9. Sanne sagt:

    liebe Bora,
    du bist einfach unglaublich!
    die Decke ist sehr einladend für so ein kleines Menschenkind.
    alles alles Gute für die letzten Wochen für dich und das Kindchen, Gott segne eure Familie.
    Sanne

  10. Raniso sagt:

    Wie schon einmal gesagt: Ich staune, was du noch alles schaffst! Holst du vor für Zeiten mit weniger kreativen Phasen? 😉
    Das Quiltverfahren mit Knüpfen kenne ich überhaupt nicht – das musst du mir bei Gelegenheit mal näher erklären… Mir gefällt vor allem der Rückseiten-Stoff sehr gut!
    Und hey, bald, wirklich bald ist es soweit und du hälst dein viertes Kind in den Armen 😀
    Ganz ganz liebi grüäss, anja

  11. Mairlynd sagt:

    Oh Du Liebe, danke für’s Verlinken! Schickst mal eben ein paar hundert Leser bei mir vorbei… 🙂

    Ich freue mich, dass meine Decke Dir so gut gefällt! Ich mag die runde aber noch lieber. Die grüne, eckige war ja für die Wachtel, und kurz zuvor wurde eine so schön bunte, kreisrunde fertig. Ich weiß gar nicht, ob Du sie auf meinem Blog gesehen hast? http://mairlynd.wordpress.com/2012/02/29/babydecke-ten-stitch-twist/
    Unheimlich schön und durch die Kreisform auch total praktisch! 🙂 (Und total einfach zu stricken!)

    Nähen würde ich auch so gerne können… aber dazu fehlt mir nach wie vor die Zeit. Ich hätte viele schöne Ideen, aber vorerst bleibe ich beim Stricken. 🙂

    Liebste Grüße, ich denk an Dich! (Bald hast Du Dein Baby!!)

  12. Alexandra sagt:

    wunderschöne Stoffe und was das daraus zauberst!

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