im Nestbau-Fieber

Draussen strahlt die Frühlings-Sonne. Nach ein paar eher kalten Tagen (unsere Heizung hat sich sogar automatisch wieder eingeschaltet!), spüre ich jetzt, wie es mich wieder nach draussen zieht, hinaus in den Garten, wo alles  jetzt so herrlich und kraftvoll gedeiht.  Überall sieht man jetzt geschäftige Vogelmamas und -Papas vom Nest hinaus in die Felder fliegen,  ununterbrochen, die Schnäbel voller Futter – oder mit einem kleinen Päckchen weissem „Vogel-Haushalts-Abfall“, das sie dann irgendwo mitten im Flug einfach fallen lassen. Neulich hätte es mich beinah getroffen, so ein Vogelkinderhäufchen, hihi…

Ich fühle mich ihnen gerade sehr verwandt, den Vogeleltern. Nester bauen, sichere Nester, die Platz bieten und Schutz, sie schön weich ausstaffieren, alles herrichten, damit die Kleinen es gemütlich haben, sobald sie ausgeschlüpft sind… Das sind Themen, die auch in mir plötzlich ganz viel Platz einnehmen.

Es hat mich wohl so ziemlich erwischt diesmal, das Nestbau-Fieber. Viel stärker als jemals zuvor, habe ich fast den Eindruck …

Zur Zeit…

… trage ich meinen Strick-Korb wirklich immerzu mit mir herum, von Zimmer zu Zimmer, um ja keine gute Gelegenheit zu verpassen, um dem einen meiner momentan 3 (ja, 3!)  Strick-Projekten zumindeste in paar Maschen hinzuzufügen…

… ziehe ich Gemüse ordentlich vor (naja, das bisschen, das überhaupt Platz hat in meinen Mini-Beetchen). Weil einen Art innere Fleissligen-Biene-Betriebsamkeit, mich dazu antreibt, für Essen zu sorgen, solange es noch Zeit dazu ist, und weil ich mich zur Zeit einfach am wohlsten fühle, wenn die Dinge erledigt oder zumindest vorgeplant sind. Man weiss ja nie, wann so ein Baby schlussendlich zur Welt kommen will, oder? Und für manches könnte es dann ja auf einmal zu spät sein…

… schlage ich plötzlich überall Nägel in die Wände. Etwas, was ich in meinem ganzen Leben noch selten getan habe. Wände, ob weiss oder bemalt, wirken auf mich immer ziemlich… unantastbar. Wie etwas Unberührbares, Reines, das keinen falschen Handgriff verzeiht. Die meisten meiner früheren Zuhause blieben eher spärlich bebildert und auch dieses Haus hier behielt bisher einen grossen Teil seiner reinen, kahlen Wände. Bisher- denn jetzt ist so gut wie nichts mehr sicher vor mir und meinem schlagwütigen Hammer. Ich will Bilder an den Wänden! Lebendigkeit! Farbe! Kunst! Persönlichkeit! Und zwar sofort *grins*

… stehe ich Stunde um Stunde über meinem Bügelbrett, das dampfende Bügeleisen in der Hand. Oder sitze an der Nähmaschine. Und das alles, weil mir schlagartig bewusst wurde, dass das Kind sehr wahrscheinlich Kleider brauchen könnte. Hübsche Kleider. Vielleicht sogar Mama-gemachte Kleider… Was sagt ihr da? Was denn da oben auf dem Speicher liegt, in den geschätzen vierhundertfünfzig Bananenschachteln, auf denen gross und fett „Baby-Kleider“ geschrieben steht? Ähmm… Keine Ahnung, ehrlich!

… umgebe ich mich gerne mit Dingen, die mich an die Zeit erinnern, die jetzt noch vor mir liegt: antike Babysachen (mein handgenähtes, spitzenverziertes, antikes Taufkleidchen vom Trödler zum Beispiel), Näh- und Strickanleitungen mit süssen Kinderseiten, Namens-Listen zum Durchgehen  oder ausgeschnittene Zeichnungen aus alten Kinderbüchern, wie das wunderhübsche Bild eines kleinen Indianerkindes, das in seiner Wiege dem Schlaf entgegen schaukelt…

… freue ich mich über jede saubere Ecke in diesem Haus. Zur Zeit vor allem über den blitzblanken Kühlschrank und die geputzte Gefriertruhe, die mein Mann und die Kinder mir auf den Muttertag „geschenkt“ haben.

Alles, was bereinigt und erledigt ist, schenkt mir ein Gefühl der Sicherheit. Des Bereit-Seins. Und dieses Gefühl ist es wahrscheinlich, nach dem ich im Grunde suche, bei all dem Geniste im Haus oder im Garten, ob ich stricke, nähe, Gemüse anpflanze, ausmiste oder die Wohnung schön herrichte.
Ich weiss, dass eine ganz andere Zeit auf mich zukommen wird, ein Ereignis, das eigentlich alles in ein Vorher und ein Nachher teilen wird. Ich bin ein wenig unsicher, ein bisschen nervös, vielleicht sogar ängstlich, wenn ich daran denke… Aber gleichzeitig stehe ich gerade so fest verankert im Hier und Jetzt, dass die Vor-Freude immer im Mittelpunkt steht.
Diese Zeit, wo alles Richtung Geburt hinzufliessen scheint, wo alles mich daran erinnert, dass baldbald ein neues Leben unmittelbar aus und bei mir beginnen wird, hat ihren ureigenen Zauber.

Wahnsinnig häuslich bin ich gerade, ja, unheimlich konzentriert vielleicht, auf meinen sich rundenden Körper, auf meine Familie, dieses Baby und die nahende Zukunft, ziemlich beschäftigt mit diesem und jenem… und dabei vollkommen glücklich.

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11 Kommentare zu im Nestbau-Fieber

  1. Micha sagt:

    Schön, dass es dir so gut geht! All die bezaubernden Einblicke zeugen davon!
    Hab einen wunderschönen Tag, Micha

  2. Raniso sagt:

    So schön! Habe mit heute zuerst nur deine Bilder angesehen und verband damit auch Glück und Zufriedenheit, aber vor allem Vorfreude 🙂 Hach Bora, bald darfst du dein viertes (wow!) Kindchen im Arm halten und läufst mit rosa Blick durch die Gegend 😉 Bei mir ist die Brille nach einer kurzen Krise auch wieder auf der Nase und das Leben ist super, der Haushalt geht dieses Mal sogar ziemlich gut von der Hand, trotz Baby (ich staune selber 😉 ), Essen gibt es immer pünktlich, aber halt auch häufig auch Schnellgerichte, aus der Dose oder Fast-fertig-Produkte (die Kinder lieben es) und herumfliegende Staub- und Haarknäuel (Kurzhaarfrisuren wären manchmal schon praktischer) kümmern mich meistens nicht. Du darfst dich wirklich vorfreuen 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

  3. Steffi sagt:

    Ach liebste Bora!
    Es freut mich so, dass es Dir im Moment so gut geht! Ich habe die schlimmen Tage nicht vergessen, als Du das Bett nicht verlassen konntest und Dich gefangen in Deinem Körper gefühlt hast. Umso glücklicher macht es mich, dass Du den Nestbautrieb mit Spaß und Freude und ganz bewusst genießen kannst!
    Nach langem Überlegen, Abwägen und Reden sind mein Freund und ich zu dem Schluss gekommen, noch ein Kind zu bekommen. Nun beginnt die Übungsphase, die meine Ungeduld wirklich strapaziert. Eigentlich eine geheimnisvolle Zeit: Jeden Monat kann es soweit sein, die Spannung steigt mit den Tagen, die auf die einzusetzende Periode zugehen und dann die Ernüchterung, wenn es augenscheinlich nicht geklappt hat, zumindest nicht dieses Mal. In derselben Nacht wacht mein Sohn fiebergeplagt auf und braucht meine ganze mütterliche Aufmerksamkeit und Pflege. Er liegt schwer atmend, schwitzend und rotgesichtig neben mir. Ich lasse ihn nicht aus den Augen, vergleiche seine Symptome mit früheren Kranktagen und mache mir Sorgen, hoffe, dass es nur eine normale Erkältung ist. Dabei wird mir bewusst, wie undankbar ich bin in meiner Ungeduld, so schnell wie möglich schwanger zu werden. Ich habe einen wundervollen Sohn, besser hätte ich ihn mir gar nicht wünschen können. Wie ich so neben ihm lag vorletzte Nacht, plagte mich mein schlechtes Gewissen ob meiner fast Gotteslästerlichen, sündhaften Ungeduld. Es ist nur so aufregend, berauschend geradezu, dass wir uns jetzt einig sind: Ja, wir wollen noch ein Kind! Nun möchte ich keine Zeit mehr verlieren. Aber es liegt nicht in meiner Hand. Ich muss loslassen…das fällt mir sehr schwer. Also, auf eine Neues!
    Liebste Grüße aus Bremen von Steffi

  4. Oh wie schön du das Nestbau-Fieber beschrieben hast! Du hast es eh schon bemerkt, ich bin auch schon mitten drinnen und genieße es jede Minute! Ich plane und tüftle, entdecke immer wieder neue Schnitte und Projekte, die ich umsetzten möchte …

    Aber keine Sorge, soo schnell entstehen die Strickprojekte auch nicht, wie ich sie jetzt gebloggt habe! 😉 Wir haben das kleine und doch so große Geheimnis ja recht lange für uns behalten und da hab ich schon vor einigen Wochen zu stricken begonnen! Und dann hat es noch einige Zeit gedauert, bis ich die Stücke fotografiert habe und dazugekommen bin, zu bloggen!

    Und mit dem Nähen für unser Zwucki starte ich ab morgen oder so! Heute muss ich noch ein großes Projekt für ein anderes kleines Menschlein, das jederzeit das Licht der Welt erblicken kann, fertig stellen!

    Die Muster von Drops mag ich auch sehr gerne! Die Wolle kenne ich gar nicht, die habe ich in Österreich noch in keinem Wollgeschäft gesehen. Und bei Wolle hab ich mich – anders als bei Stoffen – noch nicht übers online-Bestellen drüber getraut. Ich glaube, ich habe da noch zu wenig Erfahrung, wie sich welche Wolle, welche Zusammensetzung anfühlt… und das ist bei Wolle ja so wichtig! 🙂

    Bin jetzt schon sehr gespannt, auf deine drei Strickprojekte! Alles Liebe, Selina

  5. Oh wie schön, aufregend, einfach wunderbar! Vor einem Jahr habe ich mich genauso gefühlt. Und jetzt wuselt das Käferchen schon dem ersten Geburtstag entgegen. Das Chaos hat ein bisschen zugenommen, der Schlaf kommt noch ein bisschen kurz, aber es ist, als hätte das kleine Menschlein schon immer dazugehört. Man kann sich auf alle Fälle freuen auf das Nachher. 🙂
    Ein Kind erwarten und bekommen ist so eine wunderschöne Sache, danach könnte man glatt süchtig werden, wenn die kleine Stimme der Vernunft sich nicht immer mal melden würde …
    Trotzdem, einmal noch, und ganz bewusst genießen … Ich glaub, das wünsch ich mir schon. Mit 4 Kindern kann man eine Familie dann schon als halbwegs komplett empfinden als Großfamilienkind, denk ich jedenfalls. Oder was meinst du? 🙂

    LG Doro

  6. Wunderschöne Worte, die exakt beschreiben wie es mir im Moment geht. Ein paar Wochen sind es noch bis zum Termin, aber ob das jemand unserem Bauchbewohner gesagt hat? Also bin auch ich den ganzen Tag am räumen und putzen und Listen abhaken. Mit vielen Erholungspausen dazwischen natürlich.

  7. Larissa sagt:

    Liebe Bora,

    das klingt alles so kuschelig-gemütlich-glücklich! Und genau dieses GEfühl strahlen auch Deine Bilder aus, so schön!

    Das Grün der Stricksachen finde ich wunderbar und die Sachen von Drops mag ich auch sehr gerne, sie insprieren mich öfter zu meinen eigenen Baby-Strickkreationen!

    Ich grüß Dich ganz lieb!

    Larissa

  8. Rita sagt:

    Liebe Bora
    Wie gut kann ich mich noch an diese Zeit erinnern, so sauber und aufgeräumt war es seit her nicht mehr;)
    Dieses ungewisse Warten war aber auch zum Schluss recht mühsam….unser Kleiner wollte nicht kommen, auch nach 10 Tagen übertragen nicht…..
    Deine Wohnung und diese schönen Bilder sprechen für sich, viel Gemütlichkeit, Zufriedenheit und Freude, wunderbar;)
    Wann ist es denn soweit??
    Bin gespannt und wünsch Dir weiterhin frohes Schaffen mit vielen Auftankpausen!
    Herzlich, Rita

  9. Stefanie sagt:

    Hallo Bora,
    die Natur ist doch ein Schatz, was sie so alle „programmiert“ hat! Genieß die Zeit in der du ein heimeliges Nest für euer kleines Wunder baust. Es ist schön zu lesen, dass es dir gut geht und du so positiv nach vorne blickst. Ich wünsche dir ein schönes und entspanntes Wochenende 🙂
    Liebe Grüße
    Stefanie

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