Nesting: mein kleines Büro


Mittlerweile haben wir Mai. Noch gut zwei Monate, dann wird es Juli, Zeit für mein Baby zur Welt zu kommen…
Mein Bauch ist rund und schwer (und meine Oberschenkel erst! Ich wusste gar nicht, dass auch Oberschenkel schwanger sein können…), und ich fühle mich mit jedem Tag ein bisschen mehr in Erwartung.


Nachdem die Schwangerschaft so gut wie alle ihre Stachel verloren hat, ist plötzlich enorm viel Platz frei geworden; Platz für Kreativität, für all die kleinen Dinge, die ich eigentlich schon lange einmal machen wollte, Platz, mich wieder viel bewusster auf meine Kinder zu konzentrieren (Was für eine Freude! Ich hatte fast vergessen, wie viel Freude es machen kann, nur schon ein in sein Spiel versunkenes Kind einfach nur still aber bewusst zu beobachten), Platz fürs Kochen, fürs Kuchen-Backen (jetzt, wo ich auch Zucker kein Problem mehr ist für mich), Platz für meinen Garten, der mit einem regelrechten Gärtnerinnen-Rausch hier wieder zum Leben erwacht, Platz für all die Kleinigkeiten des Lebens, die mein Leben erst so richtig … erfüllend machen, und die sich so schwer geniessen lassen, wenn man sich krank und elend fühlt.
Jetzt, wo es wieder mir gehört, dieses Leben, und nicht mehr diesem Krankheistgefühl, scheine ich es wieder völlig ausfüllen zu wollen, ausfüllen mit dem, was ich liebe, mit dem, was mich ausmacht, irgendwie.


Die Energie dazu ist auf einmal wieder da. Und ich merke wie Urinstinkte in mir erwachen, die mir raten, diese Energie noch so lange wie möglich auszunutzen. Ich verfalle in Geschäftigkeit. In fröhliche Geschäftigkeit. Der Nestbau-Trieb.


Es ist eine gute Zeit, irgendwie. So voll und erfüllt, weil alles auf ein Ziel hin weist, weil alles, was ich tue, so viel Sinn zu machen scheint. Und ich brauche das -vielleicht mehr als alles andere- dass die Dinge einen Sinn machen…

In einem Anflug von … Einnistungs-Lust, stand ich einmal ganz oben im dritten Stock, in der grossen Nische zwischen drei Zimmern, dort wo wenigstens ein teil der Wand schon verputzt und die Holzbalken darin freigelegt sind. Der Boden ist eine einzige Kathastrophe aus alten, halb verwitterten Dielenbrettern, die an manchen Stellen so weit und tief auseinaderklaffen, dass schon mehr als ein Lego-Teilchen darin verschollen ist.


Aber das Dachfenster bringt herrlich viel Licht und die weiss gestrichenen Wände spiegeln es wieder, und alles wirkt hell und freundlich und furchtbar einladend auf mich.

„Hier will ich mein Büro haben“, dachte ich plötzlich. Und so kam es auch…

Ich brauchte etwa einen halben Tag, um all den angesammelten Gerümpel irgendwo anders unter zu bringen, ein bisschen sauber zu machen und meine Nische für mich zu erobern. Eine Arbeit, die mir sonderbarerweise von Minute zu Minute leichter fiel. Sich einzunisten setzt wohl oftmals mehr Energie frei, als es aufbrauchen kann…


Und jetzt ist sie „mein“, diese Ecke unter dem Dach dieses grossen Hauses. Meine Ecke. „Mein Büro“, wie ich es nenne, obwohl es weder eine Türe zum Zuziehen gibt noch vier Wände, die ein richtiges Zimmer daraus machen würden.


So wie es ist, „mein Büro“, so ist es … absolut perfekt. Ich bin immer irgendwie mittendrin im Familiengeschehen- und kann mich doch ab und zu davonstehlen, mir meinen Laptop aufklappen, in meiner Tisch-Schublade wühlen, den Sprüche-Kalender, den Sanne mir geschenkt hat, und den ich so gerne mag, ein wenig durchblättern, mir inspirierende Zeitschriften-Artikel an meine kleine Pinnwand heften, tagträumen, To-do-Listen schreiben…


… ein bisschen vor mich hinkritzeln oder  in neuen Lieblingsbüchern schmökern, ohne mich allzu sehr niederzulassen und dann nicht mehr recht hochzukommen, zurück in den Alltag.

Direkt unter dem Dachfenster steht ein wackliger, ziemlich langer Tisch, der schon mehr als einmal fast auf dem Sperrmüll gelandet wäre, weil nicht einmal der Trödler ihn noch wollte. Mit einem meiner alten Leinentücher wirkt er jetzt aber fast schon edel, finde ich, und die freie, weisse Fläche zieht sie fast magisch an, all die netten Ausstellungs-Stücke, die mir zwar am Herzen liegen, die aber ihren richtigen Platz noch nicht finden konnten…


Jetzt wird hier wohl meine Wander-Ausstellung tagen. Die Vernissage machen ein paar fast vergessene selbstgemalte Bilder aus meiner Jugend-Zeit  als ich meinen Traum, ein Kinderbilderbuch zu machen, noch mit Leidenschaft verfolgte (sie werden etwas unprofessionell gestützt von einem rührend handgemachten, feuerroten Holz-Modell-Boot, das Kind1 beim Trödler entdeckte)…

Was als nächstes kommt? Bemalte Steine? Gartenbücher? Keine Ahnung.
Vielleicht Baby-Kleidchen zum Aussortieren – und zum Mich-Vorfreuen…

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18 Kommentare zu Nesting: mein kleines Büro

  1. kristl sagt:

    oh…ich sehn mich auch nach so einem Ort…müsste nur mal das Büro auf vordermann bringen, sortieren, Alage machen und dann einrichten…hoffe ich schaff es auch bald! sieht herrlich aus bei dir!!!

  2. Marta sagt:

    Ohh, wie schön….nur so eine Ecke, aber NUR für Dich! Hätte ich auch soooo gerne….vielleicht irgendwann… Viel Spaß mit deine Büro!

  3. Wie schööööön! Ein Traum, so ein Eckchen für sich zu haben! Und deine Bilder sind ja wundervoll! Interessant, ich träume auch davon, mal ein Kinderbuch zu illustrieren. Hab aber leider schon ewig nicht mehr gezeichnet, seit die Kinder da sind. Irgendwie fehlt mir die Muse. Aber ich muss das mal wieder ausgraben …

    LG Doro

  4. nima sagt:

    Das ist ein tolles Plätzchen ganz für dich ♥ Vorallem das auch noch die Sonne so nett reinscheint – das muss toll sein dort zu sitzen 🙂

    Ich wünsch dir ganz ganz viel Freude mit deinem „neuen“ Ort und beim Geniessen vom Nestbautrieb!

    Alles Liebe nima

  5. Raniso sagt:

    Toll so eim Plätzchen nur für dich, wo du trotzdem nicht völlig abgeschottet bist! Das ist so viel Wert finde ich! Den Teppich kenne ich doch irgendwie… 😉
    Und wow, du hast wirklich eine grosse Begabung, deine selbstgemalten Bilder sehen wirklich superschön aus!!
    Ganz liebi grüäss, anja
    P.S. Bei das Wort Urinstinkte bin ich zuerst ein wenig gestolpert beim Lesen… *lach*
    P.S. Das mit der Hand deines Mannes ist ja doof! Und erst am Montag wird er operiert? Sehen wir uns jetzt eine Weile nicht, weil er nicht Autofahren kann? Wird ja höchste Zeit, dass dein Büchlein in der Schublade auf Bild Nr. 3 zum Einsatz kommt 😉

  6. Pünktchen sagt:

    Liebe Bora, ich freue mich sehr für Dich. Ich kenne das Gefühl gut, daß man ein kleines Eckchen mal für sich haben möchte. Wenn der mittlere, große Bereich oben fertig ist, wird meine Ecke irgendwo an der Gaube sein. Darauf freue ich schon jetzt so sehr. Dir wünsche ich auch künftig viele schöne Einfälle, von denen wir Leser uns dann ispirieren lassen dürfen. Welch‘ eine Freude…

  7. selina sagt:

    Ach Bora, wie ich mich mit dir freue! Dass es dir nun in der Schwangerschaft gut geht! Dass du viel Energie und Freude hast, zum Nest-Bauen, dir ein eigenes Büro – das ich übrigens wirklich großartig finde! – einzurichten, den Garten zu bepflanzen…
    Ich bin so dankbar, dass es mir in der Schwangerschaft so gut geht, gerade mal 2 Wochen mit kleinen Wehwehchen am Anfang, aber das lies sich recht gut aushalten. Und jetzt habe ich auch so viel Energie und bin voller Tatendrang, einzig die Abwesenheit meines Liebsten lähmt mich dieser Tage von Zeit zu Zeit, das Vermissen ist wirklich nicht schön. Aber ich versuche, mich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, plane, stricke, nähe, gärtnere etc.
    Also, ich freu mich so mit dir!!!! Herzlich, Selina
    Ach ja, hast du meinen heutigen Post schon gesehen? 😉

  8. Minomi sagt:

    Liebe Bora, du liest dich so unlaublich ruhig, entspannt und zufrieden. Wie wunderbar. Ich freue mich sehr, sehr , sehr für dich, dass es dir gut geht, dass du die Schwangerschaft und deine Familie (dein Leben!) genießen und den Nestbautrieb voll ausleben kannst! (ich warte nach wie vor auf den Nestbautrieb, er wird wohl nicht mehr kommen; zu unwohl fühle ich mich in unserem Haus)
    Wie schön, dass du nun sogar ein eigenes Büro hast. Wie lange es wohl deins bleibt? Schmunzel… Irgendwann nehmen doch die Kinder unsere Nester in Beschlag 😉
    Ich grüße dich ganz lieb! Ich bin momentan nur noch am waaaaaaaarten…
    (bei mir ist es ja ein Maibaby)

  9. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    Deine Bilder sind ja super! Ist das ein Milch-Bergbach, der da munter vor sich hinplätschert? Den Traum vom Kinderbuchillusstrieren würde ich nicht aufgeben an Deiner Stelle, soweit ich das beurteilen kann aus den Fotos heraus, sind die Bilder ganz zauberhaft, ja es haftet ihnen ein Zauber an, der Kinder und die vorlesenden Eltern in eine andere Welt entführt…

    Liebste Grüße von Steffi aus Bremen

  10. Susanne sagt:

    Liebe Bora,
    ich mag die alten Dielen, deinen Tisch und vor allem deine wunderwunderschönen Bilder….wow, die sind so toll!!! Und freu mich sehr zu lesen, dass es dir so gut geht:)!
    sei ganz lieb gegrüßt
    Susanne

  11. Rita sagt:

    Was für ein schöner, einladender Ort! Die Einrichtung gefällt mir sehr und dieser kleine behühtende Ort ideal für eigene Gedanken und Ideen!
    Mein „Reich“ ist ebenfalls im obersten Stock (3. Stock), wo ich mich zurück ziehen kann! Aber der ist bereits sehr gefüllt;)
    Müsste da mal ausmisten, damit die Gedanken wieder etwas „Freier“ würden;)
    Wünsch Dir weiterhin viel Spass beim Nestbau, dieser Trieb entwickelt enorme Kräfte! Schau gut zu Dir!!
    Alles Liebe, Rita

  12. Sanne sagt:

    liebe Bora,
    von Herzen freue ich mich mit dir über deine Lebensfreude. Ein eigenes Büro, wie schön!
    unser Büro ist neben der Küche, vollgestopft mit Kram, Bürokram …….deins ist soviel einladender.
    ach ja, deinen grünen Blümchenstoff kenn ich wohl doch nur von dir, ich hatte mir eingebildet, auch was davon zu haben.
    Gestern hab ich genäht!!!
    deine Bilder und Gedanken gaben den letzten , wohlwollenden Anstupser.
    herzlichst (besonders mit einem lieben Bauchstreichler) und alles Gute für deinen Mann, ja?
    Sanne

    • kirschkernzeit sagt:

      Naja, weiss du, ich hab ja auch nicht sonderlich viel „echten Bürokram“, den ich hier in diese Ecke stopfen müsste… Sonst würde es hier wohl auch ganz anders ausschauen;-) So wie bei meinem Mann im Büro eben… der muss alles alleine ansammeln an Rechnungen und Belegen und das wirkt dann antrülich schon rasch sehr viel voller und ist wohl auch schwieriger übersichtlich zu halten… Mein „Büro“ ist ja wohl eher eine Ablage-Ecke nur für Laptop und Kamera-Kabel undein paar Nettigkeiten… Luxus eigentlich, wenn ich ehrlich bin. Aber so ein bisschen Luxus ist doch was Schönes, nicht? 😉

  13. Biba sagt:

    Ich liiiiiiiebe deinen Blog!
    Und die Sanne, die dir den Kalender schenkte, die kenne ich, die wohnt hier ganz in der Nähe!
    So klein ist die Welt!

    Schreib‘ weiter, Bora, schreib‘ weiter!

    Darüber freut sich – die Biba!

    • kirschkernzeit sagt:

      Lieb von dir! Und grüss die sanne von mir ganz, ganz herzlich, ja ? Sie hat mir mit ihrem Paket so viel Freude gemacht!

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