neu für mich entdeckt: Bücher binden

Die Welt ist eine Wundertüte, findet ihr nicht auch?
An zwei „Orten“ wird mir das immer ganz besonders bewusst: im w.elt-w.eiten-w.underland und in Büchereien. Dort wird es so quasi handfest sichtbar: die Welt ist eine Wundertüte. Voller Überrraschungen und den wunderbarsten Kleinigkeiten und Ideen, immer wieder neu bestückt von unfassbar kreativen, begabten Menschen.

Ich stöbere so gerne darin, in diesem Pool der unbegrenzten Möglichkeiten (wobei ich dafür die Bücherei fast ein bisschen bevorzuge, glaube ich…) und ich mag das Gefühl wachsender Unruhe, das mich erfasst dabei, diese kribbelnde Vorfreude darauf, eine schöne Neu-Entdeckung selber auszuprobieren. Und irgendwann, ja irgendwann, manchmal erst nach Monaten oder sogar Jahren, manchmal aber schon innerhalb von wenigen Stunden, wird daraus vielleicht jener herrlich belebende innere Wirbelwind, der immer dann in mir zum Leben erwacht, wenn mich etwas so richtig packt.
So wie neulich …


Handgebundene Bücher fand ich ja schon immer ganz besonders schön. Als passionierte Tagebuch-Schreiberin fand auch das eine oder andere Exemplar davon seinen Weg zu mir (und lagert jetzt mit seinen Kumpanen bis die Tage in einer halb verotteten Bananenschachtel im Estrich). Aber selber Bücher binden? Nein, irgendwie kam mir dieser Gedanke immer ziemlich fremd vor.
Die einfachen Notizbüchlein, die ich vor über einem Jahr einmal mit der Näh-Maschine zusammengeschnurpft hatte, die ja, die mochte ich sehr gerne, und die brachte sogar ich zustande, aber echte Bücher binden? So mit Deckblatt und verleimten Buchseiten und Buchrücken und so, nein, so etwas erschien mir einfach absolut abwegig und viel zu komplex. Wie echtes Kunst-Handwerk eben. Und mit Kunst ist das bei mir so eine Sache…


Aber manchmal sind die Stolpersteine, die man sich ausmalt im Grunde ärger als diejenigen, die einem schlussendlich tatsächlich im Weg liegen, wenn man sich denn einmal aufmacht, neues Land zu erobern. Manchmal liegt der alleschwierigste Teil einer Arbeit gar nicht in der Arbeit selber, sondern darin, all die Anfangs-Ängste und falschen Vorstellungen zu überwinden, die einem schon viel zu lange davon abhalten konnten, sich an etwas Neues heran zu trauen.

Der erste Schritt ist wohl immer der schwierigste. Aber vielleicht auch der Entscheidende.

Ihr glaubt gar nicht, wie lange das wunderbare englischsprachige Buch-Binder-Buch „At home with handmade books“ schon bei mir auf dem Sofatischchen gelegen hat und wieder und wieder von mir durchgeblättert werden musste, andächtig, bewundernd, bis ich es endlich schaffte, Nägel mit Köpfen zu machen…


Aber schliesslich war es soweit (bzw. ich war soweit): Ich holte einmal tief Luft, nahm mir den kleinen Stapel alter Bücher, den ich schon über Monate für genau diesen Moment gesammelt hatte… und legte los. Einfach so. An einem ganz ordinären Vormittag mitten unter der Woche. Mit einem bastelnden, kleinen Mädchen neben mir am Tisch.

Das Ergebnis: eine neue Lieblings-Beschäftigung, ein weiterer Grund für einen immerzubelegten, sprich allzeitbereiten Stuben-Tisch voller Papierschnipsel, Leim, Stanz-und Nähwerkzeug und -und das ist das Allerbeste dabei- ein kleiner Stapel frisch gebundener Bücher, die allesamt Buchumschläge tragen, von Büchern, die zuvor im Brockenhaus im Alpapier lagen…


Recycling at its best, finde ich.

„At home with handmade books“ zeigt eine ganze Reihe eher einfacher japanischer Buch-Binde-Techniken, die man allesamt mit stabilem (gewachsten) Faden von Hand zusammennäht. Die Einfachheit und Schlichtheit dieser Arbeit hat mich masslos erstaunt, muss ich zugeben, vor allem deshalb, weil schon ein absolut simples Notizheft mit nur vier „Nähten“ schon ein äusserst stabiles und schönes Büchlein abgibt, dem man kaum ansieht, wie rasch es zustande kam.


Man kann im Nullkommanichts und so quasi aus dem Altpapier-Korb ein vollkommen funktionales und hübsches Notizblöcklein hervorzaubern. (Nur Mut also, Pünktchen! Du schaffst das ganz bestimmt!)
Oder sich die Zeit (und den Spass!) gönnen, eine kleine Kostbarkeit in allerfeinster, höchsteigener Handarbeit ganz langsam und sorgfältig heranwachsen zu lassen. Mit akurat geschnittenen, ordentlich geleimten und kunstvoll gebundenen Seiten, mit Deckblatt und speziell für seinen Zweck desigtem Einband. Und mit ganz viel Liebe.
Eines jener Kunstwerke, wie man sie immer in der Papeterie bewundert hat und an die man sich nie herangetraut hätte, eigentlich.

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16 Kommentare zu neu für mich entdeckt: Bücher binden

  1. Das sieht klasse aus und erinnert mich an meinen Großvater. Der war ein einmaliges Allroundtalent, konnte irgendwie einfach alles. Auch Bücher hat er selbst gebunden – mit wunderschönen Leineneinbänden mit geprägten und vergoldeten Schriftzügen oder Symbolen und allem Drum und Dran.
    Man kann wohl alles schaffen, was man stark genug will. Man darf sich nur nicht den Mut nehmen lassen, wie du schon sagst …
    Dir viel Freude mit deinem neuentdeckten Hobby!

    LG Doro

  2. Pünktchen sagt:

    Aaaah Bora, Dein Blog ist das Himmelreich für mich, zugleich auch mein Untergang 😉 Du machst mir eine kaum auszuhaltende Lust auf all diese schönen Dinge wie das Stricken einer Shalom-Jacke, nähen, jetzt auch noch das Buchbinden… Und Letzteres hat mich schon IMMER interessiert. Denn ich habe eine unbeschreibliche Schwäche für Papier und seine so unterschiedliche Haptik – aber dazu irgendwann mal mehr bei mir drüben im Blog. Es gibt soooooo vieles, was ich machen und ausprobieren möchte. Ich weiß nur derzeit einfach nicht, wo ich das zeitlich unterbringen soll. Nicht, daß ich so garkeine Zeit hätte… Die habe ich natürlich, aber eben nicht in ausreichendem Maße und am Stück, wie ich sie gerne hätte. Aber in einigen Monaten vielleicht…, wenn es denn hier in groben Zügen weiter gegangen ist. Dann…, dann fängt mein persönliches Himmelreich an. Bis dahin schaue ich immer wieder gerne hier vorbei, hole mir Inspiration, um meine ohnehin schon lange Wunschliste noch länger werden zu lassen.

  3. Raniso sagt:

    Oooh Bora! Das ist etwas für mich!!! Ich wollte immer schon ein eigenes Büchlein binden und dann gestalten… Danke für den Buchtip und das Mut machen zum selber kreativ werden. Kommt fast zu oberst auf meine I-like und To-do-Liste 🙂
    Ganz liebi grüäss, anja
    P.S. Werde dir heute Abend auf deinen Kommentar bei mir antworten, gell.

  4. Manuela sagt:

    Ach Du Tausendsassa, Du 🙂
    Ja, Buch binden ist eigentlich ganz einfach, ich habe mir das auch viel schwieriger vorgestellt. Allerdings gebe ich so was beim Mann in Auftrag (der ist vom Fach), das macht es natürlich noch viel einfacher *g*.

    Ich finde Deine neue Frisur übrigens toll, Du siehst damit ganz anders aus, aber es steht Dir supergut.

    Liebe Grüsse und einen schönen 1. Mai,

    Manuela

  5. Elisabeth sagt:

    Deine Ideen sind immer so besonders. Hübsch sehen sie aus die Bücher.
    ich wünsch Dir einen wunderschöne Mai
    liebe Grüsse
    Elisabeth

  6. naturmama sagt:

    Frau Kirschkernzeit, jetzt schreibst Du aber schon wieder ganz schön fleissig 😉 Deine Buchbinderei ist grossartig! Das sind solche Sachen, wo man sich echt mal einen Ruck geben muss, oder? Und dann macht es riesigen Spass. Schön.

  7. JenMun(a) sagt:

    oh Bora, danke für den Tip..das ist ja wunderschön was du da gewerkelt hast! und zusammen mit deinem Kommentar bei mir bringt mich das gerade auf eine Idee..danke für die Inspiration..und ich denke um das schöne Buch komm ich wohl nicht mehr drum herum;)
    alles Liebe!

  8. Rita sagt:

    Das ist super gell! In der Oberstufe hatten wir mal Projektwoche und ich war bei den Papierschöpfern/Marmoriern und Buchbindern dabei. Muss mein Buch mal suchen, hab’s noch immer;) Hüte es wie einen Schatz. Die Technik ist gar nicht so schwierig und machte damals grossen Spass!
    Deine Bücher finde ich Klasse, aus Alt mach Neu;)
    Tagebuchschreiben könnte ich auch wieder anfangen, hatte es früher eine zeitlang gemacht, aber meine Geschwister konnten es sich nicht verkneiffen, meine Tagebücher zu lesen….das war nicht so toll. Aber jetzt vielleicht;)
    Ich wünsch Dir auf alle Fälle einen schönen Tag und Göga weiterhin gute Besserung!!
    Herzlich, Rita

  9. Tinki sagt:

    Liebe Bora, welch eine schöne Beschäftigung und sinnvolle Nutzung von Papier. Wie liebe ich auch die kleinen selbstgebundenen Büchlein. Am liebsten mit einfarbigen Papier umgeben von schönen kleinen handgemachten Einbänden, zum skizzieren, schreiben , kritzeln… welch eine Freude, die nun selber gestalten zu können. Welch eine Kunst Du Dir da geschaffen hast. Es ist eine tolle Idee und wunderschön ausgeführt… als nächstes kommt dann das selbstgeschöpfte Papier als Krönung?
    Ich persönlich liebe diese Büchlein und bin wie Du – nein – ich selber Büchlein binden – niemals. Vielleicht sollte man sich an soche Dinge wirklich einmal herantrauen. Danke für das Mut-Machen, danke für die schönen Bilder und die Inspiration!
    Wunderschöne kleine Heftchen hast Du gemacht!
    Liebe Grüße Tinki

  10. Nikki sagt:

    super-schön und so anregend, es mit den eigenen ängsten und herausforderungen einfach zu versuchen. lg, nikki

  11. Flavia sagt:

    So Bora, jetz schaff ichs endlich au emal bi dier en Kommentar z hinderla.. nach dem ich ja scho sit ewigkeite eifach eso heimlich bi dier idim bloggerläbe umeschmöckere 😉
    Ich findes bewundernswert wie du nebed dim alltag oder besser i dim alltag schaffsch, na sovil kreativität inezbringe! Ich chan mier nume vorstelle wievil ziit und geduld das bruch! also hut ab 😉
    dini selberbundene Büecher gsehnd super us, am beschte gfallt mer das mit de Rezept!
    liebi grüess und bis bald, ich hoffe dass d hand vo dim allerliebschte guet chan heile!

    • kirschkernzeit sagt:

      Willkommä, Flavia!
      Schön, dich … ähm… z’läsä! Und dankä für die liäbä Komplimänt! Ich glaub, mit baby bin ich dänn au gar nümm so aktivwie grad jetzt… mit numä em Arm wo dännna frei isch… Ich mach smeischtä so näbädbii i ganz chliinä Schrittli-und eigentlich mahc ich ja gar nöd so vill, weisch; Ich glaubä ich schriibä einfacht über alles doppeltund drüüfach 😉
      Also, dankä namal! Und du dörfsch antürli au eifacht ä „heimlichi“ Läsärin sii, gäll! Ich freu mich sowieso, dass du ab und zuä da mitlisisch!
      Bora
      PS. D‘ hand wirdnächschti Wuchä operiertund chann eigentlich erscht dänn heilä 🙁 Es isch scho chli blöd, will er na sooooooo vill zu machä hätti, au im Gschäft, und viles einacht nöd delegiere chann-und am PC tippä mit nu einere Hand isch eifacht doof…

  12. Teresa sagt:

    Wunderbar, deine selbst gebundenen Bücher! Ich habe eine zeitlang auch selbst Bücher gestaltet (bzw. habe es versucht…:-), aber nie mit Anleitung, sondern immer aus dem Bauch heraus. Das Ergebnis war dann immer voller Ecken, Kanten und kleinen Macken, aber irgendwie charmant. Irgendwann werde ich das Projekt „Buchbinden“ auch nochmal angehen…
    Liebe Grüße an dich!
    Teresa

  13. Valrike sagt:

    Hallo,
    das sieht ja wunderhübsch aus, was Du da gezaubert hast.
    Irgendwie kreuz das Thema Bücher binden immer häufiger meine Wege in letzter Zeit. Vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren. Ich dachte bisher an sowas wie Notizbücher. 🙂
    Viele Grüße Ulrike

  14. Frau Müller sagt:

    Das ist ja eine tolle Idee und diese sichtbaren Nähte sind echt schön!
    Ich hab auch das Thema Notizbücher auf meiner To-Do-Liste stehen, vielleicht nehmen ich die Idee mit dem Binden auf – ich habe gerade ein paar alte Kinderbücher ausgemistet (Die haben leider den Keller-Aufenthalt nicht trocken überstanden *seufz* ), vielleicht sind da noch ein paar brauchbare Buchumschläge dabei…

    Viele liebe Grüße von Frau Müller

  15. Mir gefällt die Idee, beim Binden von Büchern das Recycling zu berücksichtigen. Während ich vielleicht in Zukunft versuchen werde, einige Bücher zu binden, muss ich jetzt schon die Bachelorarbeit meines Sohnes professionell binden lassen. Dennoch werde ich nach professionellen Buchbindereien Ausschau halten, die das Recycling in ihre Arbeit einbeziehen.

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