Chaos-Theorie


Die letzten späten Abend- und sehr frühen Morgen-Stunden habe ich zwischen den Seiten eines Buches verbracht, das mich unheimlich inspiriert hat – und den Wunsch in mir weckte, sofort eine Kittelschürze umzubinden, mir einen Blecheimer mit heissem, schaumigem Wasser zu füllen, Putzlappen und eine alte Zeitung zu schnappen und sämtliche Fenster dieses Hauses auf Hochglanz zu polieren!
„Simple Country Wisdom“ von Susanne Waggoner ist ein Buch, das Lust aufs Ordnen, Entrümpeln, Saubermachen macht. Und vor allem: Lust auf entspanntes, schönes Wohnen.


Es ist nicht das einzige Buch dieser Art, das ich habe. Aber ich glaube, es ist dasjenige, das mich jedes Mal wieder so richtig zu packen vermag und mich mit einem Energie-Boost davonsausen lässt in Richtung unserer überall verstreuten Socken und eines noch immer irgendwie ungelösten Lego-Ordung-Systems. Denn so sehr ich ein gut organisiertes Haus auch liebe und geniesse: Wir sind eine Chaos-Familie. Man sieht kann es zwar nicht immer so gut erkennen auf meinen Blog-Fotos, aber ihr dürft mir ruhig glauben wenn ich das sage: Wie sind eine Chaos-Familie. Eine eingefleischte Chaos-Familie sogar.


Nach dem Durchblättern und Bestaunen der Wohnzeitschrift-mässig wunderschönen Fotos von blitzsauberen Landhaus-Küchen und auf Hochglanz polierten antiken Möbeln, gehe ich ins Kinderzimmer- um Pijamas aufzuheben, die in aller Eile dort liegen blieben, wo sie gerade hinfielen und Donald Duck Comics einzusammeln, nicht nur rund ums Bett sondern auch im Bett (es ist kalt und grau draussen; Lese-Zeit).


Auf dem Spielzimmer-Boden liegen kleine Haufen von Puppenkleidchen, verstreut von meinem kleinen Puppen-Mütterchen auf der Suche nach dem Outfit, das ihre Puppe sich gerade wünschen könnte und unten beim Eingang steht ein paar Winterstiefel (wie man sie immer noch braucht hier bei den tiefen Temperaturen gerade) direkt vor der Haustüre: eines davon trocken, aber zerschlissen, einer ganz aber pflotsch-nass. Er hatte, weil ihn jemand vergass, die Nacht draussen im Garten zubringen müssen. Im Regen.


Chaos ist mein Alltags-Gefährte. Kein besonders angenehmer vielleicht, aber wenn man lernt, sich mit ihm einigermassen zu arrangieren und sich nicht von ihm auf der Nase herumtanzen zu lassen, verliert er doch ein wenig seinen Schrecken. Ich räume weg, was ich gerade wegräumen kann, ich putze mehr nach einem inneren Rhythmus als nach Plan, ich versuche, den Kindern mit-Verantwortung bei zu bringen, was das Ordentlich-und-Sauberhalten unseres Zuhauses angeht, ich gebe mir Mühe, jeden Tag wenigstens einmal eine wirklich einladende Küche zu bewohnen (und wieder zu verschmutzen), ich möchte innerhalb nützlicher Frist herausfinden können, ob die Nudeln im Vorrat noch ausreichen, oder ob ich doch Pellkwartoffeln machen muss zum Mittagessen und immer ungefähr wissen, wo meine Stoff-Schere und Rundstricknadel Nr. 4.5 zu finden sind … aber mehr nun auch wieder nicht. Oder sagen wir; nicht viel mehr.


Irgendwann im Laufe der Zeit habe ich eingesehen, dass ich ein anderer, ein entspannterer Mensch bin, wenn ich versuche, ein Stück weit mit dem Chaos zu leben, anstatt den ganzen Tag damit zuzubringen, einen ständigen Kampf dagegen zu führen, in dem ich doch immer nur die Verliererin sein werde.

Die chaotischen Kräfte unserer Familie zu akzeptieren macht mich gelassener. Und bündelt meine Energien: Seit ich mich nicht mehr immerzu verantwortlich zu fühlen für jede Unordnung in unserem Haus und nicht jeden überfüllten Tisch als Appell an mich verstehe, kann ich mich besser darauf konzentrieren, wer hier eigentlich wo seine Spuren hinterlässt… Ein wichtiger Schritt wiederum in Sachen „zusammen leben, zusammen arbeiten.“


Und in gewissen Momenten, in denen, die ein bisschen kreativer und beschwingter sind zum Beispiel, wo die Kinder sich zusammenhorden und Schnipsel und Gesprächsfetzen fliegen lassen, wo es pulsiert und generiert und so richtig lebt unter unserem Dach…


… in gewissen Momenten, da ich finde ich unser Chaos sogar
ein kleines bisschen sympathisch.

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19 Kommentare zu Chaos-Theorie

  1. iLilly sagt:

    Toller Post!! Chaos hin oder her, bei euch sieht es sehr gemütlich aus! 🙂 LG

  2. Pünktchen sagt:

    Hach Bora, wir sind wieder verwandt oder verschwägert, und hier warst Du auch nie gewesen. Oder vielleicht doch 😉 Oh, ich kann ein Lied über das Chaos singen… Aber statt dessen lest hier:
    http://2papatyam.blogspot.de/2011/07/die-kammer-des-schreckens.html

  3. kristl sagt:

    Und ich erst!!! Ich übe mich auch noch im Leben mit dem Chaos, brauche ich eigentlich fürs Wohlfühlen Ordnung und alles an seinem Platz…aber Kinder kriegen und mit Kindern leben lehrt einen auch Ruhe im Chaos zu finden, gell? Herzlichste Grüße!!!

  4. katobia sagt:

    Ich bin auch noch beim Lernen, mit dem Chaos zu leben, statt mir von ihm das Leben schwer machen zu lassen. Beim nächsten Verzweiflungsschrei angesichts eines in nullkommanichts wieder zugekramten Zimmers werde ich mich an Dein post erinnern und mich in Gelassenheit üben 😉
    LG, katobia

  5. Pia sagt:

    Oh,das kenn ich doch;-) Ich räume ein Zimmer auf und gleichzeitig wird ein anderes Zimmer auf den Kopf gestellt…und falls die Kinder nicht für Chaos sorgen,dann ganz bestimmt die Hunde oder Katzen oder eine entlaufene Ziege auf der Terrasse….

    Liebe Grüsse Pia

  6. Stefanie (ohne Blog) sagt:

    Versuchs mal mit Leute einladen, dass hilft bei mir immer (zumindest vorrrübergehend) Ordnung zu schaffen. Ansonsten finde ich Deine Einstellung super. Ich habe letztens in einem Buch von Barbara Sher gelesen, dass man jede Insel der Unordnung als ein kreatives Projekt verstehen soll und da Du so kreativ bist, gibt es halt viele kleine Inseln ;-))
    Ich freue mich jedenfalls, dass ich nicht allein bin mit meinen „Unordnungs-Kreativ-Inseln“.
    Ganz liebe Grüße aus dem deutschen Chaos ins schweizerische Chaos
    Stefanie

  7. Raniso sagt:

    Hach, ich sollte mir ein Stück Gelassenheit von dir abschneiden. Ich bin da schrecklich unentspannt und pingelig, was mich selber am meisten nervt… Ich werde üben, gleich heute… 😉
    Das letzte Foto finde ich übrigens toll umd sehr gelungen! Ganz liebi grüäss, anja

  8. Antje sagt:

    Wenn es mir mit Schmutz und Unordnung zuviel wird oder ich unser Haus „durch Gästeaugen“ anschaue, tröste ich mich immer mit diesem Gedanken:
    Kein Erwachsener blickt zurück und sagt dann „Ich hatte wirklich eine tolle Kindheit – bei uns war es so geleckt sauber und ordentlich, dass wir vom Fussboden essen konnten!“
    Die prägenden Erinnerungen, die die Kinder für ihr Leben mitnehmen, sind Geborgenheit, gemeinsam verbrachte Zeit, kreatives Flow, Spass – und da gehört ein gewisses Chaos halt dazu…

  9. Minomi sagt:

    Euer Chaos IST sympathisch! Total! Wir sind nämlich genau so chaotisch und ich finde es immer toll wenn sich noch jemand dazu outet (voll Freude denke ich an den tollen dreckige-Küche-Post von dir, lach!). Aber in so einem Chaos wie bei euch fühlt man sich auf jeden Fall gleich wohl, das ist doch einfach heimisch, natürlich und total normal mit Kinder.
    Und ich mag gar nicht daran denken wie sehr das Chaos eskalieren wird mit Säugling, ohoh…

    Ach, wegen dem Buch was du gerade liest- machst du nun öfter sauber oder belässt du es beim Bilder betrachten? 😉

  10. Einen ganz lieben Gruß von Chaosfamilie zu Chaosfamilie! Wie gut das tut, ab und zu zu lesen, dass man nicht der einzige ist, der das Chaos nicht so ganz beherrscht. Bei euch sieht es trotzdem oder gerade deswegen herzlich und einladend aus.
    Das Buch sollte ich mir vielleicht auch mal besorgen. Ich könnte einen kreativen Putz- und Aufräumschub gerade sehr gut gebrauchen …
    Gelassenheit im Chaos, ja, das ist gut. Ich hätte nur gern etwas mehr Platz – dann würde das Chaos nicht immer gleich so dominant wirken wie in unserer relativ engen Wohnung. 😉 Ein komplettes Familienbad inklusive Wäsche und Wickeltisch auf 5 m², das kann nicht ohne Chaos gehen, oder?

    Liebe Grüße, Doro

  11. tüftelchen sagt:

    Liebe Bora,
    ich find auch immer waaaahnsinn, was sich tagtäglich immer und immer wieder so ansammelt. Bei uns ist es auch nie komplett aufgeräumt, aber wir wohnen ja schließlich auch hier und leben nicht im Museum 😉
    Irgendwo hab ich mal von einem Schild gelesen, da stand sinngemäß drauf: „Wir wollten grade aufräumen.“ 😉 oder dass manch einer Besen und Schaufel in den Eingang stellt, dass es wirklich so aussieht, als wär man grad dabei gewesen.
    Um über das übliche Maß hinaus etwas mehr Ordnung zu schaffen, hilft es mir manchmal, mir vorzustellen, von bestimmten Menschen (mit geringerer Tolerationsschwelle) Besuch zu bekommen. Das hilft ungemein und wir genießen dann das Stück größeren Glanz in unserer „Hütte“ gemütlich ohne Besuch bei Kakao und Spiel in aller Gemütlichkeit 😉
    Übrigens:
    Wir hätten auch den Husten mit verbrennen sollen ;-). Fürs Wochenende ist immerhin schon Sommer angesagt, na dann …
    Herzliebe Grüße
    tüftelchen

  12. subs sagt:

    weißt du bora, wir haben noch keine kinder und bei uns herrscht schon so ein chaos, aber irgendwie mag ich es. durch die zwei hunde die bei uns leben ist sowieso immer und überall dreck, hundehaare, sand etc. so denk ich mir, wenn mal kinder da sind wird es nicht besser. also gewöhn ich mich schon mal daran und steig auch mal über was drüber.
    natürlich hätte ich es auch gerne superordentlich, haarlos und aufgeräumt, aber das leben ist nunmal nicht immer superordentlich, haarlos und aufgeräumt… ich finde deinen post mal wieder so sympatisch 🙂
    liebste grüße aus dem sonnigen bayern!

  13. Tinki sagt:

    Wer Ordnung hat ist zu faul zum suchen – und außerdem gibt es in der Kreativität keine vollkommene Ordnung. Ich glaube, daß es in den tollen Zeitschriften einfach keine chaotischen Kinder oder – schmunzel – so wie ich – chaotisch, kreative Mutti’s gibt… oder doch – und sie bekommen es besser hin – mit Putzfrau? Oder vielleicht sind sie einfach besser im Aufräumen?
    Manchmal gefällt es mir gar nicht, was ich zuhause sehe, und dann wieder ist es mir egal, weil ich weiß, daß ich tausend Ideen ausprobiert habe und andere nur beim Putzen sind – Rein in das kreative Chaos – ins absolute Leben – in die Farben und in die Lebensfreude. Aufräumen kann man immernoch – die Kinder sind aber irgendwann weg – ?!
    Liebe Grüße Tinki
    PS: ICH BIN SOOO GESPANNT AUF DEINE SPINNVERSUCHE!!!!! Es bringt echt viel Spaß und zum Wolle selber färben ist dann nur noch ein ganz kleiner Weg!!! Vielleicht fehlt Euch dann noch ein kleiner Lehmofen in Eurem Garten, dann kannst DU beim Wolle färben noch Brot backen ???? Und nebenher noch spinnen und Deinen Kindern Geschichten erzählen – Fiktion oder Wirklichkeitswunsch?

  14. Steffi sagt:

    chaos und nach innerem rhythmus aufräumen – das finde ich so symphatisch und entspricht wohl auch meiner natur 🙂
    ich bin immer wieder völlig erstaunt, wie schnell eine fünfköpfige familie chaos produzieren kann. in sekunden… an guten tagen nehme ich es gelassen, aber manchmal überwältigt mich das auch. dann ist immer gut zu hören, dass es bei anderen auch so ist! danke!
    liebe grüße!

  15. Rita sagt:

    Ich bin eine von 5 und wir waren zu siebt mit Katze in einer 4 1/2 Zimmer-Wohnung, Chaos PUR! Aber daran erinnert sich keiner mehr, die schönen Momente wie zusammen basteln, zeichnen, lesen ect. das bleibt, alles andere ist vergänglich. Meine Mutter sagt immer, da wo Unordnung ist, wird gelebt und dieser Satz begleitet mich schon lange. Ich hab’s zwar auch gerne aufgeräumt, besonders, wenn Gäste kommen, dann kann ich ganz schön schnell und ordentlich sein, aber sonst…. grosse schöne Kisten, auf und alles rein;)..In der Küche steht bei mir eine grosse Schuhschachtel, die Bastelschachtel, mit der ist schnell aufgeräumt;) Oder die Ecke hinter dem Sofa…eine kleine Spieloase…da darf alles bleiben, wo es ist, und ist nicht gleich in Blick, wenn jemand in’s Wohnzimmer kommt….;) Irgendwie muss man sich ja organisieren;)
    Und sonst einfach Tür zu und sein lassen;)
    Wünsch Dir eine ganz gute Woche, liebi Grüessli, Rita

  16. Sanne sagt:

    liebe Bora,

    das Buch hab ich mir bestellt, es wird wohl heute ankommen!
    Kennst du die Flylady? meine absolute Favoritin, was aufräumen und gelassen sein angeht.
    Sie schickt emails und mein Buch von ihr ist mittlerweile total zerfleddert.
    es fällt mir sehr sehr schwer ins kreative Tun zu kommen, es mir zu gönne, weil hier immer immer immer was zu tun ist und ich es nie nie nie schaffe. ja , ich weiss, man soll nie nie und immer sagen. Aber so erfahre ich es hier. Deshalb bewundere ich dich , weil du dennoch ( und das ist eine großartige Leistung, auf dich hörst und Gutes für dich und mit deiner Familie machst.
    Nach meiner Kurz-Kur übe ich mich darin, mir und damit allen Gutes zu tun.
    Geht es der Mutter gut, geht es auch der Familie gut. Das hat Priorität.
    eine herzliche Umarmung
    Sanne

  17. Seifenfrau sagt:

    …schön hier…hab gerade zufällig dein Blog entdeckt.
    Da ich mich nicht als Leserin eintragen kann,
    hinterlasse ich diese Worte hier.

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