what makes me happy: ein Block-Quilt aus „Zakka Style“

So viele nette Worte habt ihr mal wieder für mich gefunden! Und obwohl ich ziemlich schlecht darin bin, sie alle so zu beantworten wie sie es eigentlich verdient hätten, dürft ihr ganz sicher sein, dass jedes einzelne davon mich freut! Unheimlich sogar! Es ist schön, ein so freundliches Echo zu hören…

Nima schrieb mir nach meinem letzten Post: „Ich mag deine Sichtweisen gerne – das eingestehen von nicht so schönen Momenten und dann auch das Feiern der vollkommen schönen!“
Worte, die gut tun. Denn nicht immer bin ich mir sicher, ob ich euch mit meiner manchmal wirklich ziemlich melancholischen Art nicht vielleicht ein wenig überfordere.
Aber dann denke ich wieder; Wenn ich die Dinge schönschreibe, die mir in diesem Moment einfach nicht schön erscheinen, wenn ich das Positive hervorhebe, obwohl ich es im Augenblick ganz und gar nicht positiv sehen kann, dann fange ich an, mich zu verstellen. Nur um einen netten Blog zu führen, der zwar gut wirkt, aber nicht mehr dem entspricht, was ich in Wahrheit bin und erlebe. Und ich möchte zwar einen netten Blog, das schon, aber vor allem möchte ich einen echten Blog, einen, der authentisch bleibt, so weit das irgendwie möglich ist, und der das widerspiegelt, was mich bewegt.
Nur dann fühle ich mich wohl beim Schreiben. Denn nur dann schreibe ich von Herzen und nicht nur mit dem Kopf. Ich bin eine Herz-Schreiberin, keine Stylistin.

Auf der anderen Seite bin ich schon auch auf der Suche nach mehr Optimismus. Ich merke, dass ich irgendwann angefangen habe, bewusster nach dem Schönen in meinem Alltag Ausschau zu halten, so ganz im Kleinen. Und was ich dabei finde, das möchte ich auch feiern. Das Auge schulen, Dankbarkeit üben, auf dem Weg bleiben. Wenn dann davon auch ein wenig in meinen Blog-Posts spürbar ist, freue ich mich selber wahrscheinlich am allermeisten…


Ich glaube, mein ständiges Suchen nach Optimismus und überhaupt mein ganzes Gefühls-Leben spiegelt sich immer auch ein bisschen in meinen Hand-Arbeits-Projekten wieder. Es kommt selten vor, dass ich kein angefangenes Näh- oder Strick-Projekt irgendwo herumliegen habe, noch seltener aber habe ich gar keines in Arbeit. Sobald ich etwas fertig habe, halte ich Ausschau nach einem Neuen…


Meistens wähle ich aus dem Bauch heraus die Projekte, die mir auf irgendeine Art und Weise gerade gut tun, die mich erden, wenn ich wie ein Wirbelwind durchs Leben wusle, mich ermutigen, wenn ich glaube, auf der ganzen Länge zu versagen oder mich beleben, wenn ich mich matt und ausgelaugt fühle. Wie heilsam manche Arbeiten wirken können, ist mir erste nach einer Weile Nähen und Stricken bewusst geworden, aber jedes Handwerk – sei es das Stricken oder Nähen, das Spinnen oder Gärtnern, Brotbacken oder Möbel-Restaurieren- kann wohl seinen Teil dazu beitragen, dass wir uns einen Schritt weiter dem ausgeglichenen Menschen nähern, der wir alle gerne wären- und zu dem wir auch bestimmt sind, wie ich glaube.


Während einer recht kräftezehrenden Phase im letzten Monat und Anfang dieses Monats fand ich mich plötzlich an meinem Näh-Stuben-Tisch wieder. Mitten im Chaos. Vor einer ganzen Reihe Stoff-Quadrate, Stoff-Rechtecke und Leinen-Streifen…


Gerade weil alles mir so verwirrend turbulent erschien in jenen Tagen und gerade weil ich das Gefühl nicht los wurde, mich in einem Hamsterrad nur noch um niemals-endende Aufgaben zu drehen wie Wäsche und Geschirr, verstreute Lego-Teilchen und der Suche nach dem Bauern-Haus meiner Träume, fühlte ich mich unglaublich hingezogen zu etwas Geradlinigen, für das man Ruhe braucht. Ruhiges Arbeiten bringt immer auch Ruhe in meine Seele.


Schon als ich „Zakka Style“ von Radisha Coleman-Hale, ein ganz wundervolles Buch, das ich schon nach kurzer Zeit ins Herz geschlossen habe, zum ersten Mal durchblätterte, blieb ich ein bisschen länger beim Projekt „Block Quilt“ hängen. Dieses schlichte und gerade dadurch vollkommene Design machte einen unheimlich besänftigenden Eindruck auf mich. Wie ein aufgeräumtes Zimmer oder ein Stapel gebügelter, fein säuberlich zusammengefalteter Wäsche (wobei ich selber ja so gut wie niemals bügle…).


Genau das wollte ich auch. Ein bisschen Ordnung, ein bisschen ungezwungene Eleganz im ganz Alltäglichen, ein bisschen Meditation über ein paar Streifen Stoff… ein bisschen Zakka Style.

Zeit also für einen neuen Quilt. Allerdings nur im Klein-Format. Für einen echten, bettgrossen Quilt (wie ihn Kind2 schon für sich vorbestellt hat *freu*) fehlen mir zur Zeit einfach Zeit und Musse. Aber wie nehmen ja auch den Spatz in der Hand, nicht wahr?


Zuerst sollte es eigentlich auch gar kein Quilt werden, sondern einfach ein neues Kissen. Nach dem wilden Mix der letzten Log Cabin Kissen könnte ein bisschen mehr Geometrie vielleicht nicht schaden. Dachte ich. Anfangs.


Aber als ich das fertige Patchwork-Quadrat dann zur Probe als Kissen tarnte, und mich gemeinsam mit meinen drei Kindern eine Weile beraten hatte, verwarf ich meine Pläne  wieder. Kein Block-Quilt-Kissen. Irgendwas fülte sich einfach falsch daran an. Zu viele Ecke vielleicht? Wer weiss…

An einem wunderbar friedlichen Nachmittag -all meine Kinder sassen gerade gemütlich im Haus meiner Schwester und assen Schokoladen-Fondue- stellte ich mir ein Schälchen Walnuss-Eis bereit, machte den CD Player ein für Ildiko von Kürthys Lesung  „Höhenrausch“ und setzte mich mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung in meinen Sessel. Auf meinem Schoss lag ein kleiner Quilt, der nur noch aufs Einfassen mit Schrägband wartete. Endlich Ruhe. Endlich Zeit. Endlich Platz für das, was ich möchte. Für das, was ich brauche.


An diesem Nachmittag war ich glücklich. Ich schwelgte in Genüssen. Hörschmaus, Gaumenfreude, Augenblicke tiefster Versenkung. Mein Mini-Block-Quilt wurde geboren.

Eine Weile lag er auf dem kleinen, runen Tischchen beim Wohnzimmer-Eingang und begrüsste mich jeden Morgen ganz freundlich, wenn ich runter kam, um mir einen Kaffee zu brauen. Ich freute mich jedes Mal aufs Neue. Und wunderte mich ein wenig darüber, dass er so gut zu meiner kleinen Vogel-Stickerei an der Wand darüber passt. Zufall?

Mittlerweile aber hängt er in einer Ecke unserer Sofa-Ecke, wo er so wunderbar hinpasst, als wäre das wirklich sein Bestimmungs-Ort.


Hier kommt er mir auch gar nicht mehr „zu eckig“ vor, sondern so schlicht und gelassen, wie ich es mir gewünscht hatte damals beim Durchblättern von „Zakka Style“.


Eine Oase der Ruhe muss nicht immer ein ganzes Zimmer sein oder gleich ein schöner Ferien-Ort. Manchmal reicht auch ein kleiner Quilt an einem Fleckchen weisser Wand…

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14 Kommentare zu what makes me happy: ein Block-Quilt aus „Zakka Style“

  1. Pünktchen sagt:

    Liebe Bora, wann immer ich hier bei Dir vorbei schaue, möchte ich sofort alles stehen und liegen lassen und anfangen zu nähen, zu stricken, und im Garten etwas zu machen. Du machst mir eine so große Lust auf die verschiedensten Dinge. Nur habe ich im Augenblick so gut wie keine Zeit für all diese schönen Dinge. Aber hoffentlich zum Herbst/Winter hin. Bis dahin schaue ich hier immer wieder vorbei und träume von meinen unverwirklichten Projekten.

  2. nima sagt:

    Liebe Bora,

    du weißt ja wie gerne ich dich und deinen Blog habe. Die Schönschreiberei ist oftmals recht verlockend – aber ich denke auch, nein besser, ich fühle, dass es schon wichtig ist auch ehrlich zu sein. Zu sich und auch den Menschen, die es lesen. Denn oft tut es einfach auch gut, zu wissen, dass auch andere nicht so perfekt sind, dass nicht so perfekte Tage genauso dazu gehören und das man nicht immer mit einem „Mir scheint die Sonne aus dem A****“-Gesicht herumläuft 😉

    Wie gesagt – die Mischung machts und deswegen bin ich sooo gerne Leserin bei dir!
    Und du machst mir grad ungeheure Lust auf nähen – und ich kann nicht nähen 😉

    Liebe Grüße nima

  3. amberlight sagt:

    Mit solchen beeindruckenden Quilts wirst du (und 19nullsieben) mich vielleicht doch noch dazu bringen, dass ich irgendwann das Spiel mit dem kleinen Stoffschnipselchen auch mal ausprobiere. 🙂 Ansonsten hätte ich ja noch einen Vorschlag für deine To-Do-Liste (auch wenn sie eigentlich schon voll ist): das Reisebuch will doch bestimmt irgendwann weiterreisen und wenn das Baby erstmal da ist, bleibt es sicherlich wieder ein Jahr, weil es dann bei dir zu spannend ist. Das hatten wir ja schon 🙂

  4. Rita sagt:

    Du hast mir gefehlt und diese wunderbaren Sichtweisen, es kommt mir doch irgendwie bekannt vor;) Das Wunderbare im Kleinen zu sehen, ist nicht immer einfach und doch…;)
    Dein Quilt ist wunderbar geworden und hängt wirklich genau an der richtigen Stelle!
    Mir gefällt das einfache Muster und die Geradlinigkeit sehr.
    Ich wünsch Dir einen ganz guten Wochenendspurt und viele schöne Ruheoasen für Dich ganz allein!
    Herzlich, Rita

  5. Pia sagt:

    Ich mag deinen Blog sehr und ich schätze deine Echtheit. Denn in welchem Leben scheint schon immer die Sonne? Es braucht auch die grauen Regentage…
    Dein Quilt ist wunderschön!

    Liebe Grüsse Pia

  6. Raniso sagt:

    Aaaaaaah Bora! Ich liebe liebe liebe deinen Blog! Und deine Echtheit, zu schreiben, wie das Leben ist. Nicht immer Zuckerguss, aber auch! Das habe ich dir ja auch schon persönlich gesagt…
    Und oooooh Bora! Der Quilt ist einfach der absolute Oberhammer! Du machst mir so Lust zu nähen. Stoff, Ideen, Bücher und Inspiration wären vorhanden. Aber die Zeit und Energie…
    Ganz ganz liebi grüäss und Knuddels, anja

    P.S. Ich habe dir auf deinen Kommentar geantwortet. Falls du nicht zum Lesen kommst: Ich erzähle dir Sonntags von unserer Häuschen-Suche, gäll!

  7. tüftelchen sagt:

    Liebste Bora,
    oh ja, schon das Lesen deines Postes und Betrachten der wunderschönen Bilder waren Entspannung pur 😉
    Dei Quilt fängt den Blick ein und lässt ihn in sich ruhen, wirkliches zur Ruhekommen, in die Mittefinden 😉 Ausatmen, Sichsammeln…
    Auch für mich als entfernte Betrachterin 😉
    ich grüße dich herzlichst und wünsch dir und deinen Lieben ein frühlingslautbuntzwitscherndgrünes Wochenende
    tüftelchen

  8. Micha sagt:

    Ich bin hin und weg von dem wunderbaren Quilt! Ach könnte ich nur auch so schön nähen.
    Gefällt mir sehr, sehr gut!
    LG, Micha

  9. So ein wunderschöner Quilt! Deine Farbwahl gefällt mir viel besser als die im Buch. 🙂

    LG Doro

  10. Milena sagt:

    Liebe Bora

    Du hast recht: von Schönschreiberei und so. Ich habe früher ab und zu Tagebuch geschrieben, als es mir nicht immer gut ging. Sprich: Im Tagebuch waren nur (negative) Dinge und Erlebnisse, die mich beschäftigen. In besseren Zeiten blätterte ich darin, las von den passierten, schlechten Dingen und ich fühlte mich wieder wie damals und war traurig und voller Selbstmitleid.

    Und jetzt? Mein Blog ist auch so eine Art Tagebuch. Aber nur ein positives. Ich habe gemerkt, dass es mir viel besser geht, wenn ich die schönen Erinnerungen festhalte. Ob handgeschrieben in einem Tagebuch oder im Blog.

    Die schlechten Erlebnisse schreibe ich auf und verknülle dann das Papier oder verbrenne es. Weg! Weg! Und so geht es mir besser, nein gut!

    Dein Quilt (oder Dein Bild?) ist wunderschön. Es passt perfekt, wo es ist.

    Liebe Grüsse
    Milena

  11. JenMuna sagt:

    ich bin gerade noch nicht fähig mich durch zu lesen, die unglaublich schöne Bilderflut hat mich überwältigt! Unglaublich wie einfach (???) man mit Stoff eine so schöne Atmosphäre herstellen kann!..ich komme wieder, wenn ich mehr Zeit habe;) (im mich von deiner Kreativität ein wenig inspirieren zu lassen!)

  12. Minomi sagt:

    Ein unglaublich schöner Quilt. Und wie immer lassen Deine Worte und Bilder mich so ruhig werden.

  13. Tinki sagt:

    Hallo Bora – das ist ein wunderschöner kleiner Quilt. Und auch der Platz gefällt mir. Ja und wenn man ihn dort nicht mehr leiden mag, hat man ja noch sooooo viele andere Möglichkeiten offen.
    Mir gefällt auch das schlichte einfache. Gerade die Amish-Quilts haben mir daher immer sehr gefallen. Sie werden nur mit einfarbigen Reststoffen aus ihrer Kleidung genäht. Diese Kleidung hat aber auch vorgegebene Farben, die immer einen gedämpften Naturton haben. Ich mag das.
    Und dann wieder finde ich bunte schrille Stoffe und Dinge, die einem knallig bunt ins Auge stechen. Daher kann ich Deinen Wunsch so gut verstehen. Mal ausgeglichen und ruhig und dann wieder quitschebunt voller Energie!
    Diese Ruhe und Energie-punkte wünsche ich Dir für die nächste Zeit. (Eine Freundin von mir hat letztens ihr viertes Kind bekommen… irgendwie war das auch immer ein Teil meiner Vorstellung von Familie – und dann wieder weiß ich,daß es einfach nicht gepaßt hat…ich kann mich dann umso mehr für andere freuen).

    Ganz liebe Grüße Tinki

  14. Steffi sagt:

    Dein Quilt ist so wunderschön geworden! Und er macht sich so gut als Wandbehang! Wenn ich hier noch eine freie Wand hätte… Aber ich plane auch einen kleinen Quilt, für das Baby :-), gerade in der richtigen Größe zum Zudecken im Kinderwagen und später als Kuscheldecke und zum Spielen…
    LG von Steffi, die meist still aber sehr sehr gerne hier liest!

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