Aus meinem Tagebuch: ein schlechter Start

Heute morgen

Heute morgen… sitze ich hier und blicke in meine leere Tasse Morgenkaffee (Was, schon wieder alle?)

Heute morgen… bin ich ein Jammerlappen, ein triefender.

Heute morgen… habe ich viel zu lange geschlafen. Und jetzt bin ich grantig, weil ich mir schrecklich faul vorkomme, faul, verantwortungslos (Welche Mama schläft schon länger als ihre Kinder!?) und schlichtweg unfähig jemals einen ordentlichen, einigermassen gut organisierten Haushalt zu führen oder die Art Mama zu sein, die ich so gerne wäre, geduldig, liebevoll, präsent. Und das schon morgens um 7:00. Nicht erst wenn die Sonne schon längst scheint, als gäbe es kein Morgen. (Okay, es war 8:30 Uhr. Immerhin noch nicht Mittag.)

Heute morgen… habe ich die Kinder angeschrien, weil sie mit Räucherstäbchen (Feuer! … Oder?) herumgespielt und mir dabei zwei Brandflecken (kleine) auf dem Küchentisch zurückgelassen haben.

Heute morgen… bin ich vielleicht zu ungeduldig (wahrscheinlich), zu aufbrausend (ziemlich sicher) und zu sehr in meiner eigenen Gefühlswelt gefangen, um mich auch nur ansatzweise in die Köpfe und Herzen zweier heranwachsender Jungen versetzen zu können, die in einer kleinen, duftenden Rauchschwade noch keine Gefahr sehen, sondern einzig ein Wunderwerk, das es zu erforschen gilt und in dem sie so sehr aufgehen in Begeisterung und Freude, dass sie alles um sich herum vergessen. Auch alle Vorsicht.
Ich wünschte, ich könnte das manchmal…

Heute morgen… finde ich nur Fehler. Bei anderen. Und auch bei mir.

Heute morgen… möchte ich die Augen zutun und mich endlos, endlos wegträumen. Denn was ich hier sehe, macht mich ganz hilflos: Arbeit bis zum Halse, Schmutz, zu viel Krempel, zu viel Unerledigtes, zu viele offene mails, zu viele nicht erfüllte Kinderwünsche, zu viele Träume, die in der Luft hängen bleiben…

Heute morgen… erinnere ich mich daran, dass bald schon vier Kinder hier antraben werden, um mit Kind1 Mannschafts-T-Shirts bei mir zu malen für einen Sportanlass. Ich erinnere mich ausserdem daran, dass ich die T-Shirts noch hätte vorwaschen sollen…

Heute morgen… weiss ich, dass ich irgendwann die Schoko-Kiste werde plündern müssen. Um meine Nerven bei Laune zu halten, wenigstens. Wenn ich es schon nicht bin.

Heute morgen… singt mein Mädchen neben mir am Frühstückstisch ein zauberhaftes, kleines Lied in ihrer ganz eigenen Sprache. Und ich muss plötzlich lächeln, während ich ihr dabei zuhöre und meine Seele sich schon ein bisschen leichter anfühlt, so freigeschrieben und irgendwie nicht mehr ganz allein mit alldem.

Heute morgen… beginnt der Tag nicht ganz so, wie ich es mir wünschen würde. Aber wer weiss… Vielleicht sollte ich die Augen offen halten. Für das kleine Glück, falls es doch noch kurz vorbeischaut *zwinker*.

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24 Kommentare zu Aus meinem Tagebuch: ein schlechter Start

  1. Pünktchen sagt:

    Liebe Bora, wer kennt solche Tage nicht als Mutter? Wir sind nun einmal Menschen, haben ebenfalls unsere Befindlichkeiten, Grenzen. Wenn die Basis stimmt, nehmen einem Kinder solche Ausnahmen keineswegs übel. Ganz im Gegenteil: ist es nicht tröstlich, wenn auch Vorbilder/Bezugspersonen mal schwächeln? Liebe Grüße.

  2. Maria sagt:

    Liebe Bora,
    das sind die Tage, an denen wir wachsen – wenn vielleicht nicht über uns hinaus (ist das denn eigentlich überhaupt gut?), dann wenigstens in uns und durch uns…
    Fühl dich gedrückt, wenn du magst,
    Maria

  3. christina sagt:

    bora, liebe bora!

    ich bin beinahe sprachlos….
    es ist so ehrlich, so herzerwärmend, soooooooo lieb, so………
    was du mit uns teilst.
    mit deinem post hast du mir geholfen, mit einem lächeln im gesicht in den abend zu gehen und dafür danke ich dir von herzen!

    christina

  4. Liebe Bora,

    erst vor ein paar Tagen bin ich auf Deinen wunderbaren Blog gestoßen, als Ramona von Jademond Deine Zwergenmützenanleitung in den Kommentaren zu ihrem Blog verlinkt hat. Ich habe mich auch gleich darin wiedergefunden, weil mein Kleiner schon den ganzen Winter eine – leider nur gekaufte – rote genähte Zwergenmütze aus Wollfleece getragen hat und ich nun nach einer leichteren Alternative für das Frühjahr suchte… habe mich gleich mit einer wunderschönen pflanzengefärbten Wolle, die ich noch hatte, ans Werk gemacht und pi mal Daumen 110 Maschen angeschlagen (er ist 20 Monate alt)…. und irgendwie… passt sie jetzt mir. 😉 Vielleicht war die Wolle doch zu dick… wie auch immer, vielleicht magst Du mal schauen. Das Bild von meinem kleinen Sohn mit der Mütze (stark umgeschlagen) habe ich in meinem Blog veröffentlicht. Wie ich dort schon schrieb, vielleicht wird es eine Familien-Universal-Mütze… 😉 Der Umschlag wird nämlich oben von einem Knopf gehalten, das sieht gar nicht mal so schlecht aus.

    Auch wollte ich Dir noch sagen, dass es mir scheint, dass ich bei dir wieder einen Blog mit starker Suchtwirkung gefunden habe und Dir wahrscheinlich treu bleiben werde als Leserin… Allein Deine Worte heute haben auch mich sehr berührt, denn in diesen Tagen geht es mir ganz ähnlich… Danke, dass Du das so ausdrücken kannst und so ehrlich bist.

    Alles Liebe unbekannterweise,
    Jennifer

  5. JenMuna sagt:

    liebe bora,
    ja das solltest du, das sollten wir alle;)
    mir geht es morgens auch manchmal so..es geht wahrscheinlich unendlich vielen so und wir denken immer: nur wir sind so böse:))
    danke auch für deine worte, die das ganze ziemlich genau treffen;) wollen nicht müssen..
    alles liebe und ich hoffe ich komme demnächst einfach mal wieder dazu dir zu schreiben;)
    JenMuna

  6. katobia sagt:

    Oh, wie ich diese Tage kenne, die so voll sind mit mir selbst und meinen Unzulänglichkeiten, dass kaum Raum bleibt für die Kinder und deren Sein-Wollen, weil mein Blick nicht über meinen eigenen Tellerrand reicht (und ich will dann bitte nicht in meinem Selbstmitleid gestört werden 😉 ) Schön ist es, wenn die Kinder nicht lockerlassen und doch einen Weg durch meinen verhärteten Blick finden und sich wieder Licht und Lächeln in mir ausbreiten dürfen.
    Danke für Dein Post!
    LG,
    katobia (die sich auch immer mal wieder fragt, wie das erst mit vieren werden soll, ist ja nicht mehr lang hin…)

  7. sind so tage, die sind so.
    sie helfen uns zu wachsen, weil wir immerhin merken, daß sie so sind, wie sie eben sind.
    weil wir träume und damit ziele haben.

    und wie schön, daß du dir das von der seele schreiben kannst und die augen offenhälst für das kleine glück.
    ich bin sicher, es kam vorbei!

    alles liebe

  8. Anja sagt:

    Ach Bora, so geht es auch mir gelegentlich. Längere solche Phasen hatte ich jeweils immer in der Mitte meiner Schwangerschaften. Und sei beruhigt: Ich schlafe fast täglich länger als mein Grosser und öfter länger als meine Mittlere… 😉
    Ich finde es schön, dass du auch solche Momente mit uns teilst und wir alle dazu nicken und uns verstanden fühlen können (siehe alle Kommentare…). Besonders schön finde ich aber den letzten Abschnitt deines Posts. Eine solche Einstellung ist in solchen Momenten Gold wert.
    Und deine Kinder haben die Gelegenheit zu lernen, dass auch Erwachsene nicht perfekt sind ;-P
    Ganz ganz liebi Grüäss und än Knuddel, anja

  9. Stefanie sagt:

    Es ist so normal, das es Tage gibt die sind verdreht und man ist unzufrieden mit sich / den anderen / der Welt. Wenn man es dann aber immer wieder schafft seinen Blick nach vorn zu richten, positiv weiter zu schauen, ist das auch mal ok und nur menschlich.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend und dass du mit einem kleinen Lächeln ins Bett gehen kannst.
    Liebe Grüße
    STefanie

  10. Marta sagt:

    Keine Sorge, morgen wird ein neuer Tag!

  11. Pia sagt:

    Ich wünsche dir für Heute einen besseren Start und einen Tag der dir ganz viel Kraft gibt!

    Liebe Grüsse Pia

  12. Rita sagt:

    Ich kenne das nur zu gut, einmal Himmelhochjauchzend, dann wieder total am Rumpf….Ich hab „nur“ zwei kleine Jungs, aber die ganze Gefühlswelt spiegelt sich oft auch bei mir….
    Doch weisst Du, die Kids lieben Dich so, wie Du bist und das ist sooo schön!!
    Und wenn die Hormone spinnen, nimm einen Frauenmäntelitee. Den darfst Du trinken und macht alles wieder „hormonischer“;)
    Einen ganz schönen Tag!
    Herzlich, Rita

  13. T. sagt:

    Liebe Bora,
    danke für diesen ehrlichen Post, in dem ich mich – wie viele andere wahrscheinlich auch – fast 1:1 wiederfinde. Nobody’s perfect 🙂

    Und doch gibt es so viele Bilder und Vorstellungen, die man von der „perfekten“ Frau, Freundin, Mutter oder einfach von einem guten Leben hat. Ich finde, solche Träume und Ziele sind wichtig – solange sie einem keine Bauchschmerzen bereiten, weil sie unrealistisch und nicht zu erreichen sind.

    Schreiben tut auf jeden Fall gut, das kenne ich auch.

    Ich wünsche dir heute einen guten Start in den Tag!
    T.

  14. Nicole Becker sagt:

    Liebe Bora, oh ja, diese Zerrissenheit ist mir nur zu gut bekannt (aber es wird weniger!!!) Soll ich Dir sagen was mir hilft?, eine gute Lobpreis CD reingelegt, laut gestellt, Hirn auf Gott und nur Ihn ausgelegt…und dann Augen zu und singend, tanzend LOBEN,….für Seine Größe, tiefe Liebe, seine Weisheit, für die Gnade die Er uns gibt, Seine Schöpfung zu erkennen. Und dann merke ich diese unendliche Freude, diese riesengroße Dankbarkeit die in mir aufsteigt ….und dann will ich mehr und immer mehr von Gott (statt Schokolade, höhö), und dann weiß ich, ich bin total geborgen in IHM und meine Familie steht unter Seiner Hand und es ist total in Ordnung nicht allem gerecht werden zu müssen, ich muss nichts Leisten, ER führt und lenkt (auch wenn er nicht die Hausaufgaben mit meinen Kindern macht!!! , bete ich aber darum, dass es ihnen zB. leicht fällt die Hausaufgaben zu erledigen….Gott ist doch endlos kreativ.
    Wenn ich ja nicht gerade in Höxter leben würde, würde ich ja zu gerne bei Dir vorbeikommen zum Helfen und Gemeindschaft haben, und träumen und rumalbern,….DER LEIB CHRISTI halt.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie allen Segen.
    Nicole ( aus Höxter )

  15. Micha sagt:

    Ich wünsche dir, dass du noch zum Durchatmen und Lächeln kommst!

  16. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    es ist alles gut. Du bist keine Mama-Maschine, die nur die guten Eigenschaften rauslässt und die schlechten Gefühle löscht. Das ist ganz normal und Du bist damit nicht alleine.
    Vielen Dank, dass Du uns Deine Gefühle mitteilst, ich freue mich, dass ich nicht alleine bin mit meinen negativen Gefühlen, Wutausbrüchen, Machtspielchen und Ungerechtigkeiten.
    Ich denke an Dich – sei umarmt von Steffi aus dem trüben Bremen.

  17. kristl sagt:

    wie herrlich symphatisch liebe bora!!! du beschreibst meinen derzeitigen alltag…nein, im moment sind es eher die sorgen um die gesundheit meiner tochter, aber vorher ging es mir haargenau wie dir!!! solche tage kennen wohl wir alle. ich im besonderen, glaube mir. lass alles liegen und geh raus in den wald, das hilft mir immer am allerallerbesten! ich grüß dich von herzen

  18. Shiva sagt:

    *seufz* Wie wahr! Du sprichst mir aus der Seele, wie oft quält mich ähliches Dilemma!

    Liebe Grüße Shiva

  19. Das klingt mal wieder, als könnte es von mir geschrieben sein. (Bis auf das 4. Kind, das sich bei uns noch nicht auf dem Weg in die Realität befindet. 😉 ) Kopf hoch, du bist nicht allein. Und auf Regen folgt Sonnenschein, auch im Mama-Alltag. Auch das dürfen wir ja Gott sei Dank auch immer wieder erleben.

    LG Doro

  20. Ramona sagt:

    Ah, so ein Tag! Kenne ich. Es kommen wieder andere. Nicht verzagen. Gönn dir eine pause, lass die Arbeit auch mal liegen und sei nett zu dir selbst (weg mit dem perfektionismus, den Erwartungen und dem neidischen Blick auf die perfekte Mama). Eine dicke virtuelle Umarmung!

  21. Kerwall sagt:

    Sei nicht so streng zu dir. Solche Tage kennen wir alle, sie sind normal. Nimm es dir nicht böse. Kein Mensch ist fehlerfrei.
    Liebe Grüße Kerstin

  22. kirschkernzeit sagt:

    An alle: VIELENDANK!!!! Es ist immer wieder ein Wunder für mich, auf solche Warmherzigkeit zu stossen!

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