what makes me happy: Sunny side up- Sonnenseiten

Ich war nie eine richtige Sonnenanbeterin.
Als Kind war ich ein fast unnatürlich blasses, dürres Geschöpf mit langen, langen, glatt gekämmten Haaren, dem die Sonne zeitweise so unheimlich war, dass es jedes Mal aufseufzte, wenn der Frühling sich mit der ihm eigenen Vehemenz über die kühlen, düsteren Heimlichkeiten des Winters hermachte. Im Sommer litt ich Höllenqualen bei all dem Licht, der Schwitzerei und dem drückenden Gefühl, das so richtig heisses Sommerwetter in einem nordisch veranlagten Menschen auslösen kann.

Aber irgendwann wurde das anders. Ich glaube, es begann damals, als ich Mutter eines Sommerbabys wurde. Denn damals wurde ich zur Wandermama mit einem neugierigen Kind im Tragetuch, das die Welt sehen wollte. Im Herbst, im Winter, im Frühling und im Sommer erst recht. Es war eine intensive Zeit, eine Zeit in der wir so oft draussen waren, ich und mein Baby, inmitten einer sich ständig wandelnden Natur, die ich so intensiv wahr nahm wie noch nie zuvor in meinem Leben. Und sie trug Früchte, diese Zeit, denn irgendwie ging ganz unbemerkt ein… Wandel in mir vor, der mich zwar noch immer nicht zur leidenschaftlichsten Sonnenanbeterin machte – zu viel Wärme und Licht fühlt sich für mich nach wie vor belastend und einfach „falsch“ an – der mir aber bewusst machte, wie kostbar und schön die Sonne im Grunde ist. Wie wichtig. Wie wohltuend. Wie nährend und unverzichtbar. Und wie unglaublich belebend!
Vielleicht braucht es wirklich die Dunkelheit und Kälte der Nacht und der Winters, um ihre Wunder-Kräfte so richtig zur Geltung zu bringen… 

Aber ich meine… kann sich jemand diesem Zauber entziehen?

Diesem Leuchten, das fast immer unverhofft durchs Fenster bricht, und einem innerlich wach stupst, als wollte es sagen: „Hey, der Winterschlaf kann warten; jetzt ist Lebens-Zeit!“
Lebens-Zeit…
Wie viel grösser ist plötzlich meine Motivation, die Wäsche in meinem Korb zusammen zu legen und fein säuberlich in unseren Schränken zu versorgen anstatt sie eine weitere Woche in ihren Stapeln darin verstauben zu lassen…
Wie viel unbändigender meine Lust aufs Saubermachen und Neu-Ordnen… Mit wie viel mehr Elan schrubbe ich plötzlich meine Böden, putze ich schlammverkrustete Winterschuhe, klopfe ich den immerzu schmutzigen Teppich im Eingangs-Flur aus (Kinderschuhe bringen manchmal den halben Garten mit ins Haus, scheint es…).
Mit wie viel Freude greife ich in meine Stoff-Regale und mache mich -zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit, kommt es mir fast vor- ans Schneidern eines Projekts, mit dem ich schon seit langem liebäugle, und für das jetzt, unter dieser kraftvollen Wintersonne, endlich der richtige Zeitpunkt gekommen ist…

Das Licht, so warm, so gut, so… vielversprechend… schafft, was mir selber seit langem nicht mehr richtig gelingen wollte: Es weckt selbst die müdesten Lebensgeister in mir aus ihrem Dämmerzustand und bringt das Leuchten zurück.

Zurück in die Wälder, Wiesen und Felder, zurück in mein Heim… und  zurück in mein Herz.

Die Sonne wirkt mit einer immensen Kraft in uns, in der ganzen Schöpfung, und ich glaube, ich verstehe einmal mehr, warum das Licht in wahrscheinlich allen Religionen dieser Welt einen so hohen Stellenwert hat. Auch in meiner eigenen Religion, wo Jesus sagt : „Ich bin das Licht dieser Welt.“ (Johannes 8;12)
Was für kraftvolle Worte…

PS. Ich hoffe, diejenigen unter euch, die nicht so viel mit Glauben und all solchen Sachen anfangen können, verzeihen mir den kleinen pathetischen Gefühlsausbruch *zwinker* Manchmal geht es einfach mit mir durch, wisst ihr… besonders, wenn ich so dankbar und glücklich bin wie jetzt gerade, in diesen zauber-haften, sonnendurchfluteten Tagen nach langen Wochen der Dunkelheit!

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11 Kommentare zu what makes me happy: Sunny side up- Sonnenseiten

  1. orisha sagt:

    wirklich schön,die sonne und die strahlen,ich liebe auch die zarten fäden*lg lg

  2. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    ich kann Dich sehr gut verstehen. Bei dem ganzen Grau in Grau droht die Motivation wie ein schwaches Feuer langsam zu erlischen. Aber mit ein paar Sonnenstrahlen sieht die Welt so anders aus und weckt alle Geister.
    Deine Fotos sind wie immer wunderschön, aber das letzte Foto mit dem Stern vor den Vorhängen in der Abendsonne, das hat mich mitten ins Herz getroffen. Es verheißt Geborgenheit und Schutz, wo die Sonne doch bald untergehen wird und es draußen kalt und dunkel und unwirtlich sein wird. Ein Zuhause, in dem man sich um den anderen kümmert, wo Liebe herrscht.

    Ganz liebe Grüße von Steffi aus Bremen

  3. Liebe Bora,
    ich bin zwar eine, die mit Relegion persönlich nicht viel anfangen kann, aber …. weißt du, es ist doch am wichtigsten, dass jede/r seine Kraft von dort „bezieht“, wo es ihm gut tut! … und abgesehen finde ich deinen heutigen Post gar nicht übertrieben pathetisch! 😉

    Ich mag deine Worte, ich finde deine Fotos toll! Und ich liebe diese besonderen Stimmungen, wenn die tiefen Wintersonnenstrahlen durchs Fenster fallen, Schatten malen und einem ein Lächeln aufs Gesicht und ein Kribbeln in den Bauch zaubern! Als Sommerkind mochte ich die Sonne schon, aber so zwischendurch mag ich auch graue, windige Tage und Tage, an denen es schneit! Also ich mag es, dass es bei uns Jahreszeiten gibt, die sich deutlich voneinander unterscheiden … auch wenn der Sommer manchmal zu schnell vorbei geht und der Winter manchmal zu lang dauert – aber in Summe ist das einfach gut so!

    Ach ich verliere mich in meinen Worten und Gedanken …

    Ich freue mich über das, was ich auf einem deiner Fotos entdeckt habe und bin schon gespannt, was an der Nähmaschine entsteht!

    Auf bald, herzliche Grüße, Selina

  4. Da geht mirs wie dir, zu viel Sonne und Wärme mag mein Kreislauf nicht. Aber trotzdem, wie toll, wenn sie scheint! Das Leben ist dann gleich viel schöner, alles geht leichter und macht mehr Spaß. Und im Winter stärkt sie den Glauben an den Frühling. Ja, Jesus wusste schon, warum er das sagt …

    LG Doro

  5. JenMuna sagt:

    so schön:) soviel Energie und Licht..das sieht und hört sich gut an! (bin gespannt auf ein Nähprojekt!)..und Wandermama, das gefällt mir!
    alles Liebe
    JenMuna

  6. Pia sagt:

    Toll wie du die Stimmung, welche die Wintersonne zaubert, eingefangen hast! Wir haben sie auch sehr genossen in den letzten Tagen,diese wärmenden Himmelsstrahlen….nun müssen wir uns wohl in den nächsten Tagen wieder an die graue Stimmung gewöhnen,aber zum Glück gibt es Kerzen;-)

    Ich wünsche dir schöne,entspannte Stunden bei deinem Nähprojekt und warte gespannt was aus diesem schönen Stoff entstehen wird. Liebe Grüsse Pia

  7. Sanne sagt:

    seit zwei Tagen singe ich für mich und jetzt für dich:
    blüht ein Blümlein blüht ein Blümleich blüht im Märzenwald
    kommt der helle der helle Frühling
    kommt der Frühling bald
    ja,ja, bis März dauert es noch-trotzdem!
    die Wintersonne hat mich zu einem Spaziergang gelockt, wunderschön war das.
    herzliche Grüße
    Sanne

  8. Micha sagt:

    Sehr schöne Sonnenbilder! Ich bin schon sehr gespannt aus das Nähprojekt – vielleicht ein Sommerkleid?
    LG, Micha

  9. Tinki sagt:

    Hi Bora,
    ja ich sehne mich auch nach jedem Tag, der Sonnenstrahlen hervorbringt. Im Winter viel mehr als im Sommer, wo ich auch des öfteren vor der Sonne und der Hitze davonlaufen, weil ich es nicht ertragen mag.
    Aber sag mal – warum sind eigentlich bei Deinen Fotos alle Fenster verhangen? Hast Du Angst wir könnten hinausschauen, oder magst Du keine Leute hineinschauen lassen? Oder sperrst Du die Sonnenstrahlen eher aus? Mmmh. Erscheint mir irgendwie seltsam. Ich habe hier eher das Problem, daß mir die Büsche und Bäume drum herum die Sonne klauen und das leider auch im Winter, da sie immergrün sind. Ansonsten bin ich im Winter um jeden Sonnenstrahl froh, der direkt in unser Haus strahlt. Daher meine Frage nach „verhangenen“ Fenstern. ( Meine Güte bin neugierig. ).
    Hoffentlich geht es Dir gut und die Lebensgeister springen wieder. Ich habe hier das gleiche Problem mit der Müdigkeit, aber eher aus Lichtmangel, denn aus schw… Gründen.
    Ganz liebe Grüße Tinki
    PS: Habe aus Baby-Alpaka eine hellgrüne Neugeborenen-Mütze für meine Nichte gestrickt und hab mich wieder an Deiner Anleitung erfreut! DANKE! ( Leider wie in letzter Zeit so oft, habe ich kein Foto gemacht… Ich werde meine Schwester mal fragen, ob sie eines hat, dann kannst DU mal eine Bildersammlung von „fremdgestrickten“ Mützen machen.

  10. minomi sagt:

    Liebe Bora,
    ich empfinde diese kräftigen Sonnenstrahlen in der eigentlich eher dunklen Jahreszeit unheimlich belebend und wertvoll, so wie Du.
    Auch ich bin keine Sonnenanbeterin, im Moment auch unheimlich blass, aber diese Strahlen der tiefstehenden Sonne muntern auch mich auf.
    Und nun bekommst du wieder ein Sommerkind 🙂

  11. Katrin sagt:

    Oh, wie wahr und wie schön geschrieben. Versuchte ich nicht selbst unlängst diese Kraft in Worte zu fassen, die sich bündelt, wenn die Sonne nach einiger Abstinenz mal wieder durch die Fenster leuchtet? Dir ist es gelungen – und auf welch schöne Weise. Ich finde mich wieder. Danke!

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