botanisch inspiriert

Wenn ich in den Wald komme, fühle ich mich immer als würde ich ein grosses, grünes Schloss betreten. Ein Märchenschloss voller verwunschener Winkel und kleiner Geheimnisse. Dieses Licht, das einem empfängt, ist einfach… magisch… und die Kühle und Stille (die bleibt, selbst jetzt im Frühling, wo die schönsten Vogelkonzerte steigen) besänftigen meine inneren Dämonen, Sturm und Drang und alle Zerstreutheit meiner Seele in genau dem Augenblick, in dem ich dieses Reich betrete.

Manchmal glaube ich, ich suche unbewusst immerzu nach dem Paradies, dem verlorenen Garten Eden, für den wir einmal bestimmt waren… Vielleicht fühle ich mich deshalb im Wald so angekommen?
Der Himmel muss wohl voll sein von Bäumen

Nachdem ich neulich meine Pulswärmer aus der herrlich schattengrünblauen Wolle von Brigitte Kälin fertig hatte, fühlte ich mich sofort verloren ohne ein Projekt auf den Nadeln. Von den 200 Gramm Wolle war nur ein Bruchteil verstrickt und irgendwie hatte ich einfach das Bedürfnis, diese wundervollen Waldfarben noch ein wenig länger zwischen meinen Fingern zu haben; Farben sprechen ihre eigene Sprache, nicht? Und diese hier erzählen von der Geborgenheit des Waldes…
Als ich auf der Suche nach meinem neuen Strick-Projekt dann auf den Botanical Scarf stiess, wusste ich sofort: DER und kein anderer! (Kein Wunder: unfassbar, wie ähnlich die Farben dieser zwei absolut unterschiedlichen Garne sind!!!)
Nun, es gibt Dinge, denen sieht man ihre lange Entstehungszeit nicht an. Dieser Schal ist so ein Ding. Ich habe einige Stunden daran gearbeitet, aber wenn ich ihn in den Händen halte, sehe ich im Grunde nur ein kleines Häuflein Gestricktes… Ein nettes Häuflein allerdings. Ich mag das zarte Muster, das Garn sowieso (mitsamt seiner Geschichte) und für Zwischen-Zeiten, in denen es weder richtig kalt noch richtig heiss ist, könnte dieser botanisch inspirierte kleine Schal wirklich perfekt sein.
Ausserdem hat er mich etwas Wichtiges gelehrt: Muster stricken hat Charme! (Zumindest so einfache Muster wie dieses unkomplizierte Lochmuster). Bisher war ich felsenfest davon überzeugt, dass alles, was über das recht/link-Schema hinausgeht, mich masslos überfordern müsste und fürs Stricken inmitten einer lauten Kinderschar schlichtweg undenkbar wäre. Gewundert habe ich mich nur, dass ich mich sogar beim Stricken in glatt rechts -bei aller Liebe- nicht wirklich entspannen konnte, sondern die immergleiche Bewegung irgendwann als hetzend empfand.
„Naja,“ dachte ich immer, „Ich bin wahrscheinlich einfach nicht fürs Stricken geschaffen.“
Bei diesem Schal aber löste sich plötzlich der Knopf: im einfachen Rythmus von Abzählen, langsamen Umschlägen und gedankenlosem Aneinanderreihen rechter Maschen, Konzentration und Entspannung- perfekt balancert, erkannte ich mit einem Mal, dass Stricken tatsächlich meditativ sein kann.
Wald und Wolle- zwei meiner allerliebsten Dinge überhaupt schätze ich- in einem kleine, einfachen Schal vereint.
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17 Kommentare zu botanisch inspiriert

  1. Annett sagt:

    Ein wunderbarer Schal.

    LG Annnett

  2. amber sagt:

    liebe bora

    ich schicke dir heute einfach mal einen herzensgruss zu.
    es tut sooooo gut hier bei dir lesen zu dürfen, innezuhalten, atem zu holen, zu lauschen…..
    ich gehe jedes mal mit einem langsameren pulsschlag und einer freude im herzen von deinem blog!
    danke dir!

    christina

  3. Anja sagt:

    Ein wunderschöner Schal! Schön, dass du richtig im Stricken angekommen bist, so zu sagen. Bei mir ist es immer noch verkrampft… Vielleicht versuche ich es irgendwann mal mit einem Lochmuster? 😉
    Deine Fotos sind wie immer bezaubernd und bebildern die Stimmungen die du in Worten beschreibst perfekt! Ach Bora, ich liebe deinen Blog 😀
    Ganz liebi grüäss, anja, die sehr gut geschlafen hat letzte Nacht 🙂

  4. minomi sagt:

    Hihi, auch eine Strickgeschichte 🙂
    Ein sehr schöner Schal ist das, vor allem getragen entfaltet er seinen vollen Charme!
    Danke für`s weitergeben, für Deine Inspirationen und überhaupt…

  5. Lena sagt:

    Der Schal ist wirklich sehr schön! Bei mir ist Stricken leider auch noch eher eine anstrengende Angelegenheit, vor Allem habe ich am Ende immer eine andere Anzahl an Maschen als am Anfang und das unbeabsichtigt 🙂 Ich hoffe, dass ich das Stricken auch irgendwann mal so beherrsche, dass es entspannend wird 🙂
    Ich wünsche dir eine schöne Woche

  6. liebe bora,
    danke für die antwort auf meine frage.
    ein ganz,ganz toller schal ist das geworden!!!!!
    die farbe und das einfache lochmuster gefallen mir
    gut.vielleicht probier ich das muster mal aus,obwohl mit englischen anleitungen habe ich so
    meine schwierigkeiten.danke für diesen wunderschönen post.
    alles liebe regina

  7. kirschkernzeit sagt:

    @vielen Dank, ihr Lieben! Ich glaube, eigentlich habe ICH zu danken, wisst ihr… Ich sauge jeden einzelnen eurer Kommentare in mir auf wie eine Biene ihren Nektar- und daraus wird dann Gelee royal für meine Seele;-)
    und, liebe Regina: Wenn du möchtest, kann ich dir helfen bei der Übersetzung… Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es rechtlich wirklich okay ist, wenn ich eine englische Anleitung hier bei mir übersetzt frei gebe… aber so von Person zu Person ist das wohl schon okay, oder? Oder kennt sich jemand aus mit Rechstdingen?

  8. Rosenfee sagt:

    sehr sehr schön deine Geschichte,die Bilder und der Schal
    manchmal musst du einfach genau die richtige Wolle,zu genau dem richtigen Muster haben,dann ist es einfach …weil es zusammen gehört
    wenn du dich dann wohlfühlst während du es verstrickst ist es wie es sein soll und dein Ergebnis wird so schön!

    Liebe Grüsse für dich
    Patricia

    P.S.: Anleitungen darf man nicht frei übersetzen und veröffentlichen
    du brauchst die Erlaubnis der Designerin dafür
    http://www.quilts.de/Informationen/Themen/Copyright/body_copyright.html

  9. amberlight sagt:

    Ein toller Schal … und ein Himmel voller Bäume ist eine wunderbare Vorstellung.

  10. kirschkernzeit sagt:

    @Rosenfee: Vielen dank für deine Info! Ich habe den Text gelesen und muss nun wohl leider meiner Übersetzung des Zwergenmützchens rausnehmen aus meinem Blog:-( Ich werde mal beim Verlag anfragen ob ich die Erlaubnis krieg' glaube aber, dass das eher nicht der fall sein wird… Ich bin immer wieder erstaunt, wie vieles in der Bloggerwelt wie selbstverständlich übersetzt und kopiert und abgebildet wird und weiss dann selber nicht recht, wo denn nun die tatsächlichen Grenzen sind… Aber dein Link hat schon ein wenig geholfen, Dank!
    Bora

  11. mairlynd sagt:

    Hattest Du nicht letztens noch geschrieben, stricken sei therapeutisch? 🙂

    Ist es nämlich. Balsam für die Seele und die Hände (letzteres vor
    allem dann, wenn man ein sehr besonderes Garn hat.)

    Und keine Angst vor Lochmustern! Ich hab ja auch erst vor Kurorten
    damit angefangen, bin aber restlos angefixt. Anfangs ging das auch
    nicht im Alltagsstress, sogar abends fand ich es schwer, die nötige
    Konzentration aufzubringen, aber wie alles andere ist auch das
    Übungssache und heute stricke ich jederzeit ein paar Maschen
    zwischendurch, Hab allerdings ein leichtes Projekt für tagsüber und
    das etwas schwerere mach ich nur am Abend. 🙂

    Liebste Grüße schick ich Dir, ich mag Deine Fotos so gern!

  12. Holzchnopf sagt:

    Schön ist er geworden dein Schal…und deine Waldbilder sind auch wieder super! Gute Nacht und liebe Grüsse Pia

  13. kirschkernzeit sagt:

    @mayrlind: Weisst du, es ist schon so, dass ich das Stricken BRAUCHE, wirklich fast schon wie eine Art Therapie und gegen die Langeweile, den Frust oder die Nervosität des Alltags. Aber meditativ fühlte es sich bisher nicht an, nicht so, dass ich stundenlang hätte dasitzen mögen und Runde um Runde stricken ohne Auszusehen. Ich habe immer gestrickt, den Blick schweifen lasse, gestrickt, eine Reihe Schokolade gegessen, gestrickt, mit Kind2 eine Runde Karten gespielt, gestrickt und dabei mein Mädchen gestillt, gestrickt, ein paar Sachen vom Boden aufgelesen… Selbst abends stricke ich meistens bloss kurz an einem Stück. Meditaives Stricken aber ist… Stricken im Fluss ohne es zu bemerken. Abdriften eben. Danke fürs Schreiben! Ich hab mich SEHR gefreut, von dir zu lesen!!!

  14. alfarascha sagt:

    Oh ja der Wald…hmmmh…Erinnerungen:)Ich glaube ich habe ein Drittel meiner Kindheit im Wald verbracht, zu Fuß, zu Pferd, rennend, laufend, fangend, spielend, Höhlen bauend,Mäuse-fangend, Eichhörnchen-rettend,Feen-suchend;)..möchtegern-Ronja:)
    Ich les so gern bei dir,deine Gedanken kommen mi so bekannt vor..sind wir nicht vielleicht alle irgendwie auf unsere Artund Weis auf der Suche nach dem „Paradies“, spiegelt sich das nicht vielleich in der Suche nach dem „perfekten Platz“ für uns.. auf dieser Erde? Gibt es den überhaupt[hier]?
    Dein Schal sieht toll aus und das Muster ist super! ich liebe ja Grüntöne und es ist schon zu sehen wie du in deinem „Stricken“ wächst!
    Bei mir reicht die Zeit irgendwie im Moment nur für meinen kleinen“Häkelkram“..aber bei deinen schönen Sachen lockt es mich doch sehr:)
    ganz liebe grüße
    sarah

  15. Alchemilla sagt:

    Liebe Bora, wie schön Du den Wald und Deine Gefühle dabei beschrieben hast! Mir geht es ganz genauso wie Dir, wenn ich in den Wald komme…. wie ein grünes Schloss, und es riecht immer so gut… Im Wald kann ich immer völlig abschalten – zu jeder Tages- und Jahreszeit. Super Bilder! Ah ja, und der Schal ist auch wunderschön geworden :-)!

    Liebe Grüsse, Marianne

  16. kerwall sagt:

    Hallo, so ein schöner Schal. Ich finde ihn toll.
    Stricken ist für mich auch Meditation. Es bringt mich zur Ruhe und lässt mich abschalten. So kann ich verweilen und die Schönheit des Strickbildes verfolgen.
    Farben sind für mich auch ganz wichtig. Schöne Farbzusammenstellungen findet frau oft nur bei handgefärbter Wolle, hergestellt von sensiblen Farbfeen, die mit Liebe und Gefühl uns Freude bereiten.
    Liebe Grüße Kerstin

  17. Was für tolle Farben, wirklich wunderschön… ein richtiger Wald-Schal. Und Lochmuster noch dazu, herrlich. Das ist wie der Ausblick zwischen den Baumkronen 😉
    Viel Freude mit deinem neuen Stück!! Alles Liebe. maria

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