mit Kindern kochen

Das wird jetzt keine Liebeserklärung an die Küche, nein, meine Lieben, das wird jetzt höchstens ein kleiner Einblick in meinen Versuch, meinen Alltag noch stärker mit meinen Kindern zu gestalten und ihnen dabei ein wenig von dem mitzugeben, was mir selber am Herzen liegt…
Ich kochen nämlich zwar nicht gerade leidenschaftlich gerne, aber trotzdem… mit Herz und Sinn. Weil ich das, was ich esse, gern haben muss, um mich satt zu fühlen, und weil ich spüre, dass jeder Handgriff, den ich selber verrichte, einem Gericht etwas verleiht, das mich eine Spurt glücklicher macht. Essen, das ich erfahren habe zuvor, ist mir einfach… näher.
Und genau das möchte ich meinen Kindern zeigen. Dass man sein Essen mit ein paar wenigen Grund-Zutaten wirklich selber machen kann, dass das Kochen und Backen eine sinnliche, kreative und herausfordernde Sache ist, die seine Zeit braucht und einen Platz im Alltag verdient hat, und dass Kochen ganz besonders schön ist, wenn man dabei ein bisschen nette Gesellschaft hat…
Manchmal lese ich, dass „alle Kinder gerne kochen“ (oder überhaupt mithelfen). Leider stimmt das nicht so ganz… Zumindest bei uns… Kind2 zum Beispiel ist ein Mensch, der schon von klein auf viel mehr am Essen selber  interessiert war als am ganzen Drumherum zuvor in der Küche. Mein Mädchen hingegen findet es absolut faszinierend, was sich da in meinen Töpfen und Pfannen tut. Sie liebt es, ihre kleinen Ärmchen bis zum Ellbogen in eine Schüssel Mehl zu tauchen oder Mozzarella zu zerrupfen… Kind1 hat die ersten vier Jahre seines Lebens so viel Zeit mit mir in der Küche verbracht, dass er für eine Weile absolut gar nichts mehr damit zu tun haben wollte und erst so langsam wieder einen einen Zugang findet zum Thema Kochen. Auf seine Art, sehr spielerisch und gleichzeitig mit gewissen Ambitionen.

Ich versuche eine gesunde Balance zu halten, die Kinder nicht allzu sehr zum Kochen zu drängen,  es ihnen aber trotzdem irgendwie schmackhaft zu machen und sie immer wieder zu ermuntern, selber ein Messer und eine Karotte in die Hand zu nehmen, den Griessbrei zu rühren, Pizzateig auszuwallen, Brot zu kneten oder ihre eigenen Ideen in ein Menü zu bringen… Und vor allem, sich von Fehlern (oder verschütteter Milch) nicht entmutigen zu lassen.
Manchmal klappt das wunderbar. Manchmal spüre ich aber schon nach kurzer Zeit (oder einem am Boden zerschlagenen Ei), dass mein Nervengerüst heute diesem Gewusel rund um fragile, scharfklinige, hochtemperierte und äusserst liquide Küchendinge nicht so ohne weiteres standhält und verschiebe das Familien-Kochen auf morgen. Oder auf übermorgen. (Mein Mädchen bleibt so gut wie immer dabei, wenn ich in der Küche herumklappere, aber Kochen mit einem Kind ist doch um einiges weniger… virtuos als Kochen mit drei kleinen Küchengehilfen, habe ich gelernt.)

Vor Jahren, als Kind1 noch ganz klein war, wurde ich einmal bei einer 6-köpfigen Familie spontan zum Kaffee eingeladen. Ich war ziemlich erstaunt, als ich eines der Kinder über ein Kochbuch gebeugt am Küchentisch antraf… Die Mutter erklärt mir dann, dass sie in ihrer Familie eine kleine Familientradition hätten: Jedes Kind im Schulalter kocht einmal pro Woche für die ganze Familie. Es wählt das Menu, schreibt die Einkaufsliste und steht dann auch selber am Herd.
Die Idee dazu kam ihr, als sie das Genörgel der Kinder am Tisch kaum mehr aushielt; seit alle ein bisschen Küchenluft schnuppern und wissen, wie viel Arbeit und Hingabe es braucht, bis ein Essen auf dem Tisch steht, wird wunderbarerweise auch weniger herumgemäkelt…
 
Diese Idee hat damals einen enormen Eindruck bei mir hinterlassen (Das Menü, das dieser Junge damals wählte übrigens auch: Fischeintopf mit grünen Erbsen!). Ich wünsche mir, dass wir eines Tages an einem ähnlichen Punkt stehen, wo Kochen und überhaupt Haus-Arbeit nicht nur meine Aufgabe sind, sondern etwas, was wie alle zusammen tun, mit Freude und Wertschätzung (naja, soweit das überhaupt möglich ist…), wo sich alle als Teil einer Gemeinschaft verstehen, die ohne den anderen nicht bestehen kann.
Leben im Wir-Gefühl, auch in der Küche.
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11 Kommentare zu mit Kindern kochen

  1. Meine Juli backt und kocht auch gerne 🙂
    Sie liebt es, wenn ich Kartoffel schäle, diese dann in den Topf zu legen.
    Oder wenn wir eine Suppe oder Tomaten soße kochen, und sie diese umrühren darf 🙂
    Ooooder Pizza belegen ! Ohja Pizza belegen macht ihr auch mächtig spaß 😀
    Sie selbst hat ja auch eine Holzkinderküche im Kinderzimmer stehen und da kocht sie super gerne die selbstgenähten Schleifchennudeln oder backt Cookies :>

  2. Anja sagt:

    Ich finde es toll, wie du deine Kinder in den Alltag einbindest. Bei uns läuft es ähnlich, nur das ich bis jetzt nur ein aktiv mithelfendes Kind habe 😉
    Wir haben als Kinder zu Hause auch kochen dürfen, jeden dritten Samstag waren wir Kinder dran, ein Samstag gehörte meinem Vater und einer meiner Mutter. Das war meistens ziemlich cool 🙂
    Ganz liebi grüäss, die bettlägerige anja

  3. JenMun(a) sagt:

    liebe bora,

    nicht müssen sonder wollen, das finde ich besonders gut!mein kleiner ist kaum weg zu denken aus der küche, aber vielleicht ändert sích das ja auch noch wieder (nicht das ich das möchte, aber vielleicht hat er ja auch mal so eine phase). ich glaube, dass das etwas wirklich erreichbares ist das „gemeinsame“ (ihr deid ja auf dem besten weg), besonders in „größeren“ familien habe ich das ebenfalls oft erlebt, eine frühere freundin war kind 1 von weiteren 12 kindern..

    lg:)

  4. Das sieht sehr gemütlich aus bei Euch! Unser Großer liebt es, in der Küche mitzutun. Oft rettet uns das aus einer seiner altersbdingten Zornattacken, da kann er seine Energie auf positive Wege leiten. Etwas schwer tue ich mir allerdings, seit die kleine Maus da ist… Kochen mit meinem Großen dauert naturgemäß um einiges länger, als selbst schnell was „zusammenzuschmeißen“, und da ist ihre Geduld meistens einfach überfordert. Wie hast du das gemacht, als Eure Kleinste ein Baby war?
    Alles Liebe,
    Katharina

  5. radattel sagt:

    oh ja, kinder und kochen! als meine kinder klein waren, saßen sie zugern neben mir auf der arbeitsplatte und schauten zu und taten mit.
    Heute hat sich die große (12) den montag zu ihrem kochtag auserwählt und kocht bis jetzt! am liebsten nudelgerichte. die zweite lässt sich eher zum backen verführen, ihrer neigung zu süßem geschuldet. die jüngste hat ihrer ganz speziellen von ihr immer wieder eingeforderten aufgaben zb käsereiben. ich glaube, so lange das alles mit spaß und ganz ungezwungen passiert ist es eine berreicherung für alle.
    wenn allerdings ein muß dahinter stehet, verliert sich der spaß schneller als man denkt.
    außerdem liebe ich es auch ab und an mal ganz allein in meiner küche rumzumurksen 😉

  6. liebe bora,
    herrlich ist es bei euch in der küche.als meine kinder noch klein waren,haben sie mit hingabe gerührt,gebacken und gekocht.jetzt wo sie erwachsen sind,bin ich meistens allein in der küche.
    euch wünsche ich weiterhin fröhliches werkeln in der küche,alles liebe regina

  7. minomi sagt:

    Das hast Du wieder so schön beschrieben und die Fotos sind auch sehr aussagekräftig (Thema Nervenkostüm der Mama, hihi). Und wer räumt hinterher wieder auf? 😉

    Ich lasse meinen Großen auch gerne mitschnippeln (mit scharfen Messern, jawoll, das kann er!) und die Große sitzt gern im größten Kochchaos am liebsten zwischen Zwiebelschalen auf der Arbeitsplatte und schaut zu.
    Nur sobald ich ein elektrisches Gerät benutzen möchte muss mind. ein Kind auf den Arm (seeehr geräuschempfindlich sind die beiden).

    Was kochst Du denn am liebsten mit den Kindern gemeinsam?

    PS. Kommentieren geht wieder- jippieh!

  8. Nikki sagt:

    sehr cool deine küchenpitraten! schönes sonntag-abend-menue wünscht euch, nikki

  9. mausekind sagt:

    genau das ist mir auch so wichtig…greta liebt es mir zu helfen…und ich liebe es in den allermeisten fällen dass sie dabei ist! grüße!!!

  10. kirschkernzeit sagt:

    @alle: ich hoffe, ich habe nicht allzu sehr den Eindruck erweckt, dass bei mir immer alle fröhlich singend mit am Herd stehen!!! Es ist mir ein grosser Wunsch, dass wir immer mehr an diesen Punkt kommen, und ich versuche, mir auch Zeit und Geduld dafür zu nehmen… aber wie gesagt; bei mir stimmt es definitiv nicht, dass „Kinder immer gerne kochen und mithelfen“! Nicht, dass ich hier den Eindruck hinterlasse, dass wir in der Küche immer alle einträchtigst die Köpfe zusammenstecken 😉 manchmal koche ich auch ganz alleine- und das auch nicht ungern, weil, mit (3) Kindern kochen ist schon auch anstrengend und verlangt eine ganz andere innere Einstellung von mir als dasselbe im Alleingang zu tun… Ich bin glücklich, wenn eines meiner Kinder freudig mittut und versuche, dem auch sofort Raum zu geben… aber wenn niemand möchte (und das kommt oft vor!) dann ist das auch okay… Manchmal wird mir erst durch euer Comments bewusst, wie ein Post wohl wirken mag… und zu viel „Supermutti-Ausstrahlung“ soll so ein Post nciht haben, nicht? Eine Supermmama bin ich nämlich mit Sicherheit nicht, sondern auch mal nörgelig, ungeduldig, faul und erschöpft… Auch in der Küche.
    eure Bora

  11. kirschkernzeit sagt:

    @Fardlatas: Also mit Baby? Soll ich da ganz ehrlich sein? – Da hab ich kaum richtig gekocht (jaja, eine Schande, ich weiss…). Schwangerschaft und babyzeit sind für mich totale Ausnahmezustände, um nicht zu sagen Not-Zeiten, in denen ich einfach froh bin, zu überleben. Und ohne Fertigteigpizza, Nudeln mit Pesto aus dem Glas und dergleichen, wäre ich wohl durchgedreht *lach*. Ich bin in diesen Phasen einfach nur glücklich und dankbar, wenn alle was im Magen haben!
    Kochen mit baby auf dem Arm its ja auch nicht so gemüseschnippeltauglich, nicht?
    @minomi: Jetzt (in der Nach-babyphase) backe ich am liebsten mit den Kindern! Brot und Kuchen, ganz klar! Und beim kochen Pizza. Kind1 macht wunderbare salatsaucen und brät gerne Fleisch an, Kind2 schält gerne Gemüse und schneidet Schinken zu (inkl. vielen, vielen Kostproben:-) )
    @ Anja: Du Arme!!! Ich melde mich noch, gell…

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