zur Zeit

Zur Zeit…
 … sieht die Welt draussen bis weit nach Mittag wie ein Märchen-Land im aus, wo Elfen und Gnome zwischen Baumwurzeln hausen könnten, ohne dass es mich erstaunen würde; der Nebel verwandelt alles, was er anfasst in pure Magie, nicht wahr? Und ich mag diese Art von Magie. Sie ermutigt mich, zu Träumen. Sie zeigt mir, dass man die Dinge -ganz egal wir klar und trivial sie zuerst scheinen mögen- auch mit völlig anderen Augen sehen kann.
Wenn man will.
Manchmal gibt es Phasen, da verliere ich diesen Blick für das Gute, das Schöne, das Zauber-Hafte und Einzigartige, das  in jedem Leben steckt, in jeden einzelnen Tag, der mir geschenkt wird. Ich merke, wie die Stunden zerrinnen, mit Tätigkeiten gefüllte Stunden, die ich lebe, aber nicht er-lebe. Und ich fühle mich hilflos, weil ich irgendwie die Verbindung zu dem, was um  mich herum vor sich geht, zu verlieren scheine, weil es immer seltener wird, dass mich etwas innerlich zu berühren vermag…
Der Nebel aber schafft es immer, wirklich immer, mich in Staunen zu versetzen. Wenn ich sehe, wie er alles verschluckt, Landschafts-Bilder, die ich in- und auswendig zu kennen glaubte, ohne zu zaudern verwischt und meiner Fantasie die Erlaubnis erteilt, sich ihre eigene Welt zu erschaffen, dann macht mir das Mut.
Weil ich daran erinnert werde, dass ich genau das im Grunde auch könnte. Auch ich kann meine Lebens-Landschaft hinterfragen und neu gestalten. Oder aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Immer.

Und wer weiss, vielleicht werden so manche Märchen dann doch noch wahr…

Zur Zeit…

… habe ich ein Zimmer, das ich jetzt schon liebe, aber kaum je benutze. Weil mir die Freiheit fehlt, mich einzuleben und urplötzlich auch die Gründe, warum ich überhaupt einen Raum nur für mich allein, haben sollte… Obwohl ich mich nach Momenten der Stille und des Friedens sehne, fühle ich mich fast schon zu sehr allein, wenn ich die Türe hinter mir schliesse und in diesem noch immer sehr leeren, kargen Zimmer stehe, dem noch alle Möglichkeiten offen sind. Ich weiss, hier könnte ich alles Mögliche machen. Sogar das Unmögliche möglich. Ich könnte auf dem dicken, weichen Teppich meiner Mama sitzen und einfach beten. In aller Ruhe.
Ich könnte endlich anfangen richtig zu schreiben. Auf ein Ziel hin. Oder wenigstens ein wenig mit Worten und Techniken experimentieren (zum Beispiel mit diesem Buch. Oder diesem hier.), was mich ungemein fasziniert, sich aber nur schwer in meinen Alltag einbauen lässt, wenn nebenbei die Kinder rumoren oder mich mit Fragen löchern (was sie immer tun, sobald ich mich über ein Buch oder die Tastatur meines Laptops beuge).

Ich könnte hier Steine bemalen. Oder stricken und dabei ein Hörspiel laufen lassen.
Ich könnte mich ans Fenster setzen und das Leben auf der Strasse beobachten. Von oben herab, wie ein Adler in seinem Horst.
Ich könnte mir die Finger lackieren und Damen-von-Welt-Zeitschriften lesen *lach*. Aber dazu müsste ich schon ein wenig verrückter werden… Immerhin: Es tut gut, zu wissen, dass ich es könnte. Wenn ich wollte.

Ich glaube, es braucht einfach seine Zeit: Bis ich lerne, mit dem Gedanken, umzugehen, dass ich tatsächlich das Recht habe, mir Zeit und Platz für mich selber frei zu halten. Bis ich herausgefunden habe, wie ich diese neue, unheimliche Freiheit, für mich gestalten kann, was  mir gut tut und was nur Ablenkungsmanöver sind, die meine wahren Bedürfnisse zu verschleiern versuchen.

Und es braucht bestimmt nochmals seine Zeit, bis ich all das dann auch in vollen Zügen geniesse

zur Zeit…
 … schwirren wir wie Bienen durch die Tage, die voll sind wie … wie immer eigentlich.
Wir versuchen, so viel als möglich zu endlich abzuhaken und zu Ende zu führen, was sich anstaut an Projekten. Wie die Waschküche mit stillem Örtchen, die gleich neben einem unserer zwei (!) Eingänge entsteht, und für die mein Mann sogar gelernt hat, wie man überhängende Fensterbänke betoniert…

Kind2 klaubt derweil alle Kerne, die die Spatzen übrig gelassen haben, aus seiner Sonneblume. Als Samen für den nächsten Frühling. Für den nächsten Sommer. Wo der alte doch eben erst zu Ende ging…

Auch ich mache mich ans Abhaken und Verwerten, ziehe Garn aus meinen überquellenden Kisten (die heute schon wieder um 12 Knäuel Sockenwolle reicher wurden), setze mich morgens mit Kaffee und meinen Nadeln an den Tisch, bevor der Tumult so richtig losgeht, und bringe die Wolle zum Leben

Denn die Tage sind Mützen-Tage geworden. Zumindest morgens. Manchmal. Und Strick-Jacken-Tage, wenn man es genau nehmen will. Ich mache nämlich keinen Schritt mehr aus dem Haus ohne meine Strickjacke. Was mir gerade in Erinnerung ruft, dass da noch eine Shalom 2 auf meiner Lieblings-Liste stünde…

Zur Zeit…

… würde ich am liebsten unsere Koffer packen und einziehen. In die Stadtbibliothek. Denn dort gibt es Bücher, massenhaft. Und im Augenblick sehne ich mich nach Büchern, massenhaft. Jedes Mal, wenn ich durch die Gänge schlendere (mit einem zappelnden kleinen Mädchen auf dem Arm, das hier viel lieber verstecken oder wie-viele-DVDs-hoch-kann-mein-Turm-werden spielen möchte *ähäm*) könnte ich versinken in den fremden Welten und den neuen Ideen, die sich zwischen diesen bunten Einbänden verbergen. Eine Schatzkammer voller Inspiration und Geschichten, aus der ich nehmen darf, was immer ich möchte. Es ist wie ein Rausch…

Wenn ich mit vollen Taschen wieder nach Hause zurück kehre und wir uns alle sofort mit einem Stapel neuer Lieblings-Bücher aufs Sofa werfen, dann fühle ich mich so richtig beschenkt, glücklich und dankbar. Das Leben ist so gut zu mir.

Zur Zeit…
… bin ich eine miserable Blog-Leserin, fürchte ich. Ich finde weder die Zeit noch die Energie, um auf Blog-Wanderschaft zu gehen, so sehr ich es auch möchte, und ich glaube, das muss ich einfach so stehen lassen im Moment. Und mich mit diesem dummen, ein bisschen schuldbewussten Gefühl arrangieren, das ich zwar nicht haben sollte (wie ihr mir immer wieder versichert), aber trotzdem nie loswerde.*seufz*
Denn es gibt so viele wunderbare, ermutigende, tiefsinnige und höchst kreative Orte da draussen…

Einer davon ist ganz bestimmt Katobias sehr gefühlvoll und authentisch geschriebener Blog „Zweiplusdrei“, und genau dahin wird Caros „Landleben“ demnächst losreisen, das Glückliche. Mein Mädchen, die Glücks-Fee, hat sich nämlich Katobias Namen aus meiner Comment-Liste ausgewählt und mit wabrigen Strichen eingekreist, was als gezogenes Los gilt sozusagen.

Schön, dass das Wander-Buch jetzt zu dir fahren darf, Katobia!

Zur Zeit ist hier vieles in Bewegung:

Draussen die Natur, die sich schält und einigelt, drinnen eine Familie, die sich enger umeinander schart, je kälter es wird draussen, Räume, die getauscht und eingerichtet werden, und ganz im Inneren, Wünsche und vergessene Sehnsüchte, die immer lauter danach rufe, dass ich mich endlich um sie kümmere…

Zur Zeit ist… es einfach an der Zeit für manches.
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7 Kommentare zu zur Zeit

  1. Anja sagt:

    Schön! So belebt… Und dein Zimmer ist toll… Ihr werde sicher noch richtig zusammen finden 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

  2. Holzchnopf sagt:

    Toller Post! Das mit dem eigenen Zimmer kenne ich auch;-)
    Ich mag den Nebel auch sehr…und Bücher auch…hätte auch gerne so eine Bibliothek in der Nähe.
    Wünsche dir mystische Tage. Liebe Grüsse Pia

  3. Woll-Land sagt:

    jaja, der nebel, ich mag ihn sooo sehr. auf einem blog hab ich mal einen spruch gelesen, der mir gut gefällt: „der nebel macht die welt so klein, dass ich sie verstehen kann!“
    vor 2einiger zeit hatte ich ebenfalls die plötzliche, unerwartete möglichkeit, platz und zeit dinge zu tun, die ich schon sooo lange machen wollte. war ganz schön schwer sich fallenzulassen, vor allem wenn ständig kinder um einen herumhuschen. aber das wird, kann ich dir sagen 🙂 und dann ist es wunderschön!
    ich gehe heute übrigens auch in die bücherei!
    liebe grüße
    martina

  4. Allerleirauh sagt:

    Du spinnst aus „Nichts“ immer so einen schöne, lange Faden, der problemlos reicht, um daraus eine Jacke zu stricken, in die man sich gemütlich einkuscheln kann und sich geborgen fühlt in dem weichen Nichts.
    Ich finde, du hast nicht das Recht, nein, du hast sogar die Pflicht, dir Zeit für dich zu nehmen. Bei sich selbst zu sein ist in meinen Augen etwas von Wichtigsten im Leben.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

  5. katobia sagt:

    Oh wunderbar – ich freue mich riesig!
    Und was das „Schlechte-Blog-Leserin-Sein“ angeht: Ich wünsche dir tatsächlich, dass Du Dir das bewahren kannst! Denn so schön und inspirierend dieses Wandern oft ist – es braucht auch viel, bei mir oftmals zu viel, Zeit, die ich dann in meinem ureigenen Sein vermisse, manchmal fühlt es sich fast ein bisschen nach Flucht vor mir selbst an (ja, es hat wohl schon eine gewisse Tendenz zur Sucht…)

  6. JenMun(a) sagt:

    ..das mit den Träumen, ja genau;) Ich weiß nicht die Herbstzeit ist irgendwie immer so besonders und eine Zeit in der meine „Träume“ wieder reger werden und es mich unheimlich danach sehnt ihnen ein Stückchen näher zu kommen..
    Ich wünsche dir auch dass du dein Zimmer euch noch zusammenlebt (ich für mich, würde das wahrscheinlich nie können.. ich brauche dieses wzischen kinderstimmen und chaos arbeiten;))

    ich wünsche dir einen schönen Tag!
    JenMuna

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