Das Wunder im Pfefferminz-Sirup

Gerade kocht es fast über in meiner Küche (also bildlich gesprochen): Der Sommer bringt so langsam aber sicher seine Ernte ein, und ich versuche, so viel ich kann davon zu verarbeiten. Zumindest mehr als die letzten Jahre über, was keine besonders grosse Kunst sein dürfte *grins*
Es ist schön, unser Essen aus der Erde zu ziehen oder von den Büschen zu klauben, und damit in die Küche zu kommen, und besonders gerne arbeite ich mit Kräutern: Dieser Duft, der einem dabei umgibt, verzaubert meine Küche für eine kleine Weile in eine… sinnliche Oase.
Bei Pfefferminze ist dieses Gefühl besonders intensiv, denn ihr Geruch fliegt einem um die Nase wie eine wilde kleine Libelle.
Kein Wunder fühlte sich mein Mädchen letzten Samstag so wohl bei mir in der Küche. Wir setzten nämlich Pfefferminz-Sirup an, unseren allerersten Pfefferminz-Sirup!
Wie verzaubert zupfte sie Blättchen von den abgeschnittenen Minze-Zweigen und verteilte das meiste davon gleich in die halbe Melone, aus der sie immer wieder ein Stückchen herausfischte. Als Zwischenstärkung.  Oder Puppensuppe. *Hach* Kinderküche… Süsser als Schokolade…
Die Minzeblätter kamen dann für 24 Stunden in eine Schale mit Wasser und aufgelöster Zitronensäure. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum das sein muss, weil man die Pfefferminze für Tee ja auch direkt im heissen Wasser ziehen lässt und der Geschmack sich dabei voll entfalten kann… Aber das Rezept wollte es so, und wo ich sowieso gerade lerne, mich an Rezepte (oder Strickanleitungen *räusper*) zu halten, nahm ich die Gelegenheit gleich mal wahr. Also ein Säurebad für meine Pfefferminze.
Aber nicht nur für die…
Als ich nach etwa 2 Stunden das Grün in der Schüssel ein bisschen bewegte, kam mir ein Zweiglein in die Hände, an dem ein kleiner, fast durchsichtiger Schmetterlings-Kokon hing. Das arme Kerlchen… Mir tat der Anblick allein schon richtig weh: Nach 2 Stunden Säurebad war hier wohl nicht mehr allzu viel Leben hinter den hauchdünnen Wänden… Ein trauriges Ende.
Raupen in der Pfanne, Kokons im Sirup… Wenn das Essen aus dem Garten kommt, wird einem so richtig bewusst, dass sogar dieser Garten nicht uns gehört. Er ist kein Zimmer. Er ist ein zur Verwaltung geliehenes Stück Natur, das wir mit all dem Krabbel-, Kriech-, und Flattergetier teilen müssen.
Erst gestern hab‘ ich mit meiner Mama telefoniert und ihr von den Raupen erzählt, die mein Gemüsebeet bevölkern.
„Ich habe noch keinen einzigen Schwalbenschwanz gesehen in diesem Jahr“, sagte ich. „Und auch kein Tagpfauenauge. Aber Kohlweisslinge gibt es in Massen. Die ganze Zeit flattern ein paar im Garten herum.“
„Ja“, antwortete sie, „es gibt wirklich viele dieses Jahr. Viel zu viele. Eigentlich sind sie fast schon Schädlinge.“
Dann züchte ich also Schädlinge in meinem Kohl, überlegte ich ein bisschen nachdenklich und nahm mir vor, zumindest keine ihrer grünen oder gestreiften Raupen in mein Schmetterlings-Hotel zu lassen…
Heute vormittag stand ich draussen im Garten, und sah den Kindern auf dem Trampolin zu, als ich plötzlich etwas Flatterndes in unserer Schmetterlings-Kiste bemerkte… Ein weiss-gelblicher Falter mit zwei schwarzen Punkten an den Flügeln…
Ein Kohlweissling!
Geschlüpft aus dem Kokon, der ganze 2 Stunden lang in Zitronensäure eingelegt war. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht, ihn einfach so mit den Grün-Abfällen zu entsorgen und ihn  ins Hotel gelegt. Zum Vergessen. Und er? Er hat überlebt! Ich traute meinen Augen kaum. Und glaubt mir, ich habe mich gefreut wie noch über kaum einen anderen Falter in diesem Jahr.
Ich jubelte die Kinder herbei, staunte und guckte, und konnte es kaum fassen, wie robust so ein kleines, zerbrechliches Tierchen sein kann… Dann öffnete Kind1 den Verschlag für ihn. Als er hinaus in die Freiheit flog, hinaus zu seiner eigentlich viel zu grossen Familie über unseren Blumenrabatten, musste ich an Phoenix  aus der Asche denken.
Ich lächelte.
Ich lächelte auch, als ich eben, mit Einkaustüten beladen, an unserem Schmetterlings-Hotel vorbeikam.
Und mit den Kohlweisslingen sehe ich das so: Ich züchte sie nicht. Keineswegs.
Ich gewähre ihnen nur Asyl 😉
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11 Kommentare zu Das Wunder im Pfefferminz-Sirup

  1. amber sagt:

    liebe bora

    ich habe eigentlich gar kein zeitfenster offen um im netz zu sein.
    doch irgend etwas hat mich zu deinem blogeintrag geführt und nun singt mein herz und ich nehme dein schmetterlingslied mit hinein in meinen nachtraum, da bin ich mir ganz sicher 🙂

    hab dank für dienen wunderbaren blogeintrag, du liebe!

    christina

  2. ich liebe Pfefferminz und bin ganz traurig, dass ich in der Schwangerschaft nich so viel davon trinken darf, wegen der Milchbildung 🙁

  3. Anja sagt:

    Pfefferminz-Sirup hatte ich noch nie. Tönt aber lecker. Ich habe letzthin Pfefferminz- und Zitronenmelissen-Eistee gemacht. Der ist auch lecker. Wobei @TaTi Talentlos: Was hat es da genau auf sich mit Pfefferminz in der Schwangerschaft?? :-/
    Hihi, wie wundervoll, hat der Kohlweissling überlebt! Und er sieht so hübsch aus, gar nicht wie ein Schädling… 😉
    Ich finde euer Schmetterlingshotel super und liebe deine Geschichten und Bilder dazu!
    Ganz liebi grüäss, anja

  4. amberlight sagt:

    Tränchen weggedrückt und den Satz „Er ist ein zur Verwaltung geliehenes Stück Natur, das wir mit all dem Krabbel-, Kriech-, und Flattergetier teilen müssen.“ mit in den Tag genommen. Danke für deine Worte …

  5. nima sagt:

    Hallo Bora,

    mich hat dein Blogeintrag auch sehr gerührt und als du geschrieben hast, dass es genau DER Kohlweissling ist, hab auch ich gestaunt und mich gefreut!
    Ein toller Beitrag – vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße nima

  6. naturmama sagt:

    wunderschön alles! und entsprechend gut gelaunt hörst du dich an 🙂 (hast du auch schon bei katharina vorbeigschaut? :-))

  7. 19nullsieben sagt:

    liebe bora, das ist wirklich eine berührende geschichte. faszinierend, was solch „getier“ überlebt … aber das müssen „schädlinge“ wohl 😉

    und habt ihr den pfefferminzsirup schon verkostet?

    danke auch für deinen kommentar zu meinem neuen babyquilt – ich hab dir direkt bei den kommentaren geantwortet!

    ich wünsch dir einen schönen abend, selina

  8. Mumintroll sagt:

    Schön geschrieben.
    Ich liebe Pfefferminzsirup. Jedes Jahr werden viele Flaschen hergestellt. Mein Rezept ist ein wenig einfacher.
    Pfefferminzblätter in eine Pfanne legen und mit kochendem Wasser übergiessen. Zucker und Zitronensäure dazugeben. Alles gut umrühren auf jedenfall bis der Zucker sich ganz aufgelöst hat. Ein bis zwei Tage stehen lassen. Danach die Pfefferminzblätter herausfischen. Das ganze nochmals kurz aufkochen, heiss in saubere Flaschen abfüllen.
    Ich werde jetzt mit viel Neugier dein Rezept ausprobieren. Bin neugierig ob einen Geschmackunterschied zu entdecken ist.
    Lieber Gruss
    Bettina

  9. kirschkernzeit sagt:

    @alle: danke! Ich hab diesen Post wirklich von Herzen gerne und mit Freuden geschrieben: einer der Posts, die mir selber gut tun… Der Sirup selber ist… naja, eher mittelmässig. Ich habe vielleicht zu wenig Minze genommen, wer weiss, aber er schmeckt bei mir eher nach Zitrone als nach Minze. Ich mag ihn zwar trotzdem, werde aber beim nächsten Mal lieber Mumintrolls Rezept ausprobieren… und vor allem: Ohne Falter darin;-)

  10. Gute Idee mit dem Pfefferminzsirup – hab ich noch nie gemacht und werde dein Rezept ausprobieren.

  11. Pingback: mein Sommer-Header | Kirschkernzeit

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