Arm in der Schlinge

Babymutter-Sein bedeutet für mich immer auch, mit nur noch einem Arm zu leben. Es ist, als trüge ich den anderen in einer Schlinge, wobei er eigentlich nur selber zur Schlinge geworden ist. Morgens bis abends balanciere ich dieses wervolle, warme, achsogutriechende Bündel Mensch von Zimmer zu Zimmer, treppaus, treppab, koche, tische, esse damit, erzähle Bilderbücher, in denen zwei kleine Händchen herumpatschen, putze mir und anderen die Zähne, helfe, Briobahnen zu bauen, versorge einen wackligen Stapel Wäschen (der natürlich im Regal sofort in sich zusammenfällt und dafür sorgt, dass unsere Kleiderschränke immer ausschauen wie nach einer Kneipenschlägerei), giesse die Pflanzen beim Telefonieren, wechsle die Kinderkassette im Recorder, spiele TschauSepp und Drachenland und tröste den Verlierer, hebe Legosteine auf (die morgen schon wieder herumliegen werden, datiere Kinderzeichnungen, ordne, werke, helfe, spiele- alles mit nur einem Arm.

Über all dem ist es Abend geworden. Das Bündel schläft mit roten Backen neben mir im Bett. Mein Arm ist leer geworden.
Ich muss daran denken, wie schnell die Zeit kommen wird, in der ich alles wieder ganz für mich allein haben werde, Körper, Haus und Zeit. Weil das Kind reift, gehen lernt und von mir weg sein Leben selbst leben will. Dann werde ich mich vielleicht danach sehene, dieses kleine Bündelchen Mensch wieder ganz nah bei mir zu tragen.

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4 Kommentare zu Arm in der Schlinge

  1. mamas kram sagt:

    Das hast du so schön geschrieben! Und ich kann mich selber noch sehr gut an die einarmige Zeit erinnern. Oft habe ich die Kinder aber auch ins Tragetuch genommen, so hatte ich zumindest für einige Arbeiten beide Hände zur Verfügung.
    Liebe Grüsse und an schöna Tag!
    Doris

  2. kirschkernzeit sagt:

    Oh, wie süss! Vielen Dank für den allerersten Comment auf meinem blog (judihui!!!)Jaja, ein Tragetuch hätte ich ja auch noch…

  3. kirschkernzeit sagt:

    UUUUps, das hier war ja gar nicht der erste… aber egal! Freude hab ich auf alle Fälle dran! Merci!

  4. Pingback: Samtpfötchen | Kirschkernzeit

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