Konferenz

Die Festtage sind beinahe um… und wir haben keinen einzigen davon gefeiert.
Als wir vor 7 Jahren Eltern wurden, beschlossen wir, all die traditionellen, „regulären“ Feste im Jahreskreis vorerst zu stornieren, sprich: keine Ostern, kaum 1.August (unser Nationalfeiertag), kein Weihnachten, kein Samichlaus und Silvester nur am Rande. Zum Teil weil wir nicht glücklich waren mit der „herkömmlichen“ Art, so einen Feiertag zu begehen, aber auch einfach deshalb, weil es uns wichtig war, herauzusfinden, ob, wann und wie WIR als neu gegründete Familie diese speziellen Tage des Jahres begehen wollten. Geburtstage zu feiern hingegen fiel uns sofort leicht, vielleicht darum, weil der Sinn dieses Festtages einfach und klar umrissen ist, während sich bei vielen anderen Feiern Religion(en), nationale und familiäre Traditionen und (leider) ein gewisser wirtschaftlicher Einfluss stark vermischen. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich schlicht und einfach keinen blassen Dunst davon hatte, WIE man sich seine Familienfeiertage selber zimmert, so dass sie zu uns passen, mit unseren religiösen Überzeugungen vertretbar und unseren recht unterschiedlichen Tempramenten gerecht werden.
Eigentlich hoffte ich, unsere eigenen Feiertags-Rituale würden sich irgendwie wie von selbst ergeben. Ich wartete bequem auf UNSERE Traditionen, als würde ich eine Art Vision erwarten, doch Weihnachten kam- und ging, ungefeiert. Ostern kam und ging- ungefeiert. Der Jahreswechsel wurde mal verschlafen, mal wegen „Desperate Housewives“ (die hammermässige erste Staffel auf DVD, ausgeliehen natürlich) verschwitzt.- Keiner fühlte sich so richtig verantwortlich, dieses Thema mit dem nötigen Ernst und Elan anzugehen. Das 7 Jahre lang.
Bis in diesem Dezember.
Aus einer Diskussion über Geschenke an Weihnachten entwickelte sich plötzlich ganz von selbst unsere allererste Familienkonferenz, ein eineinhalb Stunden langes intensives, sehr ordentlich und fair geführtes Gespräch zwischen meinem Mann, mir und unserem Ältesten.
3jährige und Babies scheinen solchen Konferenzen eher wenig Positives abgewinnen zu können, aber 7jährige könnentatsächlich fantastische Diskussionspartner sein, überraschend fantastische sogar. Ich denke, unser Kind war es auch, das uns dazu animierte, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Mit Begeisterung stürzten wir uns alle ins Thema, denn es zeigte sich bald, Feste feiern, das wollten wir ganz unbedingt, oder wie unser Junge es beeindruckend erwachsen ausdrückte: „Gar nüüt machä, das stimmt für mich eifacht nöd“. („Gar nichts machen, das stimmt für mich einfach nicht.“)
Heraus kam ein gemeinsam erarbeiteter Feiertags-Vertrag, eine schön detailierte Liste mit unseren persönlichen Familienfesten, ihrem Sinn, ihrer Struktur, ihrem Zeitraum, besiegelt mit unseren Namen.
Ich fühle mich richtig beflügelt; Pläneschmieden gehört doch zum Inspirierendsten überhaupt!
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8 Kommentare zu Konferenz

  1. ..Rituale, Zeremonien, Bräuche, das alles ist so unsagbar wichtig..
    Der Beginn deines Beitrages hier stimmte mich irgendwie traurig.. bis zu dem Punkt, an dem du berichtest, ihr habt nun zumindest eure eigenen geschaffen. 🙂
    Wennauch ich auf all unsere alten, überlieferten Bräuche und Glaubenshandlungen niemals verzichten könnte, finde ich einen Punkt enorm richtig (so ähnlich hast du es ja auch geschrieben) man soll keine Feste feiern, deren Sinn und Ursprung einem abhanden kam.

    Zu deinem Kommentar in meinem Blog: nein, es waren keine realen Menschen, die ich bei ihrer wilden Jagd betrachtete, es waren Ahnen, die in den 12 Rauhnächten (um die Jahreswende herum) nachts ihr Unwesen treiben. Geistwesen sozusagen, gefürchtet und verehrt .. vielleicht sollte ich zum besseren verständnis noch erwähnen, dass ich keine Christin bin ..

  2. Allerleirauh sagt:

    Ich finde es sehr spannend, bewusst auf alle „vorgeschriebenen“ Feste zu verzichten. Für mich zeugt das von sehr grosser Ehrlichkeit und dem Willen nur das zu leben, was den eigenen Vorstellungen entspricht. Mir imponiert das, weil es mehr Mut braucht als dieses laue mitlaufen, dass ich in Bezug auf diese Feste oftmals auch praktiziere. Schön wenn ihr zusammen mir euren Kindern eure eigenen Rituale finden könnt.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

  3. kirschkernzeit sagt:

    Vielen Dank für eure Kommentare; ich war ein wenig angespannt, welche Reaktionen dieses „outing“ wohl auslösen würde… bis jetzt bin ich zum Glück noch ganz gut davongekommen;-)
    @bittersüss: traurig waren die 7 Jahre ohne Weihnachten und Co. auf keinen Fall! Selbst wenn man all die „regulären“ Festtage auslässt, bleibt noch immer genug zu feiern das Jahr durch: von Geburtstagen über den ersten Schnee, den ersten verlorenen Zahn, den Schulbeginn,den Beginn der erdbeersaison, den jährlichen Dorf-Herbstmarkt etc. etc.
    @Allerleirauh: lieb, was du schreibst… aber eigentlich fühlte ich mich gar nie besonders mutig diesbezüglich…eher nachlässig und unsicher, unentschlossen. Und ich finde es auch GAR NICHT SCHLIMM, wenn man die normalen Feiertage einfach so mitfeiert- solange man Freude hat dabei!

  4. Ich bin heute irgendwie auf deinem Blog gelandet…geheimnisvolle Wege (denn ich könnte mich nicht mehr erinnern, von welchem Blog aus ich auf dich zugesteuert bin)…gefällt mir gut,ein ganz ruhiger Blog irgendwie … sehr schön deine Gedanken!
    Ich schau sicher öfter mal vorbei, vielleicht hast du ja auch Lust mal bei mir vorbeizukommen…liebe Grüße!

  5. Carla sagt:

    hey, liaba dank für dis bsüachli bi miar…han mi sehr gfreut!
    bi diar bliib i no kli…git jo so viel spannend ds'lesa und ganz tolli fötali z eigsch du!
    mach's guat und bis gli wiederamol ;-))),
    carla

  6. Claudine sagt:

    Man darf sich nicht anpassen, wenn es für einen nicht stimmt. Ich freue mich von dir zu lesen. Ich bin auch eine „Papierchristin“, feiere jedoch mal mehr, mal weniger, die sogenannt christlichen Feste unter dem Jahr, wobei ja Ostern und Weihnachten starke heidnische Züge tragen. Ich liebe die Symbolik und picke mir jeweils das raus, was mich anspricht oder was ich als Kind schon positiv erlebt habe. Deine Kinder werden sich ewig an eure „Rituale“ erinnern und sie widerum weitergeben, das finde ich beeindruckend.
    herzlichst Claudine

  7. kuestensocke sagt:

    Deinen Post finde ich sehr interessant, mir war gar nicht bewusst, dass einige Menschen im christlich geprägten Europa kein Weihnachten feiern. Ich bin zwar konfessionslos aber Weihnachten als Familienfest, mit langer Planung des Ablaufes und der Geschenke finde ich immer wieder schön und möchte es nicht missen. Schön, dass ihr in Eurer Familie die Weihnachtsfrage nun geklärt habt und die Entscheidung sich gut auf Dich auswirkt.
    LG Kuestensocke, die herzlich für den Link zur Anleitung der Babyweste dankt! Das Teilchen werde ich für den neuen Familienengel umgehend anschlagen.

  8. Traumkraut sagt:

    Liebe Borah,
    finde ich sehr spannend, was Du da schreibst. Für mich wäre es schier undenkbar beispielsweise Weihnachten nicht zu feiern. Oder Ostern. Ich habe das als Kind immer sehr geliebt. Den Jahreswechsel… nun… darauf könnte ich auch wohl verzichten. Zumindest auf die Art und Weise wie es hierzulande des öfteren begangen wird. Dafür gibt es bei uns auch noch andere Feste, die wir feiern. Zum Beispiel den Frühlingsbeginn, Sommeranfang, Winteranfang und so manches mehr. Ein Abenteuer ist es, diese Feste für meine Tochter zu gestalten.

    Da ich seit knapp drei Jahren Mama bin, muss ich mir nun selbst Gedanken darüber machen, ob und wie und wann gewisse Feiertage verbracht und gestaltet werden und habe meine große Freude daran, Traditionen neu aufleben zu lassen. Vielleicht ein wenig anders als ich es aus meiner Kindheit kenne…. aber der Kern bleibt. Wichtig ist für mich, dass wir sie „spielend“ bzw. spielerisch verbringen. Weil Kinder ja so vieles durchs Spiel begreifen und verinnerlichen. Und so hatten wir großen Spaß mit unserer Krippe zu Weihnachten. Geschenke und der damit verbundene Konsum steht zum Glück bei mir nicht sehr weit oben auf meiner… nennen wir es Wertigkeitsskala. Obwohl ich das Schenken als solches sehr wichtig finde…. aber nicht nur zu Weihnachten. Und genau hier kann man ja auch ansetzen.

    Ich bin gespannt, wies bei Euch weitergeht und verbleibe mit einem freundlichem Gruß
    aus dem Herzen.
    M.

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