Feste feiern, wie sie fallen

Mein letzter Eintrag über unser merkwürdiges Feierverhalten hat mich selber ziemlich nervös gemacht, muss ich zugeben. Mir flattern jedes Mal die Nerven, wenn ich einen neuen Kommentar dazu entdecke, und ich gebe mir grosse Mühe, mich auch auf Kritik gefasst zu machen, denn das Thema hat doch recht emotionales Potential… Obwohl mir klar ist, dass ich mich hier in öffentlichem Raum befinde, und genauso mit negativen Stimmen rechnen sollte, wie mit freundlichen, macht mir dieses Risiko Angst, und es freut mich darum ungemein, dass bisher keine „Schimpfe“ kam… MERCI!
Ich bin übrigens nicht nur „Papierchristin“ (hab ich aus einem eurer netten Kommentare -nochmals DANKE!- ein tolles Wort, gefällt mir wirklich gut!), sondern quasi FleischundBlut-Christin, mit 18 nochmals getauft, Freikirchenbesucherin in Zürich. Das aber nur nebenbei; beim Wiederlesen meines Textes ist mir einfach aufgefallen, dass ich das noch überhaupt nie erwähnt habe, dabei wär dieser Fact vielleicht noch ganz hilfreich so als „Hintergrundwissen“…Nun aber zu was anderem – oder vielmehr zu einem vorläufigen Höhepunkt dieses Themas. Wir haben als Familie damals für uns beschlossen, dass auch wir im Grunde gerne ein Winterfest hätten (wenn die halbe Welt doch schon in diesen Genuss kommt, nicht wahr). Ein Fest, an dem wir uns auf die Neuanfänge rund um uns herum besinnen; Neuanfänge, die bereitliegen in der noch schlafenden Natur, in den länger werdenden Tagen, das neue Jahr, das beginnt etc. Auch religiöse Neu-Anfänge (ja, auch die Geburt Jesu) gehören für uns mit dazu, und je nach Alter unserer Kinder, angepasst an die gerade aktuellen Themen auch in unserem Familienleben, möchte wir das eine oder andere miteinfliessen lassen, so dass es uns bereichert ohne dass Rituale uns „versklaven“. Vielleicht wird sogar eines Tages ein schön geschmückter Christbaum bei uns stehen, wer weiss? Wenn’s passt…
Vorgestern dann kam eine ziemlich spontane, um nicht zusagen überstürzte kleine Feier am Wasser zustande. Die Weihnachtsferien dauern nicht mehr endlos lange, das Wetter war annehmbar, wir gerade in Stimmung- man soll die Feste feiern wie sie fallen, nicht wahr?

Ort: auf der einen Seite die einsam daliegende Thur, auf der anderen eine vereiste menschenleere Landschaft.

Festmahl (ok. ihr dürft jetzt lachen): Chips und Spitzbuben (Ich sagte doch, eine spontane Feier…).

Steine werfen, spielen, beobachten, wie die Nacht hereinbricht und sich mit ihr alles, alles so tiefgreifend verändert. Auch unsere Wahrnehmung.

Die Dankbarkeit für das Licht und die Wärme des Feuers, das uns anzieht wie ein Magnet (ausser J, das Kind das mit 3 Jahren furchtlos in die Nacht hinausläuft) und uns vor Augen führt, wie verloren wir wären in einer Welt voller Dunkelheit. Wünsche werden ausgesprochen („Ich möcht ämal is Schloss Chillon gaa!“), mit dem Feuer gespielt (keine Bange, mein Mann ist bei der Feuerwehr), Chips geknuspert, dem Geräusch des Wassers gelauscht, mit der Taschenlampe gezündelt…

Als das Feuer verglimmt, entzünden wir drei Fackeln daran und machen uns gemeinsam auf durch den nachtdunkeln Wald,
heimwärts.

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4 Kommentare zu Feste feiern, wie sie fallen

  1. ..das klingt ganz wunderbar..
    und zeigt mal wieder deutlich, wer sich abkehrt von heutigem „Konsum-Feiern“ und mal tief in sich hinein horcht, was und vorallem WIE die Feste gefeiert werden sollten, der kehrt zurück an den Ursprung.
    So wie ihr das getan habt und ganz intuitiv das spontane Fest in die Natur verlegt und mit einem Feuer gewürdigt. Feuer ist das Symbol für die Wiedergeburt des Lichtes nach den langen Winternächten, das Symbol für die Hoffnung auf den alljährlichen Neubeginn
    🙂

  2. Ich bin immer wieder fasziniert und beeindruckt, wie intensiv ihr das Leben lebt.
    Dein Blog ist eine schöne Anregung auch sein eigenes Leben näher unter die Lupe zu nehmen, denn ich muss feststellen, dass Oberflächlichkeit viel zu schnell um sich greift, ein gefährlicher, schleichender Prozess dem man wirklich sehr bewusst entgegensteuern muss.
    Sehr herzliche Grüße
    Evelyn

  3. Zwieback sagt:

    Du hast mich sehr zum Nachdenken gebracht, mit der Art, wie Ihr Euer spontanes Winterfest gefeiert habt. Auch ich überdenke die Feste, wie sie bei uns gefeiert werden, seit dem ich Mutter bin. Mein Mann gehört eh keiner Konfession an und mir gefällt die Art, wie die christlichen Feste gefeiert werden, schon lange nicht mehr. Von Feierlichkeit kann man bei dem Geschenkewahnsinn, den unsere Familie zum Teil zelebriert, auch nicht mehr reden.

    Wir sind vor einigen Jahren aus der Stadt aufs Land geflüchtet, um zu leben. Die Jahreszeiten, die Natur, die Veränderung, die jeder Tag mit sich bringt, sind uns hier viel näher, wir leben bewusster. Ein Grund doch auch bewusster zu feiern, zumindest wir hier in unserer Kleinfamilie.

    Ich danke Dir, für die Anregung

  4. KB Design sagt:

    Liebe Bora
    Ja, auch bei uns stand dieses Jahr kein Weihnachtsbaum in der Stube. Sich selber überlegen was einem wichtig und sinnvoll erscheint, und nicht einfach alles mit der Masse mit – „machen zu müssen“, das ist auch meine Überzeugung. Oder schön finde ich auch, dass man seine Meinung auch ändern darf und auch seine Ideen, was das Leben lebenswert macht.
    En liebä Gruess, Brigitte

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