kreativ am Rande 8: ausser-gewöhnlich

Meine Nacht war unruhig, die meines Babys ebenso, bzw. umgekehrt, aber an sich spielt das keine Rolle, weil Nachtruhestörung ist Nachtruhestörung, und die Nächte meines Babys und meine Nächte sind so quasi eins
Also fühlte ich mich ziemlich neben den Schuhen heute, mein Baby quengelte, trotz meinen Armen als tröstlichem Hort, und Kind 2, das seinerseits zu spät eingeschlafen und zu früh aufgewacht war, fühlte sichtbar mit uns. Müde waren wir, allesamt. Einzig Kind1 strotzte vor jungendlichem Tatendrang, weshalb ich die ganze Gesellschaft nach dem Mittagessen hinaus an die frische (oh ja, an die äusserst frische!) Luft scheuchte, um selber einen kühlen Kopf zu bewahren und der Jugend zu ihrer artgerechten Haltung zu verhelfen… Nach eineinhalb Stunden toben, rennen, klettern, Kerosinstreifen am himmelblauen Winterhimmel verfolgen, und verlorene Gummigumpibälle suchen und finden, sahen unsere Wangen aus wie Apfelbäckchen. Der Wind hatte den Rest meiner Energie vollends davongeblasen, genau wie den Übermut von Kind1, immerhin.
Wieder daheim wusste keiner so richtig etwas mit sich anzufangen.
„Ich han Luscht uf Guezli“, bemerkte Kind 2 plötzlich, „grad jetzt.“ („Ich habe Lust auf Kekse, grade jetzt.“)
Nachmittags um fünf backe ich für gewöhnlich keine Kekse mehr, weil um sechs essen wir zu abend, und ein Abendessen muss für mich „was Rechtes“ sein, also Brot und Käse und Essiggurken oder Nudeln oder was Aufgewärmtes aus der Mittagspfanne. Ein ordentliches Abendbrot eben, zu einer ordentlichen Zeit, mit ordentlichen Essern am Tisch, und naschen verdirbt den Appetit, wie jeder weiss.
Aber es gibt Momente, da rettet ein Blech Erdnussbutter-Schokoladen-Cookies den Abend. Mit einem Glas warmer Milch und im Dunkeln, nur bei Kerzenlicht.

Ich glaube, Struktur ist (auch) dazu da, dem Aussergewöhnlichen in unserem Leben, und sei es noch so unscheinbar und leise, einen Ehrenplatz zu schaffen. Ein Candlelight-Guezli-Dinner ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten, den Alltag zu durchbrechen, um das zuzulassen, was im Moment gerade wichtig und richtig wäre, und ein Gefühl vom Lebendig-Sein zu erhalten.

Für alle, die Erdnussbutter und Schoko mögen, das Rezept:Den Ofen auf 180 Grad vorheizen

125 g Butter, weich
50g Erdnussbutter
100g Zucker
1 Ei
zusammen glatt rühren

120g Mehl
1Tl Backpulver
mischen

50g geröstete Erdnüsse
50 Schokoladenperlen (oder dunkle Schokolade gehackt)
mit dem Mehl und Backpulver zur Schokomasse geben, gut mischen

Mit einem Löffel oder auch von Hand kleine Kugeln mit eher grossem Abstand auf ein Blech legen und bei 180 Grad 15 Min. backen.

 

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10 Kommentare zu kreativ am Rande 8: ausser-gewöhnlich

  1. nik sagt:

    Heute war wohl überall Backtag. Scheinbar sind deine Kekse besser gelungen, als meine Brötchen. 🙂 Sehr gemütlich sieht das aus. Irgendwie nehme ich mir in letzter Zeit viel zu wenig Zeit für Gemütlichkeit, das war schon mal besser.

    Nicht, dass ich schlecht gelaunt oder total gestresst oder keinen Sinn mehr für die schönen Dinge hätte. Aber irgendwie stehe ich zur Zeit so unter Strom und muss was tun. Immer auf dem Sprung, weil das Baby gleich wieder aufwachen könnte. Das tut es abends nämlich jetzt immer alle 45 min. und dann kann es nicht mehr einschlafen. Doofe Angewohnheit. Das zerreisst den Abend natürlich und lässt Gemütlichkeit nur schwer aufkommen.

    Immer mit einem Ohr am Kind verspannt auf dem Sofa zu sitzen und in den Computer zu gucken. Ich sollte mir mal wieder eine Kanne Tee oder Kakao machen. Danke für die Erinnerung. Liebe Grüße, nik

  2. Mona sagt:

    Ich hoffe du hast bei euerem Guezli-Dinner (Hach Guezli ist ein schönes Wort ;o)) viel Kraft getankt und kannst morgen wieder energiegeladen in einen neuen Tag starten.
    Liebe Grüße
    Mona

  3. KB Design sagt:

    Liebe Bora

    Auch bei mir war Backtag, ich versuchte es mit Vinschger-Brote, die ich gerade der Gewürze wegen so liebe. Die Geschmacksprobe ist dann heute Abend.
    Ich hoffe, Ihr alle verbringt heute einen schönen, ausgeruhten Sonntag, den Ihr sicher wieder für einige Zeit an der frischen Luft verbringt.
    Herzliche Grüsse, Brigitte

  4. beerentoene sagt:

    GENAU!!!!!…schön gesagt…ganz liebe grüße colette

  5. Gabriela sagt:

    Und ich lasse einfach eine Riesentüte Bewunderung hier.
    Ich sehe im Spiegel deiner Kreativität, wie kraftlos ich bin.
    Vielleicht gelingt es mir heute auch, ein paar Augenblicke aus meinen rettenden Strukturen auszubrechen, wir hätten es alle soooo nötig.
    Danke für deinen Mut zum aussergewöhnlich sein.
    Gabriela

  6. Frische Luft ist ein bisschen psychohygienisch, denke ich. Ohne frische Luft hättest du vielleicht nicht die Gelassenheit für ein „unübliches Abendessen“ gehabt 🙂
    Erdnuss-Schokoladen-Cookies klingt einfach fabelhaft… naja… ich war auch gerade ein paar Stunden an der frischen Luft, verspüre NULL Energie für irgendwas…
    …vielleicht… sicherlich… werd ich mich von deinen Zeilen inspirieren lassen und heute das „vernünftige“ Abendessen mal sausen lassen und stattdessen mal Schokolade und Erdnussbutter hervorkramen und meine Lieben mit Dämmerlicht überraschen… ach, dein Blog ist einfach zu inspirierend 🙂

  7. kirschkernzeit sagt:

    @ alle, ihr lieben! Ich habe meine Antworten direkt auf eure eigenen Blogs geschrieben; so könnt ihr sie am einfachsten lesen.

  8. Zwieback sagt:

    Das sieht sehr gemütlich aus und hört sich lecker an. Gibt es ein Rezept zu den Cookies, oder kann ich das Fett darin einfach durch Erdnussbutter ersetzen?
    Ich liebe diese geklebten Lichter auch so, ein wundervolles Zeitverbringding für gelangweilte Kinder, das auch noch schön aussieht.

    Liebe Grüsse, Manu

  9. kirschkernzeit sagt:

    @Zwieback: an Rezeptanfragen hab' ich immer speziell Freuden; ich werde es dir mailen, sobald ich kann…

  10. Zwieback sagt:

    Liebe Bora,

    darüber freue ich mich sehr. Das Kindelein und ich backen gern Kekse zusammen und ich probiere gern mal etwas neues aus. Danke 🙂

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