kreativ am Rande 9: erzählen

Wo Kinder sind, da sind Geschichten.
Erzählt, erfunden, vorgelesen.
Auch in meinem Haus vertiefen wir uns jeden Tag aufs Neue in Tausenden von Worten, und wenn ich sehe, wie ungehörig lange meine Blog-Posts hier werden, dann kann ich mir das eigentlich nicht recht erklären, weil, im Grunde bin ich nach so einem wortreichen Tag doch rechtschaffen müde und wünsche mir nur noch eines: ein wenig Ruhe…
Anscheinend bin ich tatsächlich eine eher redseelige Person, was meinen Kindern immer sehr willkommen ist, denn plaudern, palavern, fabulieren, das gehört zu ihren dringlichsten Grundbedürfnissen, gleich nach Dessertessen.
Vorlesen bzw. simultan zum stummen Lesen auf Schweizerdeutsch übersetzt erzählen, bedeutet für mich, ein bisschen Kreativität leben zu dürfen und gleichzeitig meinen Kindern etwas Gutes zu tun. (Eine Sachen, die mir wirklich am Herzen liegt, die mir sonst aber immer schwer fällt im Alltag.)Früher habe ich Theater gespielt. Leidenschaftlich. Und bei zwei klitzekleinen Produktionen des Schweizer Schulfernsehens war ich auch mit von der Partie- aber da war ich ehrlich gesagt ziemlich peinlich, und werde mich hüten, euch die Titel zu nennen (nein, nichts anstössiges, ich schwöre)…
Auf alle Fälle macht es mir einfach nur Spass, ein Bilderbuch zum Hunderttausendundzweiten Mal lebendig werden zu lassen, bzw. die Figuren darin. Es ist wie Theaterspielen nur mit dem Mund, vor einem ganz speziell dankbaren Publikum, das hingerissen an meinen Lippen hängt, ganz egal, wie schlimm ich piepse, wenn ich versuche, das kleine Schweinchenzu sprechen. (Schweinchen gehören nicht gerade zu meiner Spezialität.)
Seit neuestem habe ich allerdings Verstärkung auf dem Set:

Nein, nicht mein Baby (das würde ein Buch höchstens essen), dieses braune Dings daneben. Auf meine zweiten Foto von „kreativ am Rande 7“ habt ihr diesen kleinen Kerl bereits zu Gesicht bekommen, allerdings nur wage erkennbar, da erst in Produktion. Eine bubieinfache Fingerpuppe aus einem rechteckigen Stück Woll-Filz mit aufgesticktem Gesicht und angenähten Katzenöhrchen (eine Katze demnach), die ich mit zwei Fingern ein wenig hin und herwackeln kann, wenn ich will. Bei einer Miss-Fingerpuppe-Wahl würde sie glatt durchfallen, im Grunde finde ich sie sogar ziemlich hässlich, aber Kind2 wollte eine runde, gründe Nase und spitze Ohren und alles genau so, und da grade alles so schön schief war, stickte ich gleich noch schiefe Augen auf…
Nun ja, was zählt sind doch die inneren Werte, oder?

Es tut auch gut, jemanden zur Seite zu haben. Gerade beim Vorlesen emotional schwierigerer Passagen, da weiss man so was zu schätzen, oder? Mein Katzengehilfe stellt andere Fragen als die Mama, worauf er selbstverständlich auch andere Antworten erhält als die Mama…
Lehrreich. Spannend.

Und einfach lustig.

PS. Die Idee zu meinem Katzenvieh auf zwei Fingern habe ich aus „handstiched felt“ von Kata Golda.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter Familienalltag, kreativ am Rande veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Kommentare zu kreativ am Rande 9: erzählen

  1. Mona sagt:

    Hach da ist es ja wieder, das kleine Kätzchen, das mir schon mal in deinem Blog begegnet ist. Und ich muss sagen ich finde es wirklich süß und auf gar keinen Fall hässlich. Die Idee an sich ist schon genial… da juckt es mich gleich in den Fingern mir auch ein solches Haustier zu basteln (einfach so zum Spaß, ich hab noch keine Kinder die ich mit tollen Tieren unterhalten könnte und zwecks zeitintesivem Studium auch leider keine Babysitterkinder mehr).
    Mmh vllt aus naturfarbener Wolle eine Fläche filzen …und dann mit ganz bunten Farben besticken… ich glaub ich muss mich jetzt schnell weg und ein Fingertierchen basteln… ;o)

    Danke für den kleinen Stupser der gerade meine Kreativität sprudeln lässt!
    Liebe Grüße, Mona

  2. Susanne sagt:

    Hat mir gerade ungehörig viel Freude gemacht deinen langen Post zu lesen:-)!
    Dankeschön dafür!
    und liebe Grüße
    Susanne

  3. Gabriela sagt:

    wundervoll. Danke!
    Und ja, das mit dem Schweizerdeutsch finde ich oft auch eine chancenreiche Herausforderung.
    Aber manchmal, da wäre es mir auch recht, ich könnte einfach vorlesen…. (obwohl ich dabei wohl einschlafen würde)
    Lieben Gruss, auch an die kleine Erzählhilfe, ich denke, die macht einen tollen Job!
    Gabriela

  4. nik sagt:

    Das Babyfoto neben dem Buch ist wirklich zuckersüß! Hast du die Jacke selbst gestrickt?

    Und die Katze total schön. Schief ist super. Das muss so, sag ich immer. 🙂

    Bei uns wird auch immer viel gelesen. Wobei wir jetzt fast nur noch vor dem Schlafen lesen. Die Zeit für Bilderbücher ist dann irgendwann einfach auch vorbei. Aber sie kommt ja wieder. Und ich freu mich drauf. Ich liebe nämlich Bilderbücher. Da ich selber gerne zeichne und einer meiner Träume immer schon ein eigenes Kinderbuch (schreiben und zeichnen) war, sind diese Bücher immer eine hervorragende Inspirationsquelle. Nicht zu vergessen, wie schön sie natürlich auch für die Kinder sind.

  5. KB Design sagt:

    Deinb Post hat mir wieder den Tag verschönert, vielen Dank. Es erinnert mich daran, als meine Tochter noch klein war und ich ihr stundenlang Geschichten erzählen konnte. Sie hat die Bilderbücher so geliebt, die „leben“ alle heute noch bei mir und werden wie ein Schatz gehütet, bis ich vielleicht Grossmami werde!
    Dann die Katze, die ist einfach perfekt – mit Persönlichkeit und Ausdruck. Auch da kommt mir spontan die einfache Strickpuppe in den Sinn, von mir in der Schulzeit gestrickt und nichts Schönes, die war sehr beliebt und war überall dabei. Genau: Die inneren Werte zählen viel mehr, als diese Äusserlichkeiten – wie wahr!

    So härzig sind deine Fotos wieder von zwei deiner Kinder. Dankeschön, ich freue mich auf „kreativ am Rande 10“.

  6. Zwieback sagt:

    Ich finde das Kätzchen niedlich, das nicht alles 100% gerade ist, macht die Individualität der Handarbeit doch erst aus. Dein Baby ist übrigens zum klauen süss.

    Bücher stehen bei uns auch ganz hoch im Kurs, ich liebe die Dialoge, die entstehen, wenn ich vorlese. Ich erzähle auch gern frei aus dem Stehgreif eine Geschichte, oder erfinde schnell ein Lied. Das hat mich allerdings schon manches mal in Schwierigkeiten gebracht, wenn mein Lütter Tage später genau das Lied, oder die Geschichte wieder einfordert. Ich kann mich dann meist nicht mehr so genau daran erinnern und mein kleiner Kritiker bemängelt das dann „Mama, das war aber nicht so“. Im Gegensatz zu mir kann er sich an den Wortlaut, oder die Melodie exakt erinnern.

  7. I can't read the text but the baby sleeping is the picture of sweetness. So precious! Beautiful handknitting too.

  8. Pingback: # 7: Kinder-Täschchen aus “Hand-Stitched Felt” von Kata Golda | Kirschkernzeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.