kreativ am Rande 11: Schreiben

Seit ich schreiben kann, schreibe ich.
Mein erstes Tagebuch fing ich in der 1. Klasse an, mit den Worten: „Hoite habe ich das buch bekomen. ich hab grose froide daran.“
Seit diesem allerersten Eintrag sind viele Jahre vergangen, unzählige Briefe und Karten von mir versendet und über 15 Tagebücher gefüllt worden, die meisten davon in meiner Kindheit und Jugend, der Zeit des Erzählens und Grübelns.
Nach der Matura schmolzen meiner Schreib-Einheiten so nach und nach auf einen oder zwei Briefe pro Quartal, meine Tagebücher füllte sich nur noch zögernlich und eigentlich fast nur in Momenten der Zweifel oder Orientierungslosigkeit. Nach der Geburt meines 1. Sohnes mit 22 Jahren, setzte es dann langsam Staub an… beinahe. Denn geschrieben habe ich trotzdem immer, allerdings in grösseren Intervallen. Irgendwie empfand ich es auch als eine Art Befreiungsschlag,
nicht mehr auf Knopfdruck und unter kritischen Lehrerblicken schreiben zu müssen, sondern nur noch dann und so viel zu schreiben, wie ich Lust dazu hatte.
Das Üble beim Schreiben war für mich; Im Laufe der (Schul-) Jahre bildete sich in mir mein ganz persönlicher innerer Kritiker und Widersachen, der mir immer das Beste abverlangte- auf Kosten der Freude und inneren Freiheit. Der Zensor ist nicht tot, aber er ist milder geworden, müder (älter vielleicht?).
Kreatives Schreiben, wie ich es mir vorstelle, distanziert sich von jeglicher Zensur oder Schematierung. Im Grunde braucht ein Text, wenn kreativ damit gespielt, experimentiert wird, nicht einmal nachvollziehbar zu bleiben- aber so viel Tolenranz erwarte ich nun auch wieder nicht von meinem inneren Kritiker, nur allein schon deshalb, weil ich den Eindruck habe, „expressionistisches Schreiben“ ohne klare Linie würde mir selber gar nicht mehr viel bringen. Schreiben muss sinn-voll sein für mich, ich muss meinen Text wieder und wieder lesen können. Erst dann freue ich mich wirklich daran.
Vielleicht schreibe ich darum am freud-vollsten Briefe, die wenigen, zu denen ich mich noch aufraffe im Zeitalter von e-mail und Internet; weil ein Brief zwar zum Lesen gedacht ist, dabei aber so offen, sprunghaft und unkonventionell sein darf wie der Empfänger und nur das eine Ziel kennt; Freude zu machen mit einem Stückchen von mir. Dann fliesst die kreative Energie am ungehindertsten, während ich innerlich loslasse und Seite um Seite fülle…
Mit diesem Post endet meine Januar-Reihe „kreativ am Rande“, in der ich den oft übersehenen, eher unspekatkulären Bereichen, in denen Kreativität auch noch wirkt, ein bisschen nachstöbern wollte. Es muss nicht immer ein Quilt sein oder ein Strickpulli- das sind die Meisterstücke. Die kleinen Dinge, wie das selbstgebackene Brot im Ofen oder die Rüeblisuppe auf dem Herd, der mit Nadel un Faden verarztete Wuwu oder meine Kinder, die für ihre Legi-Männli Burg „Zwing-Uri“ (in Anlehnung an die Willhelm Tell Sage) und Schloss „Camelot“ (ja, die von König Artus) aus Holzklötzen bauen- alle diese Dinge sind genauso Ausdruck der Kreativität, die Gott einem jeden ins Herz gelegt hat.
Wenn ich in euren Blog lese, begegne ich immer wieder der Suche nach dem, was uns dankbar macht, glücklich, was uns in Staunen versetzt. Und mir wird klar: Es kommt vielleicht gar nicht immer so sehr darauf an, wie schön das Resultat schlussendlich ausfällt,wieviel Lob wir dafür ernten (obwohl Lob natürlich eine sehr, sehr feine Sache ist, nicht wahr?); wichtig bleibt, ob es mich mit Dankbarkeit und Freude erfüllt, schöpferisch sein zu können und zu dürfen.

Die Freude, die ich bei „euch“ sehe, inspiriert mich täglich, dankbarer zu werden, für alles was ich jetzt schon (gelernt) habe.

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14 Kommentare zu kreativ am Rande 11: Schreiben

  1. Mona sagt:

    Hallo liebe Bora,

    meist ist eine schnelle Email oder ein Telefonat bequemer und lässt sich einfacher mal irgendwo im Alltag dazwischenquetschen…aber finde die Zeit die es braucht einen „wirklichen“ Brief zu schreiben ist genau das, was den Unterschied macht. Man nimmt sich ganz bewusst Zeit um das Innere freizulassen und zu Papier zu bringen. Bei mir braucht Briefe schreiben immer besonders viel Zeit, da ich noch nicht wirklich geübt darin bin dem Inneren Freilauf zu lassen (hätte ich besser mal Tagebuch geschrieben ;o)) was wiederum wahrscheinlich daran liegt, dass ich nicht häufig Briefe schreibe und wenn, dann ist das immer was besonderes.
    Aber ich gelobe Besserung ;o)
    Liebe Grüße, Mona

    p.s. Das Foto von deinem Baby ist wirklich zuckersüß :o)

  2. Das Schreiben begleitet mich schon länger als das Lesen, denke ich. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind versucht habe zu schreiben noch vor dem Kindergarten und dann während der Schulzeit habe ich es geliebt, Aufsätze zu schreiben. Vor allem dann später im Gymnasium hatte ich einen Deutschlehrer, der in mir wirklich den Mut geweckt hat, meine Meinungen und Positionen zu „erörtern“ – und das hat mir gut getan, da ich oft „anders“ war und mich schwer mit meinen Klassenkolleginnen (ich war auf einen Mädchenschule…) getan habe. Naja. Tagebuch habe ich nie geschrieben, aber vielleicht so etwas ähnliches: ich habe schon sehr lange ein dickes Schulheft, in das ich ab und an mal hineinschreibe, was ich denke.
    Was ich sehr mag, ist Briefe zu bekommen oder Geburtstags-/Weihnachtskarten und sie auch zu schreiben. Da nehme ich mir wirklich Zeit – mittlerweile hilft mir meine kleine Tochter beim Schreiben… sie nimmt bunte Stifte und „schreibt“ auch was dazu. Das ist wirklich nett und ich freue mich sehr darüber, dass sie jetzt schon langsam entdeckt, dass Schreiben etwas Besonderes und Schönes ist.
    Ach ja, in der modernen Zeit, in der wir leben, bin ich natürlich auch schreiberisch am Computer unterwegs… dienstlich meistens, aber auch mein blog und Kommentare 😉 … und etwas ganz Besonderes sind die mails mit meiner Freundin Annie. Sie wohnt eigentlich nur „hinter den Bergen“, aber von Ende Oktober bis Mitte Mai (je nach Schneelage) ist die direkte Straße dorthin gesperrt… und da ist mail unser „Mittel“… wir schreiben nahezu täglich e-mails, die wir „Mommys diary“ nennen. Das ist wirklich eine sehr tiefe Freundschaft dadurch geworden, denn jeder schreibt sein mail, wenn die Kinder schlafen oder sonst irgendwie „gut Zeit ist“ und da schreiben wir über Gott und die Welt, über unsere Sorgen, Probleme, Freuden, … einfach alles. Unsere Männer verstehen das nicht wirklich, aber irgendwie sind sie doch sehr neugierig, was wir denn da zu schreiben haben 😉 Jaja… Reden ist silber, SCHREIBEN ist gold !!!!!
    Schreiben zu können ist wirklich was Besonderes – und die Freiheit zu spüren, so zu schreiben, wie man es empfindet. Das gefällt mir auch am Bloggen, das Schreiben und die Kreativität werden dadurch sicherlich gefördert und die Kommentare machen Mut, nicht? Obwohl ich sehr sehr selektiv bin beim Bloggen und sehr um „Datenschutz“ bemüht bin, das kann ich einfach nicht ablegen, ich bin eine alte „Cyberspace-Skeptikerin“…

  3. KB Design sagt:

    ….ach du liebe bora, mir fehlen einfach die Worte! Du schreibst immer schöner, besser, treffender, fliessender. Dein Text begleitet mich heute den ganzen Tag und ich danke dir herzlich dafür.

    „es mich mit Dankbarkeit und Freude erfüllt, schöpferisch sein zu können und zu dürfen“…das habe ich von dir geklont, denn diese Worte treffen genau mein Empfinden.

    Nun bin ich auf deine nächste Serie gespannt und sende die liebe Grüsse

    Brigitte
    (das Bild der Kleinen ist sooooooo süss!)

  4. @mona: Ob Briefe oder email, Hauptsache, du bleibst in Kontakt und hast Freude daran! Ich schreibe, wie gesagt auch gar nicht so oft Briefe und schätze es sehr, via email die Freiheit zu haben, wenig oder viel zu schreiben, grad so wie's passt.Und du hast schon recht; die Übung macht vieles leichter, auch beim Schreiben.

  5. kirschkernzeit sagt:

    @kreativberg: WOW! Ein postlanger Kommentar; das freut mich natürlich sehr. Spannend auch; die Sache mit Mommys Diary, die finde ich einfach wunderbar- die Freudnschaft, die daraus entwächst ist unbezahlbar, und auf diese Art und Weise hast du auch ein richtiges Tage-Buch, das dich noch lange an diese Zeit erinnert. Hut ab, dass du dir die Zeit dfür nimmst! Beim Bloggen geht es mir genau wie dir; ich achte auch darauf, WAS ich veröffentliche- zumindest versuche ich es. Es geht manchmal schnell und man setzt Dinge oder Bilder in die Welt, die man im Grunde gar nicht JEDEM zeigen will… besonders das Thema Kind im Internet sorgt immer wieder für innere Diskussionen bei mir…auch hier versuche ich, Mass zu halten, obwohl meine drei Kleinen das absolute Zentrum meines Seins bilden und ich am liebsten drei Stunden von ihnen berichten tät…
    cyberspace kritikerin- das Wort gefällt mir. Ich glaube, ich gehör auch eher zu denen…
    DANKE!

  6. kirschkernzeit sagt:

    @BK: DANKESCHÖN! Deine lieben Worte tun mir so gut. Ich brauche immer wieder bis zu zwei Stunden, um einen Post zu veröffentlichen, obwohl ich nicht oft stocke oder radiere…da freut es mich einfach ungeheurlich, dass es dir gefällt.
    Bis auf weiteres werde ich mir keine neue Themenreihe auflegen, obwohl ich keinen blassen Schimmer habe, was ich morgen schreiben soll (ich schreibe nur alle zwei Tage). Ein paar Kleingkeiten zu zeigen gäbe es… Kommt Zeit, kommt Rat. Danke auf alleFälle für dein treues Lesen- auch wenn du nicht kommentierst (was selten vorkommt), weiss ich, dass du liest, und darüber freue ich mich wirlich.

  7. Susanne sagt:

    Liebe Bora,
    wie schön es jedes Mal ist, deinen Erzählungen und Gedanken zuzuhören, das war für mich jetzt sowas wie eine „Gute-Nacht-Geschichte“:-).
    Meine gesammelten Briefe in einer Schublade erinnern mich jedes Mal an die Zeit, als noch niemand an Emails schreiben dachte. Es ist immer wieder schön, sie in die Hände zu nehmen..die Worte zu lesen, die damals, und vielleicht auch noch heute, soviel bedeuteten. Sei es ein Brief von meinem Papa, von einer Freundin, von meinem heutigen Mann.
    Ich habe aber auch das geschriebene Wort per Email zu schätzen gelernt, als meine Tochter für ein Jahr in Australien war, und wir so, nur ein paar Stunden verschoben, unsere Gedanken und Alltäglichkeiten miteinander austauschen konnten. Habe diese Emails aufgehoben, ausgedruckt und in ein kleines Büchlein geklebt. Es ist unser ganz persönlicher „Erinnerungs-Roman“ mit fast 100 Seiten daraus geworden. So habe ich auch das „virtuelle“ Schreiben lieben gelernt:-).
    Schicke dir herzliche Grüße und freue mich wirklich darauf noch mehr von dir zu lesen:-)
    Susanne

  8. Hallo Bora,falls du eine Post-Ebbe hast, ich hab die Lösung: einen Award für dich *grins*
    Also keine Ahnung, was du davon hältst – ich bin da sehr zwiegespalten, aber irgendwie freue ich mich auch darüber und so habe ich ihn mal weitergegeben an dich! Liebe Grüße!

  9. nik sagt:

    Liebe Bora,

    ich schreibe auch immer gern und viel. Ich habe eine zeitlang regelmäßig Morgenseiten geschrieben. Morgenseiten sind eine Übung im Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Wenn man morgens sofort nach dem Aufstehen, ohne vorher etwas anderes zu tun, einfach nur die Worte aus sich rausfließen lässt, ist das sehr befreiend. Ich vermisse, die Zeit schon sehr, in der morgens während noch alle schliefen, ich mich zu meinem Schreibtisch gestohlen habe. Mit Baby im Bett ist das leider nicht mehr so einfach, vor allem ist man ohnehin um jede Minute Schlaf froh, die man hat. Aber das wird schon wieder.

    Momentan habe ich ein Tagebuch in dem ich hinein zeichne, meine Wochenpläne mache und Ideen für Projekte skizziere. Da schreibe ich auch ab und an rein, was den Tag über so passiert ist. Schreiben finde ich so enorm wichtig, eigentlich egal, ob mit Computer oder mit der Hand. Leider gibt es so viele Leute, die überhaupt nicht schreiben können. Nicht nur, dass es bei ungewöhnlich vielen an der Rechtschreibung mangelnd, nein, ihnen fällt einfach nichts ein. „Ich bin halt nicht kreativ“ sagen sie dann.

    Aber muss man zum Schreiben zwingend kreativ sein? Ist es nicht wichtiger ehrlich zu sein? Und ist das nicht das Problem? Wenn ich schreibe, denke ich nach. Ich denke nach, was passiert ist, was passieren wird und welche Rolle ich in dem Ganzen spiele.

    Vermutlich ist einfach schon das Nachdenken darüber für die meisten Menschen so sehr Qual, dass sie es nicht tun. Man könnte merken, dass im Leben doch nicht alles so großartig läuft, man könnte das Verlangen verspüren etwas ändern zu wollen. Ach, nein, besser irgendwelche Superstars im Fernsehen angucken.

    Ich finde Schreiben reinigt die Seele, es macht bewusster sich selbst und anderen gegenüber, dem Leben überhaupt. Schreiben ist meditieren. Ich wollte das Schreiben nicht missen.

    Liebe Grüße, nik

  10. kirschkernzeit sagt:

    @susanne: herzlichen Dank! Ja, die Briefekiste- besonders schön, wenn darin Briefe liegen, die wirklich etwas erzählen… Ich wünsche mir, dass mir meine Kinder auch einmal schreiben… das kann einen ganz neuen Zugang zu einander schaffen, stelle ich mir vor. Und als Erinnerungs-Roman ist daraus ein Stückchen eurer Lebens-Geschichte festgehalten worden, das sonst so schnell verblasst wäre.
    Schön!

  11. kirschkernzeit sagt:

    @kreativberg: ups… Vielen Dank, dass du dabei an mich gedacht hast. Nur weiss ich noch gar nicht, ob und wie ich damit umgehen soll… Die Blogs, die ich regelmässig lese, sind mehrheitlich auch bei dir verlinkt, und ein Award löst auch bei mir, wie bei dir, gemischte Gefühle aus… ich werde darüber nachdenken; aber es ist natürlich nett, dass du „Kirschkernzeit“ einen kreativ-Award verleihst!

  12. kirschkernzeit sagt:

    @nik: „Mit Baby im Bett“… ja, das kenne ich. Seit ich Mama bin, habe ich bereits drei Mal mit Camerons Buch inkl. Morgenseiten begonnen- und bin JEDES Mal kläglich gescheitert, weil auch meine Kinder bei mir im Bett schlafen (Familienbett) und die Babys sofort wach werden, wenn ich mich erdreiste aufzustehen… Schön, dass die das Schreiben so viel bedeutet. Es ist gut, wenn ein Mensch Wege findet, sich auszudrücken oder die Gedanken zu ordnen- ob mit Schreiben oder Reden oder beim Malen oder Spazierengehen, beim stillem Nachdenken während dem Stricken, das spielt vielleicht gar keine so grosse Rolle. Das Gebet ist ebenfalls ein wunderbarer Weg, in sich zu gehen, finde ich…(natürlich geht es mir dabei aber um mehr als einen kreativen Ausdruck oder „nur“ die Auseinandersetzung mit mir selber…)
    PS.Punkto Fernsehen denke ich ähnlich radikal; Das Fernsehen hat wahrscheinlich schon recht viel Schaden angerichtet in dieser Welt, ja, heute unterstützt vom PC. Jaja, darüber könnten wir zwei uns wohl stundenlang unterhalten…

  13. nik sagt:

    Ich bin ganz platt, dass du auch Camerons Buch gelesen hast. Wie lustig. Und vor allem, dass auch deine Kinder sofort aufwachen, wenn du das Bett verlässt. Ich dachte, nur ich sei so verrückt. 🙂 Ach, schon schade, dass man durch das Internet so viele ferne und doch so nahe Menschen findet. Denn wie gerne würde man vormittags mit dem ein oder anderen, eben auch mit dir, dasitzen, stricken, Kaffee trinken und plauschen. 🙂 Liebe Grüße, nik

  14. KB Design sagt:

    @ nik: …und ich würde mich gerne zu Euch Jungen setzten und einmal nur zuhören! Vielleicht stricktechnisch könnte ich einen Tipp geben, aber sonst wäre so ein Zusammensein einfach nur bereichernd! :-))
    Liebe Grüsse, Brigitte

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