gefärbt: Rhabarber-Blätter, Birke und Brennessel. Und nochmals Avocado

Diese Bilder erzählen eine kleine Geschichte, eine Art Miniatur-Odysee mit ziemlich gutem Ausgang…
Zuerst war da Rhabarber. Man soll damit färben können. Sagt man. Sowohl mit den Wurzeln als auch mit seinen wunderschönen, aber giftigen grossen Blättern, die ich nach  den Ernte-Monaten niemals abschneide, weil ich sie so hübsch finde. Ich hatte auf Gelb gehofft. Dottergelb. Oder sowas.
Da ich um Beizen aller Art bisher aber einen weiten Bogen gemacht habe, kam ein wässriges Gelb-Beige-Ocker-Braun dabei heraus. Kein Dottergelb oder sonstwas Schönes. Mehr eine Art Matschepfützen-Schmuddelwasser.
Obwohl mich der zarte Goldhauch darin durchaus noch hätte umstimmen könnte, schickte ich die Kinder zum Sammeln und bestellte neues Pflanzenfärbe-Material bei Frau Mama. Denn mit Matschepfützen-Schmuddelwasser wüsste ich sowieso nicht was stricken.
Und sie sammelten und brachten und füllten knapp eine Schale: Birkenlaub, das sie im Garten meiner Nachbarin vom Baum hatten pflücken dürfen, die Kinder, Brennesseln aus der Wiese meiner Mutter. Eine frische Mischung. Von beidem nicht viel, aber immerhin 100gr. kombiniert (knapp halbe-halbe).
Diesmal hatte ich auf Grün gesetzt.
Gehofft vielmehr.
Ich mag Grün.
Doch wieder wurde ich überrascht: Was ich am Morgen nach dem Sieden und Ziehenlassen oben in meiner Färbeküche vorfand, war ein Strang ehemals blendend weisse Sockenwolle (ganz rechts auf dem untersten Foto; „Schoppel Admiral Bambus“ mit 80%Schurwolle, 20%Bambus) in kräftigem Rinden-Braun. Mit zartem Silberschleier, dort wo der Bambus sich der Farbe verweigert hatte.
Nun, Braun mag ich auch, wie alle Welt weiss.
Und weil ich gerade so schön in Bewegung war und von einem spontanen Leinen-Färbe-Projekt mit zwei alten Avocados noch Sud im Topf hatte, kam kurz darauf ein weiterer Strang Sockenwolle dazu; In edlem, perlmuttartigem Rosenholz-Rosa diesmal. Schön. Apart und nicht zu süss.
Genau wie das antike Leinendeckchen mit der zarten Loch-Stickerei, das ich so oft und gern benutze wie kaum ein anderes sonst. Vor dem Färben mit Avocado habe ich es in Rhabarber sozusagen natur-gebeizt, wobei ich nun wirklich nicht sagen kann, wieviel oder ob diese Prozedur überhaupt etwas gebracht hat. Das Leinen -ihr seht es auf dem zweitletzten Foto- ist nur blass gefärbt, das Rosa ein leichtes Rosé, das dem Tageslicht wohl nicht auf ewig standhalten wird.
Die Wolle hingegen ist farblich tiefer geworden, als ich gedacht hatte. Obwohl nur wenig Avocado in die Flotte kam (Kerne und Schalen von 2 kleinen Avocados) und allein das Deckchen schon einen Teil der Farbpigmente heraus gezogen hatte, besitzt diese Farbe ein Leuchten und Schimmern, dass ich sie immer wieder anschauen und zur Hand nehmen muss.
Nicht dass ich Rosa mögen würde.
Aber Avocado-Perlen-Rosé schon.

Ich habe übrigens einen Verdacht, was bei mir die vielen Braun-Färbungen hervorbringt. Oder mehr so eine Ahnung. Aber vielleicht liege ich auch vollkommen falsch, glaubt mir also lieber kein Wort:
In jeder Pflanze tummeln sich verschiedene Farbstoffe und machen sie zu dem, was sie ist und vor allem, wie sie ausschaut. Temperatur und Dauer eines Färbe-Bades, sowie auch der PH-Wert des Wassers und die Wasserhärte entscheiden mit, welche Stoffe gelöst werden, sich in der Fasern festsetzen und schlussendlich zu einem End-Farbton vermischen. Den man dann wiederum mit einem sogenannten „Entwickler“ wie zb. Eisenwasser nachträglich noch beeinflussen könnte, wenn man möchte.
Flavanoide, die zb. gelb, rot oder violett ergeben, lösen sich rasch und schon bei tiefen Temperaturen, während Tannine, die dunkler und bräunlicher färben, hohen Temperaturen und etwas länger brauchen, um frei gesetzt zu werden. Und genau das ist wohl der Punkt: Ich koche meine Wolle zu stark. Und erst noch zu lange. Die Tannine überdecken dann all die zarteren, bunteren Töne mit ihrer vollen Baumwurzel-Kraft.
Ich notiere also; Ich brauche eine Eieruhr. Und ein Küchen-Thermometer. Bei maximal 70-90 Grad und 30-40 Minuten Siedezeit statt über einer Stunde Gesprudel wird dann vielleicht auch bei mir eine Brennessel-Färbung grünlich.
Wenn nicht, probieren wir das mit dem Entwickler. Eisenwasser mit rostigem Kleinkram habe ich vorsorglich schon angesetzt, und soweit ich sehe, tun Eisen und Wasser ihre Pflicht. Es oxidiert und korrodiert. Falls das Grün nicht von allein Grün werden will, könnte das vielleicht ja Wunder tun.
Und sonst hald wieder Braun.
Wir nehmen alles.
Ausser Matschepfütze-Schmuddelwasser.

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