unmittelbar 3

Der Sommer ist vollends angekommen, heiss und trocken versetzt er dem satten Grün einen blässlichen Gelbstich und versengt den Boden zu meinen Füssen.
Ich geniesse seine freundlichen Morgen, in denen ich willkommen bin und sehr, sehr lebendig.
Routine und Rituale fühlen sich befreit an, nicht länger dröge und drückend: das Zuklappen der Läden am Morgen zum Schutz vor der Hitze, das nächtliche Aufreissen der Fenster, die leisen Rotoren der Zimmerventilatoren, Eiscreme am Nachmittag, Wäsche an der Leine jeden Tag, das klitzekleine Babybad, das ich meinem Kleinsten vormittags in die eine Hälfte der Sandmuschel laufen lasse, ganz, ganz langsam, damit das Wasser im Schlauch auf dem Weg zum Plantschbecken von der Sonne vorgewärmt wird.
Ich bin voller Dankbarkeit für all diese kleinen, immer gleichen Dinge, fühle mich warm und wohl und geborgen in meiner Oase.
Der Sommer erdet mich.
Vielleicht weil ich die meiste Zeit keine Schuhe trage. Die Zeit scheint still zu stehen, versickert aber lautlos irgendwo im Tag, in den Rissen der trockenen Erde, der Wasserpfütze auf dem Plattenweg, dem Grillenkonzert am Abend.

Ich möchte festhalten, alles, jedes und jeden. Gleichzeitig entspannen sich meine Hände, mein Geist, mein Gemüt. Aller Energie gehört dem Erfühlen verbummelter Augenblicke.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Familienalltag, Jahreszeiten, Natur, Themen-Reihen, this moment veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Kommentare zu unmittelbar 3

  1. Romy sagt:

    So ein herziger Wonneproppen. Ein schönes Bild.
    Erfühlen verbummelter Augenblicke….mein Motto ab jetzt für dieses Wochenende. Danke.

    Romy aus dem sich sehr frischen und grauverhangenen Berlin.

    • kirschkernzeit sagt:

      Grau und kühl war es dann auch noch zwischendurch hier- das wechselt zum Teil aprilmässig zur Zeit. Gell, ein richtiger Knuddel ist er, dieser Junge. Ich glaube, er wiegt an die 11 kg mittlerweile. Meine Milch muss sehr nahrhaft sein, haha. „Was immer Sie machen- machen Sie weiter so“, fand der Arzt bei der letzten Kontrolle, als er Gewicht und Grösse ins Heft eintrug. Aber so langsam wird das Essen interessanter und das Stillen nimmt ab. Mal sehen, wie sich das dann auswirkt…?

  2. Stefanie Appelles sagt:

    so ein poetischer Post, liebste Bora.
    Herrlich geschrieben – ein Geschenk.

    Liebste Grüße aus dem herbstlichen Bremen
    Steffi

    • kirschkernzeit sagt:

      Dank dir, Steffi! Kurz und knackig ist manchmal ganz herrlich, weisst du. Da kann man dann dafür jedes Wort auf die Goldwaage legen, wenn man mag 😉

  3. Dagmar sagt:

    Das ist aber ummittelbar poetisch geworden!
    Schön finde ich das, weckt Erinnerungen…
    Liebe Grüße von der kühlen Elbe! Dagmar

  4. Ly sagt:

    Die Zeit scheint still zu stehen,versickert aber lautlos irgendwo im Tag….

    Das hast Du herrlich formuliert, liebe Bora!

    Und jeden glücklichen Moment gedanklich festhalten!

    Ja – dein Jüngster ist prächtig gediehen und kein Baby mehr… zum Knuddeln!

    Danke fürs Teilen!
    Noch viele schöne Sommertage!
    Liebe Grüsse, Ly.

  5. Julia sagt:

    Ich mag auch deine kurzen Blog-post sehr gerne. Also fühle dich ruhig frei auch solche kurzen Posts zu verfassen, sie bringen Freude!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.