Trio: Tag 9

Das Licht dieser drei Bilder sagt alles: Wir haben Herbst im Sommer.
Heute war es so neblig, dass man morgens an Oktober dachte, nicht an Juni. Die Luft ist feucht, aber nicht wirklich kalt, mehr so lauwarmkühl, finde ich. Trotzdem blüht und wächst es rundherum, nur vielleicht in etwas gedrosseltem Tempo.
Gestern abend bekam ich auf Instagram ganz verstörende Bilder automatisch auf der Such-Site vorgeschlagen, Bilder, die mich bis in meine Träume verfolgt haben, von brennenden Buddhisten und dem jüngsten hingerichteten Häftling Amerikas, schlimm, unsagbar traurig und bedrückend, eine Last, die ich nicht in meinem Gedächtnis haben möchte und ganz bestimmt NICHT sehen wollte. Leider gehört das zu einer der Schatten-Seiten der digitalen Welt. Dass man Dingen, Anblicken, Realitäten oder Gedankengut ausgesetzt ist, die einem nicht gut tun und die man (hoffentlich!) so, in der „realen Welt“, niemals suchen oder antreffen würde. Ich folge bei Instagram einigen historischen Accounts, weil mir Geschichte unglaublich viel Spass macht und mich historische Abläufe und das „Leben damals“ wahnsinnig faszinieren. Wahrscheinlich hat der Algorithmus diese Posts darum für mich ausgesucht. Ungefragt. Und unwillkommen. Immerhin konnte ich beide Beiträge bei Instagram melden: Ich finde, solche Bilder gehören nicht auf Instagram, eigentlich überhaupt nicht ins Netz. Wo bleibt da die Menschenwürde?
Noch immer ist das dieses beklemmende Gefühl in meiner Brust. Ein bisschen wie nach einem Alptraum, von dem man weiss, dass er vorbei ist, aber die Erinnerung macht einem das Herz schwer.
Ich muss auf andere Gedanken kommen:
Mein Baby schläft, und ich weiss nicht, was ich kochen soll.
Die Grünlilie in der Küche hat kleine Babypflänzchen gebildet. Sie sind winzigklein und ganz entzückend.
Auf dem Weg zum Kindergarten habe ich -wie jeden Tag- die allerschönste Trocken-Rabatte bewundert, die ich mir denken kann. Altes Holz liegt dort, Kies und eine unglaubliche Bandbreite an blühenden Stauden wie Malve, Wegwarte, Rosen, Nelken oder Mohn.
Ich bin nicht gross weiter gekommen mit der „Playdate“-Baby-Cardigan, aber die 200gr. grüne Wolle von „Woollentwine“, werden tatsächlich noch für mich gefärbt. Einer „Shore Cardigan“ für mich in diesem ganz speziellen, nebligen Grün steht also nichts mehr im Wege.
Der Papiertaschen-Faux-Pas der Migros -die meisten Schweizerinnen wissen wohl, was ich meine- hat mich buchstäblich Tränen lachen lassen. Was für ein Zirkus! Allerdings bin ich persönlich nicht unglücklich, muss ich diesen absurden Sujets jetzt nicht überall auf der Strasse begegnen. Was den Leuten alles so einfällt, also wirklich…
Einem kleinen Jungen ist eines seiner Meerschweinchen gestorben. Jetzt hat er sich Hals über Kopf in eines aus unserer Herde verliebt und darf es nun haben. Ich finde das so schön; einem Kind eine Freude machen. (Und unser Tierchen wird es gut haben an seinem neuen Plätzchen)
Mein Hals kratzt ein bisschen, mein Geruchssinn ist beeinträchtigt, aber insgesamt fühle ich mich viel besser. Es geht weiterhin aufwärts, judihudi!
Zwischen den vielen Wolken spienzelt die Sonne hervor, jetzt, in diesem Moment. Auch der Nebel ist verschwunden, der Sommer scheint wieder zum Greifen nah. Mir fällt ein, dass ich immer zu Sommerbeginn am 21.Juni mit den Kindern in den Dorfladen gehe und sie eine dieser unsäglich teuren Glacés aus der Kühltruhe bei der Kasse auswählen lasse. Ein altes Ritual bei uns, das niemals aus der Mode kommt.
Und jetzt…? Noch ein Kaffee?
Ich schicke euch liebe Grüsse und melde mich für heute mal ab hier. Ein 15’Minuten-Aufräum-Spurt steht auf dem Programm, hab‘ ich soeben beschlossen. Gleich nach dem Kaffee.

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2 Kommentare zu Trio: Tag 9

  1. Romy sagt:

    Dann wünsche ich dir erstmal weiter gute Besserung, genug Elan zum Aufräumen und eine schöne Begrüßung der Sommersonnenwende. Auch wenn ich nicht wirklich weiß, was Glaçes sind.
    Romy aus Berlin

    • kirschkernzeit sagt:

      Hihi, Glace sagen wir in der Schweiz der Eiscreme! „Eis“ wäre bei uns einfach Eiswürfel… Auch dir alle, alles Gute und einen prachtvollen Sommer, liebe Romy!

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