Trio: Tag 5

Der Tag fing so gut an wie er aufhörte: entspannt und reibungslos. Mein Babyjunge hatte wunderbar geschlafen und erwachte ganz vergnügt. Ich genauso, vielleicht eine Spur weniger breit grinsend, aber guter Dinge nichtsdestotrotz; die Sonne lachte, der Kaffee duftete in meiner Tasse und die Sommerferien waren wieder eine Woche näher gerückt, lauter gute Gründe, um dankbar zu sein. Ausserdem purzelte kurz vor Mittag ein Päckchen mit Büchern vor meine Haustüre, darunter „Leinen Looks“ von Sabine Lorenz, ein -vom ersten Durchblättern her zu urteilen- fabelhaftes Nähbuch (inkl. Schnittmuster!) mit lauter schlichten, schönen Kleider-, Hosen-, Rock- und Blusenschnitten, die nicht nur absolut tragbar sondern auch ebenso nähbar aussehen. Ganz, ganz toll, ehrlich, ein Grund mehr, warum ich mir wirklich fest vornehme, sobald mein Baby es zulässt, wieder mit dem Nähen anzufangen.
Ich liebe Sachen aus Leinen. Meine Garderobe entwickelt sich immer stärker in Richtung einfach, natürlich und umweltbewusst, und ich glaube, selbst genäht wäre das Ganze noch schöner… Allein; die Zeit. DieZeitdieZeitdieZeitdieZeit… (In meiner Lieblingsliste stehen unter dem Label „Leinenkleidung zum Selbernähen“ übrigens auch das soeben releaste Kleid „Acacia“ von Fabelwald und ihre zauberhafte Bluse „Sambucus“ oder der „Estuary Skirt“ und „Hinterland Dress“ von Sewing Liberated)

Die Natur nach Regen und Kälteeinbruch von neuem summen, schwirren, fiepen und wachsen zu sehen, tut mir extrem gut. Es weckt die Lebensgeister, mich zwischen all das Lebendige zu setzen, ein bisschen die Meerschweinchen zu streicheln oder dem Baby dabei zuzusehen, wie es sich halbnackig mit seinen speckigen Patschhändchen die allerersten Himbeerchen seines Lebens in den Mund schiebt und geniesserisch schmatzend kleine rosa Tropfen auf sein Bäuchlein rollen lässt. Halbsommer. So fühlt es sich an. Warm aber gnädig und das Grün der Bäume ist noch dicht und saftig.
Ich hab‘ meinen Garten so lieb, er wächst mir mehr und mehr ans Herz, je höher die Obstbäumchen wachsen, je verwunschener seine Ecken wuchern. Heute sassen wir zu sechst in der Meerschweinchenweide unter der Quitte und plauderten bei Eiscreme und Wassermelone, ich, die Freundin meines Ältesten, Kind2 und zwei seiner Schwestern, während das Baby in der blauen Sandmuschel im Wasser plantschte und seine tropfnasse Badehose schwang, dass es nur so spritzte.
Friedlich. Entschleunigt. Präsent und wunschlos zufrieden, niedergelassen im Augenblick.
Schön.
Ja, ich denke, heute war ein rundum guter, glücklicher Tag.

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6 Kommentare zu Trio: Tag 5

  1. Biba sagt:

    Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich muss es einfach nochmal schreiben:

    Wenn es einen Blog gibt, den ich wirklich, wirklich liebe, dann ist es dieser hier – deiner – liebe Bora!

    Und eigentlich habe ich einen Wunsch und den haben bestimmt noch ganz viele andere auch:
    So ein richtig schönes dickes Kirschkernblogbuch…. mit allen Texten und Bildern….

    Abends nimmt man es mit ins Bett und liest und seufzt bisweilen „Ja, genau so ist es“ und lächelt und lacht und auch das Wehmütige und Traurige hat seinen Platz und man schläft irgendwann ein und träumt sich durch Wolle und Bücher, durch Kunstwerke, Gärten und Meerschweinchen und Kinder, Kinder!

    Hach, was für ein herrliches Leben!

    Danke, Bora, dass du all das, was du so erlebst, mit uns teilst!
    Es ist mir so lieb geworden!
    Danke für dein Vertrauen und danke für die Liebe, mit der du schreibst!

    Liebe Grüße von Biba/Birgit

  2. Ruth sagt:

    Jaaaa, liebe Vorkommentatorin, ich würde das Buch auch kaufen!
    Lieben Grüße
    Ruth

  3. Juli sagt:

    Ja! Eine sehr gute Idee!
    Dein Blog ist mir auch seit vielen Jahren der Liebste. Obwohl ich eigentlich nie kommentiere. Ich lese hier sehr gerne. Es ist ein bisschen „zu Hause“.
    LG Juli

  4. amselgesang sagt:

    @Biba, @Ruth, @Juli: Genauso ist es.
    Kirschkernzeit ist der Blog, in den ich auch dann reinschauen „muss“, wenn ich fürs Bloglesen eigentlich gar keine Zeit oder Lust habe… Wie du das machst, Bora, ist dein Geheimnis – nein, es ist einfach deine ganz unverstellte, ehrliche, nachdenkliche, überaus sympathische Art in Verbindung mit leisem Humor, einem Schuss Selbstironie und natürlich einer richtig guten „Schreibe“, die einem das Gefühl geben, keine Blogposts, sondern Briefe einer guten Freundin zu lesen.
    So, und jetzt möchte ich mich erst noch herzlich bedanken für das gestern gepostete Rezept dieses einfachen, aber sauleckeren Rhabarberkuchens!!! Zu Rührkuchen habe ich eigentlich ein ambivalentes Verhältnis: Einerseits sind sie schnell gemacht, wenn man es samstags mal wieder nicht geschafft hat, einen Sonntagskuchen zu backen. Andererseits sind sie leider oft eine eher trockene und etwas langweilige Angelegenheit. Der hier ist aber keins von beidem, sondern sensationell saftig und fruchtig (ich hab von meinen ebenfalls dünnen Rhabarberstängelchen fünf Stück genommen). Das wird ein Lieblingsrezept und sicher auch noch mit anderem Obst ausprobiert werden.
    Liebe Grüße, mit einem Daumendrücker für weitere ruhige Nächte!
    Brigitte

  5. Rosi sagt:

    dein Tag klingt wundervoll entspannt ..
    entschleunigt .. gemütlich und fröhlich 😉

    ja .. hier waren die letzten Tage auch schwül mit leider wenig Regen
    aber zum Glück keinen Gewittern
    die Natur freut sich über Feucht
    der Rasen sieht überall schlimm aus
    maja.. man muss nehmen was kommt
    alles Liebe
    Rosi

  6. Ines sagt:

    Oh ja ,dieses Buch hätte ich auch gern;-).DANKE LIEBE BORA FÜR DEINEN WUNDERVOLLEN,EHRLICHEN BLOG!!!

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