Trio: Tag 2

Gestern war dann doch noch ein ganz wunderbarer Tag: meine Mama kam zu Besuch und wir hatten eine schöne Zeit zusammen, bei Melone und Tee und ein bisschen Alltagsgeplänkel. Überhaupt hat es gut getan zu reden. Mit ihr. Aber auch hier auf meinem Blog, wo ich irgendwie auch ein bisschen „zuhause“ bin nach über 10 Jahren. Ich fühle mich freier und leichter und um einiges hoffnungsfroher nach meinem Eintrag gestern, und dafür möchte ich euch danken: gäbe es keine Leserinnen, würde ich nicht hier sitzen und schreiben. Und das wäre schade. Schreiben tut mir einfach gut, wisst ihr.
Gut getan hat mir sicher auch, dass ich gestern abend sehr, sehr früh zu Bett gegangen bin. Mein Babykind ist heute weitaus entspannter, aber nachts plagen ihn noch immer diese sonderbaren Unruhe-Attacken (die ich lange Zeit auf seine bzw. meine Ernährung geschoben habe). Mal ist es besser, mal schlimmer, aber so oder so fällt es mir leichter, ruhig und liebevoll zu bleiben, wenn ich schon vor der ersten Episode ein bisschen geschlafen habe. (Meistens beginnt das Ganze entweder um Mitternacht oder um 3:00 herum).
Die Kraft des Schlafens habe ich lange Zeit unterschätzt. Ich dachte, ich würde es brauchen, bis in die Puppen noch zu stricken, zu nähen oder zu lesen- dabei hätte ich eigentlich Schlaf gebraucht. Kein Mensch ist ganz sich selbst, wenn er seinem Körper, seiner Psyche nicht die Ruhe schenkt, die naturgemäss, sozusagen systemrelevant verlangt wird…
Ach ja, gestern kam ein Päckchen an. Und heute noch eins. Im gestrigen Paket lag das wunderbare Wickelkleid aus braunem Leinen, das ich bei „Sternwaldwiese“ für mich habe nähen lassen, im heutigen Umschlag eine in buntes Papier eingeschlagene Tafel Schokolade, ein süsser Gruss meiner Freundin Rita, die genau weiss, wie sie mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Eines wie das andere würde ich sofort unter der Kategorie „Glücksstoff“ vermerken, weil es mir einfach unglaublich viel Freude macht, mich mit achtsam und liebevoll gemachten Dingen zu umgeben, sie anzusehen, anzufassen, anzuziehen – oder bei einer Tasse Kaffee zu vernaschen *zwinker* (Dankeschön, du Liebe!)
Ich kaufe mir kaum noch Sachen von der Stange. Ich kaufe mir sowieso nur noch ganz selten Anziehsachen, denn das, was ich habe, wofür ich mich nach langem Überlegen entscheide, ist mittlerweile hochwertig genug, um lange zu halten, und mir persönlich so wert-voll, um wieder und wieder repariert, gestopft, abgeändert zu werden. Mein braunes Leinenkleid wird ein Lieblingsstück. Das weiss ich heute schon. Ich habe dafür gespart, mich darauf gefreut und trage es mit Stolz und einem wohligen, entspannten Gefühl in der Magengrube.
Das niedliche, klitzekleine Mützchen auf dem ersten Foto hingegen hatte weniger Glück: Ich hatte es ursprünglich für mein damals noch ungeborenes Babykind bei „Goldnuss“ bestellt. Braun, weil ich nicht wusste, was es sein würde, ob Mädchen oder Junge. Braun aber auch, weil ich braun so gerne mag, an Babys wie an Kindern und an mir selber. (Waldgrün liebe ich auch sehr!) Ganz zu Anfang der Schwangerschaft war ich wahnsinnig überfordert. Mit allem. Körper und Seele ein einziges Wrack. Doch ich sah dieses Mützchen und wollte es unbedingt haben. Mir be-greifbar machen, dass da tatsächlich ein winziges Menschlein in meinem Bauch heranwuchs, auch wenn alles sich nach krank und elend anfühlte…
Aus irgendeinem Grund legte ich dieses braune Babybonnet dann aber zur Seite, unbenutzt, noch im Einwickelpapier. Und vergass es vollkommen.
Erst kürzlich kam es mir wieder in die Hände, und ich packte es endlich aus. Ein zauberhaftes Mützchen. Aber ein sonderbares Gefühl. Wehmütig. Wie ein kleiner Abschied. Denn passen tut es meinem mittlerweile so gross und „selbstständig“ gewordenen Babyjungen mit seinen 9 Monaten längst nicht mehr…

 

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