grüner leben: homemade things

Um Himmels Willen; NEUN Tage seit meinem letzten Eintrag! Und je mehr Tage vergehen, desto schwieriger erscheint es mir, einen Anfang zu finden… Aber das hier sollte klappen: Dinge aus der Küche sind immer einfach, oder? Übers Essen, Kochen und den Garten lässt sich wunderbar plaudern. Diese Themen sind mindestens genauso Small-Talk-tauglich wie das Wetter und deshalb wunderbare Eisbrecher. Mit den warmen, üppigen Frühlingstagen der letzten Wochen sind meine Kräuter gewachsen und die Blütendolden im Holunderbusch im Garten weiss und dick wie Schneeballen geworden. Mein Liebster hat zig Flaschen Hollersirup daraus gezaubert und das Regal im Keller ordentlich angefüllt, was gut ist und hochwillkommen, denn ich liebe Sirup, im Sommer vor allem, am liebsten mit eiskaltem Wasser und etwas Eis in einem hohen, vom der Kälte beschlagenen Blitzeglas (das fühlt sich dann an wie edelster Sekt auf einer Hochseejacht, hihi). Die Flaschen sind leider etwas in den Hindergrund geraten auf dem Foto (tztztz), aber sie sind da, und das ist wohl, was zählt. Im Fokus seht ihr allerdings mein allerliebstes Kräuterbuch, das ich gerne zu Rate ziehe, wenn ich zum Beispiel Thymian-Honig ansetze, so wie letzte Woche, oder mir eine schöne Tee-Mischung aus dem zusammenstellen möchte, was ich gerade in der Kräuterspirale habe, momentan also hauptsächlich Zitronen-Thymian, Rosmarin und Erdbeerminze.

Meine Kleinste hat wacker geholfen, Kräuter geschnitten und mir sorgfältig den Spitzwegerich für ein erstes Glas Husten-Honig vorbereitet. Ich glaube, sie mochte diese Arbeit sehr gerne, denn wie durch ein Wunder blieb ihr Platz während der ganzen Prozedur besetzt und sie schien ganz versunken und zufrieden, ganz bei sich. Kräuter haben diesen Zauber, nicht wahr? Sie drosseln das Tempo. Verscheuchen Sorgen und Hektik. Erden uns und lassen uns für einen Moment Wurzeln schlagen im Hier und Jetzt.
Manchmal wenn ich meine kleine Runde durch den Garten drehe, vergesse ich völlig die Zeit, stehe einfach nur da, ein Ästchen Melisse in der Hand, reibe sachte an den Blättern und vergrabe meine Nase in diesem einzigartigen, frischen, ur-lebendigen Duft… Jeder Duft ist anders, jedes Kraut hat seine Persönlichkeit, meine Resonanz ob Rose, Oregano, Basilikum, fällt immer wieder anders aus, aber jede Begegnung mit der Pflanzenwelt tut der Seele wohl. Ich weiss so wenig von dieser Welt. Der Welt der Heilpflanzen. Doch es zieht mich in diese Richtung, ganz klar, immer deutlicher, immer stärker. Ich merke einfach, wie viel Kraft und Lebensfreude ich finde inmitten meiner klitzekleinen Blumen-und-Kräuter-Oase…

Mit einem Teil meiner frischen Kräuter habe ich Essig aromatisiert. Oregano ist drin in dieser Flasche und ein, zwei Zweiglein Rosmarin. Mamaniflora hat mich inspiriert zu diesem ersten Versuch. „Am liebsten nutze ich die Kraft der Kräuter um meinen Körper zu nähren und zu stärken, damit er mit Herausforderungen möglichst gut umgehen kann. Nährende Pflanzenmedizin muss für mich unkompliziert sein. Alltäglich, aber wirkungsvoll. So wie Kräuteressig.“ schreibt sie in ihrem Post vom 10.Mai, und irgendwie haben mich diese Worte sofort angesprochen, denn „unkompliziert“ und „wirkungsvoll“ sind gerade sowas wie Zauberwörter für mich, der Käse mit dem man mich fangen kann. Ich schaffe keine langen, ausgeklügelten Projekte, fancy und kunstvoll sind Begriffe für ein andermal, für Zeiten, wenn ich die Musse habe, mich in einer Arbeit zu verweilen. Mit Baby muss es schnellschnell gehen. Und ein Stück weit geling-sicher sein, sonst verliere ich die Motivation.
Ich freue mich auf den Moment, in dem ich diese Flasche wieder öffnen und ein erstes Versüecherli nehmen kann. Und wenn es uns nicht schmeckt in der Salatsauce… dann wird dieser Essig mein Kosmetikum. Apfelessig plus sozusagen. Gemischt mit Zaubernuss und Wasser ein prima Tonikum für bedürftige Haut.

Und wo wir gerade von Essig sprechen: Hier ensteht Putzessig. Mit Zitrusschalen, übrig geblieben von der Holundersirup-Session. Ich bin keine sonderlich gute Putze, aber ich mag es, wenn es blitzt und blinkt und freue mich unbändig über jede saubere, ordentliche Ecke im Haus (leider ist diese Freude immer nur von kurzer Dauer). In der Waschküche habe ich eine Art Putzkessel, in dem ich alles Putzzeug handlich und griffbereit einsatzbereit halte. Mein Hausfrauen-Traum wäre ja, nur noch mit hausgemachten Basics zu arbeiten, mit selbst gemischtem Spülmittel, eigens geraffelter Waschseife, mit Soda und ätherischen Ölen, Natron – und mit Essig. Leider sind Herr Kirschkernzeit und ich uns in diesem Thema nicht wirklich einig, und so kommt es, dass immer wieder Fensterreiniger, Vollwaschmittel und Geschirrspültabs ins Haus flattern. Die ich natürlich dann doch irgendwie benutze und verbrauche, weil sie so einfach und effizient sind in der Handhabung. Wider besseren Wissens. Eigentlich fast schon gegen meinen Willen, es kommt hald so über mich.
Was ich aber immer verwende ist Essig. Das Zeug ist schlicht unschlagbar im Kampf gegen Kalk in Bad und Waschbecken, ich bin ein regelrechter Fan davon. Bisher hab‘ ich ihn immer pur verwendet. Auch als Wasserenthärter und Weichspüler-Ersatz in der Waschmaschine. Jetzt bin ich gespannt wie ein Gummiband, inwiefern die Zitronenschale hier einen Effekt haben wird. Und ob es nachher tatsächlich besser riecht beim Schrubben… Rezepte für Putzessig gibt es haufenweise im Netz. Und alle gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Im Grunde sagt das Foto bereits alles: Zitrusschalen (wegen Schimmelgefahr am besten ohne die weissen Häutchen, aber ich hatte keine Lust hier herumzudoktern) in ein Einmachglas packen, mit Essig völlig bedecken, kühl gestellt ziehen lassen, bis sich die Farbe ändert, abseihen, fertig. So jedenfalls lese ich in allen möglichen „grünen“ Ecken im Netz. Wie gesagt; ich bin gespannt.
PS. Die süsse Katze hat meine Grosse (10) gezeichnet. Ich finde sie ganz entzückend und nehme mir zum hunderttausendsten Mal vor, endlich neue Bilderrahmen zu kaufen…

Und das hier wäre dann meine neueste Entdeckung im kulinarischen Bereich: selbst gemachte Hafermilch. Unter einem praktisch identischen Handyfoto habe ich bei Instagram Folgendes dazu geschrieben: Mein erstes Gläschen hausgemachte Hafermilch. Es ging so schnell und einfach, dass ich mich nur wundern kann, warum ich bisher für Haferdrinks und Co. gutes Geld verschwendet und die Umwelt mit Tetrapacks belastet habe. Haferflocken, Hahnenwasser, eine Prise Salz, that’s it. Mir braucht es nicht. Außer vielleicht 5 Minuten Zeit. Maximal. Rezepte gibt es viele. Ich habe das von @ourecofriendlylife verwendet, das Instagram mir heute vorgeschlagen hat, und spontan einen ersten Versuch gestartet. Es schmeckt super! Vor allem fehlt ihr die Süsse, die in vielen herkömmlichen Getreidedrinks leider bereits drin steckt, und die ich sowieso nicht haben möchte. Ich mag meine Hafermilch pur und neutral im Geschmack, ob im Kaffee oder eiskalt im Glas zwischendurch.
Für mich ist klar: Das mach ich jetzt öfter!
Nachtrag: Weil das ausserhalb der Schweiz offenbar etwas kauzig klingt mit dem „Hahnenwasser“- so nennen wir hier das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt.😁“
Das ist sowas von cool, finde ich, das mit dem Hafermilchmachen. Mehr gibt’s eigentlich gar nicht zu sagen, ausser: Probiert’s aus!

Zum Schluss noch ein weiteres Highlight der letzten Woche: „Buche de Noèl“ von Betty Bossi, eine klassische Roulade mit Kaffee-Buttercreme, die ich einfach unwiderstehlich finde! Ich und Buttercreme. Dafür würde ich jederzeit alles stehen und liegen lassen und nur zu gern in Kauf nehmen, dass meine alten Jeans noch weitere 8 Monate nicht passen…
Herr Kirschkernzeit hat sie extra für mich gebacken. „Ich hab so Lust auf Kuchen“, meinte ich nach dem Abendbrot. Ich sagte das mehr so vor mich hin, wie ich das oft tue, so halb im Selbstgespräch. Offenbar muss ich noch immer recht verhungert gewirkt haben, denn mein Liebster antwortete: „Okay, ich back dir einen. Such dir ein Rezept aus.“
Nun, das Rezept hat im Netz nur einen Stern. Wie es scheint, kann so eine Buttercreme recht tricky sein, aber mein Vertrauen in die Fertigkeiten meines Mannes ist grenzenlos, ich weiss, wie souverän er mit Pfannen und Kochlöffel hantiert, also bekam er diese herausfordernde Aufgabe von mir gestellt, denn wie gesagt… Buttercreme…!
Ich fand ihn suuuuper, diesen „Buche de Noèl“. Gott sei Dank war ich die Einzige im Haus mit dieser Meinung. Die anderen scheinen nicht so angetan zu sein von dieser Art von Kuchen, sie ziehen zum Beispiel Pavlova mit Meringues vor, was mich nun wieder gar nicht begeistert. Aber mir soll’s recht sein: Ich glaube, ich hab‘ praktisch die ganze Roulade selber gegessen. Innerhalb von zwei Tagen. Die Jeans von vor der Schwangerschaft bleiben wohl noch eine Weile länger ganz unten im Stapel.

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7 Kommentare zu grüner leben: homemade things

  1. amselgesang sagt:

    Ich finde es toll, was du alles fabrizierst! Es ist wirklich ein richtig gutes Gefühl, Sachen selber zu machen anstatt sie fertig zu kaufen, und ich probiere auch immer wieder etwas neues aus. Dein Thymianhonig macht mich an, zumal ich Thymian im Garten habe. Und auf die Idee, Hafermilch selberzumachen, wäre ich gar nicht gekommen – danke für die Inspiration!
    (Übrigens, das Wort „Hahnenwasser“ gehört auch hier im Schwäbischen zur Muttersprache :))
    Noch ein Tipp von wegen Essig: Weil meine Familie sich immer über den „Gestank“ nach dem Putzen beklagt hat, bin ich auf flüssige Zitronensäure umgestiegen. Die wirkt genauso und duftet gut, muss allerdings auch absolut kindersicher aufbewahrt werden.
    Liebe Grüße,
    Brigitte

    • amselgesang sagt:

      …oh, es ist Spitzwegerich-Honig… Ich hatte das Foto vom Thymian im Kopf 🙂
      Ist aber sicher auch mit Thymian gut gegen Husten.

      • kirschkernzeit sagt:

        Nein, du hast schon recht: ich hab beides gemacht, nur mit Thymian und einmal noch mit Wegerich, was ich vorher noch nie getestet habe…

    • kirschkernzeit sagt:

      Ja, du hast vollkommen recht, das Gefühl ist einfach ein anderes beim Kaufen oder Machen. Leider bringe ich ja immer bloss wenig zustande. Auch von den Portionen her: Honig gab’s diesmal bloss ein Glas, keine Vorräte oder so. Und Kräuter wachsen hier zwar verschiedene, aber keine grossen Mengen. So bleibt alles, was ich tue, mehr ein Ausprobieren, niemals eine richtige Versorgung…

  2. amselgesang sagt:

    … dasselbe bei mir. Aber man soll sich ja nicht mit perfektionistischen Anwandlungen unter Druck setzen (wozu wir vermutlich beide neigen), sondern das, was man hinbekommt, genießen und im übrigen froh sein, dass wir nicht alles selber machen müssen ☺️

  3. Hahnenwasser oder Kranenburger oder mein liebstes Wort dafür: Gänsewein!
    liebste Grüße und ich bin sehr angetan davon, was du tatsächlich immer alles so machst und erschaffst. hab es gut, liebe Bora, immer schön gesund und fröhlich bleiben, deine Sanne.

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