Die Türen öffnen sich

Bitte verzeiht a) den blöden Titel und b) meine Abwesenheit während Corona-Woche 8. Beides kam irgendwie einfach so zustande, und weil ich gerade so fürchterlich im Rückstand bin mir Haushalt und Garten und Kochen und allem, muss ich meinen Fokus bewusster setzen als auch schon, sprich; das hier wird ein Kurzpost werden und einen Rückblick für die nächste Woche werde ich wahrscheinlich ganz sausen lassen. Das meiste, was es zu erzählen gäbe, würdet ihr wohl ohnehin irgendwo in einem der vorhergehenden Wochen-Einträge finden, denn Corona-Lockdown-Wochen gleichen sich wie Vogeleier, sind ähnlich aber nicht ganz gleich und trotzdem schwer zu unterscheiden.
Was mir gestern gleich aufgefallen ist: ich weiss im Grunde gar nicht recht, was so passiert ist. In all der Zeit. Mit all der Zeit. Sie ist rasend schnell vergangen. Ich meine 8 (!) Wochen. So lange schulfrei gab es noch rein gar nie in meinem ganzen Leben oder dem meiner Kinder. Gefühlt…war es aber sehr viel weniger Zeit, nicht länger als 3 Wochen würde ich schätzen. Sogar Sommerferien fühlen sich länger an. Und voller, also im Sinne von üppiger.
Und noch etwas ist mir gestern -am ersten Tag der Schul-Öffnungen- aufgefallen: wie zufrieden die Kinder nachmittags spielten. Wie friedlich es am Mittagstisch war. Keines ist morgens wahnsinnig gern zur Schule gegangen. Widerstand war trotzdem keiner da; kaum waren die Zähne geputzt, die Haare gebürstet, Jacken, Schuhe, Tornister oder Znüni-Rucksack montiert, machten sich alle auf den Weg und wirkten äussert zufrieden dabei.
Vor allem die Sache mit dem Heimunterricht -oder Fern-Unterricht, wie ich wohl besser sagen sollte, denn es gab ja Video-Meetings mit den Lehrpersonen und sehr gut gemachte Lern-Videos zu neuen Themen- war wirklich eine schwere Bürde mit der Zeit. So würde ich nicht leben wollen, nicht mit einem kleinen Kind, das dann ständig hin-und hergeschoben werden muss. Ich liebäugle nach wie vor mit dem Thema Homeschooling. Aber nicht mit Schule auf Distanz und schon gar nicht in diesem Setting. Homeschooling stelle ich mir schön vor, wenn die Dynamik stimmt, sprich; wenn ich die Zeit, Ruhe und Kraft habe, mich fokussiert und entspannt meinen Schulkindern zu widmen und nicht herumspringen muss wie ein wilder Floh. Und wenn ich selber wählen kann, was jetzt lernstoffmässig gerade wann und wie passt, sowohl für mich selber als auch für das jeweilige Kind oder uns als Familie. Nicht jeder Tag ist der richtige für einen Gross-Block Einmaleins. Manchmal geht Tagebuchschreiben einfach vor. Oder das Marienkäferchen und die Eigenheiten seines kleine, kurzen Lebens.
Eigentlich bin ich dankbar, dass jetzt, für diesen Augenblick, wieder alles ist wie es war. Normal. Oder fast normal zumindest.
Meine drei Fotos erzählen auch ein klitzekleines bisschen von dieser neuen, alten Normalität. Obwohl sie allesamt aus Zeiten des Lockdowns stammen, wo Alltäglichkeit und Ausnahmezustand sich sonderbar mischten für uns.
Bild 1 berichtet von meiner Testphase punkto milchfreie Ernährung und dem Effekt, den sie auf meinen kleinen Babyjungen hatte. Oder hat. Ich habe lange durchgehalten, Milch weggelassen, Milch ersetzt, und zuerst machte es den Anschein, mein Kind würde besser schlafen, sich auch tagsüber wohler fühlen und sehr viel zufriedener spielen. Wurde trotzdem wieder eine Nacht zum Tag, schob ich es auf die versteckte Milch in einem Kuchen, den ich vielleicht geschenkt bekommen hatte oder begann zu rätseln, ob es vielleicht doch an den Zwiebeln in der Tomatensauce oder dem Kaffee gelegen haben könnte… Fazit ist: es gab gute, es gab schlechte Zeiten. Auch ohne Milch. Richtig schlimm wurde es aber nie mehr mit seinen nächtlichen Bauchschmerzen oder dem, was ich als Bauchschmerzen interpretierte.
Seit letztem Wochenende lasse ich nach und nach wieder Milchprodukte einfliessen in meine Ernährung. In kleinen Dosen anfangs nur und jeden oder jeden zweiten Tag etwas Neues. Den Anfang machte Schokolade (juppie!), dann kam Käse (endlich wieder Pizza!), später dann Milch im Kaffee (okay, das muss nicht sein, Hafermilch schmeckt mir besser). Alles blieb still, die Nächte wunderbar, was mich gleichermassen erleichtert wie verunsichert: wenn es nicht die Milch war, was war es dann?
Die Zähne vielleicht? Mittlerweile hat er zwei klitzekleine, feine, milchweisse Spitzchen, die blitzen, wenn er lächelt. Süss. Erste Zähnchen sind so etwas Emotionales für mich, wunderbare Meilensteine, kleine Denkmale, die dafür stehen, dass alles gut läuft und das Kind gedeiht, prächtig und ganz von alleine, behütet und genährt von und durch uns Mütter…
Auf Bild 2 kehrt der Frühling ein. Der Holunder duftet, die Gärtner mähen ihre Rasen und schneiden blühendes Unkraut weg, bevor es sich zu weit versamt. Meine Grosse hat mir diesen Strauss neulich nach Hause gebracht, „Unkraut“ von der Wohnblock-Wiese, dem der Gärtner gerade an den Kragen wollte. Sie sammelte eine dicke Handvoll, bevor der Rasenmäher darüber rattern konnte, wickelte es in Ahornblätter wie ein Biedermeiersträusschen und überreichte es mir mit grossem Stolz und noch grösserem Lächeln.
Blumen. Nichts schmückte ein Haus mehr als Sauberkeit und Blumen, sage ich immer…
Auf dem letzten Foto seht ihr ein Dreiecks-Tuch, das ich aus handgesponnener, kornblumenblauer Wolle angeschlagen habe.
Bevor ich es dann wieder aufliess.
Ich war so hingerissen von Caros gigantischem, grauen Schaltuch, dass ich unbedingt auch eins machen wollte und umgehend auf Wollsuche ging, kaum hatte ich ihren Post geschlossen. Nun… so schön ich ihre Version auch finde; mit meinem Garn wird es schlicht nicht dasselbe. Diese so einheitlich gefärbte, dunkle Wolle verlangt nach mehr als nur Krausrippen, nach zumindest einem Hauch von Struktur und Musterung.
Nadeln raus und auf ein Neues also…

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2 Kommentare zu Die Türen öffnen sich

  1. amselgesang sagt:

    *Kurzpost*… 😁
    (… mit Kurzkommentar)😉

    Bleibt behütet!
    Brigitte

  2. Romy sagt:

    Liebe Bora, warum entschuldigen? Ich freue mich immer sehr von dir zu lesen. Danke, dass du die dafür immer wieder Zeit nimmst.
    Dank die verstricke ich grade Lieblingsfarben zum Dreieckstuch. Mal sehen, was aus deinem blauen Knäul wird.
    Sei herzlich gegrüßt von Romy aus Berlin.

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