Woche 7: unverändert

Ich wollte eigentlich diesmal auf einen Wochen-Rücklick verzichten. An sich. Ich hatte ursprünglich den Plan, mich jeden Tag für 10, 15 Minuten zurück zu ziehen -dann wenn das Baby tagsüber schläft am besten- und einen kurzen Post zu verfassen, froh oder trist, so wie der Tag mir eben gerade mitspielt (oder wie ich dem Tag mitspiele, je nachdem, das Prinzip der Kausalität ist mir diesbezüglich noch nicht ganz klar).
Schon am Dienstag, also 24 Stunden nach meinem Rückblick von Woche 6, schlug dieser Plan fehl: Ich scheiterte an meiner eigenen Mutlosigkeit und der Hektik dieser an sich so strukturlosen Zeit. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, gerade die Sache mit den Schularbeiten nicht mehr ganz so todernst zu nehmen, brachte mich das Arbeitstempo gewisser Kinder, gepaart mit der Arbeitshaltung anderer Kinder (pure Verweigerung) praktisch ans Ende meiner Nervenkraft. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und schrieb einer der Lehrerinnen eine verzweifelte SMS- auf die ich prompt eine Antwort erhielt. Eine durchaus nette, ungemein verständnisvolle Antwort, die mir alle Steine auf Lawinenart vom Herzen purzeln liess. „Machen Sie sich keinen Druck“, schrieb sie, „Sie haben es bis jetzt sehr gut gemeistert. (Name des Kindes) soll es einfach versuchen, ansonsten kann (Name des Kindes) einfach einen Auftrag pro Fach weglassen, falls dies hilft…“
Wir haben tatsächlich das eine oder andere weggelassen. Ich weiss jetzt gar nicht mehr wie viel und ob es mehr oder weniger war als eine Aufgabe pro Fach, aber jedenfalls war mir um einiges froher zumute nach diesem kurzen Austausch. Wir stehen nicht alleine da. Auch Lehrpersonen strampeln sich ab und rätseln, wie wir alle möglichst heil und zuversichtlich durch diese sonderbare Zeit kommen können, ohne dass alles still steht, ohne dass Corona nebst wirtschaftlichen Wunden auch noch empfindliche Lücken in der Bildung unserer Kinder hinterlässt. Das Ganze ist für alle neu und voller Fragen, auf die die Antworten erst noch gefunden werden müssen.
Trotz dieser mutmachenden Reaktion von Seiten der Schule, kam meine Nervosität bereits am nächsten „Schultag“ wieder. Wie eine giftige Spinne, kroch sie zurück in den Morgen und vergiftete die Atmosphäre. Die Kollision meiner verschiedenen Rollen -Mama eines äusserst aufgeweckten, neugierigen Krabbelbabys, Mutter schulpflichtiger Kinder im „Homeschooling-Status“ mit vorgegebenen Anforderungen, Hausfrau eines gigantischen Zuhauses, Mensch schlechthin- liess es knallen und rumoren. Das lag nicht nur an Corona, da muss ich fair bleiben. Babyzeiten stellen mich ohnehin immer vor grosse Herausforderungen, doch diesmal fällt jegliche helfende Hand von ausserhalb weg und meine Mann arbeitet im corona-bedingten Home-Office um einiges mehr, länger und intensiver, als wenn er morgens ins Büro fährt. Überhaupt legt sich diese Home-Office-Sache wie ein Schatten über unser Haus. Anfangs dachte ich, es wäre ganz gemütlich, alle einträchtig vereint unter einem Dach. Tag und Nacht. Doch mir war damals nicht klar, welch wichtige Rolle Ruhe und Gelassenheit spielen würden, wenn Herr Kirschkernzeit und Kind1 ihre Jobs möglichst gut erledigen und auch meine älteren Schulkinder konzentriert bei der Sache sein sollen.
Leider sind genau diese Werte -Ruhe und Gelassenheit- rares Gut in einem Haushalt voller grosser und kleiner Menschen unterschiedlicher Alters- und Entwicklungsstufen. Und jeder bringt tagtäglich neue Facetten seiner Selbst in immer wieder anderer Gemütsverfassung mit in diesen endlosen Tanz miteinander und umeinander herum. Langweilig wird es nie. Richtig friedlich, leise und entspannt aber auch nicht.
Nun denn. Genug geklagt, widmen wir uns anderen Dingen. Positiveren Dingen. Wichtigeren Dingen. Denn es gab auch schöne Momente in dieser Woche, lange Nickerchen in der Babytrage, unbeschwertes Gekicher aus der Puppenecke, Kaffee und Kuchen, Sonne und den lang ersehnten Regen. Allerleirauh, deren Filzkunsthandwerk ich zutiefst verehre, und die mir so oft ein Lächeln entlockt oder mich wunderbar nachdenklich die Stirn runzeln lässt, während sie mit ihren frisch gefilzten Sämchen-Kindern philosophische Gespräche führt, hat mir eine entzückende kleine Wunderwolke zugeschickt. Ich war ganz überrascht und habe mich sehr gefreut; so ein watteweiches Wölkchen mit dem Herzen am rechten Fleck und ganz eigenem Kopf voller Flausen und Ideen, das hat mir tatsächlich gerade noch gefehlt *zwinker*. Jetzt sitzt es dem kleinen, weissen Teddy aus Kindertagen auf dem Schoss und schaut mir dabei zu, wie ich mit Nichtigkeiten hantiere und mich abstrample für Dinge, die wohl gar nicht so wichtig wären. Ich beneide es ein wenig. Für seine heilsame Vogelperspektive.
In einem Anfall von Weltuntergangs-Stimmung und Überdruss, habe ich Haferkekse gebacken. Aus “ Bigger Bolder Baking“ dem neuen Buch von Gemma. Leider wurden sie enttäuschend. Viel zu fettig, unangenehm süss und langweilig, was gut daran liegen kann, dass ich a) nur eine Sorte Zucker verwendet habe statt zwei b) die gute Butter ernährungsbedingt durch schnöde Margarine ersetzen musste und c) keine Rosinen im Haus hatte. Trotzdem war ich frustriert. Ich hatte das Schläfchen meines Kleinen geopfert. Und die Küche sah nach meinem Intermezzo auch nicht unbedingt schöner aus *seufz*
Aaaaaber; Herr Kirschkernzeit hat ebenfalls gebacken. Extra für mich, muss ich hier anfügen, was ich wirklich extrem süss fand von ihm. Seine Torte –Omas Mokkatorte von Betty Bossi- wurde wahnsinnig gut, herrlich cremig, richtig elegant, geradezu apart, eine echte Offenbarung. Ich liebe Buttercreme! Mokka-Buttercreme ganz besonders. Selbst wenn sie aus Margarine besteht. Mein Mann hat so ein Goldhändchen. Alles, was er anpackt gelingt. Vielleicht sollte er nächstes Mal den Keksteig rühren…?
So. Jetzt bin ich müde. Buttercreme-Torten-satt und einfach irgendwie geschafft vom Leben, das es momentan zu leben gilt. Von Schularbeiten, Backschüsseln, die geputzt werden wollen, von Regen und Sonne und allem drum und dran. Zum Schluss aber noch dies: der blaue Mini-Pullover auf den Fotos, ist der Puppen-Pulli meiner Kleinsten. Als Geburtstagsgeschenk geplant und mit grossem Elan begonnen, verlor ich irgendwann den Biss und wollte nur noch eins; abketten. Entsprechend kurz sind die Ärmel geworden. T-Shirt-Ärmel, um genau zu sein. Doch das ist kein Problem. Wie sich herausgestellt hat, sind es genau die T-Shirts, die noch fehlen in Puppe Lillys Garderobe. Und immerhin ist Frühling, es zieht bereits Richtung Sommer und kann ordentlich warm werden draussen im Garten, wenn die Sonne scheint. Die kurzen Ärmel kommen also gerade recht. Wer weiss, sollte mich das Puppenkleider-Stricken nochmals packen, kommt vielleicht auch das improvisierte Strickmuster sauber notiert aufs Papier und von dort in den Blog. Es war ein rechtes Hin und Her, ein Anschlagen und wieder Aufribbeln bis es endlich stimmte und alle Maschen am rechten Ort waren.
Vorerst aber halte ich mich fern von Experimenten jeder Art. Dreiecks-Schal-Stricken, ganz wie bei Naturmama, behagt mir mehr im Augenblick. Lauter rechte Maschen, unaufgeregt und halb im Schlaf. Das ist es, was ich jetzt brauche…

ps. Ich hoffe, ihr verzeiht mir den düsteren Unterton dieses Posts. Ich habe ihn spätabends geschrieben, bei minimalster Beleuchtung neben einem unruhigen Babykind und mit immer müder werdenden Gedankengängen. Wahrscheinlich färbt das ab. Texte bei Sonnenschein werden doch gleich viel lichter und unbeschwerter…! Vielleicht schaffe ich es, diese neue Woche meinen Blog auf Tagesmodus zu schalten. Er könnte es gut vertragen.
Und noch ein Wort zu den Kommentaren: Ich möchte sie beantworten, das liegt mir wirklich sehr am Herzen! Ich fände es schade, wenn ihr keine Reaktion auf eure Zeilen erhalten würdet. Aber nach zwei Stunden Post-Tippen schaffe ich nur noch den Herunterfahren-Knopf… Das muss defintiv anders werden!

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17 Kommentare zu Woche 7: unverändert

  1. CoBa sagt:

    Liebe Kirschkernzeit-Mama,
    du bist nicht allein mit deinen Sorgen und Aufgaben. Auch hier bei uns ist es eine sehr herausfordernde Zeit. Mal klappen die Schulaufgaben, mal nicht. Es gab auch hier viel Frust, viel Ärger und Streit und verzweifelte Mails an die Lehrer. Wir schauen nun, was wir schaffen können und der Rest wird irgendwann später kommen. Nach sieben Wochen zuhause ohne Freunde und viel Abwechslung durch andere Menschen liegen auch hier immer mal wieder die Nerven blank. Wir versuchen, so gut es geht, den Alltag und die Arbeit zu schaffen. Aber in seltsamen Zeiten läuft nicht immer alles in der gewohnten Weise ab. Wichtig ist, dass wir zusammenhalten und den Mut nicht verlieren. Da sind die Schulaufgaben dann manchmal weniger wichtig für den Moment.
    Ich wünsche euch und vor allem dir viel Kraft und Sonnenschein, um die neue Woche gut zu bewältigen mit vielen schönen Momenten.
    Alles Liebe CoBa

  2. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    viel Zuversicht und Kraft wünsche ich dir! (Und mir auch 😉 )
    Oho, die Torte sieht aber gut aus! Mein Mann sollte vielleicht auch einmal backen…?
    Liebe Grüße!

  3. amselgesang sagt:

    Liebe Bora, beim Lesen deiner Zeilen wird mir so recht bewusst, wie froh ich bin, keine Kinderschar mehr betreuen zu müssen in dieser Situation… Obwohl, auch große Kinder können einem Sorgen machen, wir haben hier eines, auf das man wegen einer „Vorerkrankung“ besonders aufpassen muss, damit keine Corona-„Nacherkrankung“ dazukommt.
    Zum Thema Verzicht auf tierisches Eiweiß: je höher der Fettgehalt von Milchprodukten, desto weniger Eiweiß ist drin. Manche Neurodermitiker vertragen sogar Sahne. Butter dürfte eigentlich kein Problem fürs Baby sein. Hast du schon eine Besserung bei deinem Kleinen festgestellt?
    Herzliche Grüße,
    Brigitte

    • kirschkernzeit sagt:

      Oje, ich hoffe, es geht deinem Kind mit Vorerkrankung supergut! Und danke für deine Info bezüglich Butter! Momentan bin ich am Wiedereinführen von Milchprodukten… bisher siehts gut aus… aber mal abwarten…

  4. andrea sagt:

    liebe bora, du machst das ganz fabelhaft. ihr alle macht das wunderbar!

    eines noch: bildungslücken? in deinem haushalt? das kann nicht sein! bei dir gibt es herzensbildung, lebensbildung und persönlichkeitsbildung vom allerfeinsten. alles was in der schule gelernt wird, kann man sich bei bedarf, so man es denn irgendwann mal vermissen sollte, doch jederzeit aneignen. das aber, was deine kinder bei dir lernen ist gut zu leben. das ist von unschätzbarem wert und mehr braucht es nicht.

    ein lieber gruss, andrea

  5. WinterAlek sagt:

    Liebe Bora,

    dieses Motivationstief bei deinem Kind kenne ich von meinem Kind. Es ist jeden Tag eine neue Herausforderung ihn zum Abarbeiten der Aufgaben zu bewegen, dabei lassen wir schon einiges weg und müssen es doch jedes Mal neu aushandeln. Manchmal träume ich davon auf den Lehrplan zu pfeifen und ihn einfach sein Ding machen zu lassen. Schade, dass bei uns Freilernen keine Option ist.

    Mein Mann bekocht und während ich die Backfee bin. Kuchen und Kekse helfen gerade durch diese Zeit. Liebe die durch den Magen geht. Die Torte sieht so wunderbar aus und dann auch noch mit Buttercreme und Moka. So ein Kunstwerk traue ich mir leider nicht zu, deshalb esse ich in Gedanken mit.

    Deine Texte sind so wunderbar, realistisch und voller Liebe. Ich komme selber aus eine größeren Familie und spiele immer wieder mit den Gedanken dieses Abenteuer als Mama zu wagen. Dein Blog macht mir Mut ohne das Unangenehme auszusparren. Danke dafür. 🙂

    Viele Grüße,
    Alexandra

    • kirschkernzeit sagt:

      Ja, wirklich so schade! Ich hätte mir gewünscht,der Lernplan wäre reduzierter gewesen, dafür mit mehr wählbaren Optionen… Aber was solls? Jetzt ist ja wieder alles beim Alten, gell 😉 Vielen Dank noch für deinen lieben, so langen Kommentar!!!

  6. Daniela sagt:

    Liebe Bora,
    Danke für die Einblicke, ich lese so gerne bei dir mit! Vielleicht hilft dir ein Perspektivwechsel, Abtauchen, täglich Inspirationen finden in einem anderen Familienblog. Ich empfehle Frische-Brise.blog (mit 5 Kindern) aus Hamburg. Auch der wunderbaren Rezepte wegen. Halte durch und sorge auch gut für dich. Liebe Grüße * Daniela

    • kirschkernzeit sagt:

      Offen gestanden, sind es gerade die Einblicke in andere Leben, die mich oftmals eher noch mehr verunsichern… Vor allem auch weil mir recht wenig Zeit bleibt, um mal abzuschalten. Dann lese ich am liebsten gar nichts, sondern mache einfach mal was, wo ich nicht nachdenke oder vergleiche. Stricken zum Beispiel. Radio hören. Ein Hörbuch einstellen. Im Garten eine Runde drehen…

  7. catherine sagt:

    Liebe Bora,
    Versich mal Alan, falls es die bei euch hat. Die ist geschmacklich und von der Konsistenz her sehr nah an Butter, sie lässt sich auch schaumig schlagen usw.
    Halte weiter gut durch. Schule ist hier auch oft zehrend.

  8. Katharina sagt:

    Liebe Bora
    einfach Danke von Herzen.
    Katharina

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