Woche 6 in 10

: Der Frühling. Bunt und warm und trocken, wie er leibt und lebt. Ich geniesse ihn. Tag für Tag. Den Tulpenreigen im wunderbar ergrünten Garten, das Ranken der Kletterrose, die Vögel, die Morgen für Morgen um die Wette singen. Ich schöpfe so viel Schwung aus dieser Leichtigkeit.
Hab Dank, Mutter Erde. Für dieses grosse Geschenk zur rechten Zeit. Dafür, dass -deinetwegen- „zuhause bleiben“ nicht wirklich Gefangensein in den eigenen vier Wänden bedeutet. Obwohl mir ein paar Tage Regenwetter auch ganz recht wären… :

: Frühling. Selbst in der Küche. Seit ich des Babys wegen Milch in allen Variationen aus meinem Speiseplan gestrichen habe, wird das Kochen schwieriger, Chicken Nuggets und Co. müssen verschwinden, dabei waren es gerade diese Halbfertig-Sachen, die mir in dieser schwierigen Zeit jetzt, mit Baby und Homeschooling und allem drum und dran, ein Stück weit die Contenance bewahrt hätten. Nun denn. Wie dem auch sei. Und sowieso. Jetzt gibt es für mich einfach noch mehr Gemüse, keinen Käse mehr über den Nudeln und auf der Pizza, dafür im Notfall doppelt und dreifach Salat. :

: Mein Blumen- und Kräuterbeetchen ist fertig gejätet. Was harte Arbeit war, sehr tricky mit dem kleinen Krabbelkindlein neben mir, das sich begeistert auf jedes Steinchen stürzen würde. Hahnenfuss und Giersch sind trotzdem verschwunden. Oder verdrängt. Bis sie wieder kommen. Ich weiss. Von Seiten der Hortensien sieht es ja schon bedrohlich aus. Jetzt warte ich auf das Keimen der mutig vor den Eisheiligen ausgesähten Kamille, Dill- und Kümmelsamen und darauf, dass Malve und Zitronenmelisse wacker wachsen und die ersten Glockenblumen-Blüten und Akeleien ihre bunten Köpfchen schwellen lassen. :

: Regenbogen. Ich liebe Regenbogen. In allen Formen und Farben und Versionen unter dem Himmelszelt. In real, aus Holz, Pappe, Stoff, auf Papier oder Gartenplatten: Regenbogen sind Hoffnungsträger und Rutschbahnen für die allerschönsten Träumereien. Und am anderen Ende ist erst noch ein Schatz vergraben. So sagt man. :

: Auch so ein Schätzchen. Klein und flauschig und einfach unwiderstehlich knuffig. Unser schwarzes Meerschweinchen Pepsi ist noch einmal Mama geworden. Von Drillingen, eins schöner als das andere. Wir freuen uns. Neues Leben im Stall. Frühling in Reinform. :

: Meine Neuentdeckung. Oder sollte ich besser schreiben, die reinste Offenbarung? Seit kurzem habe ich einen „Ergobaby“ im Haus, ausgeliehen von meiner Schwester J., die alles, wirklich alles zuhause hat, was Baby sich so wünschen könnte- und die immer völlig selbstlos mit mir teilt. (Danke J., du bist ein Goldstück!)
17 Jahre lang habe ich mein Tragtuch gewickelt. Um Baby um Baby um Baby. Und mich immer ein bisschen schwer getan, kaum wurden die Kleinen grösser und schwerer. Jetzt mit der neuen Trage, kommt neuer Wind in meinen Mama-Alltag. Der Kleine lacht und schmiegt sein Köpfchen an meine Schulter, kaum klippe ich die Träger um uns zusammen. Er schläft, döst oder schaut mir beim Arbeiten zu, geniesst das Geschaukel und die Nähe. Ein neues Zeitalter scheint angebrochen zu sein für uns beide: Tragen ganz ohne Stress und Unsicherheit. Alles sitzt, alles hält. Mein Babykind fühlt sich so wohl wie ich. :

: Granola. Hausgemacht. Aus meinem allerneuesten, vegetarische bis veganen Kochbuch, dem Schweizer „Greentopf“, den ich durch Rita kennen- und lieben gelernt habe und wirklich allen ans Herz legen kann. Egal ob Vegetarier oder nicht; ein wunderbares Buch! Basics und Spezielles, gekonnt vereint zwischen zwei Buchdeckeln. Granola, Porrige, Kartoffelgratin, Bananen-Curry-Suppe. Mehr hab ich noch nicht ausprobiert, aber alles sieht fantastisch aus, ich freu‘ mich auf mehr. Und die Granola ess ich mit Hafermilch. :

: Gar nicht toll geworden ist hingegen dieser Kuchen hier, eine Schokoladentorte mit dem irrefürenden Namen „Schlaraffenland Torte“. Sie enthält keinen Zucker, nur Honig, was spannend klang in meinen Ohren, auf der Zunge aber schlussendlich schmeckt wie ein krümeliges Hustenbonbon. Ich hatte mir alles sehr schön gedacht; Margarine statt Butter, Zartbitter- anstelle von Milchschokolade, keinen raffinierten zusätzlichen Zucker… Es hätte eine wunderbare Torte sein können. Wenn ich Akazienhonig genommen hätte. Und nicht den rassigen Schweizer Berghonig. Keines meiner Kinder hat mehr als ein Gäbelchen davon gegessen. Nur ich, ich schon. Den ganzen Kuchen praktisch. Alleine. Ich meine; ein schlechter Kuchen ist immer noch besser als gar keiner. Und wenn man an Hustenbonbons denkt dabei, schmeckt er gar nicht mal so schlimm. :

: Neueste Fundstücke. Geschenkt. Also so gut wie. Von meiner allerliebsten Brocki-Frau, die nun ihre Tore definitiv schliesst und vorher noch mit warmen Händen weggibt, was Freude machen könnte. Teddy, Kuchenplatte, Töpfertässchen, gehäkelte und genähte Puppenlätzchen. Dazu ein fast neuer Weidenkorb mit geblümtem Futterstoff. Mir macht das wirklich Freude. Auch wenn es im Grunde ein Abschiedsgeschenk ist… :

: Ach ja, das haben wir ja auch noch. Homeschooling. Ich tu‘ mich schwer damit. Hauptsächlich weil die Kinder sich schwer tun. Gestern ergab meine Umfrage, dass alle meine schulpflichtigen Kinder, könnten sie wählen, Schule lieber in der Schule machen würden, anstatt zuhause zu lernen. Selbst mein Erstklasskind, das lang Zeit Mühe gehabt hatte mit dem fixen Stundenplan und gar nicht gut mit Druck umgehen kann, ist sich diesbezüglich verblüffend sicher. Meine Kleinste wiederum findet es grandios, nicht mehr in den Kindergarten zu müssen, und würde das Ganze am liebsten so lassen, wie es gerade ist.
Ich für meinen Teil habe Folgendes gelernt: Es ist nicht so, dass ich Homeschooling nicht mag. Im Gegenteil; Wir hatten durchaus unsere goldenen Momente, gerade auch dank dem gemeinsamen Lernen. Wir hatten Spass. Wir fühlten uns inspiriert. Motiviert, manchmal auch stolz und zufrieden und taten Dinge, die uns schlussendlich -trotz allem Aufwand- richtig gut taten.
Aber Homeschooling unter den aktuellen Konditionen, das ist nichts für mich. Fremdbestimmte Ziele erreichen nach einem von aussen aufgestellten Plan, der so rein gar nicht in unser momentanes Lebenskonzept passt, damit hadere ich selbst nicht weniger als meine Kinder. Auch wenn es ganz witzige Schullektionen gibt, wie diejenige auf dem Foto, wo meine Kleinste sich eine Folge „Pippi Langstrumpf“ ansehen sollte *grins*
Sanne hat Recht mit ihrem Kommentar zu meinem letzten Post hin: Ich sollte nicht zulassen, dass diese Aufgabe mich belastet und alle Lebensfreude im Familienkern erdrückt. Das ist es nicht wert. Wir tun alle unser Bestes, das muss einfach reichen. Womöglich wäre es tatsächlich schlauer, ich würde meine Erstklässlerin statt Additionen einfach den nächste Kuchenteig zusammenmischen lassen. Eier plus Zucker plus Mehl plus Margarine =?
Schlimmer als meine Schlaraffenland-Torte kann’s nicht werden.

PS. Ich möchte mich ganz herzlich für eure lieben Kommentare bedanken! Gerade hat dieser Post hier all meine Kapazitäten gesprengt, darum kann ich nicht jedem sofort antworten, aber ich habe mich wirklich sehr gefreut. Über jedes einzelne Wort. Ihr seid die Besten!

 

 

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5 Kommentare zu Woche 6 in 10

  1. So ein wundervoller Text liebe Bora! Ich würde auch ok gerne wieder bloggen, aber ich weiß nicht wann… Bewundere es immer sehr, dass du hier so viel teilst 💛 manchmal reicht es nicht mal für einen Kommentar. Habe gerade bei instagram weiter geschrieben, das hier wurde sehr persönlich.
    Liebe Grüße
    Sternie 🤔

  2. catherine sagt:

    Ich habe beim zweiten Kind den ergo gekauft und ihn kaum benutzt. Jetzt beim dritten Kind hat mir das Tragetuch so schlimme rückenschmerzen gemacht. Der ergo geht wunderbar. Schön, dass er dir auch das Leben erleichtert

  3. catherine sagt:

    Und ich stimme dir zu, homeschooling mit Inhalten, die andere bestimmen ist schräg. Das stört mich auch sehr!

  4. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    so schön, von dir zu Lesen!
    Ich hoffe, deinem Kleinsten (und damit auch dir) geht es wieder etwas besser?
    So eine Ernährungsumstellung ist bestimmt das Letzte, was du jetzt gebraucht hast..

    Meine Kinder waren immer ziemliche Brocken, sodass ich spätestens nach einem knappen halben Jahr Tragetuch immer sehr dankbar über eine Trage mit Hüftgurt war.
    Liebe Grüße und viel Kraft für die „Schule“!! Ich kämpfe hier teilweise mit der Motivation „meiner“ Schüler. Einerseits habe ich die Kinder ja gerne daheim, andererseits sehne ich den normalen Alltag wieder herbei. Wahrscheinlich sogar weniger die Schule als den Umgang mit anderen Menschen.

  5. Raniso sagt:

    Das tönt sehr zufrieden, liebe Bora. So anders als der vorhergegangene Post. Es ist ein ewiges Auf und Ab, gell… Ich wünsche dir noch ganz viele solcher dankbaren Tage!
    Ganz liebi Grüäss und Knuddels, anja

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