graubrauner Zwilling

Meine Fotos purzeln hier heute einfach so herein, wie sie aufgenommen wurden; ungefiltert und unbearbeitet. Darum auch ein bisschen verschwommen, unterschiedlich in den Farbtönen, fotografiert in verschiedenen Zimmern an unterschiedlichen Tagen zu anderen Zeiten. Wie das Leben so spielt eben.
Jetzt, da ich dies schreibe, liegen zwei meiner Kinder krank im Bett, eines mit Fieber, das andere einfach unwohl, und ich fühle mich dem Ganzen alles andere als gewachsen. Die unruhigen Nächte laugen mich aus. Das Baby wird süsser und kuscheliger mit jedem Tag, aber gleichzeitig auch anspruchsvoller und mobiler; der Kleine dreht sich nun vom Rücken auf den Bauch, von da aber noch nicht wieder zurück, sprich, sobald ich ihn hinlege, kugelt er auf den Bauch und beginnt verzweifelt mit Ärmchen und Beinchen zu rudern, bis ich ihn wieder auf den Rücken drehe, und das Spiel von Neuem beginnt. Oder bis ich ihn hochhebe, was eigentlich fast immer der Fall ist. Kleine Zappelkinder am Boden liegen lassen, das kann ich nicht. Ich fühle mich erst wohl, wenn er sich auch wohl fühlt. Und er will etwas sehen von der Welt. Das kann ich verstehen. Also trage ich ihn nach wie vor fast die ganze Zeit mit mir herum. Manchmal auf der Hüfte, manchmal -ganz neu!- auf dem Rücken im Tragetuch, so wie es Anna mir in ihrem letzten Kommentar ans Herz gelegt hat. Das funktioniert noch nicht perfekt bisher. Aber immer besser. Ich wollte zuerst ein Foto von meinem kleinen Wollspatz hier einfügen, eines, wo er ganz verdutzt auf meinem Rücken aus seinem blauen Tuch herausguckt und sich die neue Perspektive scheinbar noch ein wenig zusammenpuzzlen muss- aber dann habe ich es bei den drei Bildern oben belassen und mir das Tragefoto für den nächsten Post aufgehoben, der wohl mehr ein Fotopost sein wird, mit lauter netten Neuigkeiten aus den letzten Tagen. Das hier hingegen wird bloss ein Strickpost. Mit Déja-Vu-Effekt, denn praktisch das haargenau gleiche kleine Wolljäckchen habe ich damals schon gestrickt, für meinen frisch geborenen Winzling. Gleiche Wolle (Rosy Green Manx Merino Fine „Norfolk Holz„), gleiches Strickmuster (Beyond Puerperium von Kelly Van Kiekerk), dieselbe Nadelstärke (Nr.3.). Nur die Grösse ist diesmal anders; eigentlich sollte dieses Jäckchen nun von 6 Monaten bis 12 Monaten passen. Doch ich weiss nicht recht… entweder das Jäckchen ist zu knapp oder das Kind zu gross, denn ich merke, dass es langsam unter den Armen zu spannen anfängt. Noch sitzt es wunderbar. Aber nichtmehr lange. Wie schade! Ich mag den Anblick meines Babys in seinem erdbraungrauen Zwilling von Jäckchen, das er schon viel länger trägt als ich es fotografiert habe, und so oft und gerne wie die Fusseln und Pilling-Knöllchen euch verraten. Ich liebe dieses Kindlein. In diesem Jäckchen. In dieser Wolle.
Ich denke genau dieses Gefühl der Freude, der Geborgenheit, des Vertrauens in meine Mütterlichkeit… dieses Gefühl von Allesistgutwieesist… möchte ich mit hinein in diese neue Woche nehmen. Auch mit kranken Kindern und schlechtem Schlaf. Mein Baby in seinen wollenen Hüllen anschauen. Und mich daran erinnern, wie viel wir Mütter doch ausrichten können. Wie viel wir vermögen. Krummes gerade biegen und Verschüttetes wieder bereinigen. „This too shall pass“. Geben wir unser Bestes. Unser ganzes Herz.

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4 Kommentare zu graubrauner Zwilling

  1. Hirundo rustica sagt:

    Oh, das Letzte ist ja ein zuckersüsses Bild von euch! Wie er so genau schaut, was da passiert. (Und das Händchen wahrscheinlich gleich zur Stelle hat, oder?)
    Wunderschön sind sie, deine Pulloverchen! Gute Besserung deinen kranken Kindern! Hier bei uns schwankt es gesundheitlich ebenfalls.
    Liebe Grüße!

    • kirschkernzeit sagt:

      Immer noch sind einige krank. Aber ICH NICHT *freufreufreu“. Gottseidank, kann ich bloss sagen, diese Erkältung, die gerade umgeht dauert an die zwei Wochen und geht oft mit Fieber einher *schauder*.
      Du hast SO recht; Babys sind einfach Zucker, gell. Und mit den Händchen muss ich wirklich aufpassen, dass sie nicht plötzlich überall reinpatschen 😉

  2. Astrid sagt:

    Wenn ich mir noch länger dein süßes Baby anseh, dann geht mein Entschluss, KEIN fünftes Kind mehr zu bekommen, bald den Bach runter :-). ER IST SOWAS VON ZUCKERSÜSS!!
    Ich hab unsere Kinder, in der „blöden“ Phase zwischen „nicht-mehr-liegenbleiben-können/wollen und immer-noch-nicht-sitzen-können“ immer in einer Wippe geparkt – da hatten sie alles (und vor allem mich) gut im Blick und waren rundum zufrieden.
    Liebe Grüße aus Österreich
    Astrid

    • kirschkernzeit sagt:

      🙂 Lass alle guten Vorsätze fahren und deiner Sehnsucht freien Lauf: Babys sind einfach ZU SCHÖN um sie nicht zu bekommen 🙂 🙂 🙂 Die Wippe hatten wir auch. Bis ich sie weggegeben habe, weil ich dachte, wir bräuchten sie definitiv nicht mehr (Stichwort Kinderplanung, hihi). Mein Mann vermisst sie ziemlich. Ich manchmal auch. Gerade haben wir aber den Triptrap wieder neu entdeckt; mit dem geschreinerten Aufsatz und so kann der Kleine gut mal ein paar Minuten darin sitzen und mir beim Gemüserüsten oder Kochwasser-Abschütten zuschauen und dabei alles runterschmeissen, was ich ihm zum „Spielen“ aufs Tischchen lege 😉

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