Januar-Tage Nr. 14

Eigentlich ist mir heute Abend mehr nach Hörbuch als nach Erzählen… aber dann wiederum war das genau einer der Gründe, warum ich diese Reihe hier angezettelt habe; ich bin oftmals einfach zu bequem. Nachdem die Kinder im Bett sind, räume ich rein gar nichts mehr auf, erledige kaum Schreibkram (darum meine immer wahnsinnig späten Antworten!) und erhebe mich ohnehin kaum noch aus meinem Bett, wo ich gemütlich stricke, Hörspielen lausche oder ein bisschen meiner Serien-Sucht fröne. Das hat sein Gutes, ganz klar. Es hat aber auch seine negativen Seiten, so kompromisslos Feierabend zu zelerbrieren. Es fühlt sich nämlich alles, was auch nur im Entferntesten nach „Arbeit“ oder „Produktivität“ klingt, an wie eine Strafe. Oder wie sonstwas Unerhörtes. Dabei ist es doch wahnsinnig befriedigend und erfreulich, abends in aller Ruhe zum Beispiel endlich  das längst fällige Familien-Foto-Album zusammen zu stellen. Oder die Dankeskärtchen für die lieben Wünsche und Geschenke zur Geburt meines Kleinen nach ein wenig Schreibarbeit sendebereit neben die Eingangs-Türe legen zu können. Oder den Korb mit der Flickwäsche langsam zu leeren. Oder morgens in der Früh in eine saubere Küche zu kommen. Oder hier ein wenig von dem festzuhalten, das wir tagsüber so erlebt haben. Tagebuch zu führen. Das ist so was Feines! Aber eben… dabei muss man denken. Und tippen. Sich konzentrieren. Ist das nicht Arbeit?
Jedenfalls weiss ich heute zwar kaum was zu erzählen, da ich aber schon mal dabei bin, erzähle ich doch was, was Kleines und Simples: Ich habe nämlich heute ein Paket bekommen, ein Paket voller Puppenkleidchen. Vier Kleider und zwei winzige Puppen-Pijamas. Alles handgenäht von einer Dame, die ihre Sachen via Ricardo verkauft, rein gar nicht viel will dafür und wirklich schön nähen kann. Liebevoll. Mit Herz eben. Eine Dame, so entzückend wie ihre Arbeit, würde ich sagen.
Meine beiden jüngeren Mädchen sind beherzte Puppenmütterchen und lieben ihre beiden Waldorf-Puppen -beides wunderschöne Geschenke aus der Bloggerwelt- von ganzem Herzen.
„Die werd‘ ich auch noch behalten, wenn sie ganz kaputt ist“, meinte mein Pausbackenkind heute, als ich vorsichtig erwähnte, dass vielleicht irgendwann eine neue Puppe fällig sein könnte. Gesicht, Arme und Beine sind selbst nach drei Runden Puppenbad nicht mehr sauber zu kriegen, die blonden Haare fallen auch langsam aus und es gibt bereits gestopfte Stellen an den Beinen.
„Dann waschen und flicken wir sie einfach immer wieder!“
(Nein, ich spreche nicht von der Puppe auf dem Foto! Die Puppe oben im Bild gehört meiner Kleinsten. Die gute Frau Krähe hat sie gemacht, und noch immer schaut sie tadellos aus)
Ja, so soll es doch sein, oder? Liebe bis ans Ende aller Tage.
Nicht dass es immer so wäre. Manche Spielsachen werden hier auch ziemlich rasch wieder in ihrer Ecke vergessen, obwohl sie eben noch die Erfüllung aller Kinderträume zu sein schienen…
Jedenfalls sind nun heute die neuen Puppenkleidchen angekommen. Wunderbar genäht und die reinste Freude. Mir ist einmal mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, die Dinge, die man ins Haus hineinlässt, mit denen man dann quasi Raum und Zeit teilt, die unsere kleine Welt und die Gedanken unserer Kinder beeinflussen, dass diese Dinge ganz bewusst gewählt werden. Dass sie nicht nur auf Qualität und Optik hin geprüft werden, sondern dass ich mich auch immer wieder frage: Kann ich dieses Ding wirklich gern haben? Ich glaube immer mehr; die Beziehung zu einem Gegenstand macht den eigentlichen Wert aus. Nicht unbedingt Material, Herstellung oder der aktuelle Trend, sondern die Emotionen, die er auslöst in einem. Was ich liebe, das werde ich auch gut behandeln. Pflegen. Reparieren. Es überdauert jeden neuen Trend, wird auf Vordermann gebracht, nicht ersetzt- und sollte es eines Tages tatsächlich von gestern sein, sucht man schweren Herzens einen neuen Besitzer, der wieder Freude hat daran, weil man es schlicht nicht übers Herz bringt, es einfach weg zu werfen.
Ich denke, so gesehen gehört unsere Puppen-Garderobe mit zu den wertvollsten Dingen im Kinderzimmer. Ein ganzer, grosser Weidenkorb voller herrlicher Kleidchen, gestrickten Schlüttli, Hosen und Schuhen und weicher Bäbi-Pischis. Jedes Einzelne ein Unikat. Mit Liebe gemacht. Mit Liebe gewählt.

 

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2 Kommentare zu Januar-Tage Nr. 14

  1. Pellissier Yasmine sagt:

    Ich lese dein Tagebuch immer sehr gerne, ich erkenne mich oft darin wieder. Weniger ist oft mehr und ich schaue auch immer, dass es überschaubar bleibt und wenn dann auch wirklich mal was Neues ins Haus einzieht, dann haben wir mindestens zig-Mal überlegt, ob wir das auch brauchen. Was mir aber viel wichtiger ist, dass die Sachen um mich herum, Erinnerungen und schöne Momente in mir wecken, deshalb könnte ich auch nie etwas wegwerfen, das jemand mit Liebe für mich gemacht hat und sei es mit den Jahren noch so abgewetzt und verbraucht. Es sind diese Dinge, die wirklich wertvoll sind und nicht ständiger Konsum neuer Dinge, die man dann nach kurzer Zeit wieder wegwirft. Hinter vielen Sachen bei mir steckt eine Geschichte und das ist für mich wahrer Reichtum. Recht hast du, dir am Abend nach einem langen Tag mal Feierabend zu gönnen und dich im Bett mit Strickzeug zu verkriechen, es gibt doch nichts Schöneres! Und weisst du, die Arbeit wartet geduldig den nächsten Morgen ab….😀Sie läuft uns nicht davon. Viel wichtiger ist, dass du dir auch mal Erholung gönnst nach einem langen Tag Grossfamilie!
    Herzlichst Yasmine

  2. Martina sagt:

    Hach, sie „lebt“ immer noch! Ich bin ganz gerührt. Und doch, doch, sie hat schon ein bisschen gelitten. Und das macht mich glücklich. Sie wurde/wird geherzt, mitgeschleppt, umgezogen,… wie es im besten Fall passiert mit einer Puppe. Du hast ja so recht mit Deinem Text. Und ohne jetzt pathetisch sein zu wollen; am Ende geht es doch tatsächlich immer einfach um die Liebe. Liebe ist alles.

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