Januar-Tage Nr.8

Der Titel verrät es schon; ich glaube, ich möchte mit meiner „Dezember-Tage“-Reihe noch ein, zwei Wochen weiterfahren. Aber der Dezember ist mit gestern vergangen, darum kommt jetzt der Januar ins Spiel. Januar-Tage sind auch schön.
Was ich mir auch überlegt habe: Ich sollte mich wirklich ein wenig kürzer fassen. Diese Blogpost-Reihe darf ruhiger sein, schlichter, aus dem Ärmel heraus. Sie darf knapp daherkommen, finde ich, allein schon deshalb, damit ich mich wieder traue, auch nach Feierabend noch kurz den Laptop aufzustarten, ohne dass mir der Abend zwischen den Zeilen zerrinnt, was ganz klar ein Hindernis darstellt für mich, jetzt mit meinem Babykind und allem drum und dran ganz besonders. Ich möchte zurück zu den Wurzeln. Und Blogger-Wurzeln sind sehr relaxte Posts mit Notiz-Charakter, keine ausgefeilten Kolumnen oder Artikel. Obwohl das natürlich ganz was Feines wäre.
Mein letzter Post jedenfalls hat mir beim Tippen ungemein viel Spass gemacht. Weil er so richtig von Herzen kam und wunderbar unverkrampft aus mir heraussprudelte. Doch ich möchte auch mit weniger zufrieden sein, gut sein lassen, was sein möchte, und dafür an meiner Regelmässigkeit arbeiten.
Auf zum Januar-Challenge also, auf in die Januar-Tage.
Die 8 im Titel steht übrigens einfach dafür, dass ich das Ganze als Fortsetzung sehe, nicht als Neubeginn.

Ich hoffe, ihr seid alle gut gerutscht! Fein und schön und ohne böse Prellungen oder unsanfte Überraschungen. Wem es nicht gut geht, dem wünsche ich von ganzem Herzen Liebe, Frieden und jemanden, der ihn/sie liebevoll begleitet. Allen, die glücklich sind oder wohlbehütet und vom Schicksal verschont, wünsche ich, dass es lange, lange, lange so bleiben möge, immer am besten.
Für mich war es ein bittersüsses Silvester-Fest. Wir feiern immer ganz gross, aber irgendwie auch ganz klein, im allerengsten Kreis der Familie, mit schrecklich vielen Kerzen und Unmengen an Süssigkeiten und anderen Leckereien (Panna Cotta!). Meistens muss eine Tischbombe sein (jedes Mal ein aufgehobenes Geschenk, das wir übers Jahr mal bekommen haben), immer Rimus und Schaumwein fürs Gläserklirren, und tatsächlich gibt es für jedes Kind ein kleines Geschenk, ein Buch meistens, einen Kalender oder ein Puzzle, zusammen mit einer Tafel der Lieblings-Schokolade und einem Fünflieber. Das muss so sein. Und so bleiben. Der Tradition wegen. Meine Oma seelig hat immer so geschenkt. Immer praktisch, mit Schokolade und einem Batzen dazu. Allerdings ist das mit dem Buch relativ variabel; in diesem Jahr fanden die jüngeren Mädchen je ein handgehäkeltes, wunderschönes Pferde-Leinchen von der „Alteposthalterei“ in ihrem Päckchen, einmal in Hellblau, einmal in zartem Gelb. Meine Grosse bekam zusätzlich zum sechsten Band von „Woowalkers“ einen zauberhaften Print von Anna Speshilova, in den sie sich neulich Hals über Kopf verliebt hatte und der so wunderbar zu meinem wilden Ronjakind passt. Kind2 wartet noch auf sein Mousepad, Kind1 bäckt sich gerade einen Toast Hawai in seinem nagelneuen Sandwich-Maker. Jawohl, manchmal verschenke ich sogar Toaster, wenn der Wunsch danach besteht. Oma wäre stolz auf mich, sehr viel praktischer geht nämlich gar nicht.
Wir hatten eine gute Zeit zusammen. Wir acht und die Nacht bei Kerzenlicht und Disco-Lampe (Muss sein. Immer.).
Das Bittere in all dem Süssen, das sich in meinem Herzen festklippte und auch heute nicht recht verschwinden wollte, kam daher, dass mir eins klar wurde: Silverster 2019 wird wahrscheinlich die letzte Neujahrs-Feier sein wird, die wir alle zusammen verbringen.
In diesem soeben angefangenen Jahr wird mein ältestes Kind 18. Volljährig. Dann muss es zu Silvester eine „epische Party“ sein -Bumdrallala- irgendwo in Zürich, im Grossstadt-Geblinke und ganz bestimmt nicht Rimus über einer Runde „Siedler“. Unser bescheidenes Feierchen, das für meine jüngeren Kinder das Highlight des Winters bedeutet, etwas, worauf sie sich vorfreuen, darauf zufiebern wie andere auf Weihnachten… das kann nicht punkten dagegen.
Klar.
Ich verstehe das.
Wie könnte ich auch nicht; ich war ja auch mal jung.
Trotzdem tut es weh, die Zeit so zerrinnen zu sehen, die Dinge sich ändern, die Menschen sich wandeln, und manches von dem, was schön ist, was mich wichtig ist und nah, ist heute bereits ein Teil von gestern.
Ich vermisse ihn jetzt schon.
Ist das normal?

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3 Kommentare zu Januar-Tage Nr.8

  1. Pellissier Yasmine sagt:

    Liebe Bora,
    Herzerwärmend wie du euren Silvester beschreibst! Hier feiern wir auch mit Rimus und im kleinen Kreis, aber es hat immer allen gefallen. Es stimmt wie du schreibst, die Zeit läuft unaufhörlich weiter und man kann sie nicht aufhalten. Und ja, es ist normal, dass du ihn jetzt schon vermisst. Aber deine Mutterliebe hört ja nicht auf und wird ihn ein ganzes Leben lang begleiten, einfach in einer anderen Form. Ich wollte dir mit grosser Verspätung noch zu deinem süssen Buben gratulieren! Leider war ich sehr krank und musste mich einer Operation unterziehen, deshalb meine Funkstille. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe fürs 2020, bleib wie du bist. Liebe Grüsse, Yasmine

  2. Romy sagt:

    Liebe Bora, es ist klirrend kalt in Berlin und dazu scheint die Sonne im schönsten Postkartenkitsch. Eigentlich MUSS man gute Laune haben und vor lauter guten Neujahrsvorsätzen durch die Gegend tänzeln…..wenn da nicht auch diese gewisse Melancholie wäre. Leben ist Veränderung heißt es. Den Kindern soll man Wurzeln UND Flügel geben. Ja ja. Wir wissen das alles. Nur , dass 18Jahre so schnell vergehen, das wissen wir zum Glück nicht. Das Schöne am Flüggewerden der Kinder ist der Raum für deine eigenen Bedürfnisse, der wieder frei wird. Bei deiner Kreativität wirst du keine Probleme haben, ihn zu füllen. Und wenn der Großsohn ab und zu heimkommt um nach dem Rechten zu sehen, schmecken sogar uns Müttern die selbstgemachten Sandwichtoasts.
    Ich wünsche dir von Herzen ein fröhliches erlebnisreiches und gelingendes Jahr. Viel Gesundheit und Schaffenskraft und…..ab und zu eine wunderschöne Notiz aus dem Hause Kirschkernzeit.

  3. Andrea sagt:

    Die Zeit so zerrinnen sehen. Ob wir das als Großfamilienmütter wohl besonders tun? Wir die wir die Baby halten und die Großen ziehen lassen müssen? Diese bittersüßen Gedanken kenne ich doch zu gut. Meine zwei Großen gehen ihre Wege schon alleine. Sind schon 18 und älter. Aber an allen Silvestern waren sie zum Abendessen da. Es gibt ja immer was besonderes. Oft Burger vom Grill mit selbstgemachten Buns. So war es auch dieses Mal. Das zieht sie an, da ziehen sie später los. Auch das Berliner Essen am Nachmittag nehmen sie mit. Ich frage sie dann gerne mal, was an ihrem Jahr schön war. Manchmal kommen tolle Sachen zustande.

    Ja ich verstehe dich gut.

    Frohes neues Jahr !

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