Eco Bag aus „Sewing Happiness“

Nachdem mein letzter Post ziemlich gewaltig ausfiel und ich euch richtig zugedeckt habe mit Worten, wird dieser Beitrag hier wohl ein bisschen spärlicher ausfallen: Der Schulstart lauert quasi gleich um die Ecke und nimmt mich ein mit Leib und Seele. Ein Wunder, dass ich überhaupt am PC sitze…
Ich fürchte mich ein bisschen vor ihm, muss ich zugeben, vor dem Schulstart, vor seinen Novums (Nova?) und Unvorhersehbarkeiten, insbesondere auch vor den unklaren Schulverhältnissen, in denen sich eines meiner Kinder gerade befindet.
Die Unruhe kam schon vor einer Woche. Und sie nahm jeden Tag ein wenig zu. Heute ist sie Anspannung pur, wie ein Seil, auf dem ich gleich meinen Tanz über der Manege beginnen soll.
Ich ziehe unbewusst alle Register: Ich räume auf, um gleichsam Ruhe und Ordnung in mir zu schaffen, was tatsächlich nicht schlecht funktioniert, aber nicht von Dauer bleibt. Ich meckere öfters als sonst an allem und jedem herum, was nun ganz und gar nicht förderlich ist und auch ziemlich unfair, ganz klar. Ich verdränge dunkle Gedanken und übe mich in Achtsamkeit. Das nützt auch nicht viel, scheint mir, denn alles, was ich beiseite schiebe, kehrt früher oder später zurück, da beisst die Maus keinen Faden ab. Bleibt nur noch, mich meinen Gefühlen zu stellen und mich endlich und wahrhaftig daran zu machen, mich darauf vorzubereiten, dass in wenigen Tagen ein neuer Abschnitt beginnt für die meisten meiner Kinder -und damit auch für mich als Mutter. Kindergarteneintritt, erster Schultag überhaupt, Sekundarschulstart, wasauchimmer.
Ich mache mich gefasst. Packe das Znünitäschli mit neuen Finken und einer neuen Brotdose und schreibe die Malschürze, eine Zahnbürste und einen Zahnputzbecher mit dem Namen meiner Kleinsten an. Ich räume das Etui meines Ehemals-Kindergartenkindes frisch ein und lege alle notwendigen Formulare zu den Pantoffeln und dem Turnsack in ihren lila Schulruckack mit dem süssen kleinen Hündchen drauf. Ich habe ein Auge auf den Velo-Kontroll-Check von Kind2, der ab Montag jeden Tag mit dem Fahrrad in die Stadt zur Schule fahren wird und lese den Stapel Infoblätter aus der Sek wieder und wieder durch, um mich innerlich zu beruhigen. Die Kinder werden gross. Die Ansprüche an ihre Selbstständigkeit und an ihre Kompetenzen generell -wie auch immer die aussehen sollen- ebenso. Mir als Mutter bleibt nur, die Abnabelung weiter zuzulassen und als vermittelndes Glied im Kind-Schul-Band stehen zu bleiben, manchmal gelassen, zufrieden, dankbar, manchmal angespannter, verunsicherter, vielleicht sogar ein wenig verzweifelt.
Es wird gut kommen.
Und Sorgen nützen sowieso nichts. (Ein Gedanke, der mir allerdings genauso wenig bringt, finde ich. Gefühle richten sich selten nach Kriterien der Zweckmässigkeit).

Nun denn. Ein weiterer Versuch, meine zeitweise tosenden Gefühlswogen zu besänftigen, hat mich einmal mehr an meine Nähmaschine geführt. Nähen hilft ungemein in emotionalen Ausnahmezuständen, scheint mir. Auch weil ich immer dermassen konzentriert bei der Sache sein muss, dass ich für eine Weile gar nicht mehr dazu kommen, mir grosse Schreckens-Szenarien auszumalen oder mich anderweitig im Schwarzsehen zu üben. Vielleicht ist es ganz gut, dass das Nähen für mich nach wie vor etwas Herausforderndes, irgendwie Grosses geblieben ist, anders als das Stricken, wo ich meistens schlichte, einfache Sachen wähle, die mir leicht genug von der Hand gehen, um dem Gedankenkarussell freien Lauf zu lassen…

Voilà: die „Eco Bag“ aus Sanae Ishidas Buch „Sewing Happiness“. Dieses Projekt hat mir auf Anhieb gefallen, schon als ich das Buch vor ein paar Jahren zum ersten Mal aufschlug. Eine simple Tasche mit japanisch-minimalistischem Design, genäht aus einem einfachen Rechteck, mit nur wenigen Nähten und ganz ohne Futterstoff. Trotzdem ist das Ergebnis sauber und elegant und vor allem durch und durch alltagstauglich. Genau diese Tasche hat mir gefehlt die letzten Wochen über. Weil sie leicht ist und leger. Weil sie sich einfach mal kurz zwischen Tür und Angel über die Schulter werfen lässt, auch im Sommer mit Trägershirt und luftigem Rock, wo es so heiss ist, dass jede zusätzliche Schicht Stoff am Leib wirklich gerechtfertigt sein muss. In dieser Beuteltasche haben mein Portemonnaie, Lippenpflege, Taschentücher, eine Flasche Wasser und ein Taschenbuch locker Platz, was sie zur perfekten Begleiterin auf Kurzstrecken-Trips macht. Oder in meinem Fall auf Stippvisiten bei der Ärztin oder in der Diabetes-Beratung. (Wie meine bleichen Wangen und farblosen Lippen offenbaren, zeigt die Eisen-Infusion noch nicht so wirklich die gewünschte Wirkung…)
Der Stoff -ein Geschenk meiner Mama, die weiss, wieviel mir handgemachte Dinge bedeuten- ist übrigens Schweizer Handwebkunst. In einem unglaublichen Muster, das vorne und hinten tatsächlich eine völlig andere Musterung hervorbringt (die Nahaufnahme mit der Häuschen-Brosche lässt es erahnen). Ich fand Sanae Ishidas Tasche deshalb so perfekt für diesen Stoff, weil ich dank dem ungefütterten Design jetzt sowohl die rechte als auch die linke Stoffseite sehen kann, und genau das war Bedingung, denn ganz ehrlich; das Webmuster ist auf beiden Seiten einfach zu schön, ich könnte mich niemals entscheiden…

 

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3 Kommentare zu Eco Bag aus „Sewing Happiness“

  1. Rosi sagt:

    eine hübsche und praktische Tasche hast du dir genäht ..
    und der Stoff ist wirklich schön

    du machst dir so viele Gedanken und so viele Sorgen
    warum hast du nicht mehr Vertrauen ..
    in deine Kinder .. in dich selber

    es ist doch nicht dein erstes Kind das in den KG geht
    und nicht das erste Kind das in die Schule kommt ?

    eigentlich solltest du dich mit deinen Kindern auf den neuen Abschnitt freuen
    sie werden einen großen Schritt in die „Selbsständigkeit “ tun
    sie werden neue „Welten“ erobern 😉
    deine „Angst“ könnte sich aber auf sie übertragen und sie bremsen
    sie haben noch feine Antennen

    ich muss da immer an meine älteste Tochter denken
    bei ihr war ja alles neu für mich und ich war unsicher und ängstlich
    das führte dazu dass sie echte Probleme hatte
    (sie ging auch nicht in den Kindergarten weil sie dort nicht bleiben wollte )
    sie wollte mir mit dem Schwesterchen helfen für dass sie sich schon irgendwie mit verantwortlich fühlte
    mit den nächsten lief dann alles schon viel besser

    hab einfach Vertrauen dass alles gut wird

    liebe Grüße
    Rosi

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich bin überzeugt, dass meine Art zu fühlen nicht dazu führt, dass meine Kinder Probleme haben; wie du richtig sagst, habe ich bereits ein paar davon und einige sind auch schon älter und keines davon ist irgendwie traumatisiert oder verstört, ganz im Gegenteil: sie wachsen zu selbstbewussten, freien, freidenkenden Menschen heran, die sich trauen, zu ihren Gefühlen zu stehen und sie auch zu zeigen, glaube ich. Auch meine Zweitjüngste, die so oft weinen musste in den ersten 1.5 Jahren Kindergarten und immer begleitet werden wollte (und wurde) von mir, hat viele ihrer Ängste und Unsicherheiten ablegen können im Laufe der Zeit. Die Kinder wissen sich (hoffentlich) verstanden, und genau das ist einer meiner Herzenswünsche.
      Ich möchte mich hier eigentlich nicht rechtfertigen dafür, wie ich empfinde. Ich möchte frei schreiben können und mich nicht soweit verbiegen, nur dass ich nur noch Oberflächliches berichte oder beim Schreiben alles rosarot färbe. Ja, ich mache mir Gedanken und Sorgen. So bin ich einfach. Ich kann nichts Schlechtes daran sehen, denn es ist ein Teil meines sensiblen Ichs. Wie ich meine Gefühle dann in Taten umsetze, wie ich sie lebe, das ist ja nochmals eine andere Sache. Aber ich bin mir sicher, dass es für ein Kind sogar eine Chance sein kann, mitzuerleben und beobachten zu dürfen, wie eine Mutter/ein Vater mit Emotionen umgeht, anstelle sie zu verstecken oder gar zu verleugnen oder sich ihrer zu schämen.
      Zudem: es ist ganz egal wie viele Kinder man hat- jedes ist einzigartig, jedes hat andere Stärken oder Schwächen und als Mutter sehe ich die sehr genau, weiss, wo es schwierig ist/werden könnte für ein Kind und wo nicht. Dass ich darüber nachdenke und emotional kein Klotz sein kann und will, das finde ich völlig in Ordnung so.
      Ich weiss, du meinst es nur gut, liebe Rosi.

  2. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    ich hab ne neue Festplatte ;-)! Mal sehen, wie sie sich entwickelt.
    Ich kann deine Gedanken und Unruhe gut verstehen. Ich bin ein Mensch, den Veränderungen (je nachdem welcher Art) oft erst ein wenig ängstlich oder traurig machen- bis sich im Nachhinein meist herausstellt, dass es doch nicht so wild war. Oder sogar schön. Oder man sich einfach an das Neue gewöhnt hat. Aber diese Unruhe davor kann ich schwer ertragen. Da wäre ich gerne etwas gelassener.
    Und Gelassenheit wünsche ich dir jetzt auch. Damit dein Baby sich nicht so aufregen muss 😉
    Das Bild von der „Tasche mit Bauch“ ist wunderschön! Wenn du auch tatsächlich etwas blass bist. Hoffentlich geht es bald Aufwärts mit deinem Eisenwert!
    Liebe Grüße!!

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