wollig empfangen

Dass ich jetzt hier sitzen und an diesem Post tippen kann, verdanke ich einzig und alleine meinem Liebsten, der dafür gerade oben bei den zwei Jüngsten auf dem Bett hockt und Gute-Nacht-Geschichten vorliest… Die letzten Tage über fielen mir, kaum waren die beiden eingeschlafen, selbst auch schon die Augen zu. Denn es ist viel los im Augenblick. So vieles, was es zu unternehmen, zu erleben, zu erledigen, auszuprobieren gilt. Entweder wir feiern gerade irgendeinen Geburtstag oder eine Hauseinweihung im Familienkreis, entrümpeln eine weitere Kommode, einen Kleiderschrank oder ein Zimmer, das irgendwie einfach nicht mehr wirklich passen will, oder wir machen uns daran, bereits halb vergessene Projekte wieder auszugraben und fertig zu stellen- wenn wir nicht bereits an etwas ganz anderem, Neuen sitzen, stricken, basteln, nähen, zimmern.
Herr Kirschkernzeit hat diese Woche den obersten Teil der Treppe und das gesamte Geländer inklusive Kellertüre frisch gestrichen.
Die Mädchen schneidern unentwegt Umhänge und Röckchen für ihre Kuscheltier-Grossfamilie oder basteln sich aus T-Shirts, Stoffresten, Karton und Gummiband Kostüme.
Die Jungs liegen entweder gemütlich an einem Badesee im Schweizer Welschland oder krank und elend mit Sommergrippe im abgedunkelten Zimmer.
Ich wiederum koche dem Kranken Suppe und Tee, rattere exzessiv mit meiner Nähmaschine herum und gebe nebenbei mein Bestes, dem Septemberkind in meinem Bauch eine warme, gemütliche Garderobe zu stricken.
Vieles ist fertig geworden.
Noch mehr wartet auf meiner Liste.
Ich scheine nicht müde zu werden, nicht wenn es um Wolle oder Stoff geht- beim Putzen und Aufräumen hingegen hält mich mein Starrsinn auf Trab. Manchmal denke ich, es muss am Nestbau-Fieber liegen. Wahrscheinlich ist es die Panik, die mich antreibt; die Panik vor dem Countdown, vor der Tatsache, dass bald  alles „anders“ sein wird, ausser-gewöhnlich, nicht wirklich vorhersehbar, aber ziemlich sicher völlig auf den Kopf gestellt- auf schöne Art und Weise wahrscheinlich, aber turbulent auf jeden Fall. Meine Arme werden dem kleinen Wesen gehören, das jetzt in mir heranwächst. Kein Platz mehr für Stricknadeln oder Rollcutter oder wasauchimmer. Ich spüre, dass ich am liebsten das ganze Haus entrümpeln, es frühlingsfrisch putzen und von A bis Z durchorganisieren würde. Ich möchte einen Keller voller Eingemachtem, eine Gefriertruhe randvoll mit Vorgekochtem, Kleiderschränke ohne zerrissene Kinderjeans und eine Garderobe, in der jeder und jede genügend passende Schuhe und Jacken für mindestens die nächste Saison findet (Ich notiere: Pantoffeln für die Schule kaufen!) Es ist ein bisschen, als müsste ich verreisen: Ich werde das beunruhigende Gefühl nicht los, irgendwas ganz Wichtiges vergessen, Elementares nicht erledigt zu haben.

Aber hey, immerhin habe ich eine „Pebble“ gestrickt! Das ist bereits schon ziemlich elementar, finde ich. So ein feines, wolliges Westchen. Das von Hand und nur mit Pflanzen gefärbte Garn von Ginny Sheller besitzt viel urchigen Charakter, ist aber überhaupt nicht kratzig, nur kraftvoll und eigenwillig, was ich sehr schön finde, in Kombination mit dem schlichten Strickmuster von Nikol Lohr. (Obwohl ich eine deutsche Übersetzung dieser Anleitung im Blog habe, stricke ich selber immer noch am liebsten nach der englischen Original-Anleitung. Die ist wunderbar kurz und knapp.) Die Garnstärke kam derjenigen der Anleitung ziemlich nah, und weil ich mich strickt an die angegebene Maschenzahl gehalten habe, ist meine „Pebble“ auch erwartungsgemäss klein geworden, genau so wie ich sie haben wollte, denn mein Baby soll am liebsten gleich nach der Geburt hineinpassen. Mit warmen, wolligen Schichten empfangen zu werden, das stelle ich mir wunderbar vor.
Bereit liegen nun eine kuschelig weiche „Puerperium Cardigan“, ein klitzekleines Zwergenmützchen, eine winzige, dunkelgraue Strampelhose und …

… seit kurzem ein Paar gestrickter Woll-Stiefelchen in der unglaublichen Miniaturgrösse, die man sich denken kann, gestrickt aus den Garnresten meiner Ginny-Sheller-„Pebble“-Weste. Nur mit dünneren Nadeln, damit die Pantöffelchen auch stramm sitzen und nicht sofort wieder verloren gehen, sobald das Baby mit den Beinchen strampelt. Weil ich aber weiss, wie effektvoll diese Babystrampelei wahrscheinlich sein wird, und wie schnell so ein Strickschuh nicht mehr am Füsschen sitzt, sondern irgendwo anders, habe ich vorsorglich eine Reihe Lochmuster gearbeitet, damit ich allenfalls ein unterstützendes Band einziehen kann. Doch vorerst lasse ich alles, wie es ist. Schlicht und reduziert. So wie ich es am liebsten mag.
Die Schühchen sind satt gearbeitet und ziemlich klein, ich denke, sie könnten auch so recht gut passen, die erste Zeit zumindest, bevor sie zu klein sein werden oder die Füsschen zu gross und ein neues Paar an der Reihe ist, gestrickt und getragen zu werden.
Ein weiterer Punkt auf meiner niemals enden wollenden Wanna-do-Liste, nehme ich an.
Nun, eigentlich freue ich mich direkt darauf…

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Ein Kommentar zu wollig empfangen

  1. Katharina sagt:

    Ich habe immer wieder Freude, wenn ich eins meiner Geschöpfe bei dir entdecke.
    Alles Liebe, Katharina

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