in progress

Phu! Diese Hitze! Auch wenn ich den Sommer lieben gelernt habe und Sonne, Licht und Wärme mir eigentlich wirklich zutiefst wohl tun; was zu viel ist, ist zu viel. Da ich kein Muffin bin, bringen mich diese Backofen-Temperaturen doch langsam an meine Grenzen, vor allem auch, weil sie sich ananeinder reihen wie Schokohasen auf dem Fliessband und momentan auch die Nächte kaum Abkühlung bringen…
Ich spüre, wie eine altbekannte Nervosität von mir Besitz ergreift. Wie immer, wenn ich mich unwohl fühle, beginne ich, aufzuräumen, auszusortieren, nach Ballast zu suchen, den ich abwerfen könnte, in der Hoffnung, innerlich wie äusserlich Ruhe und Frieden zu finden. Ein Trugschluss. Auch wenn ein sauberes, ordentliches Zuhause und minimalistische Räume mein Innenleben ein Stück weit aufgeräumter zurück lassen, bleibt es trotzdem bloss Symptom-Bekämpfung. Das was ich wirklich bräuchte: Zeit für mich, mehr Schlaf, mehr Strukturen in meinem Alltag, Erfolgserlebnisse, die mich nähren, Wertschätzung, Abwechslung, mehr Berührung mit der Natur… all diese kann kaum mit Entrümpeln kompensiert werden. Obwohl es ganz klar ein Anfang sein kann.
Vielleicht gehe ich heute abend einfach mal wieder um 21 Uhr ins Bett und gönne mit die volle Dosis Schönheitsschlaf…
Gleich nachdem ich die Küche geputzt, eine Tasche mit Kleinkram fürs Brockenhaus gefüllt und meine To-do-Liste für den Rest der Woche geschrieben habe. Ich meine, selbst wenn es bloss Symptome bekämpft, kann Ordnung schaffen eigentlich nie falsch sein, oder?
Und weil ich gerade so wahnsinnig grosse Lust aufs Stricken, Nähen und Leeren meiner Stoff- und Wollvorräte habe, kommt auch das eine oder andere kreative Projekt auf meine Liste. Wollt ihr mal kiebitzen?

Die Geburtstags-Saison bricht hier gerade an: Meine Mutter, meine Schwester, zwei meiner Töchter und Kind1- alles beinahe-bis-waschechte Juli-Kinder. Und Geburtstage machen mich immer nervös, immer kribbelig, weil ich mich schrecklich fürchte vor misslungenen Torten, vergessenen Einladungen, nicht fertig gewordenen Geschenken, davor, zu enttäuschen. Ich möchte es so gerne richtig machen. Freude bereiten, Glitzeraugen und ein Strahlen auslösen, meine Liebe sicht- und fühlbar machen.
Die Fotos oben zeigen ganz bestimmt nicht lauter Dinge, an denen ich gerade arbeite. So viele Stunden hat kein Tag, auch meiner nicht, denn der wird durch Mittagessen-Kochen und ein wenig Kuscheln vormittags im Bett mit meiner gerade erwachten kleinen Maus schon in der ersten Hälfte zerschnitten und anderweitig beansprucht.
Aber es sind Sachen, an denen ich herumhirne. Die mich innerlich umtreiben, manche gerade mehr, manche etwas weniger, und auch diese Proportionen varieren, je nach Tageszeit und Gefühlszustand.
Im Augenblick sind es klar die Kuchen, Torten und Cookies-Rezepte, die mich auf Trab halten. Für meine Mama habe ich gestern Leila Lindholms „Blondies“ gebacken, und mein Kindergartenmädchen wünscht sich Chocolate-Chip-Cookies für ihre Feier morgen im Kindergarten. Mit diesem Rezept hier komme ich ganz gut zurecht (danke, Tiny Happy!), und weil ich sowieso gerade ein, zwei Bleche davon zu Test-Zwecken machen wollte, habe ich einfach einen grossen Happen Teig in den Tiefkühler gestellt und drücke mir nun selbst die Daumen, dass ich heute abend damit noch ordentliche Plätzchen für morgen hinkriege.
Für ihre grosse Party am Freitag hingegen wünscht sich meine Kleine eine Erdbeer-Pavlova. So wie jedes Jahr. So wie fast alle meine Kinder es tun, seit ich mich zum allerersten Mal an Meringues gewagt habe. Ich sollte also so langsam Übung haben. Habe ich aber nicht. Ganz im Gegenteil; die Resultate waren jeweils derart verschieden, von „innen klitschig“ bis „hoffnungslos vertrocknet und brüchig“, dass meine Unsicherheit nur gewachsen ist mit der Zeit. Dieses Mal werde ich die Back-Temperatur reduzieren und das Baiser langsam, dafür sehr lange trocknen lassen. Ich habe gelesen, dass das ein besonders schönes, weisses Meringue ergibt und den Innenbereich schön zäh erhält. Hoffen wir mal das Beste. Sonst kommt einfach extra viel Sahne-Mascarpone-Creme mit doppelt so vielen Erdbeeren drauf gekleckst…

Was die Strickprojekte angeht: Zwei davon sind bisher erst Wolkenschlösser. Ein „Louise Top Down Sweater“ aus Carrie Bostick Hoges Buch „Anthology 2“, das mich wirklich restlos begeistert mit seinen vielen, schlichten absolut tragbaren Strickmustern. Und „Playdate“, ein kleines, feines Sommermorgen-Jäckchen von Tincanknits, das ich gerne aus zwei Strangen fingering weight Seide-Leinen-Garn vom mittlerweile Konkurs gegangenen Schweizer Label „Siidegarte“ stricken möchte. Das Garn ist leicht und luftig, aber sein Karma betrübt mich: Mich machen solche Konkurs-Schicksale immer ein wenig traurig. Eingegangene Unternehmen bedeuten verlorene Träume und viel geweintes Herzblut, eine kleine Tragödie. Gut wenn ich dieses Garn weggestrickt habe. Es bedrückt mich irgendwie, es so nutzlos in meinem Wollregal liegen zu sehen…
Gut fühlt sich hingegen mein knallblaues Wollprojekt an, an dem ich gerade in jeder auch nur ansatzweise freien Minute herumnadle: Eine „Milo“ für meinen kleinen Neffen. Ich bewundere seit jeher die Milo-Westchen, die „Frontier Dreams“ für ihren Jungen gestrickt hat, und selbst wenn Zopfmuster nicht wirklich mein Ding sind, gefällt mir das Strickmuster von Georgie Nicolson richtig gut, weil es auch ganz schlicht glatt rechts gestrickt prima aussieht. Nicht zu vergessen so kraus und abwechslungsweise in zwei Farben gearbeitet, wie Nicole diese Weste damals fabriziert hat.

So. Jetzt wisst ihr alles. Oder doch nicht? Halt, stimmt ja- da hat sich ja noch ein Nähprojekt eingeschlichen! So was auberginenfarbenes, nicht allzu grosses… Aber davon erzähle ich dann ein anderes Mal…

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Dieser Beitrag wurde unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, ein Bild erzählt, Familienalltag, Jahreszeiten, Kochen und Backen, kreativ am Rande, Rezepte, Stricken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Kommentare zu in progress

  1. Rosi sagt:

    versuche mal die Energie die du verwendest um dir Sorgen zu machen
    in deine Projekte zu stecken 😉
    und vor Allem:
    DU MUSST nicht PERFEKT sein !!!!!
    es wird dich keiner weniger lieben wenn der Kuchen nicht 100 % gelungen ist
    wenn das Eine oder Andere nicht fertig wird
    befreie dich von dem Druck
    du wirst sehen dann läuft es viel besser
    du enttäuscht niemanden wenn du nur einfach für ihn da bist
    wenn du entspannte Zeit schenkst
    und nicht eine gestresste Mama bist mit perfektem Kuchen
    die Hauptsache ist doch dass sie Spaß haben und der Kuchen schmeckt egal wie er aussieht 😉
    man kann auch mal einen Kuchen beim Bäcker holen 😉

    für deine angefangengen Projekte wünsche ich dir Ruhe und Muße .. 😉

    alles Liebe
    Rosi

    • kirschkernzeit sagt:

      Vielen Dank für dein Feedback, liebe Rosi! Ich freue mich sehr, dass die Commentspalte dieses Mal nicht ganz leer geblieben ist 😉
      Ich weiss ja eigentlich schon, dass es nicht die Torte und die Geschenke sind, die zählen… Ich hatte ja jetzt auch schon 17 Jahre Zeit, das mit den Kinder-Geburtstagen zu „analysieren“ 😉
      Aber ich glaube, es geht mir auch im Grunde nicht nur um das, was ich selber verpatzen könnte, mehr darum, dass es hald einfach insgesamt ein schöner Tag werden soll für das Geburtstagskind, und die einzelnen Dinge sind mehr die Manifestation dieser Hoffnung/Sorge… Falls das jetzt Sinn macht für dich. Klar, Kuchen könnte ich kaufen. Aber wieso sollte ich? Ich backe nicht ungern und wie sind hier ein bisschen sowas wie Kuchen-Snobs; es geht nichts über hausgemacht. Ich werde nervös, ja, ich komme auf Trab, ja, aber das ist okay so für mich: Immer wenn etwas ansteht, bekomme ich dieses Kribbeln und Gedanken mache ich mir ohnehin sehr, sehr rasch… das liegt ganz einfach in meiner Natur. Und so ein bisschen Adrenalin ist ja an sich nichts Schlimmes, finde ich. Wahrscheinlich ist das alles ganz normal; ein wenig Anspannung und Aufgeregtsein gehört glaube ich dazu, sobald man etwas Besonderes plant…
      Wo ich aber sicher aufpassen muss, da hast du völlig recht; dass das KIND im Fokus bleibt. Und nicht zB. der Besuch, den ich ja mit einer superklasse Torte und einem piekfein aufgeräumten Haus beeindrucken könnte. Das muss ich mir immer wieder vorsagen und bewusst machen: Lieber mehr Gelassenheit und Zeit und Kraft für das Geburtstagskind und das Zwischenmenschliche, anstatt alles in „Dinge“ zu investieren (eben der Kuchen, die geputzte Küche etc). Schwierig finde ich es auch, erwachsene Gäste zwar gastfreundlich und aufmerksam zu bewirten und mich mit ihnen zu unterhalten, aber gleichzeitig auch darauf zu schauen, dass das Kind nicht untergeht. Das passiert einfach wahnsinnig schnell, vor allem wenn sich die Gäste länger nicht gesehen haben und nur noch mit sich selber beschäftigt sind. Du kannst es dir sicher vorstellen, gell… In diesem Jahr habe ich mir geschworen, dass ich ein Auge darauf halte. Dass zB. zwischendurch jemand mit den Kindern auf den Spielplatz geht (das lieben sie!) oder ein Buch vorliest oder so. Auch das macht mich im Vorfeld etwas nervös, ich gebe es zu. Aber ich glaube, das ist wie Lampenfieber: auf diese Weise bleiben meine Sinne geschärft 😉

  2. Anna sagt:

    Zum besseren Aushalten der Hitze: feuchte Mullwindeln! In den Nacken legen, über die Beine, übers Gesicht bei einer kleinen Pause… Manchmal das Einzige, das etwas Erleichterung verschafft. ich bin schwanger oder stillend sooo schrecklich hitzeempfindlich (gewesen). Ich fühle mit dir!

    Lieben Gruß, a.

    • kirschkernzeit sagt:

      Vielen Dank! Ich bin sonst ja nicht so zimperlich, was Hitze angeht… 😉 Da ich das grosse Glück habe, zuhause bleiben zu dürfen, kann ich auch jederzeit kurz unter die kalte Dusche und mir auch die Haare nass machen: das wirkt auch Wunder! Mir tun vor allem die Menschen leid, die den ganzen Tags ausser Haus sein müssen, womöglich noch lange Phasen in dicht gepackten Verkehrsmitteln…

      • Anna sagt:

        Gerade erst sehe ich, dass mein Kommentar doch angekommen ist – anfangs wurde er nämlich erstmal nicht angezeigt.
        Ja, ich war/bin auch immer sehr froh darüber, bei so einer Hitze nicht den ganzen Tag unterwegs sein zu müssen… und eine lauwarme Dusche hilft mir auch, danke fürs dran-erinnern.
        Mein erster Sommer nach einige Schwangerschafts- und Stilljahren – zum ersten Mal merke ich wieder, dass ich Hitze doch ganz gut vertrage!
        Alles Gute Dir!

  3. andrea sagt:

    liebe bora,
    ich glaube, es ist bei hochsensiblen menschen nur bedingt möglich, diesen prozess energetisch umzuleiten (so wie rosi es vorgschlagen hat) sie sind einfach so gestrickt, dass sie vor aussergewöhnlichen ereignissen unruhiger werden und auch vielleicht hirnsausen davon kriegen anstatt zum beispiel zu schlafen. hinzu kommt der wunsch, alle belange und bedürfnisse im auge zu behalten, es einfach gut zu machen (das hat in meinen augen nichts mit perfektion zu tun). das kann man nicht einfach abschalten oder umlenken. nur akzeptieren und vielleicht durch sanfte entspannungsübungen und eine intensivere selbstfürsorge ein bisschen mildern bzw. in der wirkung abfedern. du machst das gut!

  4. Pingback: Milo |

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