Für mein Baby: „Beyond Puerperium“ und ein Zwergenmützchen ganz in Natur

Diese Woche war im Handumdrehen vorbei. Ein Augenzwinkern lang bloss. Die freien Tage fühlten sich an wie Ewigkeiten, so als würden sie für immer bleiben… und nun, wieder hineinkatapultiert in den Kindergarten-Schul-Alltag, strample ich verzweifelt vor mich hin und hoffe, dass mir nicht die Puste ausgeht.
Gerade heute verspüre ich das unbändige Verlangen danach, einfach nur… allein zu sein. Für mich und in aller Stille. Ich sehne mich danach, mich kopfüber in irgendwelche kreativen Pfützen zu werfen und mich treiben zu lassen im Flow des Machens und Spielens. Strickend. Nähend. Gärtnernd. Sirup-Kochend. Egal wie. Einfach schöpferisch.
Ich brauche das so dringend.
Nun, es soll wohl nicht sein. Also nicht so ausschliesslich und versunken, wie ich es gerne hätte. Es sind zwei Kundinnen angemeldet, drei oder vier der jungen Meerschweinchen ziehen heute in ein neues Zuhause. Der Garten ist pitschnass vom Pfingst-Regen der letzten Tage und der Holunder sowieso bereits halb verblüht (Gottseidank hat mein Liebster ein paar Flaschen Sirup davon eingemacht! Ein Jahr ohne Holunderblüten-Sirup ist ein trauriges Jahr, finde ich.) Unten liegt nasse Wäsche am Boden unter einem übervollen Trockengestell, und jeder einzelne Raum dieses Hauses schreit geradezu nach Wischwasser und Staubsauger…
Kein kreatives Insel-Dasein also heute für mich. Aber vielleicht ja ein, zwei, drei, vier oder vierzehn Reihen Pullover-Stricken? A girl can dream, can’t she?

Ein bisschen Trost und Hoffnung auf andere Zeiten schenkt mir ja dieser Anblick hier: ein winzigkleines Jäckchen, ein minikleines Mützchen, beides wunderbar naturbelassen und so klein, dass mein Baby nicht allzu lange wird warten müssen, bevor es hineinpassen wird.
Ich stricke gerade wahnsinnig gerne. Und wahnsinnig gerne klein. Es wird wohl das letzte Mal sein, dass ich so etwas Winziges in meinen Armen halten werde, irgendwann dann im September, und ich wünsche mir, noch so viele Babypulloverchen, Mützchen und Strampelhöschen für dieses Kind zu stricken, wie ich nur kann. Es kommt mir vor, als müsste ich ganz bewusst durch diese Zeiten gehen, all diese letzten Male mit allen Sinnen ver-innerlichen und ausschöpfen, und obwohl ich im Augenblick wirklich kaum ein Fünkchen Wehmut verspüre, vielmehr… eine Art dankbare Erleichterung, eine erleichterte Dankbarkeit, ahne ich heute schon, dass diese Gefühle sich nach der Geburt noch ändern werden.
Abschiednehmen ist niemals leicht.
Also stricke ich.
Und freue mich.
An dem was kommt, aber auch an dem, was vorbeigehen wird. Es kommt die Zeit für anderes. Und obwohl ich mich auf dieses Baby jeden Tag ein klein wenig mehr freue, spüre ich auch, dass ich bereit bin, mit diesem Lebensabschnitt abzuschliessen. Bereit für das andere. Das Muttersein mir davon-wachsender Kinder.

Dieses Jäckchen -eine „Beyond Puerperium“ von Kelly Van Niekerk- verkörpert ein paar meiner Strick-Leidenschaften: biologische Wolle seltener Schafrassen (60 gr. „Rosy Green Manx Merino Fine“), sanfte Naturtöne (hier das softe „Norfolk Holz“, das ich wirklich gerne mag), Handwerkskunst in den Details (Jim Knopf Kokos-Knöpfe!) und schlichtes, aber durchdachtes, raffiniertes Strickdesign.
Ich habe die zweitkleinste Grösse gewählt und mit Nadelstärke 3 gearbeitet. So fiel das Maschengeflecht recht fein aus, was ein Plus an Elastizität bietet und mir umso schöner erscheint für so ein kleines Persönchen, das das An- und Ausziehen wahrscheinlich nicht unbedingt schätzen wird…

Das Zwergenmützchen wiederum ist aus der anderen, aber ähnlichen Garnreihe von Rosy Green gestrickt: Aus der „Heb Merino Fine“ ebenfalls im Farbton „Norfolk Holz“. Hier habe ich auch eine Nadelstärke 3 gewählt und 98 Maschen angeschlagen. Weil ich das Bindeband in meiner Anleitung definitiv zu kurz finde, ist es nun an die 45 cm lang, was hoffentlich ausreicht für so eine Babygrösse.
Dieses Garn ist leicht kratziger als sein Fast-Zwillings-Bruder „Manx Merino Fine“, irgendwie starrer in seiner Struktur und auch die Farben kommen mir kühler vor und weniger satt. Ich glaube, ich würde nicht unbedingt wieder damit stricken. Mir hat es einfach zu wenig… Lieblichkeit an sich.
Die „Manx Merino Fine“ hingegen kann ich nicht genug loben! Weich, aber natürlich, schön elastisch mit angenehmem Fall, ein Garn, dem man die raue, windgepeitschte englische Landschaft mit all seiner ursprünglichen, kargen Schönheit bei jedem Handgriff anmerkt.
Wunderbar!
Ich mag es, wenn die Dinge ihre Seele durchscheinen lassen. Und diese zwei kleinen Wollsachen, die allerersten Stücke, die für das kleine Strampelwesen in meinem Bauch entstanden sind, haben eine Aura von… Hoffnung und Bodenständigkeit, finde ich. Unaufgeregt. Nichts wirklich Neues.
Aber genau darum willkommen und schön in meinen Augen.

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3 Kommentare zu Für mein Baby: „Beyond Puerperium“ und ein Zwergenmützchen ganz in Natur

  1. Steffi Appelles sagt:

    Liebste Bora,
    Du weißt schon, dass Du uns dann ein Foto mit dem kleinen Mäuschen in den herzallerliebsten Sachen machen musst, wenn es denn soweit ist, irgendwann im September:-).
    Ich freue mich für Dich. Ich freue mich, dass es Dir wieder besser geht, dass Du wieder kleine Projekte anpacken kannst. Ich kann Deine Sehnsucht nach schöpferischem Tun nur allzu gut nachvollziehen. Ich sehne mich auch oft nach einem Nachmittag zuhause, nur um in Ruhe und ganz alleine, aufzuräumen, auszumisten, umzustellen…in Ruhe etwas leckeres zu Essen zu machen…Diese Zeiten werden wieder kommen….

    Ich drücke Dich ganz fest!
    Deine Steffi aus Bremen, die sich viel zu lange rar gemacht hat.
    ps: ich freue mich schon, wenn meinem kleinen Linus zu Zwergenmütze passt, die Du damals vor sechs Jahren für Junis gestrickt hast. Die von Nellie wird im im Herbst auf jeden Fall passen.

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Steffi! Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue, von dir zu lesen!!! Es hat etwas besonders Intimes, wenn ich von Frauen lese, die ich schon so viele Jahre lang „kenne“… Brauchst du denn noch ein Mützchen? Vielleicht schaffe ich noch eins vor das Baby kommt? Schreibst du mir, was du brauchen könntest bzw. woran du Freude hättest?

  2. Pingback: wollig empfangen |

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