Meerschweinchen, Plätzchen und ein wenig Sonnenschein

Es gab sonnige Tage, es gab Regentage. Der grosse Sporttag unserer Schulhäuser fiel immerhin auf einen sehr warmen, trockenen, hellen Tag und die Kinder hatten viel Spass beim Postenlauf und Spielenachmittag. Ich merke immer, wie ich mich augenblicklich entspanne, wenn ich sehe, dass alle sich wohlfühlen, und als selbst mein sensibles Kindergartenkind in diesem Jahr richtig freudig und beschwingt am Morgen in Richtung Schul-Sportplatz loszog -eine Angelegenheit die sie letztes Jahr viele Tränen und mich ein Stückchen Mamaherz gekostet hatte- war ich einfach nur dankbar und zufrieden.
Kinder gehen zu lassen, loszulassen, sie wachsen zu sehen und selbstständiger werden, ohne mich, meinen Schutz und Rat… das fällt mir so viel leichter, wenn ich weiss, dass sie sich den Dingen gewachsen fühlen und wirklich bereit sind für nächste Schritte. Gerade mein Kindergartenkind macht mir viel Freude, was das angeht: Seit ein paar Monaten wirkt sie lebhafter und aufgeschlossener im Umgang mit anderen Kindern. Sie verlässt das Haus morgens mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und winkt mir fröhlich zu zum Abschied. Kein Zögern, kein Abschiedsschmerz. Ich glaube, jetzt ist sie gerne im Kindergarten. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

An einem weiteren Sonnenfrühlingstag (herrlich!) kam ein nächster Wurf Meerschweinchen-Babies zur Welt. Kleine, lustige Tapser, die rennen können wie Wiesel, wenn es sein muss. Wir haben in diesem Jahr viele schwarz-weisse Tiere, die meisten mit dem schönen, lebhaften Fellwuchs ihres wunderhübschen Papas „Panda“ (ein paar helle und sogar eines, das ein bisschen aussieht wie ein Iltis sind auch dabei). Ich hoffe, dass den Leuten diese Färbung genauso gut gefällt wie mir und dass alle diese kleinen, süssen Pelz-Knäuelchen ein gutes Plätzchen finden. Wir haben einige Meerschweinchen-Halter in der Region, die alte Ställe oder Scheunen oder auch nur ihren Garten zu wahren Meerschweinchen-Paradiesen umbauen, wo die Tiere draussen sein können, um zu weiden und sich richtig auszutoben, aber auch Schutz und Schatten finden in überdachten Bereichen. Vor allem aber haben sie an solchen Orten meistens Platz. Auch für grössere Grüppchen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig ich diesen Punkt finde. Das Verhalten eines Meerschweinchens verändert sich radikal, sobald es sich mit seinen kleinen Artgenossen-Kumpels im Freien oder auch einfach nur in einem wirklich grossen Gehege tummeln darf. Aus den ruhigen, unscheinbaren Tieren, werden dann plötzlich lebhafte Gesellen, denen man die Lebensfreude förmlich ansieht- ganz besonders wenn junge Tiere dazu kommen, habe ich gemerkt. So ein paar Meerschweinchen-Kinderchen mischen die Gruppe neu auf und bringen irgendwie… ja, ganz neue Energie hinein. Unser kastrierter Bock „Tupf“, der in der Weibchengruppe für Recht und Ordung sorgt, empfindet es zum Beispiel als seine Pflicht, „verloren gegangene“ Babies, die auf der grossen Wiese ihre Mama nicht gleich finden und herzzerreissend fiepend umherirren, zurück zur Herde zu bringen. Wie ein Lauffeuer kommt er angesaust und kehrt dann -schwupps- mit dem Jungtier im Schlepptau zurück zur Gruppe. Süss ist das! Und „Tupf“ scheint seine Aufgabe richtig zu geniessen, wie mir scheint. Es ist wohl wie bei uns Menschen auch; Generationen können sich richtig gut tun gegenseitig!

Im Moment will das mit dem Morgenposts-Schreiben irgendwie noch nicht so richtig klappen. Spätestens eine halbe Stunde, nachdem mein Kindergartenkind fort ist, wird meine Kleinste wach. Und aus ist’s mit der stillen Zeit. Aber naja. Essen wir eben zusammen Frühstück. Sie am liebsten gebutterten Zwieback und ich ein Gläschen hausgemachten Joghurt, nature, ohne Zucker und gar nix. Seit dieser Woche haben wir wieder eine Joghurtmaschine, so eine Box, die eine eingestellte Temperatur über einen festgelegten Zeitraum hinweg aufrecht erhält und so die idealen Bedingungen schafft, damit die Bakterien ihre Arbeit machen und aus Milch frischen, guten Joghurt machen können. Im Grunde würde es auch im Backofen gehen. Oder sommers in Wolldecken gewickelt an der Wärme (aber im Schatten). Doch dazu konnte ich mich nie aufraffen; mir war das einfach immer zu unsicher.
Vor Jahren brachte ich einmal eine Joghurtmaschine vom Trödler nach Hause, ein uraltes Ding, aber sauber und im Originalkarton aus den 70ern. Ich fand das Ganze richtig toll und fühlte mich als halbe Selbstversorgerin- solange bis das Ding seinen Geist aufgab und der Joghurt nicht mehr fest werden wollte. Nach jahrelangem Zögern -ich mag es einfach gerne schlank, was meinen Besitz an Haushaltsmaschinen angeht- fand ich dann aber: doch, wir brauchen nochmals so ein Teil. Der Berg an Joghurtbecherchen, der jede Woche bei uns in den Abfall wandert, ist einfach zu gross. Und im Gläschen gibt es hier im Dorfladen bloss Schokolade und Mocca, und diese Gläser sind a) ordentlich teuer (aber lecker!) und müssen b) mühsam zur Glassammlung gebracht werden.
So entsteht jetzt Joghurt in der eigenen Küche, und überraschenderweise scheinen ihn alle zu lieben! Die Kinder rühren Ahornsirup, Birnel oder flüssigen Honig darunter, wenn ich Schokojoghurt möchte, rühre ich Zucker und Schokoladenpulver ein. Für meinen in der Schwangerschaft noch empfindlicher gewordenen Magen allerdings lasse ich ihn ungesüsst. Ich habe das Gefühl, es tut mir richtig gut, ein bis drei Gläschen davon über den Tag verteilt zu löffeln. Der Joghurt ist mild, nicht so sauer wie gekaufter, und ich vertrage ihn sogar auf nüchternen Magen wirklich problemlos. Darüber bin ich wahnsinnig froh; zeitweise weiss ich nämlich kaum mehr, was ich essen oder trinken soll, jetzt wo auch noch Sodbrennen langsam dazukommt. Besonders das Trinken stellt ein Problem für mich dar; Wasser verstärkt die Übelkeit, süsse Getränke wiederum übersäuern meinen Magen (byebye geliebter Sirup *snif*), Fruchtsäfte genauso, Tee geht mal, mal geht er nicht, und auch der bittere Kakao, der mich über Monate jeden Morgen begleitet und genährt hat, widersteht mir mehr und mehr. Manchmal mache ich mir einen Smoothie aus dem Obst, das wir gerade zuhause haben und verdünne ihn dann stark. Ein halber Apfel, zwei schrumpelige Orangen, eine Banane und viel Wasser- das mag ich eigentlich ganz gerne. Manchmal kommen Beeren dazu, Früchte aus dem Tiefkühler, denn Orangen und Bananen liegen an sich nicht so oft in der Obstschale.
Ich freue mich jetzt schon auf die Sommer-Obst-Palette, auf Pfirsiche, Aprikosen, Himbeeren und Erdbeeren aus der Region oder auf eiskalte Wassermelonen! Auf Süsses, das meinem Körper wohl tut, anstatt ihn zu belasten.

Bei den herrlichen Haferkekse von den Naturkindern muss ich mich auch gewaltig am Riemen reissen und stark bleiben, was echt schwer ist, denn diese einfachen Plätzchen aus wenigen Zutaten sind einfach unwiderstehlich gut und ratzfatz gemacht, aber eben süss und darum (im Augenblick) eine Herausforderung für meinen Magen. Nicht alle meine Kinder mögen sie, den einen ist der Hafer ein Dorn im Auge, den anderen die gute Buttrigkeit, aber das kümmert mich und den Rest der Familie wenig. So haben wir nämlich mehr davon (bzw hätten in meinem Fall *jammer*). Vorgestern habe ich Kind1 eine kleine Tüte dieser Plätzchen in die Hand gedrückt, als er morgens wie gewohnt auf den Zug sprinten musste. Er kam abends nach Hause und meinte: „Die Kekse, die du mir mitgegeben hast, die waren… richtig gut!“ Das klang zwar fast beleidigend erstaunt, aber mich hat es sehr gefreut; ein Grund mehr, dieses wunderbare Rezept definitiv in die Familiensammlung aufzunehmen. Dankeschön, Caro!

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