Wolliges im Entstehen

Ich finde es zwar selber langsam peinlich, dass ich offenbar jeden Post damit beginne, indem ich lang und breit erkläre, wieso schon wieder so viel Zeit vergangen ist, seit meinem letzten Eintrag, aber irgendwie ist es schon so; ich möchte so gerne öfters schreiben und es tut mir einfach auch leid, dass ich es im Moment nicht einmal schaffe, eure lieben Kommentare (so freundliche, herzliche Worte!) zu beantworten… Die Zeit rast einfach. Und mein Körper ist so was von endlich, so begrenzt gerade in seinen Kapazitäten… Damit hadere ich. Aber es bleibt wie es ist: Manches muss man einfach annehmen.
Dabei scheint es jetzt wirklich langsam aufwärts zu gehen! Die letzte Woche machte mir zwar eine hartnäckige, starke Erkältung das Leben schwer und ich hatte häufig Kopfschmerzen, so dumpfe, drückende, die ich einfach nicht loswurde. Gleichzeitig aber ging die Übelkeit Schrittchen für Schrittchen zurück. Gestern und heute blieb sogar das morgendliche Erbrechen aus und ich fühle mich -zumindest phasenweise- wirklich wieder wohler in meiner Haut! Den Plan mit der Akupunktur hatten meine Erkältung und die damit einhergehende Schlappheit ins Stocken gebracht, im Moment aber sieht es fast so aus, als wäre es gar nicht mehr nötig, was mich richtig freut, denn es ist so schön, so grossartig, sich einfach nur ganz normal fühlen zu dürfen!

Was ich zudem gerlent habe in der letzten Woche: Es ist nicht die Zeit für nachmittägliche Schreib-Zeiten. Nachmittags und auch vormittags sind die Kinder, vor allem meine Jüngste schlichtweg zu präsent, dann scheint es so gut wie unmöglich, mich ganz bewusst auszuklingen und in aller Ruhe ein paar Zeilen zu verfassen. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren. Und werde dauernd unterbrochen. Das war tatsächlich auch schon anders, aber das Pendel schwingt hier hin und her und die Dinge verändern sich ständig. Gerade schläft meine Kleinste, die immer ein bisschen Gesellschaft braucht und sich gar nicht gerne allein beschäftigt (deshalb meine „vollen“ Vormittage), bis vielleicht um 9:00 oder sogar länger (manchmal auch kürzer, aber das ist selten), was bedeutet, dass die Zeit, kurz nachdem ich mein Kindergartenkind in den Kindergarten verabschiedet und ihr ausgiebig hinterher gewinkt habe, wahrscheinlich genau die Zeit-Oase bildet, die ich pflücken sollte. Warum auch nicht?
Schreiben am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, hab‘ ich Recht?
Allerdings gibt es da ein wenig Konkurrenz. Stricken zum Beispiel. Ich stricke nämlich auch sehr gerne ein wenig vor mich hin, wenn es so schön still und friedlich ist im Haus…

 

Babyjäckchen zum Beispiel. Nachdem ich zuerst lange Zeit kaum ein Zentimeterchen vorankam, wuchs diese „Beyond Puerperium Cardigan“ aus „Rosy Green Manx Merino Fine“ am Muttertagswochen-Ende, an dem es mich gesundheitlich praktisch für Tag und Nacht ins Bett oder aufs Sofa warf, plötzlich bis fast zum unteren Abschlussbündchen. Auch wenn dieses Projekt mit seinen 28 Maschen pro 10 cm wirklich die Grenze an Feinheit bildet, die ich zu stricken bereit bin, liebe ich dieses Jäckchen jetzt schon über alle Massen. Die Wolle vor allem. Sie ist so wunderbar… wollig. Wenn ich sie beim Stricken in meinen Händen halte, fühlt sich das fantastisch an, wie Natur pur zwischen meinen Fingern, weich irgendwie, ohne flauschig zu sein. Und so schön schlicht. In allen Bereichen. Ich wüsste jetzt nicht, ob ich dieses Garn direkt auf empfindlicheren Hautpartien tragen würde. Wahrscheinlich eher nicht, das wird sich nach dem Waschen noch zeigen. Als Jäckchen aber finde ich die „Manx Merino Fine“ wirklich perfekt, angenehmer auch als ihr Schwester-Garn „Rosy Green Heb Merino Fine“, aus dem ich vor einer Weile ein klitzekleines Zwergenmützchen gestrickt habe.

Gestrickt habe ich noch nichts aus diesem herrlichen Strangen von „Little Meadows“.  Aber ich würde es gerne. So schrecklich gern. Eine Mütze für mich vielleicht? So was wie „Quill“ aus Taproot , die ich vor langer Zeit einmal für meine Grosse gestrickt habe und immer noch richtig gerne mag. Die Lauflänge des Garns würde passen. Die Farbe auch. Mal sehen, was kommt…

Sehr viel weiter bin ich dafür mit meinem „In Stillness“-Pullover von Alicia Plummer. Vorletzte Woche habe ich den ersten Ärmel abgekettet -das Bauchteil ist bereits länger fertig- und das Ganze sofort ins Wasserbad gegeben, weil ich fast schon schmerzhaft unsicher war, wie weit das Gestrick noch auseinander gehen würde nach dem Waschen und keine grosse Motivation verspürte, zum Schluss dann an drei Enden wieder aufzulassen und von neuem fertig zu stricken, bloss weil plötzlich die Arme zu lang oder der Bauchteil eben doch zu kurz geworden sind. Aber: Alles tiptop. Bauch und Ärmel enden genau da, wo ich es mir gewünscht hatte (die Tosh DK lockert sich auch hier bei mir nach dem Waschen noch ein rechtes Stück) und in die Farbe „Tannenbaum“ bin ich auch heute noch derart vernarrt, dass ich mich dabei ertappe, wie ich Kleidungsstück um Kleidungsstück in Grün zusammensammle und mir überlege, welches grüne Schmusegarn wohl farblich zu diesem Pulli passen könnte. Eine Mütze aus dem „Little Meadows“-Garn wäre garantiert ein farblich ansehnlicher Partner, fällt mir da gerade auf. Hm…

Auch dieser Strang ist noch nicht angestrickt. Erst zum Ball gewunden. Ein grosser Ball, muss ich euch sagen, denn diese Alpaca-Wolle hier ist handgesponnen und ein Strang von 230gr am Stück in Ballform so gross wie eine gigantische Grapefruit. Ich verehre diese Wolle über alle Massen, müsst ihr wissen. Sie ist unglaublich weich, unglaublich natürlich, unglaublich schön gefärbt (Naturwollton?), unglaublich spannend gesponnen- einfach unglaublich eben! Mein Herz flüstert mir schon lange zu, dass dieser Strang hier, gemeinsam mit seinem Zwilling, der noch in meinem Wollregal wartet, unbedingt zu einer Weste werden möchte. Einer Weste für mich. Irgendwas Lockeres, Ungezwungenes, das ich auch über einem flattrigen Kleid tragen könnte. Ich liegäugle mit einer naturbraunen „Cloudy Day Cardigan“ von Madder. Möglicherweise wird die Lightversion daraus, aber das spielt keine Rolle. Oder aber es soll eine „Shoreline Vest“ sein. In einer der zwei Garnstärke-Varianten. Je nach Maschenprobe. Auch schön. Hach, Entscheidungen…

Und zum Schluss noch dieses Baby hier: Die „In Threes“-Weste meines Kindergartenkindes, mit deren Farbe ich mich nach wie vor etwas schwer tue. Das starke Violett-Blau ist mir einfach eine Spur zu kräftig. Mein Kind aber ist begeistert, was also will mein Herz mehr? Zudem; wer weiss, wieviel Farbe die „Malabrigo Rios“ im ersten Wasserbad noch abgibt. In diesem Fall lieber ein bisschen mehr als weniger *zwinker*
So richtig mit Herzblut und Freude habe ich nicht an dieser Weste gestrickt, muss ich gestehen. Die Farbe, wie gesagt. Das Strickmuster hingegen finde ich toll. Einfach, schlicht, schnell, es hat alles, was mir ein Wollprojekt lieb und teuer macht. Da mein Mädchen mit seinen fast 7 Jahren bereits 2 Jahre über der grössten notierten Grösse liegt, musste ich mich im Abändern üben und mit Zunahme-Runden spielen, worin ich weder sonderlich gut noch irgendwie geübt bin. Aber bisher scheinen meine stümperhaften Versuche keinen grossen Schaden angerichtet zu haben *Daumendrück*: Die Weste passt beim Anprobieren zumindest über Brust und Schulterpartie wirklich tadellos, und ob die Länge und auch die Bauchweite so ungefähr stimmen… das wird sich nach dem Wasserbad zeigen. Heute noch, denke ich. Fast sobald ich diesen Post hier zuende getippt und auf den „Veröffentlichen“-Button geklickt habe. Es fehlt nämlich nur noch das Abketten. Plus ein paar Fäden, die vernäht werden möchten. Die vier Knöpfchen, die dann noch angenäht werden sollen, die lassen sich ganz bestimmt noch irgendwo reinquetschen in meinen Tag, oder?

Vielleicht wird mein nächster Post dann also ein „In Threes“-in Violett-Blogpost, wer weiss, könnte schon sein…

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2 Kommentare zu Wolliges im Entstehen

  1. Ich freue mich über so viel wolliges und bin erstaunt, einmal wieder mehr erstaunt, was du alles schaffst! Wirklich! Und deine Pläne erst, einfach großartig und ich habe mir alle Muster angesehen, die Lightversion finde ich besonders schön.
    Wie ist das Westchen deines Kindergartenkindes geworden? Es sieht zauberhaft aus. Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann auch Stricknadeln halten kann, bei all dem Zauber hier. Meine liebe Oma strickt ja auch so schön… hach <3 ich nähe gerade einen Softshellmantel für mich. Den Stoff habe ich schon über ein Jahr hier liegen, der Plan ist drei Jahre alt glaube ich… manche Dinge brauchen eben länger.
    Ich drück dich! Liebste Grüße
    Sternie

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich wiederum bewundere deine Nähkünste! Bei mir ist das immer eine hektische, linkische Angelegenheit, bei der ich total ins Schwitzen komme 🙂 Und du musst wissen: diese Wollsachen hier sind teilweise schon seit Monaten auf meinen Nadeln- oder eben erst ein Gedanke und noch nicht mal ge-maschenprobt! Und gerade stricke ich mehr als sonst; wenn ich mich k.o. fühle und aufs Sofa flüchten muss, ist das Strickkörbchen nicht weit- und ich trotzdem präsent für meine Kinder…

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