Zur Zeit…

… ist es fürchterlich grau und oftmals auch mitten am Tag so dunkel, dass ich auf die Uhr schauen muss, um mich zu vergewissern, dass nicht bereits der Abend anbricht. Es ist intensiv dezemberlich, dezemberlich in dem Sinne, dass das Licht tatsächlich an allen Ecken und Enden fehlt und die Natur sich -sogar ganz ohne Frost und Schneedecke- still und regungslos zum Winterschlaf niedergelassen hat. Alles ist langsam. Nichts wuselt oder hetzt oder spriesst oder wächst oder schlägt sonstwie Kapriolen.
Gerade habe ich eine Lampe auf meinen kleinen, alten Schreibtisch im lila Zimmer gestellt und ein langes Kabel gezogen, damit ihr Licht auch brennen kann (im mittleren Stock gibt es nur wenige Steckdosen). Jetzt schreibe ich in ihrem wunderbar warmen Schein und finde das wahnsinnig behaglich…

Zur Zeit … lese ich auch wieder. Ein neu erschienenes Buch, das mir meine Schwester A. zum Abschluss ihres „Book-and-Food 2018“- Geburtstagsgeschenkes vom letzten Jahr gegeben hat; jeden Monat habe ich heuer jeweils ein Buch und zum Beispiel selbst gebackene Kekse oder Pralinen oder Tee oder einmal sogar einen hausgemachten Dreikönigskuchen von ihr gekriegt, meist passend zum Thema und immer total delikat. Es war ein absolut grossartiges Geschenk, Bücher und Essen, auf das ich mich jeden Monat vorfreuen konnte- und sie gleich mit, denn die meisten Bücher habe ich ihr dann ausgelesen wieder zurück gegeben, damit sie sich auch noch durchlesen konnte *zwinker* Das Besondere an dieser Art von Geschenk ist ja auch, dass man mindestens einmal im Monat irgendwie in Kontakt kommt. Vielleicht via Paketpost, vielleicht persönlich oder über einen Zwischenkontakt, der Buch und Co. überbringt, so oder so schafft es eine wunderbare Verbindung und gibt erst noch Gesprächsstoff, weil man sich nachher ausführlich über Rezepte oder die (gemeinsame) Lektüre austauschen kann. Man muss auch gar nicht unbedingt neue Bücher wählen: meine Schwester hat mir zwischendurch auch Bücher eingepackt, die sie gratis in der Bücherkiste ihres Hausblockes fand. Oder einfach ein Buch, auf das sie selbst schon schrecklich neugierig war und es unbedingt haben musste. Manchmal wurde dazu gebacken und gekocht, dann wieder war die Zeit einfach zu knapp und es kam ein süsses Mitbringsel aus ihrem Kurzurlaub dazu…
Bei diesem letzten Buch hier, „Die Reise der Amy Snow“, bin ich erst ganz am Anfang, aber der Schreibstil ist wirklich schön, so elegant und überlegt und zurückhaltend und fast gar nicht kitschig, was mich sehr freut. Die perfekte Winterabend-Lektüre zwischen Strickzeug und Tee und einer Extraschicht Bettdecken. Ich freue mich drauf!
Auch wenn es schade ist, dass mein „Jahres-Abo“ damit bereits wieder vorbei ist… *snif*

Zur Zeit… ringe ich Tag für Tag aufs Neue mit mir und meiner Trägheit und gebe mein Bestes, mich wenigstens für ein halbes Stündchen an die Nähmaschine zu setzen: Seit Ewigkeiten hängen hier nämlich keine Gardinen an den Badezimmerfenstern. Sondern bloss mit Wäscheklammern angepinnte bunte Seidentücher, die es einem unmöglich machen, die Fenster zu öffnen, ohne sie gleichzeitig zu enthüllen.
Das. muss. sich. endlich. ändern.
Ende letzter Woche habe ich darum Stoff bestellt. Double Gauze. Damit Licht durchkommt, aber kein Blick rein, selbst nachts nicht, wenn innen drin Licht brennt und draussen vor dem Fenster die Autos mit Scheinwerferstrahl an uns vorüberfahren. Diesen Print hier, „En Garden“ von „Nano Iro“ finde ich traumhaft romantisch, und sein Cremeweiss harmoniert fantastisch mit den eierschalefarbenen Plättchen im Bad *schmacht*. Einen Vorhang hab ich jetzt immerhin. Mein Tagessoll für heute ist getan.

Zur Zeit… könnte ich permanent essen. Suppe am liebsten, ganz dick, mit Hafer und Lauch und Spinat und Zwiebeln und Grünzeug aller Art drin. Oder Plätzchen. Die gehen immer, zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Ganz so bunt und glitzersüss wie auf dem Foto werden diejenigen, die ich mit den Kindern mache, bzw machen will, aber nicht. Ich bin weniger der Streuseltyp, mehr so ein… Plätzchen-Purist, würde ich sagen. Aber trotzdem war es wunderbar, wie meine Mama neulich hier die Küche in die reinste Weihnachtsbäckerei verwandelte und mit meinen drei Mädchen Stunde um Stunde Teig knetend und Guetzli verzierend in Erinnerungsgold verwandelte.
Omas sind so wertvoll. Unbezahlbar.
Darum sind auch diese bunten Mailänderli -die allerersten Weihnachtskekse der Saison- in meinen Augen einfach unschlagbar gut und schön geworden. Nicht nur das Auge isst mit. Das Herz tut es auch.

Zur Zeit… fühle ich mich richtig wohl in dieser ruhigen, unaufgeregten Blase, in der wir uns befinden. Wir haben das Weihnachtswichteln einmal mehr ausfallen lassen. Planen nichts, müssen nichts, kennen keine Hektik (ausser morgens, wenn alle zur Schule sollen und keiner es will und alles aus dem Takt gerät). Es kommt mir völlig richtig vor so. Rund und natürlich. Irgendwie scheinen alle gerade vor allem eines zu brauchen: Gelassenheit. Pausen. Geborgenheit. Und ich spüre, dass sich genau diese Dinge momentan recht fliessend und ganz von selbst einfinden, solange ich selber mehr als nur einen Gang zurück schalte und mich nicht unter Druck setze mit einem kreativen Projekte-Rausch oder dem unsinnigen Gedanken, unser Haus und unseren Alltag unbedingt „weihnachtlich“ gestalten zu müssen.
Mir ist es weihnachtlich genug: Die Bienenwachskerze auf unserem Küchentisch brennt praktisch ununterbrochen. Jeden Tag hänge ich einen Strohstern mehr an das feine Leinenband über dem Buffet (ein Kalender von meiner Freundin Susi aus dem Dorf). Wir essen Weihnachtsguetzli (ich sollte mich wohl dringendst um Nachschub kümmern, das Kind auf dem Foto isst übrigens auch gerade so einen rosa Keks) und winterliche Dinge wie Datteln, Mandarinen, Haferkern-Suppe und Rosenkohl. Es wird viel gelesen. Hörspiele werden gehört, ab und zu ein Spiel gespielt (noch immer zu selten, ich gebe es zu), und die Kinder spielen oder zeichnen oder machen Hausaufgaben, während ich wieder ein Zimmer aufräume. Es klingt alles sehr idyllisch. Und obwohl wir ganz ehrlich meistens alles andere sind als eine idyllische, ruhige, gesittete Familie, stimmt es für einmal sogar: im Augenblick scheint die Idylle wirklich zum Greifen nah, sogar bereit den einen oder anderen Moment zu verweilen…

 

 

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5 Kommentare zu Zur Zeit…

  1. Das klingt wunderbar liebe Bora! Wir haben auch schon einmal Kekse gebacken, Lichter in den Buchsbäumen vor dem Haus angebracht (das brauche ich ganz dringend für die Weihnachtszeit), schnell den Adventskranz dekoriert (mit nahezu immer den selben Sachen) und Schneeflocken aus Spielmais (gerettetem Verpackungsmaterial) zieren das große Wohnzimmerfenster. Ansonsten ist es notgedrungen ruhig…dieses krank sein schafft mich…
    Aber sag mal, wenn ihr kein Weihnachtswichteln macht, gibt es dann keine Geschenke bei euch? Das wäre hier undenkbar… gewöhnlich besorge ich die Geschenke im November, hat dieses Jahr alles nicht geklappt und ich versuche jetzt einfach zu reduzieren. Mal sehen wie es klappt 😉
    Ich schicke dir ganz viel Licht und Freude!
    Deine Sternie

    • kirschkernzeit sagt:

      Weihnachtslichter finde ich auch immer besonders schön- und ja, irgendwie wichtig, stimmt. Kerzen sind natürlich am allerschönsten, aber nicht überall praktikabel, und ich liebe Lichterketten sowieso!
      Es tut mir so leid, dass ihr immer so viele Krankheiten erwischt!!!
      Wegen den geschenken: Genau so ist es 😉 Keine Weihnachtsgeschenke. Du musst aber wissen, dass wir NOCH NIE richtige, klassische Weihnachten gefeiert haben, seit wir Kinder haben, für die Kids ist es also völlig normal, nicht „normal“ Weihnachten zu begehen. Mein Mann war immer sehr gegen Geschenkräusche. Und ich wiederum finde es einfach wahnsinnig schade und traurig, einen Baum, der so viele Jahre lang gewachsen ist, einfach nur für ein paar Tage zu fällen und dann quasi weg zu werfen 🙁 Irgendwie bringe ich das nicht übers Herz… Darum gibt es hier auch keinen Weihnachtsbaum. Wir gehen in den Wald, machen Feuer, essen dann zuhause was Besonderes und gehen jedes Jahr zum grossen Weihnachtsfamilientreffen zu meiner Mutter- das ist dann WIRKLICH ein Fest für die Kinder (und uns), einfach nur schon, weil sie all die Onkels und Tanten und die Oma wieder sehen, viel quasseln und essen und spielen können und alles total festlich ist.
      Als Familie feiern wir aber sehr ausführlich und lustig und mitten in der Nacht Silvester 🙂 Ich lege dann auch jedem Kind ein kleines Geschenk aufs Kopfkissen- jeweils ein Buch oder Spiel oder einen Kalender, die Tafel Lieblingsschokolade (dieses Jahr wohl Toffifee für alle) und einen Fünflieber (so wie meine Oma das immer gemacht hat an Weihnachten). Zudem ist es auch so, dass ich es mir nicht verkneifen kann oder will, den Kindern auch unterm Jahr immer wieder mal was zu schenken, so wie es sich gerade ergibt und wenn ich gerade an etwas Schönes heranlaufe, was dem Kind garantiert Freude macht UND gerade gebraucht wird. Wünscht sich jemand zB. ein konkretes Buch, dann bestelle ich das mehr oder weniger sofort und lege es dann als Überraschung aufs Kopfkissen. Oder ich merke, dass die Kleinen zB. ausdauernd mit Holztieren spielen und ihr Lieblingstier fehlt; dann zeige ich Zb. ein Bild von konkreten Holzfiguren so wie nebenbei und schaue, wie sie reagieren… Grosse Dinge werden allerdings schon auch erspart oder länger gewünscht, damit ich auch sicher bin, dass das Geschenk für „auf Dauer“ sein wird, und meistens geht etwas altes weg, wenn Neues ankommt. Und Geburtstagskinder kriegen immer jede Menge Geschenke, da halte ich mich dann auch eher weniger zurück, muss ich gestehen, hihi… So gesehen vermissen die Kinder keine Weihnachtsgeschenke. Und meine Familie ist bereits erfolgreich aufs Nichtschenken-zu-Weihnachten getrimmt nach über 16 Jahren. Die Zeit ist trotzdem immer irgendwie besonders. Feierlich trotz allem.

  2. Katharina sagt:

    Das este Bild lässt mal wieder mein Herz höher schlagen.
    Ich bin auch oft träge und essen könnte ich auch immer. Muss am Wetter liegen…
    Liebe Grüsse
    Katharina

    • kirschkernzeit sagt:

      Leider knipse ich scheinbar immer wieder dasselbe 😉 Aber deine Tierchen und Figuren sind auch in dunklen Ecken schön!
      Ich war noch recht krank am WE und esse jetzt all die ausgehungerten/ausgeschwitzen Kalorien wieder auf Vorrat zurück 🙂

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