tanzende Papier-Engelchen

Vor ein paar Tagen erst war ich in der Drogerie (Schnupfennasenzeit!) und bekam beim Bezahlen meines Nasensprays nebst der Quittung noch einen Zettel in die Hand gedrückt. „Wir suchen Weihnachtsengelchen für unser Advents-Schaufenster. Bastel uns doch eines! Es winkt dir auch ein kleines Geschenk. Als Dankeschön“, war darauf zu lesen. Also nicht wortwörtlich, aber sinngemäss.
Ich fand die Idee sehr süss; ein Schaufenster voller Kinderkunst, wer könnte da schon nein sagen? Und natürlich waren meine drei Mädchen sofort sehr angetan vom Gedanken an ein Überraschungsgeschenk. Ein Bastelengel gegen eine Wundertüte? Deal!

Normalerweise mache ich um Bastel-Sessions mit meiner wilden Bande einen ziemlich grossen Bogen. Auch wenn mein Blog vielleicht einen anderen, einen besseren und souveräneren Eindruck vermittelt (also nicht dass ich den beabsichtigen würde, aber solche Sachen haben manchmal ein Eigenleben), bin ich rasch überfordert und überreizt, wenn es darum geht, mit meinen Kindern konzentriert am Tisch zu sitzen und gemeinsam etwas Schönes zu erschaffen; den Turbulenzen, die daraus entstehen, bin ich einfach nicht gewachsen. Und Führungsqualitäten habe ich so gut wie gar keine. Ich mag ein dankbarer und begeisterungsfähiger Mitmacher sein, aber kein Anreisser und  Veranstalter.
Dass wir es diesmal dennoch an den Bastel-Stubentisch geschafft haben, verdanke ich einzig und allein meinem grossen Mundwerk: Natürlich hatte ich in der Drogerie -Zettel und Quittung noch in der Hand- grossspurig sofort unsere Mithilfe garantiert und meine Töchter bereits erfolgreich geködert. Nun gab es kein Zurück mehr.
Augen zu und durch also!
Ich weiss, den Fotos nach zu urteilen, sind es bloss papierene Minifiguren geworden, klein genug um keine Arbeit zu machen, und eigentlich ja mehr so ein… Gebastel, nichts Grossartiges. Aber ich sagen euch; wir sind den ganzen Nachmittag da dran gesessen! Haben geschnitten, gezeichnet, mal mit Pinsel Farbe verstrichen, mal Lametta-Haare geklebt (Mein Part. Ein unsägliches Gefummel! Meine Finger trugen nachher Lametta-Perücken!). Zum Schluss, als alle Engel fertig bemalt, trocken und vollständig waren, wurden sie an eine Papierspirale geklebt und mit einem bunten Faden versehen; wenn man sie nun über der Heizung am Fensterrahmen aufhängt, beginnen sie sich durch die aufsteigende, warme Luft ganz von alleine sachte zu drehen, immer im Kreis, wie eine Ballerina oder Schlittschuh-Läuferin. Die Mädels waren schwer beeindruckt.
Die Verkäuferin in der Drogerie übrigens auch. Sie hat sich diese Idee gleich für ihre eigenen Kinder gemerkt- und meinen Kindern, die richtig süss aussahen, als sie mächtig stolz und zufrieden ihr Werk überbringen durften, auch gleich den „Lohn“ für ihre Arbeit ausgezahlt: Je eine Tüte mit Traubenzucker und einem „magischen Tuch“ mit Pinguin drauf. Die Mädchen waren begeistert. Auch von unserem ungewohnt kreativ verspielten Nachmittag, der wirklich wahnsinnig intensiv und messi und aktiv und sprudelnd ideenreich gewesen war.
Ich hingegen dachte an das verwüstete Wohnzimmer, die Lametta überall und an die Papierschnipsel auf dem Boden- und beschloss, mich extra und ganz bewusst auf dieses kommende Advents-Schaufenster zu freuen. Voller Kinderkunst, wie gesagt. Ich denke, es wird wunderbar aussehen. Und die Engel meiner Kinder dann mittendrin. Zauberhaft.

Was ich auch sehr schön finde, jetzt im Nachhinein vor allem: Weil meine Mädchen ihre Engel selber immer dermassen schön fanden, dass sie es schlichtweg nicht übers Herz brachten, sie wegzuschenken, brauchte es jeweils zwei, drei Anläufe und weitere Engelfiguren, bis sie sich entschliessen konnten, wenigstens einen davon herzugeben. Was bedeutet: Es sind uns noch ein paar dieser kleinen Papierwesen geblieben. Ohne Wirbel-Tanz-Spirale bisher, aber dafür mit Glitterglue-Kleidchen und silber-goldenen Flügeln und glänzenden langen Haaren. Kinderkunst also auch für mich.
Win-win für alle Parteien, würde ich mal sagen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Familienalltag, Jahreszeiten, kreativ mit Kindern veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Kommentare zu tanzende Papier-Engelchen

  1. Martina sagt:

    So eine schöne Adventsgeschichte!
    Feine Engel sind da entstanden, man sieht ihnen die Liebe mit denen sie gemacht wurden an und dass das „Loslassen“ schwer fiel ist da doch ein bißchen verständlich, ich dachte früher: Wer weiß ob ich das noch einmal sooo schön hinbekomme…
    Nun können sie besucht und durch viele andere Menschen bewundert werden und auch denen Freude machen.
    Eine schöne Zeit und liebe Grüße, Martina (sonst stille Leserin)
    PS: Was für eine tolle Idee des Ladens.

    • kirschkernzeit sagt:

      Merci, Martina! Ich fand die Idee auch sehr nett und hoffe, es ist ein bisschen was zusammengekommen… Mich rühren Sammel-Sachen immer sehr an, egal, was das gesammelt wird; all die Dinge, bei denen sich die Leute Mühe gegeben haben für einen guten Zweck oder so, dann auf einem „Haufen“ zu sehen, das hat so was… Menschlich-Warmes an sich, nicht? Darum finde ich auch immer Kindergärten oder Klassenzimmer, wo lauter Bastelsachen und Bilder hängen, ganz besonders schön…

  2. Christa sagt:

    Großartig!! Sofort verliebt!

    • kirschkernzeit sagt:

      Danke, Christa! Ich hab meinen Mädels auch dein Lob weitergegeben; sie freuen sich immer so, wenn aus dem Netz wildfremde Leute etwas Nettes über ihre Sachen sagen. Das ist für sie wie… eine Mini-Ausstellung hier in meinem Blog, hihi…

  3. Biba sagt:

    Wunderwunderschöööööööööön!!!
    Liebe Grüße an die Künstler!

    ….von Biba…..

  4. E sagt:

    Wie schöne! Und ein großes DANKE für diese ehrliche Geschichte! Es tut gut zu lesen, dass es anderswo auch chaotisch zugeht, wenn gebastelt werden soll und dass man dem als Mama manchmal am liebsten aus dem Weg gehen würde. Genauso ist es bei mir! Obwohl ich als Kind und heute immer noch leidenschaftlich gern werkle, strengt es mich mit meinen drei Räubern doch ziemlich an.
    Ihr habt nicht nur etwas total Goldiges gezaubert sondern auch eine gemeinsame Erinnerung, die bestimmt bleibt. Das ist doch wunderschön…

    liebe Grüße!
    E

    • kirschkernzeit sagt:

      Du, ich müsste wirklich dreist lügen, würde ich behaupten, es wäre anders 😉
      Hab vielen Dank für deine lieben Worte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.