wie alles sich fügt

Der Herbst bleibt weiterhin leuchtend, warm und golden. Die Farben funkeln im Licht, und ich bin jedes Mal dankbar, wenn die Sonne den dunklen Morgenvorhang aufreisst, der sich über Nacht auf uns legt. Es ist eine schöne Zeit. Schön draussen unter freiem Himmel, wo ich heute eineinhalb Stunden damit verbracht habe, ein wenig Ordnung und Sauberkeit in meinen Garten zu bringen Gehwege wischen. Kaputtes Kinderspielzeug beiseite schaffen. Das Chemineé ausfegen und den Meerschweinchen das eine oder andere Unkraut aus den Beeten pflücken (Wir haben hier ja kein Unkraut. Bloss Meerschweinchen-Futter, hihi.)

Aber auch drinnen finde ich es schön. Auch wenn es unordentlich bleibt und ich nicht mehr so richtig vorwärts komme mit Entrümpeln. Mittwoch habe ich zwei volle Einkaufstüten mit Kram ins Brocki getragen und dann den halben Nachmittag dort verbracht mit Stöbern und mit der-Brocki-Fee-Plaudern nach Herzenslust. Die Kinder waren mit ihrem Papa und meiner Schwiegermutter im Europa Park, was wunderbar war, ein einziges Fest- für sie und für mich. Ausschlafen bis halb elf (was???), Rouge auflegen und Lippenstift und dann ganz alleine und nur für mich ins feinste Restaurant des Dorfes Mittag essen gehen (oh, Mann!), Shoppen beim Trödler als hätte ich alle Zeit der Welt (was ich auch hatte). Ich meine, wie schön ist das denn?
Ich kann es euch sagen; wunderschön. Traumhaft. Superkalifragilisticexpialigetisch.
Im Brockenhaus habe ich natürlich sofort all meine entsorgten Sachen so quasi wieder ersetzt. Mit Neu-Funden. Aber das war völlig in Ordnung so, denn es gab wirklich wunderbare Dinge zu entdecken. Eine ganz entzückende, alte Blechdose zum Beispiel in dunklem Violett mit rankenden Sumpfdotterblumen darauf, die mich wahnsinnig an den Jugendstil erinnern und an die Geschichte der Wurzelkinder mit ihren märchenhaften Illustrationen (ich liebe dieses Buch sehr!). In dieser Dose hebe ich nun mein Rouge auf, die Lippenstifte und meine Wimperntusche.
Und die Schürzen an der Leine… die trage ich. Wie könnte ich auch anders? Sie sind einfach zu schön. Von Hand genäht. Allerdings hat mein Kindergartenkind bereits eine davon stibitzt, direkt von der Leine, sag ich euch, und ich konnte nicht viel dagegen einwenden, denn sie sieht einfach zum Anbeissen aus darin, und die schönen Herbstblumenfarben des Stoffes passen perfekt zu ihrem Lieblings-Igelchenkleid (von Hess Natur).
Ich glaube, Schürze und Kind sind für einander gemacht.
Auch gut. Ich teile ja nicht ungern. Und ausserdem sind da noch mehr süsse Schürzen im Brocki, die nur auf mich warten…
Die Bolga-Korbtasche, die daneben baumelt, die gehört allerdings mir. Und ich denke nicht, dass ich die teilen werde; seit meine innigst geliebte lila Beuteltasche nach 6 Jahren tagtäglichen Strapazen an allen Enden reisst und Fäden zieht, fehlt mir ein einigermassen tauglicher Begleiter, der ein bisschen mehr nach Handtasche aussieht und weniger nach simpler Tote Bag. Ich habe mich sofort verliebt. Bolga-Körben kann ich sowieso nicht widerstehen. Nur das Leder des verschliessbaren Inlets verlangt noch nach ein wenig Pflege, aber ansonsten spüre ich jetzt schon; wir zwei haben das Zeug zum Dream Team.

Was die Elfenmütze aus diesem umwerfend schönen Senf-Gold-Ton angeht; Sie war ein Blitzprojekt. Absolut unerwartet, superspontan- und fertig im Nullkommanichts.
Meine Schwester kam gestern, als sie meine Jungs für zwei Tage Geo-Cache plus Pizza und Sleep-over abholte, mit einem dicken Ball Merinogarn auf mich zu; Ein Strick-Wunsch. Mütze. Egal welcher Art.
Normalerweise bin ich äusserst zögerlich, was Strick-Aufträge angeht. Und ich meine wirklich äusserst zögerlich. Stricken zu müssen… das hat sofort so etwas Formelles, Aufgedrücktes, Belastetes und Belastendes an sich. Aus Spass wird Ernst. Und Arbeit. Mit Erfolgsdruck und beschnittenen Freiheiten, die jede Bewegungsmöglichkeit verbieten und keine Wahl mehr lassen. Einfach aufhören und etwas ganz anderes anschlagen? Geht nicht mehr. Die Wolle wechseln? Unmöglich. Das Projekt wird nicht ganz so, wie ursprünglich vorgesehen? Katastrophe! Oder noch schimmer; ich finde das Ding dermassen toll, dass ich es am liebsten sofort anziehen und auf ewig anbehalten möchte? Ähm, nun ja…
Wie dem auch sei, im Fall dieser Senfgoldockerdottergelben Mütze hier, lagen die Dinge Gottseidank und ganz unerwartet völlig anders; Ich wusste nämlich sofort das perfekte Projekt für sie. Die Elfenmütze aus „More Last Minute Knitted Gifts“/ „Geschenke aus dem Wollkorb“.
Ein alter Vertrauter.
Mehr als das, ein Seelenverwandter schon fast, denn mein Herz hängt sehr an all den grossen und kleinen Elfenmützchen, die ich im Laufe der Jahre gestrickt habe. Für meine Kinder. Für meine Schwestern. Für andere liebe Menschen. Für mich.
Tatsächlich hat die „Maddison Zoe“ von Manor (leider gibt es diesen Senfton nicht mehr *snif*, er war wirklich zu schön) haargenau die im Buch verlangte Garnstärke, lässt sich wunderbar in ein Elfenmützchen verwandeln- und kuschelweich ist sie erst noch!


Schön.
Wie sich alles fügt im Moment. Die Meerschweinchen wuseln und wachsen und bekommen nochmals ein paar winzigkleine Mitglieder mehr  (Vierlinge! Heute! Und eins davon sieht genau aus wie „Mausi“, der für zwei wilde Flitterwochen eingeflogene grau-weiss melierte Papa!). Die Bäume hüllen sich in ihr buntestes Kleid, ich gehe piekfein essen, finde Schürzen und die perfekte Tasche für meine Stadtrundgänge und erfülle Wollmützen-strickend Herzenswünsche…
Ist das alles nicht herrlich?

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13 Kommentare zu wie alles sich fügt

  1. Einfach schön! Allein schon davon zu lesen macht mich fröhlich liebe Bora! Ich habe hier neben all dem Kram und nun auch noch Krankheiten und Schlaflosigkeit mitten in der Nacht auch viele schöne Momente. Doch so bezaubernd darüber schreiben kannst mir du!
    Fühl dich umarmt
    deine Sternie
    Und eine Antwort kommt auch noch, ich muss nur erstmal wieder zu Kräften kommen, die Dauererkältung ist normal schlimmer geworden…

    • kirschkernzeit sagt:

      Ach herrje! Klingt gar nicht gut. Aber vollkommen verständlich- du hast es wirklich schwer, du Arme… Ich denke an dich!

  2. Iris sagt:

    All die Schätze, schön sind sie. Die Elfenmütze ist ein Traum. Mit dem Auftragsstricken geht es mir ähnlich. Einer guten Bekannten habe ich zugesagt ein Paar Socken für ihre Schwiegertochter zu stricken. Mache ich auch wirklich gerne. Nun heißt es, wie schön, dann kann sie die zu Nikolaus bekommen. Schön fühle ich mich unter Druck gesetzt. Selber schuld, ich könnte mich ja wehren.
    Nordische, herbstlich bunter Grüße von Iris

    • kirschkernzeit sagt:

      Oje, ja, da kann ich dir vollkommen nachfühlen. Und Socken sind ja auch keine 1-Stundenprojekte! In der Tat finde ich Socken sogar recht anspruchsvoll und zeitintensiv… Du hast ein gutes Herz. Viel Ausdauer wünsche ich dir! Und dass sie gelingen!

  3. Biba sagt:

    Öh… wo ist mein Kommentar?
    Er ist nicht angekommen? Oder in der Warteschleife?
    *grübel*

  4. Biba sagt:

    Ich schreibe einfach nochmal….
    Ich lese dich so gerne, liebe Bora!
    Diese Meerschweine, herrlich!
    Und diese Elfenmütze, wundervoll, ich wollte doch schon längst eine stricken, ich habe das Buch doch auch. Aber ich bin mitten im Umzug und da müssen Mützen warten.

    Ich trage auch dauernd was weg…. leider heißt es hier nicht Brocki, sondern Secondhandshop….
    aber irgendwie wird es nicht weniger….

    Nun gut, ich mache weiter und zwischendurch lese ich zur Erbauung – DICH!

    • kirschkernzeit sagt:

      Die Mützen sind im Fall das absolute Turbo-Projekt! Ich glaube, ich habe schon welche in Kindergrösse in einer Stunde geschafft (oder vielleicht bilde ich mir das auch nur ein 😉 )
      Und ich danke dir herzlich für deinen Comment! Einfach schön! Immer.

  5. liebe Biba, ja, das Buch hab ich auch und diese Mütze hat es mir auch angetan. Vielleicht stricken wir ja tatsächlich mal zusammen, sag echt Bescheid, falls ich helfen kann beim Umzug. liebe Grüße an dich.
    liebe Bora,
    ach, das geht es mir wie meinen Vorschreiberinnen…steht sogar in meinen Tagebuch jetzt, wie gern ich bei dir mitlese, wie wohltuend und oft auch stärkend das für mich ist. Einen sehr lieben, herzlichen Dank an dich für dein Sein und schreiben hier. Ja, auch ich bringe immerzu Aussortiertes weg und schleppe freudig „Neues“ hinein, diese Woche sogar ein herrliches Sofa vom Straßenrand…..zuhause merkten wir erst, dass ein elementares Teil fehlte…..die zweite Ecke vom Ecksofa. Egal, passt jetzt trotzdem und freut mich. Meerschweinchen haben wir ja auch, über den Winter leben sie im Zimmer des Jüngsten in mehreren , miteinander verbundenen offenen Käfigen.
    Die Freude über deinen „freien“ Tag schwappt über bis zu mir, davon wünsche ich dir mehr…..insgesamt geht das Kinder großwerden allerdings schnell. Wenn frau drinsteckt, scheint es natürlich anders. Jedenfalls freue ich mich immer sehr, wenn die Enkelinnen kommen.
    Wir hatten einen langen, schönen, sonnigen , warmen Sommer, langsam aber sicher kommt der Herbst, heute holte ich einen letzten Sommerblumenstrauß ins Haus. vielleicht bzw hoffentlich kommt jetzt meine Zeit des Nähens wieder. Deinen mitgebrachten Schürzen sind wunderwunderschön. Einmal erbte ich einen ganzen Schwung dieser Schürzen und habe mehrere Patchworkdecken damit genäht, aber ich trage sie auch gern. Liebe Grüße an dich von Sanne.

  6. Martina sagt:

    Mei, die „Wurzelkinder! Das habe ich schon als Kind geliebt, und jetzt ist es ein Dauerbrenner meiner wartenden Klavierschüler. Ist schon richtig zerfleddert. Diese Dose ist wirklich im gleichen Stil – hätte ich auch gekauft!

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