Frei-Räumen

Ich empfinde diesen Herbst als sehr… mild. Mild in jeder Hinsicht. Es gab viele Morgen, die nicht grau waren, ohne Hochnebel und Morgendunst, dafür mit Sonne und der Leichtigkeit, die normalweise typisch ist für den Sommer und nicht unbedingt für den Oktober unserer Region.
Ich kann nicht sagen, dass ich das schade finde.
Im Gegenteil; ich habe das Licht und die Wärme in diesem Jahr schätzen gelernt. Und ich hoffe insgeheim, dass dieses Gold mir noch ein wenig länger erhalten bleibt… auch wenn ich es offen gestanden mehr vom Dunkelwarmen meines Hauses aus geniesse und den Kopf in letzter Zeit vor allem in Schränke und die Tiefen meiner Woll-Tablare oder Kleiderboxen stecke, statt mir die Herbstsonne auf der Nase kitzeln zu lassen. Der Grund; ich brauche mehr Luft und Platz. All der Staub und das Gedränge in meinen Sammelsurien lasten auf mir, mehr als ich es mir meistens eingestehen möchte. Von Zeit zu Zeit aber dringt diese Wahrheit wieder in mein Bewusstsein zurück und dann kaufe ich mir ein neues Entrümpelungs-Buch und mache mich wieder einmal an die Arbeit (die ich niemals zu Ende führe, sondern auf halber Strecke aufgebe, aber immerhin ist dann das eine oder andere Zimmer wieder ein wenig befreiter und übersichtlicher und mein emotionaler Rucksack ein kleines bisschen leichter).
Diese Woche habe ich meine Kleider durchgesehen, einiges weggeben, auch meinen Schmuck und einen Teil meiner Schuhen, wo ich aber das Gefühl hatte, eigentlich alle noch unbedingt zu brauchen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Silberohrringe und -Ketten via Whatsup in meinem Familien- und Freundeskreis zu verschenken, und dass jetzt praktisch jedes Teil ein neues Zuhause gefunden hat und es begeisterte „Ja, das nehme ich wirklich gerne!“-Ausrufe  gab, war eine sehr schöne, befriedigende Erfahrung (Lang lebe Whatsup! Ich bin immer mehr ein überzeugter Fan davon). Gerade habe ich auch noch ein paar Sachen online auf Ricardo eingestellt und erhoffe mir einen kleinen Batzen Sackgeld, mit dem ich mir dann… Wolle kaufe?
Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht. Es gibt mir momentan ein unsinnig gutes Gefühl, Garne aus meinen Vorräten zu verbrauchen und mich in Zurückhaltung zu üben, was das Schneuggen beim Strickcafé oder in der Spinnwebstube angeht. In meine seit langem gehorteten Strangen „Tosh DK Tannenbaum“ bin ich auf jeden Fall wieder ganz neu und intensiv verliebt, und mit jeder weiter gestrickten Reihe oder Runde finde ich die Farbe umwerfender. Auch wenn ich alles, was ich innerhalb der letzten Woche damit gestrickt habe, wieder auflassen musste. Mein Pulli wurde einfach zu weit. Und gleichzeitig trotzdem zu dicht und zu schwer. Ich glaube, „Tosh DK“ ist nicht das Richtige für Melody Hoffmanns „Tender“-Sweater. Dafür sollte ein Garn dünner sein und mit mehr Drape fallen. Aber das hier könnte etwas sein: „In Stillness“ von Alicia Plumer. Ein einfacher aber sehr hübscher Pullover, mit dem ich schon seit langem liebäugle und den ich mir sehr gut vorstellen kann in Kombination mit einem so schlicht-schönen Garn wie „Tosh DK“. Allerdings habe ich vorgestern ein wenig daran gestrickt und entdeckt, wie knifflig das Muster zwischenzeitlich scheint…
Zum Ausgleich und vor allem, weil ich mich momentan hauptsächlich nach relaxtem Strickglück sehne und weniger nach neuen Herausforderungen, habe ich gestern Nacht während meiner 3. Staffel „Mr. Selfridge“ ein neues Supersimpel-Projekt angeschlagen: Eine Babydecke mit diagonalen Blockstreifen (so etwa nach dieser Anleitung hier), mit der ich erst noch alle meine Reste-Knäuelchen „Drops Baby Alpaca Silk“ verarbeiten darf, was ein echtes Highlight bedeutet, denn wie gesagt, Abbauen und Verwerten sind gute Dinge, die mir den Antrieb schenken, der mir so langsam aber sicher verloren geht, keine Ahnung warum.
Ein neues Baby ist zwar nicht in Sicht. Und auch nicht geplant.
Aber das macht nichts.
Babydeckchen sind immer gut. Denn Babies kommen und wachsen und kommen und wachsen und kommen und wachsen… und alle brauchen sie etwas Warmes und Kuschliges, das sie in Empfang nimmt auf dieser Erde.

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6 Kommentare zu Frei-Räumen

  1. Katharina sagt:

    Ich werde es wohl nie schaffen mein Home zu Minimalisieren..
    Immer wenn ich mal ausmisten will, kommt etwas daher, was noch viel dringender getan werden muss.
    Ich freue mich über, das erste Bild.
    Liebe Grüsse
    Katharina

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich glaube eigentlich auch, dass nicht jeder alles entrümpeln muss. Jedes Zuhause hat seinen Charme. Und jeder Mensch seine Phasen und sein Mass an Besitz. Gerade kreative Leute wie du brauchen eine gewissen Grundstock an Dingen. Sonst könnten sie gar nicht arbeiten…

  2. andrea sagt:

    oh, ich bin auch gerade am entrümpeln, sortieren, heller & grüner machen. so ganz im gegensatz zum eichhörnchen-horten-herbst-gefühl. aber vielleicht auch, um dann leichten herzens und guten gewissens, mit dem sortierten und fein am platz befindlichen in einen gemütlichen herbst-dunkelheits-kerzenscheins-handarbeits-puzzle-modus zu verfallen. freude darauf!
    habs fein, andrea

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich drück dir die Daumen, dass das Energie-Hoch andauert! Viel Freude weiterhin! Vor allem auch das Verschenken von Dingen finde ich sehr befriedigend und so schön wie Sinn-voll.

  3. Rosi sagt:

    hmm jaa..
    ich habe keine Zeit dafür 😀
    ich bin in Rente.. hihi..
    ich warte immer bis so ein Anfall vorüber geht 😉
    die Babydecke wird bestimmt schön
    ich bin jetzt doch etwas öfter draussen da ich den Sommer ja quasi ganz in der Wohnung verbracht habe ..es war einfach zu heiß
    liebe Grüße
    Rosi

    • kirschkernzeit sagt:

      Es wäre aber auch ein echtes Sakrileg, wenn du deine wunderschönen Sammel-Schätze weggeben würdest! Entrümpeln ist gut- aber manchmal ist behalten einfach besser! 😉

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