7 Mal

Ich weiss nicht so recht, wo ich beginnen soll. So viele Dinge, die hier geschehen, erlebt oder gemacht werden… und die Zeit saust, die Worte fehlen, genauso wie der Atem, der mir gerade öfter ausgeht als auch schon und mich dankbar macht für meinen Arzttermin  und die Eisen-Notration nächste Woche, die mir wieder Kraft in meine Glieder pumpen wird. Darum, und weil mein Kopf einfach zu schnell leer wird und dumm, wird dieser Post hier eine Liste sein, aufgezählte Gedanken, die mir vor die Linse oder einfach nur so in den Sinn gekommen sind…

1. Das Filzen hat uns ein bisschen gepackt. Aber dann auch wieder nicht. Mit den Mäuschen kamen ein paar rohe Filz-Fingerlinge zustande, die nun darauf warten, zu Fingerpüppchen-Füchsen oder -Vögelchen zu werden. Es war witzig, daran zu arbeiten, aber jetzt weiss ich nicht so recht weiter und warte auf den richtigen Moment, wo Lust und Laune stimmen und ich genug Begeisterung dafür aufbringen kann, winzig kleine Ohren und Schnauzhaare aufzunähen. Beim Ausspülen sind die Fingerlinge so ziemlich geschrumpft, ich befürchte, sie passen nun nur noch meinem kleinen Babyneffen (*huch*!), aber es ist wie es ist, und entweder kommen die Winzlinge dann eben auf einen Stab in unsere Kakteen-Töpfe oder sonstwie nett platziert ins Rampenlicht- oder wir quetschen unsere kleinsten kleinen Finger hinein und spielen dann so Theater. Mal sehen…

2. Apropos Theater, meine grosse Entdeckung in musikalischer Hinsicht sind momentan: die Filmmusik von „Pirates of the Carribean“, die mich in gewissen Sequenzen geradezu erbeben lässt, und -die ganz grosse Offenbarung- das Cello, vor allem klassische Interpretationen zeitgenössischer Lieder, wie „2Cellos“ sie spielen. Ich mag das. Und so wie das „Prager Cello Quartet“ „The Phantom of the Opera“ spielt, so unfassbar wunderwunderwunderschön, ist dieses Stück wohl etwas vom Bewegendsten, das ich je in meinem Leben gehört habe. Gänsehautmusik, bei der ich manchmal weine, ohne traurig zu sein.
Dabei ist mir das Cello bisher überhaupt nie aufgefallen. Ich dachte immer, ich sei mehr so der Klarinetten-, Klavier- und Gitarrentyp. Aber das Cello ist leidenschaftlich, melancholisch, sanft und gleichzeitig wild und verrückt, wenn es will, was mir irgendwie bekannt vorkommt. Scheinbar bin ich auch ein Cello.

3. Im Augenblick hat mein Körper etwas zu kämpfen. Da ist die Anämie, die ihren Teil beisteuert, aber auch ein radikaler Kälte-Einbruch, der mein Immunsystem herausfordert. Und ich war rasant unterwegs die letzten Tage über. Feier-Nächte am diesjährigen Dorffest, das wie immer zwei volle Tage und eine Nacht dauerte und wirklich unschlagbar fröhlich und lebendig war. Mein Liebster und ich sind bis nachts um halb zweium die Häuser gezogen und hatten echt viel Spass mit all den Dorf-Kumpels, die man so traf.
Gut getan hat das. Unsagbar gut. Wir machen das viel zu selten, wir zwei; einfach mal abschalten vom Elternsein und das mit dem Vernünftigsein kurz zur Seite legen. Dabei brauchen wir das. So ab und zu. Ich habe die ganzen 16 Jahre über nicht so viele Komplimente erhalten wie an diesem einen Wochen-Ende, und da ich bei weitem keine Schönheit bin, glaube ich wirklich, dass Ausstrahlung alles ist, und dass ein Mensch, der so richtig und zutiefst glücklich und in sich zufrieden immer irgendwie schön aussieht und in gewisser Weise anziehend… (Leider bin ich im Alltag ja eher ein Grummel. Kein Wunder regnet es sonst nie Komplimente *hüstel*)

4. Mein neuer Kalender fürs nächste Jahr ist angekommen: Der „Taproot 2019 Calendar“, der mir um Welten besser gefällt als derjenige aus diesem Jahr. Ich bin ganz zufrieden damit, vermisse aber, wenn ich ganz ehrlich bin, Phoebe Wahls einzigartige Arbeiten aus den beiden Vorgänger-Kalender-Kollektionen. Dieses Märchenhafte, Magische, das sie mit ihren Monats-Bildern jeweils herbeizaubern konnte, bringt nur sie zustande. Und es fehlt mir. Jeder Tag sollte Magie enthalten, finde ich…

5. Nicht nur musikalisch habe ich für mich kleine Welten erschlossen, auch was den Film angeht, bin ich gerade auf einer ganz heissen Spur; Ich habe mir neulich ganz spontan die ersten Staffel von „Mr. Selfridge“ bestellt und bin absolut hingerissen von dieser Serie! Das Licht, die Kostüme, der ganze Plot, die Darsteller, der rasante Erzählstil mit Stil… Himmel, das ist haargenau, was ich brauche! Ich schwelge in Schönheit und den grossen Gefühlen kleiner Lebensgeschichten und bin über alle Massen seelig, wenn ich mich mit meinem Laptop, einer Tasse heissem Tee mit Holunderbeer-Sirup unter meine warme Decke verkriechen darf, um einfach wegzuträumen in ferne Zeiten und andere Wirklichkeiten… (Staffel 2 und 3 sind bereits bestellt und unterwegs!)

6. Manchmal stricke ich dabei. Aber nicht oft. Im Augenblick stecke ich ein einer Art Strickblockade, wo sich alles in mir sträubt, beim Entspannen und Wegtauchen auch noch zu arbeiten. Und da sich das Zusammennähen dieser kleinen silbergrauen Zwergenmütze, für die ich auch noch ein Binderband stricken sollte, definitiv zu sehr nach Arbeit anfühlt, wird wohl noch etwas Zeit verstreichen, bis sie fertig ist. Macht nichts. Stricken soll eine Herzenssache sein. Kein Knochenjob.

7. Dieses Projekt immerhin ist mittlerweile abgeschlossen. Und glücklich zu Ende geführt worden. Meine Kleinste konnte in ihrem neuen, grünen „Tama“-Sweater bereits ihre Schwester zum Kindergarten bringen. Und fror so kein bisschen dabei, obwohl der Morgen neblig sein kann und bereits ordentlich düster. Die Farbe ist nicht unbedingt das, was mein kleines Mädchen sich aussuchen würde, tatsächlich wollte sie ihren Pulli zuerst gar nicht erst anziehen, weil sie violett mag oder rosa oder vielleicht noch blau, aber grün im Grunde langweilig findet. Aber ich glaube, sie wird sie noch lieben lernen, diese Farbe, diesen Schnitt, dieses Garn, das nicht kratzt und trotzdem wärmt („Cotton Merino“ von Drops). Sobald es passt, werde ich Fotos machen und einen kleinen „Tama“-Post. Und bis dahin hoffe ich einfach mal, dass es nicht zu viele Flecken gibt. Oder kahlgefegte Wegrand-Buschäste, die unterwegs zum Kindergarten lange Maschen ziehen.

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8 Kommentare zu 7 Mal

  1. Sabine sagt:

    Liebe Bora,
    ich habe gerade nur schnell noch bei dir reingeguckt und sehe dieses Filzbuch. Würdest du mir bitte den Titel verraten? Ich würde es mir sehr gerne kaufen. Das wäre total lieb 🙂
    Später muss ich noch dein ganzes Posting lesen, jetzt ruft erstmal die Hausarbeit.
    Sonnige Grüße
    Sabine

  2. Mariana sagt:

    Ach wie schön ist Deine Liste geworden!
    Ich träume mit Dir von anderen Zeiten und bewundere Dich immer wieder,
    wie Du es schaffst, Dir Zeit für all das zu nehmen. Meine zwei Kinder gehen nie vor 21:30 ins Bett und ich fühle mich deswegen ganz schlecht. Dabei stehe ich um sieben auf und ich finde, das ist doch früh genug!
    Jedenfalls, es klingt alles ganz wunderbar und ich freue mich mit Dir über die Komplimente, die Du erhalten hast.

    • kirschkernzeit sagt:

      Zu bewundern gibt es da nichts, glaub mir! Ich schufte selbst den ganzen Tag und kommen einfach nicht vom Fleck… Mittlerweile habe ich resigniert und bin entschlossen, mir mehr Spass und Schulterzucken zu erlauben, bzw. für mich zurück zu erobern. Mal ausgehen. Nicht immer so tadellos vorbildlich sein wollen. Nachts Serien gucken statt die Küche noch aufzuräumen (oder Posts zu tippen). Mich neu in meinen Mann verlieben (funktioniert!) und ihm wieder mehr Zeit und Zuwendung widmen (das haben bisher die Kinder recht umfänglich erhalten 😉 ).
      Weisst du, viel mache ich nicht im Grunde; allein diese beiden Strickprojekte habe ich bestimmt schon in 2-3 Posts erwähnt und abgelichtet und das verfälscht das Bild natürlich ein wenig 😉 Mein Haushalt sieht nicht sonderlich beeindruckend aus und meine Erziehung ist manchmal mehr zweifelhaft bis verzweifelt denn gekonnt und reflektiert. Ich sehe wohl älter aus als ich bin (besten Dank!) und bin gerade im Moment auch nicht wirklich fit (das HB ist nun echt im Keller) und wenn ich die schönen perfekt gepflegten Frauen da draussen so sehe, dann komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus; wie und wann machen die das bloss??? Und kochen kann ich auch nicht richtig. Da kann ich echt keinen Preis damit gewinnen… Du machst das alles sehr, sehr gut, da bin ich sicher!!! Das Problem ist wohl vielmehr; die Dinge gut machen zu wollen, kostet manchmal einfach viel zu viel und den Preis bezahlst fast immer du als Mutter und Frau… Ich nehme mir immer wieder vor, mir mehr Hilfe anzufordern. Vor allem zum Kinderhüten. Freie Zeit ist so wichtig! Einfach mal nicht Mutter-sein. An ein Konzert gehen. Mit einer Freundin draussen in der Gartenwirtschaft sitzen und ein Bier trinken (oder ein Mineral). Einen Schminkkurs belegen (oder yoga). Ich empfinde im Moment alles, was meine Weiblichkeit stärkt als extrem wohltuend, nährend und glücklichmachend. Gönn dir mehr; und zwar lauter Dinge, die dich ganz im Inneren bewegen und den Menschen füttern, der in deiner Tages-Rolle immer wieder zurückstecken muss…

  3. Mariana sagt:

    Tausend Dank dass Du Dir die Zeit genommen hast, mir so ausführlich zu antworten!! Deine Worte sind eine Wohltat für mich! Ich würde auf vieles gerne antworten, aber gerade ist das erste Kind eingeschlafen, das zweite spielt irgendwo in Ruhe nackt, der Mann will endlich mal duschen gehen. Ich werde Dienstagabend (Lesegruppe) und Domnerstagnachmittag (Hammam) genau das tun, was Du mir rätst! Und Kinderbetreuung, das Thema sollte ich mir auch vornehmen. Alles Liebe und Gute Dir (auch für die Infusion)!

  4. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    komm wieder gut zu Kräften nächste Woche!
    Gerade hab ich schon mal versucht zu schreiben und eigentlich will ich auch irgendwann noch kurz auf deine Email antworten, aber mein Rechner ist (zur Zeit?) kaputt und ich kann bloß ab und zu den meines Mannes verwenden. (Und der funktioniert etwas anders als meiner, weshalb auch gerade mein ganzes Geschriebenes verschwunden ist 😉 ).
    Du, das mit dem zu zweit weggehen hört sich sooo gut an! Ein paar Stunden lang nicht Eltern sein bzw. sich pädagogisch wertvoll und vernünftig verhalten müssen- (auch wenn sich so spätes ins Bett gehen sicherlich am nächsten Morgen rächt), quasi Abschalten vom Alltag 😉 das ist so wunderbar. Sich solche Freiräume zu ermöglichen muss man wirklich nachdrücklich verfolgen, sonst kommen sie nie. Bei uns ist das gerade noch nicht so leicht aber das wird auch wieder werden. Bald.
    Liebe Grüße!!

  5. karo sagt:

    Liebe Bora, irgendwann hatte ich mal einen Kommentar hinterlassen….ansonsten lese ich nur mit und staune über deinen Alltag mit fünf Kindern (ich fühle mich mit Dreien schon überfordert!) Nun wollte ich dir eine Empfehlung für eine ganz tolle Pirates of the Carribean-Version geben: https://m.youtube.com/watch?v=vXSY9UgjVjw
    Vielleicht gefällt dir das auch?!
    Lieben Gruß Karo

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