dies und das

Ich habe mir überlegt, wieso die Pausen zwischen meinen Posts mittlerweile konstant lang und länger bleiben. Die Zeit. Die Zeit ist es. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen; manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, nichts zu sagen zu haben. Es geschieht so wenig hier, so wenig, was zu erzählen sich lohnt, denke ich manchmal. Ich führe ein unspektakuläres Leben, eines, in dem sogar eine Zugreise zu meiner Patentante sich anfühlt wie ein waschechtes Abenteuer, über das ich am liebsten gleich Seitenweise schreiben würde, wäre da nicht… eben… die Zeit, die fehlt. Im Grunde ist das schade. Ein Blog ist so etwas Feines, gerade auch weil es keine grossen Inhalte braucht, um einen Grund zum Schreiben zu haben, ganz anders als bei Kolumnen oder Zeitschriften-Artikeln, wo es ausgefeilt sein soll und gut erzählt, am liebsten mit Pointe oder Augen-öffnenden-Erkenntnissen.
Ein Blog darf auch trivial sein.
Das ist eine enorme Freiheit.
Eigentlich.
Man muss sie nur nutzen, sich daran freuen, berichten zu dürfen ohne Leistungsdruck. (Gottseidank gibt es hier keine „Thumbs-up“-Buttons!) Und manchmal muss man sich auch wieder ganz bewusst daran erinnern, wie frei diese Freiheit tatsächlich ist, und dass es auch Kurz-Posts sein dürfen, „like Instagram“, kurz und knapp und alltäglich und keine grosse Sache, für die man ewig braucht und erst noch einen klaren Kopf (den kaum einer noch beisammen hat, so nach Feierabend).
Ich habe also so überlegt und nachgedacht und mir wieder einmal vorgenommen, mich öfters hinzusetzen für ein paar Zeilen und ein, zwei Bilder, und mit der Kraft der Gewohnheit auch die Hemmschwelle, die sich bildet, wenn zu viel Zeit blog-los verstreicht, niedrig zu halten, niedrig genug, um beschwingt einen Schritt darüber zu machen, „kurz nur“, und mehr von dem festzuhalten, was gerade geschieht.
Ob es gelingen wird?
Keine Ahnung.
Wenn nicht, dann soll es wohl so sein. Instagram ist auch schön. Mit einer Hemmschwelle, die keine mehr ist, so fix geht es und so banal dürfen die Inhalte sein. Für einen Blogpost pro Kirschkernzeit-Woche reicht es bestimmt und allemal, selbst mein einfaches Kuchenkrümelleben.

Was im Augenblick so geschieht hierzulande: Der Sommer geht. Langsamst. Minischrittchen für Minischrittchen, so quasi quasistationär (bei diesem Wort kommt mir immer mein Physiklehrer vom Gymnasium in den Sinn mit seinem lustigen Papa-Moll-Schnurrbart und dem niedlichen Aargauer-Dialekt). Ich bin nicht erpicht darauf, ihn ziehen zu lassen (den Sommer), auch in diesem Jahr nicht. Der Herbst ist wunderbar, keine Frage, und ich liebe ihn heiss und innig, doch ich weiss auch, was danach kommt und auf den Winter könnte ich gut und gerne verzichten, er betrübt mich von Jahr zu Jahr mehr und wer will das schon, selbst wenn es Weihnachtsplätzchen gibt…
Die Sonnenblumen weinen schon leise mit mir. Ich sammle ihre Tränen ein und nehme mir vor, im nächsten Jahr noch mehr von ihnen zu pflanzen. Eine ganze Garde der Solidarität.
Die Kinder basteln und malen und spielen wie wild. Mein ganzes Haus gerät ausser Kontrolle, weil eine Legion von Buntstiften, Zeichnungen, Spiel- und Kuscheltieren das Kommando übernommen hat, und ich kann von Glück reden, wenn ich abends auf dem Sofa noch ein freies Plätzchen finde für mich und meinen Laptop und Hercule Poirot. Gestern habe ich „Der Tod wartet“ gesehen und war ein wenig erschrocken; sobald es um Gewalt an Kindern geht, ist meine Schmerzgrenze überschritten, egal wie angedeutet sie auch sein mag. Überhaupt gehört die „Collection 10“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen. Zu viel Verbrechen und zu wenig Romantik. Ich mag es, wenn es zwischendurch ein bisschen knistert, ein klitzeklein wenig nur, das reicht schon aus. Meine allerliebste Folge Poirot ist vielleicht auch darum „Das unvollendete Bildnis“, bisher zumindest, aber es fehlen ja noch ein paar Episoden („Collection 11“ ist unterwegs!). „Der Orientexpress“ und „Der Wachsblumenstrauss“ finde ich auch besonders besonders, aber der Künstler-Haushalt in „Das unvollendete Bildnis“ hat einfach meinen soft Spot berührt…
Was sonst noch?
Hm…
Ich habe sonntags ein 2.Strickprojekt angeschlagen, ein silbergraues Zwergenmützchen aus dem Rest „Asia“ von Lang Yarns, den ich noch hier hatte, und sonderbarerweise überlege ich seit gestern nacht hin und her, ob ich nicht  -für mich äusserst untypisch- ein 3. Projekt anfangen soll. Ich stricke niemals 3 Dinge gleichzeitig. Mich macht das nervös. Aber irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf ein bisschen Abwechslung und mehr Woll-Variation auf meinen Nadeln. Ausserdem; Zwergenmützchen und Hercule Poirot? Geht nicht. Da wäre ich vollkommen überfordert. Beides verlangt meine volle Aufmerksamkeit und ich glaube, keiner will teilen in diesem Fall. Darum bleibt das Zwergenmützchen (für meinen winzigen Neffen L., oh er wird entzückend darin aussehen!) ein Fall für die Mini-Pausenmomentchen tagsüber. Und der grüne „Tama“-Pulli meiner Kleinsten, der gerade so schön glatt rechts zu stricken ist (kurz vor dem Abketten des Körperteils!) gehört ganz dem lieben Hercule, denn da brauche ich kaum Augen oder Konzentration fürs Arbeiten, da werkeln meine Hände schon fast von selbst. Aber ein kleines, einfaches 3.Projekt für wenn’s auch bei „Tama“-kopflastiger wird, wäre schon ganz nett.
Schal?
Decke?
Mütze? Soulemama hat gerade so ein schönes Mützen-Muster gestrickt, da könnte ich tatsächlich schwach werden… Allerdings sieht klein und einfach anders aus, wenn ich es mir so recht überlege. Mehrere Farben und Fäden übersteigen definitiv meinen Bereitschaftsgrad an Fokus und Gedankenkraft im Augenblick, also… vielleicht doch eher Schal? Oder Decke? Oder Beinstulpen?
Fragen über Fragen.
Herbstanfangsfragen wohl.

PS. Ach ja, wieso ich das Foto meines Tochterkindes mit einem ihrer Schützlinge eingereiht habe, wollt ihr wissen? Keine Ahnung. Weil ich es so hübsch fand vielleicht? Es erzählt so viel. Ganz ohne Worte.

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8 Kommentare zu dies und das

  1. Hirundo rustica sagt:

    Liebe Bora,
    schön, das Bild von deiner Tochter! Sie sieht dir das so ähnlich.
    Hihi, das Gefühl so einer Zugreise kenne ich 😉 Meine Letzte (ich ganz alleine!) war im Mai vor zwei Jahren, anlässlich der Geburt meiner Nichte…
    Ich habe schon gerätselt was das wohl werden könnte, dieses Silbergraue. Die Zwergenmützchen sind wirklich süß, ich habe noch nie eines gestrickt.
    Was ich allerdings ENDLICH fertig gestickt habe, ist die Maigrüne „Lush“ (Strickjacke). Allerdings mit langen Ärmeln und nur vier Knöpfen statt einer ganzen Leiste- meiner Figur wegen 😉
    Die Knöpfe hatte ich bestellt, weil ich nie in die Stadt komme- und das ist auch das Problem. Ich finde sie etwas zu groß. Aber vielleicht gewöhne ich mich noch daran.
    Herzliche Grüße!!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, ich würde ZU gerne ein Foto sehen von deiner „Lush“! Daran hast du so tapfer gearbeitet- und jetzt mit deiner besonders besonderen Figur 😉 sieht sie sicher noch schöner aus *schmelz* Ich bestelle übrigens auch vieles, weil ich nicht recht raus komme für so Trivialitäten wie Knöpfe und Co. Und genau wie du musste ich auch schon Sachen retournieren oder eben akzeptieren wie sie sind, weil sie nicht so wirklich das waren, was ich gesucht hatte… Ich gratuliere dir übrigens von ganzem Herzen! So schön!!! (Du weisst schon, was ich meine)

      • Hirundo rustica sagt:

        Vielen Dank!!
        Ich schaue was sich machen lässt. Aber erwarte nicht zu viel- hundertprozentig überzeugt bin ich nicht. 😉

  2. Ich liebe deine Posts einfach alle liebe Bora. Und ich genieße jeden einzelnen. Gerade gestern habe ich meinen Blog auch etwas entstaubt und den zweiten Pulli mit Reißverschluß für den Port gezeigt. Doch es ist eine schwere und dunkle Zeit hier… Und darum lese ich heute umso lieber bei dir!
    Fühl dich gedrückt
    Deine Sternie

  3. andrea sagt:

    liebe bora, auch von mir ein kurzer gruss. ich liebe deine posts gerade weil sie so sind wie sie sind. trivial im sinne von alltäglich und gewöhnlich (hab extra im duden geschaut). bei dir eine portion ‚gewohntes‘ zu lesen, dass ist für mich wie einen milchreis mit zucker & zimt oder eine heisse badewanne oder warm eingemuschelt im bett zu liegen. geborgen und friedlich. danke dafür (und mein empfinden macht es dir hoffentlich nicht schwerer, auch mal nicht zu schreiben und dich diesbezüglich frei zu fühlen. ich nehme es als geschenk & gnade, nicht als etwas, was mir zusteht…) alles liebe andrea

  4. Kristina Gilcher sagt:

    Bitte sehr gerne ganz triviale kurze Posts…immer schön von dir zu sehn und zu lesen. Würdest du mir verraten woher das tolle Xylophon mit Liederbuch stammt? So etwas suche ich schon sehr lange für meine Frida….Ich grüße dich herzlich

  5. Petra Rampe sagt:

    Liebe Bora,

    ich kann mich den Worten von Andrea nur anschließen. Schöner und treffender kann ich es nicht ausdrücken. Deine Posts sind geradezu spektakulär unspektakulär. Sie strahlen so viel Ruhe aus (was mich andererseits wundert, da es bei dir ja bestimmt recht turbulent zugeht … hmmm, wie auch immer …) Es ist für mich immer wie das Eintauchen in eine andere Welt, die nichts an sich zu haben scheint von „höher“, „schneller“, „weiter“, „schöner“. Gerade deshalb lese ich so arg gern bei dir. Es ist schon ein Ritual, des morgens zu schauen, ob es etwas Neues bei dir gibt. Und wenn ja, dann freue ich mich den ganzen Tag auf ein paar gemütliche Minuten, um mich als Gast bei dir zu fühlen. Aber auch ich sehe es als Geschenk, über das ich mich freue, wenn ich es bekomme … ohne Erwartungen.
    Liebe Grüße
    Petra

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