„Zilver“- in Blau

Nach der Gluthitze der letzten Sommerwochen hat der Himmel nun Gnade mit uns; von 34 Grad auf 16 Grad, und es fühlt sich an wie Herbst. Ich bin dankbar für diese kühle Welle. Und für den Regen. Für das Wasser, das unsere leeren Flüsse, Bäche und Seen speist. Es ist ein einziges Aufatmen, das spüre ich. Aber gleichzeitig ahne ich auch, dass der Herbst in diesem Jahr schwierig werden könnte für mich; ich habe mich so gewöhnt an Sonne, Licht und Draussensein unter einem freien, himmelblauen Himmel, dass es sich anfühlt wie eingesperrt zu werden, jetzt, wo es regnet, feiner Dunst den Morgen verdüstert und es scheint, als wäre die Natur über Nacht unwirtlich und abweisend geworden…

Vielleicht wird dieses Tuch mir ein wenig helfen, den Wechsel zur kühleren Jahreszeit mit sanfteren Gefühlen und, ja, vielleicht sogar mit ein wenig Freude anzunehmen… Weil ich Wolle liebe und Tücher und Gestricktes und dieses Garn hier, dieses Muster, dieses Tuch ganz besonders. Dabei ist es im Grunde nicht mein Tuch; Ich habe es für meine 9jährige Tochter gestrickt und bete, dass sie es genauso gerne tragen wird, wie ich es tun würde, tun werde, wenn sie mich lässt. So ab und zu.
„Asia“ von Lang Yarns gehört zu meinen allerliebsten Garnen. Es ist streichelsoft und so seidig wie flauschig und fühlt sich wunderbar an auf der Haut. Auch die einzelnen Stiche werden schön abgezeichnet, obwohl ich denke, dass es für besonders zarte Muster wohl bessere Alternativen gäbe, denn mit der Zeit wird das Gewebe doch irgendwie fluffiger und das Maschenbild wirkt verwaschener, was ich sehr liebe, aber nicht bei hochdetaillierten, zeitaufwändigen Strickstücken. Für das Schaltuch „Zilver“ von Lisa Mutch aber ist es gerade richtig. Dieses Tuch strickt sich einfach, das Muster bleibt simpel und gut zu bewältigen, selbst wenn man (wie ich) beim Stricken Hercule Poirot dabei zusieht, wie er gerade wieder einen seiner kniffligen Fälle löst.


Ich habe hier, ganz genau wie bei meinem ersten „Zilver“-Tuch –damals vor 2 Jahren in Bordeaux-Rot– mit einer Rundstricknadel Nr.4 gearbeitet und bin, ganz im Gegensatz zu damals, sehr zufrieden mit der Nadelstärke; das Tuch fällt weich und besitzt genau die richtige Dichte, um das Muster zur Geltung zu bringen, ohne zu locker oder zu satt auszufallen. Von den ehemals 2 Knäueln Garn habe ich allerdings auf fast ganze 4 Knäuel gewechselt, weil ich es grösser und üppiger wollte diesmal. Zuerst hatte ich einen breiten Kraus rechten Borten–Abschluss ins Auge gefasst, doch zu guter Letzt ging es mir wie immer, und das Garn war früher aufgebraucht als geplant…
Ich denke, es ist gut so, wie es ist. Gross aber nicht zu gross. Passend auch für schmalere Mädchen-Schultern.

Ich weiss nicht… als ich so mit Schal-Drapierungen spielte für die Fotos oben unterm Dachboden, während die Kinder draussen für 5 Minuten halbwegs friedlich spielten, fand ich es eigentlich ganz schön, wieder etwas mehr auf der Haut zu haben. Wolle vor allem. Seide und Yak. Herbstlich kuschelig und angenehm mollig.
Der Herbst hat auch seine schönen Seiten.
Seine wunderschönen.
Stricksachen sind eine davon…

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18 Kommentare zu „Zilver“- in Blau

  1. Ek sagt:

    So schöne Fotos, besonders das letzte, du strahlst soviel Glück und Zufriedenheit aus.
    Liebe Grüße
    Erika

  2. Barbara sagt:

    Na, du süßes Modell! Entzückend sind die Fotos! Das Tuch ist wunderschön geworden! Die Farbe, das Muster – schön!

    Dein Töchterl wird sich freuen und es dir sicher manchmal borgen!
    Liebe Grüße aus dem genauso plötzlich kühleren Wien, deine Barbara

  3. Christina Lang sagt:

    Hallo,
    Schon lange lese ich ganz still, hier auf deinem Blogg.Ich bin immer total gespannt, was du zu erzählen hast.
    Das Tuch ist einfach traumhaft geworden. Würde mir auch sehr gefallen…
    Doch am allerbesten gefällt mir das letzte Foto, da sieht man nämlich dein liebes Gesicht…Weiter so!
    Liebe Grüessli us Wettingen
    Christina

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Christina, habe vielen Dank! Ich schäme mich meistens ein bisschen für mein Lächeln. Es ist sehr rasch sehr breit und asymetrisch, womit ich mich noch nie anfreunden konnte… aber ohne Lachen und Lächeln ist das Leben ja auch nix 😉

  4. amselgesang sagt:

    Sehr schönes Tuch, ganz mein Geschmack!
    Aber auch so eine schöne Tunika, die du da anhast, du schöne Frau! 🙂
    Alles passt wunderbar zusammen und zu dir.
    Aber sag mal, stehst du da irgendwie „am Abgrund“? Da rechts neben dir, sieht aus als ob es da tief runtergeht – mir wurde ganz schwindlig beim Hinschauen… so ohne Geländer…
    Liebe Grüße, pass gut auf dich auf 😉
    Brigitte

    • kirschkernzeit sagt:

      Keine Bange, liebe Brigitte; das ist bloss der Treppenabsatz oben, bzw. der Boden wo gleich einen Schritt weiter unten die Treppe eine Ecke macht. Als wir einzogen, dachte ich auch „Huch, was soll das denn?! Kein Geländer???“ Aber jetzt sind wir so daran gewohnt, dass wir vielleicht gar nie eins reinziehen (die Treppe wird renoviert. Laaaaaaangsam. Wie alles hier 😉 )

  5. Petra Rampe sagt:

    Liebe Bora,

    … das Tuch ist wirklich ein Traum und ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie es sich anfühlt, sich darin einzukuscheln. Und …. auch wenn es jetzt schon ein paarmal erwähnt wurde und ich Gefahr laufe, das Gesagte zu wiederholen … Das letzte Foto von dir ist einfach wunderschön und du siehst darauf so glücklich aus.
    Was mir aber auch super gut gefällt, ist deine Tunika. Würdest du verraten, woher du sie hast?
    Die Gesamtkomposition von deinem Lächeln, Tuch und Tunika ist klasse!
    Lsss‘ es dir gut gehen!
    Liebe Grüße
    Petra

    • kirschkernzeit sagt:

      Danke dir! Ich fühle mich meist sehr unscheinbar und wenig ansehnlich, darum freuen mich deine Worte umso mehr!
      Das unifarbene blaue Leinenkleid auf dem 2. Foto ist von Deerberg. Die blaue, gemusterte Tunika ist das Kleid „Singla“ von Gudrun Sjöden aus der aktuellen Hersbt-Kollektion. (Eher teuer, aber ich fand sie auch so schön! 😉 )

  6. Sanne sagt:

    liebe Bora, schließe mich meinen Vorschreiberinnen an…..wunderbare Fotos einer wunderschönen Frau in sehr ansprechender Kleidung. Ja, den Abgrund hab ich auch gesehen, wurde aber besonders durch das letzte Foto beruhigt, sehr schön, dein liebes Lächeln und dich in Gänze zu sehen. Durch dein Schreiben scheinst du mir arg vertraut. Vielleicht sehen wir uns tatsächlich einmal, ein herzliche Einladung an euch, falls ihr den Niederrhein mal sehen wollt bzw auf dem Weg ans Meer seid. herzlichst, deine Sanne.

    • kirschkernzeit sagt:

      Liebe Sanne; ich danke dir! Du liest hier schon so lange mit und bist eine ganz, ganz tolle Frau! Ich musste oft an dich und deine Enkelin denken und wie du mal geschrieben hast, wie schön das ist für dich, dieses kleine Kind bei dir zu haben… Jetzt mit meinem kleinen Neffen bin ich ganz neu überwältigt von der Liebe, die man auch zu nicht-eigenen Kindern empfinden kann… An deinen Blogpost damals habe ich mich darum ganz besonders oft und gerne erinnert…

  7. Nicole sagt:

    Wunderschön! Sowohl dein Tuch wie auch die Fotos von dir. Mir gefallen vor allem die ernsten, stolzen Fotos sehr gut… da könntest du gut als Model durchgehen. Auch wenn du mir das sicher nicht glauben wirst 😉
    Herzlich, Nicole

    • kirschkernzeit sagt:

      Mein Lächeln ist leider ziemlich schief. Und da sind auch mittlerweile so viele Falten und Grübchen und so… 😉 Darum war ich ziemlich froh über die Überbelichtung dank der plötzlich durchs Fenster reinstrahlenden Sonne. So wird vieles kaschiert, hihi…

  8. Anne sagt:

    Schön! Und du siehst so gut aus wie ein Model 🙂

    Liebe,
    Anne

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich danke dir von ganzem Herzen! Das viele Licht und die Distanz zur Kamera haben natürlich Wunder gewirkt 😉

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